Zinkographie

[1001] Zinkographie (Zinkflachdruck), Pressendruckverfahren, bei dem Zinkplatten ähnlich wie lithographische Steine (s. Lithographie) benutzt werden.

Einige der im Artikel »Lithographie« beschriebenen Verfahren können unter gewissen Aenderungen sehr gut mit Zinkplatten ausgeübt werden. Zunächst benutzt man sie häufig bei der Autographie (s.d.). Das Schriftstück wird umgedruckt, hierauf die Platte gummiert, angewalzt und mit einem Gemenge von Gummilösung, Gallus-, Salpeter- und Phosphorsäure geätzt. Behufs Neuverwendung der Platten wäscht man mit Terpentinöl, Lauge und Wasser und schleift oberflächlich mit Bimssteinmehl ab. Der Druck wird bei Autographien in den Kanzleien, Bauämtern u.s.w. gewöhnlich auf einfachen Walzenpressen oder lithographischen Handpressen (s. Steindruckmaschinen) vorgenommen. Um Korrekturen vornehmen zu können, behandelt man die Stellen mit Zitronensäure (vgl. Entsäuern im Artikel Lithographie). – In neuerer Zeit wird die Zinkographie jedoch auch schon sehr stark für den Druck sehr großer Auflagen auf besonderen Rotationsmaschinen (s.d. und Steindruckmaschinen) benutzt. Und zwar gelangt zumeist das von Otto und Hans Strecker ausgearbeitete Zinkdruckverfahren zur Anwendung. Das Schleifen der mitunter sehr großen (bis zu 1,5 qm) Platten geschieht in eignen Rüttelkästen, in denen die Metalltafeln mit Kugeln bedeckt liegen, die infolge der Schüttelung scheuernd wirken. Die Zinkplatten werden mit Feder und fetter Tusche, oder gekörnte Platten mit fetter Kreide bezeichnet oder durch Umdruck mit dem Bilde versehen, gummiert, zur Kräftigung mit einer Asphalttinktur ausgewaschen, dann eingewalzt und schließlich, nach Entfernen des Gummiarabikums und Einstauben mit Kolophoniumpulver, mit einer (für das Streckersche Verfahren wesentlichen, aus Gummi, Wasser und Salzen begehenden) Aetzflüssigkeit[1001] behandelt. Die »Aetze« bewirkt die Bildung einer als weißliche Schicht erkennbaren Zinkverbindung, die außerordentlich fest haftet und großes Aufsaugungsvermögen dem Wasser gegenüber besitzt. Daß selbst bei sehr hohen Auflagen ein Schmutzen (Tonen) des »Planiums« (d. s. die druckfreien Stellen) nicht eintritt, soll angeblich auf elektrochemische Vorgänge (die Folge der besonderen Aetzmethode) zurückzuführen sein. Zur Vornahme von Retouchen wird mit Salzsäure behandelt.


Literatur: Unger, A.W., Die Herstellung von Büchern, Illustrationen u.s.w., 2. Aufl., Halle a. S. 1910; Blecher, H., Die Verwendung des Zinks für den lithographischen Druck nach dem Verfahren von Strecker, Halle a. S. 1906; Eder, J.M., Jahrbuch für Photographie und Reproduktionstechnik, Halle a. S. 1905 ff.

A.W. Unger.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 8 Stuttgart, Leipzig 1910., S. 1001-1002.
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