II
Eine andere Erzählung
»Sein Vater war sein Onkel und seine Mutter seine Tante«,

[56] die aus dem Buche der Nestorianer, d.h. aus einem Geschichtenbuche, [genommen ist].


Diese Erzählung unterscheidet sich deutlich von den sonstigen Geschichten dieser Sammlung. Schon in der Ueberschrift wird angegeben, dass sie aus einem Buche genommen sei, und dass wir es hier mit einer Buchgeschichte zu thun haben, könnte man ohnedies aus dem eigentümlichen pedantischen Streben nach- Genauigkeit und aus den Namen der Eltern des Helden, Alexander und Helena, schliessen. Diese Namen und ihre Heimat R(h)omia, d.h. das oströmische Reich, Byzanz, ferner der Umstand, dass viele syrische Heiligengeschichten aus dem Griechischen stammen, berechtigen vielleicht zur Annahme, dass unsere Geschichte auf ein byzantinisches Original zurückgeht. Dafür spricht aber auch noch ein anderes Moment.

Die Erzählung hat eine auffallende Ähnlichkeit mit HARTMANN v. AUE'S Gregorius oder der gute Sünder. Die Untersuchungen nach der Quelle dieses Epos ergaben als dessen unmittelbares Vorbild eine französische Dichtung, deren eine Recension LUZARCHE unter demTitel Vie du pape Grégoire (Tours 1856) herausgab. Weiter kam man nicht, da die lateinischen Gedichte, die man früher als die[56] Quellen HARTMANN'S ansah, wahrscheinlich erst nach dessen Dichtung gemacht sind; vgl. FR. LIPPOLD, Über die Quelle des Gregorius Hartmann's v. Aue (Lpz. 1869) p. 3 ff. Doch suchte man, veranlasst durch die Ähnlichkeit der serbischen Sage von Simon dem Findling (TALVJ, Volkslieder der Serben I p. 139 f.) und der bulgarischen wahrscheinlich aus dem Griechischen stammenden Geschichte von Paul von Cäsaräa1 mit den Gregoriuslegenden, die Heimat dieser in Byzanz; vgl. Gregorius von Hartmann v. Aue her. von H. PAUL (Halle 1873) p. XVII. Diese Punkte sprechen nun auch für die griechische Herkunft unserer Erzählung.

Da ferner diese sehr wohl älter, ja viel älter als die abendländischen Bearbeitungen des Stoffes sein kann, so ist es nicht ausgeschlossen, dass wir in ihr die Quelle dieser haben. Sie steht ihnen auch in vielen Punkten näher als die Geschichte von Paul von Cäsaräa. Dass auch wesentliche Abweichungen hervortreten, thut dem keinen Abbruch. Die Entlehnung braucht ja nicht durchweg auf literarischem Wege stattgefunden zu haben, und selbst die Recensionen, die sicher mit einander zusammenhängen, weisen ja genug Discrepanzen auf. Die Abweichungen in den epischen Dichtungen sind auch derart, dass sie wahrscheinlich von den Dichtern selbst eingeführt wurden. Besonders zeigt sich in ihnen die Vorliebe für die Einführung von Mittelspersonen und solcher Momente, die Gelegenheit bieten, seelisches Leben zu schildern.


Es war einmal ein König in Europa, d.h. in Romia, der hatte zwei Kinder, eine Tochter und einen Sohn. Der Name des Sohnes war Alexander, und der Name des Mädchens Helena. Ihr Vater war einst König in Rhomia geworden, starb aber dann, und auch seine Frau starb. So wurden denn sein Sohn und seine Tochter Waisen, ohne Vater. Der Sohn hatte ein Alter von 16 und die Tochter von 12 Jahren. Der Sohn wurde nun König an Stelle seines Vaters, und Romia freute sich seiner. Als die Trauer um den Vater, die einen Monat währte, vorüber war, wurde er eines Tages zu einem seiner Freunde geladen und begab sich zu ihm. Da begannen sie[57] zu essen und zu trinken: Wein und guten Arak, und der junge Mann ward berauscht. Er brach dann auf, ging mit seinem Diener nach Hause, man breitete ihm ein Lager aus, und er legte sich zur Ruhe nieder.

