Aufziehen [2]

[373] Aufziehen, in der Buchbinderei ein Blatt, Bild, Karte u.s.w. so auf einen andern Gegenstand aufkleben, daß sich die Fläche des ersteren unter der Einwirkung des feuchten Klebstoffes ausdehnt. Die Technik des Aufziehens unterscheidet sich daher von der des bloßen Aufklebens dadurch, daß man den Klebstoff durch die Blattfläche eindringen läßt, bis sich die Textur des Blattes entsprechend gelockert hat, so daß durch Reiben und Streichen vom Mittelpunkte nach außen eine Dehnung des oberen und durch Vermittlung des Klebstoffes eine innige Verbindung mit dem unteren Gegenstand bewirkt wird.[373]

In der Buchbinderei bilden die sogenannten Aufzüge einen besonderen Arbeitszweig; man unterscheidet solche aus einem Stück und zusammenlegbar gearbeitete, in kleinere Teile zerschnittene. Die erstere Art umfaßt die Aufzüge von Bildern, Plakaten, Tabellen, auf Pappe oder Karton, von Pausen, Landkarten u.s.w. auf Webstoff, die andre Art wird besonders für Spezialkarten, Pläne, Tableaus und Musterkarten angewendet. Ist die Unterlage nicht kräftig genug, um das Schwinden des aufgezogenen Papiers zu hindern, so muß für ein gleichmäßiges Schwinden von Papier und Unterlage gesorgt werden, da sonst Falten entstehen. Dies geschieht bei Papier oder Karton durch Anfeuchten und Aufspannen, bei Pappe, Blech, Holz dadurch, daß die Rückseite ebenfalls mit Papier bezogen wird. In Fällen, wo dies nicht angängig, z.B. Aufziehen größerer Photographien auf breit überstehendem Karton, kann man sich damit helfen, daß man das Bild erst auf gespanntes Papier aufzieht, nach dem Trocknen ausschneidet und dann mittels Leims, ohne weichen zu lassen, auf den Karton nicht aufzieht, sondern aufklebt. Das Aufziehen geschieht auf besonders dazu hergerichteten Brettern, die meist zum Zusammenlegen eingerichtet sind, um geeignete große Flächen zum Spannen der Aufzugstoffe zu erhalten. Papier wird nach dem. Feuchten mit gutem Leim am Rande angeschmiert und dann aufgespannt, Webstoff, meist Leinen, Schilling, Kattun wird oft ohne Feuchten mit Drahtstiften aufgezwickt. Die aufzuziehenden Teile werden sorgfältig geschnitten, mehrmals mit frischem Kleister gleichmäßig angeschmiert und sodann in gehöriger Folge aufgelegt, wobei je nach der Stärke des Papiers und der Zahl der Teile engere oder weitere Zwischenräume freigelassen werden. Aufzüge auf Pappe werden zweckmäßig mit Papier oder Stoffstreifen eingefaßt und dann erst mit Aufhängevorrichtung versehen. Auch besorgt der Buchbinder gewöhnlich das Lackieren der Aufzüge, indem er nach dem Trocknen derselben die Fläche mit dünnem Kleister ein- oder mehrmals überstreicht und mit farblosem Bernstein- oder Dammarlack mittels breiten Pinsels überfährt. Eingehendes über die verschiedenen Aufzüge findet sich in: Adam, Lehr- und Handbuch der Buchbinderei, Dresden 1885, S. 831.

Herrn. Saalfeld.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 1 Stuttgart, Leipzig 1904., S. 373-374.
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