Phoroniden

[812] Phoroniden, eigentümliche, nur im Meer vorkommende, wurmartig gestaltete Tiere, die man früher zu den Sternwürmern, jetzt aber näher zu den Molluskoiden stellt. Zu erwähnen ist das Vorhandensein von getrennten Blutgefäßen, einem Schlundring als Nervenzentrum, einem hufeisenförmig zusammengebogenen Darm und einem hufeisenförmigen Tentakelträger (Lophophor), der sich gegen die Rückenseite öffnet und die Armfühler trägt, welche die Mundöffnung umringen. Die Tiere heften sich, in Chitinröhren eingeschlossen, die sich außen häufig mit Steinchen inkrustieren, einzeln an Muschelschalen und andern festen Körpern an und gleichen dann Röhrenwürmern, besonders einer Sabella-Art. Sie sind für die Systematik von großem Interesse, da sie den Übergang vermitteln zwischen Bryozoen oder Moostierchen und Brachiopoden oder Armfüßern einerseits und Stern- oder Spritzwürmern (Gephyreen) anderseits. Ihre eigentümliche pelagische Larvenform, die Actinotrocha, war schon lange bekannt, ohne daß ihre Zugehörigkeit zu den P. feststand; sie hat vielleicht Beziehungen zur Trochophora-Larve der Anneliden. Über dem Mund wölbt sich ein großer Kopfschirm, während aus dem hinter dem Munde stehenden Wimpernkranz ein Tentakelnkranz hervorsproßt. Dann entsteht auf der Bauchseite eine blind endigende Hauteinstülpung, die sich später zu einem zylindrischen Fortsatz ausstülpt, der die hufeisenförmige Darmschlinge aufnimmt und nun das junge Tier darstellt. das sich am aboralen Ende festsetzt, nachdem es meist den größten Teil seines eignen frühern Larvenkörpers nach der Trennung von demselben als Nahrung verschlungen hat. Von den wenigen zu den Gattungen Phoronis und Phoronella gehörigen Arten ist Phoronis hippocrepia, die 1–2 cm hohe Rasen auf Muschelschalen, toten Korallenstöcken etc. bildet, am bekanntesten.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908, S. 812.
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