Seine Schwester schlief infolge ihrer Jugend2 allein. Da fuhr der verruchte Satan in ihn, und der junge Mann stand auf und beging in jener Nacht eine Sünde mit seiner Schwester.3 Hernach wurde das Mädchen schwanger, und sie sagte: »Was soll ich thun, Bruder? Es wäre nicht gut, wenn wir unsere Ehre verlieren sollten.« Da sagte der junge Mann: »Ich will allein in die weite Welt ziehen, du jedoch, du bleibe hier.« »Du hast gut gesprochen,« sagte sie. Das Mädchen nahm nun ein Pferd und eine Satteltasche voll Lire, dann verkleidete er sich und zog allein an einen entfernten Ort.

Einige Tage vergingen, und sie gebar einen schönen Knaben. Sie legte ihn in ein Kästchen, und auch eine silberne und eine goldene Tafel legte sie in sein Kästchen. Und sie schrieb auf eine Wachstafel seine Geschichte, wie sie sich zugetragen hatte, und auch diese legte sie in das Kästchen. Und so schrieb sie auf die Tafeln: »Sein Onkel ist sein Vater und seine Mutter seine Tante. Die silberne Tafel gehört dem, der ihn [zuerst] erblickt, und die goldene Tafel dem, der ihn erzieht.« Darauf verpichte sie das Kästchen und warf es in den Fluss, ins Wasser, und es schwamm oben auf dem Wasser fort.

Einige Mönche machten nach der Gewohnheit aller Mönche am Donnerstag einen Spaziergang. Da erblickten sie aus der Ferne das Kästchen, liefen danach hin und zogen es ans Ufer. Als sie es von aussen verpicht sahen, sagten sie zu einander: »Wir wollen das Kästchen öffnen, wenn[58] auch unser Vorgesetzter darüber zürnen sollte.« Darauf öffneten sie es und erblickten ein neugeborenes Kind in dem Kästchen. Sie verschlossen es nun wieder und trugen es zum Prior ins Kloster. Um diese Stunde ging gerade der Prior zu ihnen heraus, redete sie an und sprach so zu ihnen: »Was ist euch, dass ihr euch vom Spaziergange schon wieder hier einfandet?« »Vater, so und so ist die Sache«, erwiderten sie. Da sagte er: »Bringet es mir, damit auch ich den Sachverhalt sehe«; da wurde ihm das Kästchen gebracht. Er öffnete es gleichfalls, sah darin ein kleines Kindlein und nahm es heraus. Da erblickte er auch die drei Tafeln und las sie. Und folgendes stand darauf geschrieben: »Die silberne Tafel dem, der es sieht, und die goldene Tafel dem, der es erzieht.« Der Prior sagte dann zu einem von ihnen: »Bruder! geh, bringe eine Frau aus diesem Dorfe, damit sie es nährt.« Der Bruder ging ins Dorf, wie der Prior es ihm gesagt, und es kam eine Frau, die das Kind nährte, bis sein Alter ein Jahr betrug. Darauf entwöhnte sie es. Die Frau ging dann in ihr Dorf hinab, und der Prior des Klosters brachte das Kind in die Schule, wo es lesen lernen sollte. Und es wurde ein vorzüglicher Gelehrter, desgleichen keiner im ganzen Kloster zu finden war, und es wurde aus ihm ein Lehrer, der in sämtlichen fränkischen Sprachen bewandert war.

Eines Tages sagte er zum Prior: »Warum machst du nicht auch mich zum Anagnosten und verleihst nicht auch mir das Mönchsgewand?« Da antwortete der Prior und sprach zu ihm: »Mein Sohn! du hast sehr gut gesprochen. Komm in dieser Nacht zu mir in die Zelle, und ich will dir eine schöne Geschichte erzählen.«4 Hernach, am Abend, ging der Knabe in die Zelle des Priors, wie dieser ihm gesagt,[59] und als der Prior ihn sah, sprach er zu ihm: »In Frieden, mein Sohn! Setz dich auf den Hintern.« Dann sagte er zu ihm: »Nimm dieses Kästchen, mein Sohn, und sieh, was darin liegt.« Da erblickte er die Tafeln und las ihren Inhalt. »Mein Sohn!« sagte der Prior, »so steht es mit dir; dein Vater ist dein Onkel, und deine Mutter ist deine Tante. Nun sieh zu, was du willst. Willst du die Mönchswürde, oder willst du in die Welt ziehen?« Da antwortete der Knabe: »In die Welt will ich, um zu sehen« »Gut, mein Sohn!« antwortete der Prior, »nimm aber auch ein Pferd und was du sonst brauchst mit dir.«

