Archángel [2]

[700] Archángel, Hauptstadt des gleichnamigen russ. Gouvernements (s. oben), am rechten Ufer der Dwina gelegen, Endpunkt der Eisenbahn Jaroslaw-A., hat 23 griechische, eine lutherische, eine katholische, 2 anglikanische Kirchen, ein altes Kloster (zum »Erzengel [archangelus] Michael«, wonach die Stadt benannt ist), einen 1668–84 erbauten großen Kaufhof, eine große Schiffswerft, eine bedeutende Messe, die Margaritiussche (im September), und (1897) 20,025 Einw. A. ist der Hauptseehafen Rußlands am Eismeer. Im Verkehr von A. spielt die Ausfuhr die bei weitem wichtigste Rolle; ausgeführt wurden 1900: Bretter für 7,470,000 Rubel, Hafer 7,435,900 metr. Ztr., Roggenmehl 2,318,000 metr. Ztr., Leinsaat 1,457,900 metr. Ztr., Flachs und Heede 915.000 metr. Ztr. Der Wert der Einfuhr erreichte 1900: 9,882,900 Rubel. 1900 liefen 562 Schiffe mit 284,197 Reg.-Ton. ein und 528 Schiffe mit 281,454 Reg.-Ton. aus. Außerdem kamen 569 Küstenfahrer an. A. ist Sitz eines Zivilgouverneurs, eines Bischofs, eines deutschen Konsuls und einer Admiralität und besitzt ein geistliches Seminar, 2 Gymnasien, 16 Mittelschulen, 2 geistliche Schulen und eine Schiffahrtsschule. An der Mündung der Dwina liegt die Festung Nowodwinskaja, 1701 von Peter d. Gr. zum Schutz des Fahrwassers erbaut. – Schon im 10. Jahrh. hatten die Normannen in der Gegend von A. Handelsniederlassungen gegründet; wichtig wurden diese, als 1553 die Engländer auf einer von Willoughby und Chancellor geleiteten Expedition zur Entdeckung der nordöstlichen Durchfahrt den Seeweg nach der Dwinamündung gefunden hatten. 1584 wurde ein Fort und Stapelplatz an der St. Nikolasbucht im Weißen Meer angelegt; es entstand dabei ein Ort, der anfangs Neu-Cholmogory (im südlicher gelegenen Cholmogory hatten die Engländer bis dahin ihre Hauptniederlage), später A. (Michaelsstadt) genannt wurde. Unter Peter d. Gr. sank Archangels Handel sehr und begann erst unter Katharina II. sich wieder etwas zu heben. Alexander I. gewährte den dortigen Kaufleuten ansehnliche Freiheiten.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1905, S. 700.
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