Jeso

[238] Jeso (Jesso, Yezo, Hokkaido), die nördlichste der vier großen japan. Inseln (s. Karte »Japan und Korea«) zwischen 41°-45°30' nördl. Br. und 139°30' bis 145°45' östl. L., von Nippon durch die Tsugarustraße, von Sachalin durch die Lapérousestraße getrennt, 78,072 qkm, mit den 44 Nebeninseln als Provinz 94,012 qkm mit (1898) 610,155 Einw., wobei aber die 50–80,000 Fischer, die sich nur im Sommer auf J. aufhalten, sowie die Bewohner der Kurilen (s. d.) eingerechnet sind. Die Urbewohner sind die Aino (s. d.). Die Insel wird von zwei Gebirgssystemen, den Fortsetzungen derer von Sachalin und den Kurilen, durchzogen. Das erste, von N. nach S. ziehend, aus Granit und alten Schiefern, das zweite, von NO. nach SW. streichend, aus vulkanischen Bildungen mit trachytischen und basaltischen Gesteinen. Im mittlern höchsten Teil erhebt sich der Nutapkauschipe zu 2285 m, in der seitlichen Erhebungskette erreicht der Kanmitake 2017 m; diese Kette enthält neun tätige Vulkane. Von dem zentralen Teil fließen nach drei Richtungen die lachsreichen Flüsse Ischikari, Teschiogawa und Tokachigawa ab. Das Klima ist im N. und O. rauh, weil hier die kalte Strömung von den Kurilen her auch im Sommer die Temperatur herab drückt, milder im S. und W.; Hakodate (41°46') hat eine mittlere Temperatur von 9°, Rurumoppe (43°57') von 6,6°. Von Mineralien werden Silber, Blei, Eisen und Kupfer gefunden; ausgeführt werden Schwefel und besonders Kohle aus den reichen Lagern von Poronai, wohin eine 90 km lange Bahn vom Hafen Otaru über Sapporo führt, und von Iwani. Am fruchtbarsten sind die Ebenen des vielgewundenen Ischikari. An einem Nebenfluß desselben wurde durch das unter amerikanischem Einfluß entstandene Kaitakuschi (Kolonisationsamt) die Hauptstadt Sapporo (1898: 37,482 Einw.) angelegt, mit einer landwirtschaftlichen Schule, Sägemühle und andern öffentlichen Bauten, um von hier aus in amerikanischer Weise die Insel zu kolonisieren und auszubeuten. Nach Aufhebung der Mißwirtschaft des Kanakuschi 1882 wurde J. in drei Ken (Hakodate, Sapporo und Nemuro) geteilt und mit den Kurilen als Hokkaido-Cho dem Ministerium direkt unterstellt. Die wichtigste Stadt und der Ausfuhrhafen Jesos ist Hakodate (s. d.).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 10. Leipzig 1907, S. 238.
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