Die Mönche und der Prior begleiteten ihn und weinten bitterlich. Er nahm auch das Kästchen mit sich, bestieg die Stute und sprach: »Mit deiner Erlaubnis! Gott!« Er ritt einen Tag und zwei, und dann sah er zwei Könige, die einander bekriegten; bei dem einen von ihnen befand sich seine Mutter, sie war dessen Frau geworden. Der Knabe kannte aber keinen von ihnen. Er sprach nun so zu sich: »Ich werde zum ersten Heere gehen und in dasselbe als Soldat eintreten« und that so. Dann zog er mit ihnen in den Krieg [und kämpfte] bis Mittag. Er besiegte alle Feinde, nahm ihnen die Standarte weg, und sie wurden von ihm geschlagen. Er hieb so lange auf sie ein, bis sie alle davonliefen. Darauf kam der König, küsste ihn aufs Gesicht und sagte: »Gesegnet seiest du, mein Sohn, von Gott, dem Herrn, alle Tage deines Lebens.« Er blieb nun beim Könige, und so oft er in den Krieg zog, war er siegreich. So war er denn hochgeehrt beim Könige und bei allen dessen Mannen.

Nach einigen Tagen starb der König, und es versammelten sich alle Krieger und setzten ihn an die Stelle des Königs. Auch seine Mutter, die Königin, hatte ihn infolge seiner vornehmen Schönheit lieb gewonnen, und er wusste nicht, dass sie eigentlich seine Mutter, und sie wusste nicht, dass er ihr Sohn war. Darauf liess er sich mit ihr trauen, und sie wurde seine Frau.[60]

Eines Tages sah sie ihn in seinem Zimmer weinen. Sie wollte zu ihm eintreten, aber sie fürchtete, dass er auf sie schimpfen würde. Sie behielt das jedoch in ihrem Herzen, bis sie eines Tages, als er im Begriffe war, mit seinem Heere in den Krieg zu ziehen, vor ihn trat und zu ihm sagte: »Gieb mir den Schlüssel zu deinem Zimmer, damit ich dir Gewänder bringe, die du jetzt anziehen sollst.« Er reichte ihr den Schlüssel, und sie ging in sein Zimmer. Sie nahm Gewänder heraus und gab sie ihm, und er zog sie an. Dann *zog er in den5 Krieg mit seinen Soldaten, den Schlüssel aber hatte er bei ihr vergessen. Da suchte sie im Zimmer herum und fand jenes Kästchen, das sie für ihren Sohn zurechtgemacht hatte. Sie erkannte nun und sah ein, dass ihr Sohn ihr Gemahl geworden, und begann bitterlich zu weinen, nämlich: »Was ist über mein Haupt gekommen!«

Als der König nachher vom Kriege zurückkam, kam sie ihm nicht, ihrer Gewohnheit gemäss, entgegen. Da fragte er seinen Diener, warum Madame nicht gekommen sei. Er gab6 ihm jedoch keine Antwort. Darauf begab er sich am Abend zu ihr und fand sie weinend. »Warum weinst du?« fragte er sie. Sie erwiderte ihm weinend und sprach zu ihm folgendermassen: »Giebt es ein grösseres Vergehen, als diese That? Du bist mein Sohn und schläfst bei mir? Noch in dieser Nacht werde ich mich töten, oder du verschaffst mir ein Rettungsmittel und einen Ausweg.« Da sprach er: »Wer sagte dir denn, dass ich dein Sohn bin?« »Dieses Kästchen ist mein,« erwiderte sie, »auch die Inschrift ist von mir geschrieben.« Darauf erzählte sie ihm, wie die ganze Geschichte sich zugetragen hatte. Doch er sagte ihr: »Du bleib auf deinem Wege, ich aber will für mich wegziehen. Das Kästchen bleibe bei dir.« Damit erklärte sie sich einverstanden.[61]

