Säule

[551] Säule, im allgemeinen, jede freistehende aufrechte Unterstützung einer senkrecht wirkenden Last, daher im Holzbau s.v.w. Pfosten oder Ständer (s.a. Hängesäule, Bd. 4, S. 735, Bundsäule oder Stuhlsäule, Bd. 2, S. 392 bezw. 514). Im Steinbau eine Freistütze, wenn sie nicht allzu stämmig, rund oder vieleckig und mit Kapital versehen ist. Seit der antiken Kunst erscheint die Säule überall da, wo es sich um eine Ausschmückung des Gebäudes oder um die Wirkung feierlicher Pracht handelt.

Die Gestaltung der Säule wird bedingt durch die zu tragende Last, das Verhältnis der Höhe zur Stärke, durch die Fertigkeit des Baustoffs sowie durch ästhetische und stilistische Gesichtspunkte. Der Aufbau ist meist dreigliedrig: 1. Fuß, 2. Stamm und 3. Kapital. Zu 1. Zweck und statische Bestimmung führen dazu, den Säulen einen breiten Fuß zu geben, besonders bei geringem Querschnitt des Stammes; stämmige Pfeiler oder Säulen bedürfen eines Fußes nicht (s. Säulenordnung). Das zumeist angewendete Profil ist die attische Baus (Fig. 1), die seit etwa 2500 Jahren in allen Stilepochen mit geringen Abänderungen vorkommt. – Zu 2. Bei dem Stamm oder Schaft ist das Verhältnis der Stärke zur Höhe von besonderer Wichtigkeit, worüber in dem Art. Säulenordnung (s.d.) das Nötige gesagt ist. Der Durchmesser der Säulen ist entweder a) durchgehend gleich stark, was ästhetisch nicht gut wirkt, b) mit Verjüngung von unten nach oben, wobei zumeist das untere Drittel des Stammes gleich stark bleibt, oder c) mit einer Schwellung, Entasis, d.h. einem Anwachsen des Durchmessers nach der Mitte zu zum besonderen Ausdruck der Kraft. Die Oberfläche ist entweder a) glatt oder b) mit Kannelierung (s. Bd. 5, S. 329) versehen, c) mit Nuten oder Wulsten gestreift, d) mit Würfelfeldern, Diamantmustern (Fig. 2) bedeckt, e) schrägansteigend gewunden, f) durch Rustikabossen unterbrochene Schäfte (s. Bossenwerk, Bd. 2, S. 241), g) auch Bemalung des Schaftes oder Rankenverzierungen in Relief (Fig. 3 und 4) kamen zu verschiedenen Zeiten vor. Ueber 3. (Kapital) s. Bd. 5, S. 374 ff. Schon im griechischer J Stil wurden zuweilen die Säulen mit der Wand verbunden und als Halb- und Dreiviertelsäulen[551] gebildet, je nachdem sie im Querschnitt mehr oder weniger aus der Wandfläche heraustraten. Bei den Römern wurde die Säule in besonderen Fällen nicht als Stütze, sondern als Wandschmuck verwendet, namentlich an den Triumphbögen. In späteren Stilen diente die Säule auch zur Stütze der Bögen. Dicht nebeneinander gestellte und durch ein gemeinsames Glied miteinander verbundene Säulen heißen gekuppelte, andre, die ein auffallend geringes Höhenverhältnis besitzen, Zwergsäulen, wie sie bei romanischen Kirchen, Kreuzgängen und an andern Orten als Träger von langen Bogenreihen erscheinen. In Griechenland standen die Säulen stets auf der obersten Stufe des Unterbaues oder Stylobats, später stellte man sie zuweilen auf eine gemeinsame Brüstungsmauer. Im römischen Stile erhielt oft jede Säule einen Sockel als Säulenpostament, das aus einem würfelförmigen Hauptteil mit Fuß und Bekrönung bestand.

Weinbrenner.

Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 2.
Fig. 3.
Fig. 3.
Fig. 4.
Fig. 4.
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 7 Stuttgart, Leipzig 1909., S. 551-552.
Lizenz:
Faksimiles:
551 | 552
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