Heurechen

[57] Heurechen, Vorrichtung zum reinen Aufsammeln von Heu und Grummet auf Wiesen sowie von Getreidehalmen auf dem Ackerfeld, in starker Ausführung auch zum Zusammenschleppen von Dürrfutter.

An Stelle des hölzernen Handrechens, wie er im Kleinbetrieb üblich ist, tritt in mittleren und größeren Betrieben der mit Entleerungsvorrichtung versehene Pferderechen, mit dem ein Mann und ein Pferd so viel leisten als 12–15 Arbeiter mit dem Handrechen. Die Pferderechen tragen auf einer durchgehenden Achse, die zugleich zur Befestigung der Zähne dient, zwei Fahrräder; für die Anspannung dient eine eventuell nach der Größe und Breite des Zugtieres einstellbare Scherendeichsel. Zum Aufsammeln der Halme dient ein System von Zähnen aus federndem Rund- oder Profilstahl. Wichtig ist die Biegung der Zähne; stehen sie steil zur Bodenoberfläche, so entleert sich wohl der Rechen leicht, aber die Zähne erhalten einen unruhigen, spritzenden Gang und arbeiten nicht rein; sind sie gegen die Spitze hin zu sehr gebogen, so wird beim Entleeren das Material allmählich und verzogen abgegeben. Bei der Arbeit müssen die Zähne in die richtige Höhenlage über dem Boden gebracht werden; ferner sollen die Zähne beim Entleeren hoch genug gehoben werden. Wird z.B. (s. Fig. 1) durch den betreffenden Hebel der Zahn B C durch die Querstange D um den Punkt B gedreht und auf D1 gehoben, so stellt sich die Spitze C1 nicht genügend senkrecht ein; wird er aber um den Punkt D gedreht, so daß B den Kreisbogen bis A beschreibt, so stellt sich der Zahn mit dem Ende C2 für rasche Entleerung günstiger. Bei unebenem Boden ist es nicht zu vermeiden, daß die Zähne z.B. an Maulwurfshügeln u.s.w. hängen bleiben. Dann muß der Zahn stark genug sein, um den Widerstand zu überwinden, oder er muß genügend federn können, um sich zurückzubiegen, über das Hindernis hinwegzugehen und dann seine alte Lage wieder einzunehmen. Statt in sich federnder Zähne findet man auch solche, die durch kleine Spiralfedern in ihrer Lage gehalten werden. Die Vorrichtungen zum Entleeren des in dem Zahnsystem sich ansammelnden Materials bestehen bei den mit Kutschersitz versehenen Heurechen in einem Hand- oder Fußhebel, durch den die Zähne gleich hoch gehoben werden, oder es befinden sich von den inneren Nabenseiten der Räder Zahnradsegmente, die, sobald durch einen Fußhebel eine Sperrklinke eingerückt wird, eine Achsendrehung und damit ein Heben der Zähne bewirken. Nach Lösen der Sperre fällt der Rechenkorb durch sein [57] Gewicht in die Arbeitslage zurück. Um die hierbei auftretenden Stöße abzuschwächen, verwendet Eckert-Berlin eine selbsttätige Bremse. Ein Nabenbremsband kann dasselbe bewirken. Am einfachsten und dauerhaftesten ist jedoch ein geschickter Handhebel (s. Fig. 2), dessen Handhabung dadurch erleichtert werden kann, daß er in Verbindung mit dem Wagscheit des Pferdes gebracht wird oder daß das Gewicht des Kutschers auf den Rechen derart einwirkt, daß der Hebel zum Entleeren des Heurechens nur über den toten Punkt angehoben werden muß, während die weitere Bewegung durch den Pferdezug oder das Kutschergewicht erfolgt. Bei den kleineren Heurechen ohne Kutschersitz wird das Entleeren durch einen hinter der Maschine hergehenden Arbeiter bewirkt, wobei das Ausheben auch durch eine Hebelbewegung nur eingeleitet werden kann, während das eigentliche Ausheben durch den Zug der Tiere erfolgt Heurechen werden von fast allen Fabriken landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte gebaut und kosten je nach Größe und Ausführung etwa 46–220 ℳ. Die Leistung beträgt pro Tag bei gewöhnlichen Heurechen 6–8 ha.

Wrobel.

Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 2.
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 5 Stuttgart, Leipzig 1907., S. 57-58.
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