Er erhob sich nun, bestieg ein Pferd, begann zu weinen und herzusagen: »O Herr, verzeih mir! ich bin Staub! verzeih mir, ich bin Staub.« Dreissig Mal sagte er das. Hernach sprach er: »Dein Wille geschehe!« und lenkte seinen Weg nach einer fremden Stadt. Dann stieg er bei einem Schmiede vom Pferde und sprach zu ihm: »Meister! Freund! sieh mich an! Ich wünsche von dir eine Kette, einen Halsring und einen Nagel, [die alle] zusammen[hängen]. Ihre Länge betrage sieben Ellen, und zwar sei die Kette eine Spanne und der Nagel sieben Ellen lang. Als Lohn kannst du dir nehmen, soviel du willst.« »Recht gern,« antwortete der Schmied? und verfertigte ihm die Kette[, den Halsring] und den Nagel, wie er sie bestellt hatte. Darauf reichte er ihm eine Handvoll Goldstücke und überliess ihm auch sein Pferd. Er zog nun des Nachts allein bis an die Meeresküste, und sobald er hier ankam, setzte er sich hin und machte sich daran, den Nagel in den Boden das Meeresufers hineinzuklopfen – ungefähr 4 Ellen vom Meere entfernt. Sieben Ellen tief klopfte er den Nagel in den Boden. Hernach legte er den Ring um den Hals, legte an denselben ein Schloss an, und warf den Schlüssel ins Meer, so weit er konnte. Dann sprach er so: »Herr! Jetzt habe ich mich deinen Händen anvertraut. Dein Wille geschehe! Vielleicht sterbe ich hier wegen der Sünde, die ich ohne mein Wissen begangen habe!« Daselbst blieb er das erste Jahr, während dessen alle Kleidungsstücke ihm vom Körper herabfaulten. Aber Gott – Preis seinem Namen! – erhörte sein Weinen und seine Gebete und verlieh ihm Wolle wie dem Schafe und der Ziege, und die bedeckte seinen ganzen Körper. Auch Speise und Nahrung wurde ihm von den Tieren (?) der Meereswellen gebracht, bis er an jenem Orte sieben Jahre vollendete.

Nach sieben Jahren aber gab Gott – Preis ihm! – einem Prinzen in den Sinn, sich zur Jagd [dorthin] ans Meer zu begeben. [Die Jäger] hatten Windhunde mit sich, und diese[62] liefen an jenen heran. Da sagte der Prinz zu seinen Dienern:7 »Laufet hin und sehet nach, was dort am Meere ist!« Sie gingen zusammen hin, kamen dann zu ihm zurück und sagten ihm: »Herr! es ist ein Tier, das wie ein Mensch aussieht.« »Bringet es her!« sagte der Prinz. Da liefen sie hin und reichten ihm die Hand, damit er aufstehe; er stand aber nicht auf. Da blickten sie auf seinen Hals hin, und sieh da, ein Ring wie ein Kragen war um denselben. Sie zogen ihn, doch er kam nicht. Nun sahen sie, dass er am Boden haftete. Da gruben sie um ihn herum, zogen ihn8 heraus, und siehe, da war ein sieben Ellen langer Nagel. Sie führten ihn nun zum Prinzen, und dieser befahl, ihn auf einen Esel zu setzen. Das thaten sie, und der Prinz zog in grosser Freude nach der Stadt. Hernach liess er durch einen Herold ausrufen, dass alle Leute herbeikommen sollten, damit sie sich an dessen Anblick ergötzten, und dass ein jeder, der einen Schlüssel zu einem Schlosse hätte, welcher Art er auch sein mochte, ihn mit sich brächte.

Da versammelten sich dort Menschen ohne Grenze und ohne Zahl und probierten alle Schlüssel an jenem Ringe, aber dieser öffnete sich nicht * und liess den Hals nicht frei.9 Man sprach den Mann auch an, aber er liess sich in kein Gespräch ein.

