Bohn

[162] Bohn, 1) Henry George, engl. Buchhändler, geb. 4. Jan. 1796 in London aus einer deutschen Familie, gest. 22. Aug. 1884, lernte im Geschäft seines Vaters John B. und gründete 1831 ein eignes Geschäft, das sich schnell zu einem der bedeutendsten Antiquar- und Sortimentsgeschäfte Londons aufschwang. Mitte der 40er Jahre erweiterte er dasselbe durch ein Verlagsgeschäft, das besonders die Herausgabe billiger Ausgaben von wertvollen ältern und neuern Werken betrieb. Diese populären Sammlungen, wie die Standard, Classical, Scientific, Antiquarian, Historical etc. Libraries, umfassen mehr als 600 Bände. Sie enthalten zahlreiche von B. selbst besorgte Übersetzungen (von Werken Schillers, Goethes, Schlegels, Humboldts, Petrarcas, Machiavellis u. a.) und annotierte Ausgaben englischer Klassiker (Gibbons »Rome«, Butlers »Hudibras«, Miltons »Paradise lost« etc.). Seine reichen Fachkenntnisse legte er nieder in der Neubearbeitung von Lowndes' »Bibliographical manual of English literature« (Lond. 1857–64, 11 Tle.; neue Ausg. 1868, 6 Bde.) und in den drei von der Philobiblian Society veröffentlichten Werken: »Origin and progress of printing« (1857), »Biography and bibliography of Shakespeare« (1863) und »Dictionary of quotations from the English poets« (1867, 4. Aufl. 1884).

2) Emil, Musiker, geb. 14. Jan. 1839 in Bielau bei Neiße, studierte in Breslau Philologie, widmete sich dann aber der Musik, wurde 1868 daselbst Organist der Kreuzkirche und begründete in demselben Jahr den Bohnschen Gesangverein, der sich besonders durch seine historischen Konzerte (vgl. seine Schrift »Fünfzig historische Konzerte in Breslau 1881–1892«, Bresl. 1893) hervortat. 1884 wurde er von der Breslauer Universität zum Ehrendoktor ernannt, übernahm die Leitung des akademischen Gesangvereins und hält an der Universität Vorlesungen über Musik. Von Verdienst sind seine bibliographischen Werke: »Bibliographie der Musikdruckwerke bis 1700, welche in der Stadtbibliothek, der Universitätsbibliothek etc. zu Breslau aufbewahrt werden« (Berl. 1883), und »Die musikalischen Handschriften des 16. und 17. Jahrhunderts in der Stadtbibliothek zu Breslau« (Bresl. 1890).[162]

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 3. Leipzig 1905, S. 162-163.
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