Gourmont

[189] Gourmont (spr. gurmóng), Remy de, franz. Romandichter und Kritiker, geb. 4. April 1858 in Bazoches-en-Houlme (Orne), kam nach vollendeten philologischen Studien 1883 nach Paris und fand eine Anstellung an der Nationalbibliothek, die er 1891 wegen seines satirischen Artikels »Le Joujou-Patriotisme« verlor. Sein erster Roman: »Merlette«, dem normannischen Landleben entnommen, fand 1886 wenig Beachtung. Ihm folgte 1890 der bedeutendere Roman des zerebralen Lebens »Sixtine«. Charakteristisch ausgeprägt ist Gourmonts Eigenart aber erst in dem mystischen Roman »Lilith«, der Geschichte der ersten Gattin Adams (1892). Mehrere Novellen gleicher Art faßte er in »Le pèlerin du silence« (1896) zusammen. Ein satirisches Bild der Pariser Literatenwelt sind »Les chevaux de Diòmede« (1897). Als feinsinniger Kritiker der modernen Dichterschule zeigte er sich in »Le livre des masques« (1896 u. 1898, 2 Bde.) und in »Le problème du style« (1902). G. ist seit der Gründung des »Mercure de France« (1889) einer seiner angesehensten Mitarbeiter. Die dort niedergelegten geistreichen und oft etwas paradoxen Reflexionen sammelte er in dem Band: »Epilogues, réflexions sur la vie« (1903). Als philologische Arbeit von Wert ist noch »Le Latin mystique« (1892) zu erwähnen. In seiner neuesten Schrift: »Physique de l'amour, essai de l'instinct sexuel« (1903), lieferte er einen originellen, halb physiologischen, halb philosophischen Essay. Vgl. P. de Querlon, Remy de G (Par. 1903).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 8. Leipzig 1907, S. 189.
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