Da assen gerade zwei Leute in einem Hause zusammen Fische, und als sie einen Fisch öffneten, erblickten sie in seinem Bauche einen Schlüssel. Da sagte der eine zum andern: »Vielleicht ist dies der Schlüssel zu jenem Ringe. Auf, wir wollen zum Prinzen gehen und ihn ihm geben, damit er uns ein Geschenk giebt.« Sie gingen nun zum Prinzen hin, der nahm den Schlüssel, man steckte ihn in den Ring, der um den Hals des Jünglings war, und öffnete ihn. Da gab er einem jeden zwanzig Lire. Gleich darauf[63] dankte der Jüngling dem Namen Gottes und sprach so: »Preis deinem Namen, Herr!« Dann heilte er durch seine Gebete Blinde und Taube und Lahme, die gerade dort waren, und sein Ruf verbreitete sich über die ganze Welt. Auch sein Vater Alexander hörte von ihm, und er kam zu ihm und beichtete seine Sünde. Als der Jüngling in ihm seinen Vater erkannte, sprach er zu ihm: »Geh zu einem anderen Priester, dass er dir die Beichte abnehme, und dann will ich dich von dieser Sünde befreien.« Der Vater ging nun zu einem andern Priester, beichtete bei ihm, kam dann zu ihm zurück, und er gewährte ihm die Absolution. Auch seine Mutter kam zu ihm und beichtete ihre Sünde. Als er aber den Namen der Sünde gehört, sagte er zu ihr: »Steh auf und geh zu jenem anderen Priester, damit er dir die Beichte abnehme.« Da brach sie wieder in ein bitterliches, schmerzliches Weinen aus und sprach zu ihm: »Vater! ich habe eine schwere Sünde begangen, daher scheust du dich, meine Sünde zu vergeben.« »Ängstige dich nicht, Mutter, wegen dieser Sünde«, erwiderte er ihr. »Bereue sie, und ich werde sie vergeben.« Da bereute sie sie unter bitterlichem Weinen, und er verzieh ihr die Sünde. Ihr Herz ward nun beruhigt, und sie starben, alle drei und kamen ins Paradies.10 Amen.

*Doch sei dem Leser kund, damit er nicht frage, woher er die Erlaubnis hatte, Sündenabsolution zu gewähren: wir vergassen zu schreiben, dass er zum Papst gegangen war, und dieser ihn zum Patriarchen über die Gemeinde jenes Königs ernannt hatte.11

1

Veröffentlicht von LAMANSKIJ im Journal des (russ.) Ministeriums für Volksaufklärung CXLIV 2 p. 112–114; eine deutsche von SCHIEFNER herrührende Übersetzung ist von REINH. KÖHLER in Germ. XV p. 288 ff. publiciert.

2

Oder etwa »von Jugend auf«?

3

In den epischen Bearbeitungen des Stoffes entsteht allmählich im Jüngling die Liebe zur Schwester, auch hier durch Einwirkung des Satans; vgl. oben p. 57 l. 21. Plötzlich entsteht die Liebe auch in der Geschichte der Gest. Rom. (p. 399).

4

In vielen zu dieser Gruppe gehörigen Märchen ist hier der weitverbreitete Zug eingeführt, dass der Knabe im Streite mit seinen Spielgenossen von diesen oder ihrer Mutter ein Findling genannt wird, was ihn dazu veranlasst, seinen Pflegevater nach seiner Abstammung zu fragen.

5

Im neuaramäischen Texte: »rüstete er sich zum«.

6

Im Text steht der Plural.

7

Im Text steht der Singular.

8

D.h. wohl den Nagel.

9

Eigentlich »von seinem Halse herab«.

10

Auch im italienischen Märchen JbromengL. VII p. 398 ff. sterben alle drei zusammen. In den epischen Bearbeitungen des Stoffes stirbt der Vater, als er sich auf eine Wallfahrt nach dem heiligen Lande begeben will. In der Gregoriusgeschichte der Gest. Rom. stirbt er auf der Fahrt selbst.

11

Dieser Absatz ist offenbar ein von einem Römisch-katholischen herrührendes Anhängsel; über die römische Propaganda in Kurdistan vgl. LAYMEIS., NinÜb. p. 86 f.

Quelle:
Lidzbarski, Mark (Hg.): Geschichten und Lieder aus den neuaramäischen Handschriften. Weimar: Verlag von Emil Felber, 1896, S. 56-64.
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