Bestickung

[727] Bestickung bezweckt den Schutz der Außenböschung eines Deiches gegen die Angriffe des Wassers. (Vgl. a. Bespreutung.)

Sie wird aus einer 1,5–3 cm Harken Lage von Roggen- oder Weizenstroh (das aber nicht geknickt, also kein Maschinenstroh sein darf) oder dünnem Rohr hergestellt. Die Halme liegen senkrecht zur Deichkrone und überdecken sich am Stoße um etwa 20 cm. Die Befestigung dieser sogenannten Dachlage erfolgt mittels des sogenannten Stickens oder des »Bekrammens« indem man runde oder flache Strohseile von 3 cm Durchmesser oder 1 cm Dicke und 5–7 en Breite in 10–20 cm Abstand über die Dachlage senkrecht zur Kappe führt und sie alle 9–14 en durch Einstechen in den Boden befestigt. Dieses Einstechen geschieht mit der sogenannten[727] Sticknadel 7–20 cm tief (je nach der Weichheit des Bodens und dem Maß des Angriffes), so daß auf jedes Quadratmeter 40–100 Stiche oder Krampen kommen. Die aus Eisen oder hartem Holz hergestellte Nadel (Fig. 1) ist unten 1 cm stark, 5–8 cm breit und besitzt daselbst einen Einschnitt; mit diesem wird das Strohseil kräftig in den Boden gestoßen (s. Fig. 2 und 3). – Die Bestickung hält sich nur auf fettem Boden über der Höhe der gewöhnlichen Flut; am bellen liegt sie auf Böschungen von 3–6facher Anlage (bei Heiteren gewährt sie keinen genügenden Schutz mehr, bei flacheren trocknet sie schnell aus) und muß alljährlich erneuert werden. Auf berasten Flächen wird sie im Frühjahr wegen der Entwicklung des Rasens entfernt und im Herbst durch neue ersetzt. Unberaste Flächen erhalten gleichfalls im Herbst eine neue Bestickung, die aber bis zum nächsten Herbst liegen bleibt, nachdem sie im Frühjahr durch Bekrammung mit frischen Strohseilen neu befestigt ist. Bei neuen Deichen verwendet man auch wohl zur Beförderung der Begrünung für die Dachlage statt des Strohes den auf dem Außendeiche gemähten sogenannten Queller (Salicornia herbacea).

Frühling.

Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 2.
Fig. 3.
Fig. 3.
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 1 Stuttgart, Leipzig 1904., S. 727-728.
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