Wendegetriebe

[527] Wendegetriebe (Kehrgetriebe), Vorrichtung, mittels der bei einer rotierenden oder geradlinigen Bewegung eine Umkehr in der Bewegungsrichtung hervorgerufen werden kann. Die Bewegungsumkehr wird entweder durch einen besondern Mechanismus eingeleitet (unselbständiges W.) oder sie erfolgt periodisch von selbst (selbsttätiges W.). Ein einfaches unselbständiges W. (Kehrrad) zeigt Fig. 1 (S. 528). Auf der Welle A B sind zwei durch eine Hülse C verbundene Planreibungsscheiben S und S1 so angeordnet, daß sie mit der Hülfe durch den Hebel D auf der [527] Welle in deren Längsrichtung verschoben werden können, die Drehung der Welle aber mitmachen müssen. Zwischen S und S1 befindet sich mit zu A B senkrecht gerichteter Welle das Reibungsrad T.

Fig. 1. Wendegetriebe mit Reibungsrädern.
Fig. 1. Wendegetriebe mit Reibungsrädern.

Rotiert die Welle A B immer in derselben Richtung, so wird das Rad T abwechselnd in der einen oder andern Drehrichtung mitgenommen, je nachdem man vermittelst des Hebels D die Scheibe S oder die Scheibe S, gegen den Rand des Rades T drückt. R steht still, wenn es weder von S noch von S, berührt wird. Bei Hebemaschinen sehr viel benutzt wird das W. (Fig. 2), gebildet aus Zahnrädern in Verbindung mit Reibungskuppelungen.

Fig. 2. Wendegetriebe mit Zahnrädern und Reibungskuppelungen.
Fig. 2. Wendegetriebe mit Zahnrädern und Reibungskuppelungen.

Die beiden Kegelräder c und d sitzen drehbar, aber unverschiebbar auf der treibenden Welle a b und sind beide in Eingriff mit dem Kegelrad e. Durch Verschieben der Kuppelungsmuffe f kann c oder d mit der Welle gekuppelt werden, wodurch die Umkehr in der Drehrichtung von e bewirkt wird. Stillstand des Getriebes tritt bei Mittelstellung der Musse ein. Ein W. mit Riementrieben (Dreischeibenwendegetriebe), wie es bei Hobelmaschinen benutzt wird, zeigt Fig. 3. Die treibende Welle trägt eine breite Riemenscheibe c, die getriebene Welle zwei Losscheiben (s. Riementrieb) d und e und zwischen diesen die Festscheibe f c ist durch einen offenen Riemen g und einen gekreuzten Riemen h mit den Scheiben der getriebenen Welle verbunden.

Fig. 3. Dreischeibenwendegetriebe.
Fig. 3. Dreischeibenwendegetriebe.

Durch geeignet eingerichtete Riemenführer wird entweder der offene oder der gekreuzte Riemen auf die Festscheibe geleitet und damit deren Drehung in dem einen oder andern Sinne hervorgerufen. Auch in andrer Anordnung ist das Dreischeibenwendegetriebe gebräuchlich. Ein selbsttätiges W. ist das sogen Mangelrad (Fig. 4). Es besteht aus einem Rade R mit runden Zähnen (Triebstöcken) Z und zwei die Reihe der letztern unterbrechenden, gebogenen Schienen S und S1. Die Welle des Triebrades T ist so gelagert, daß es sich in radialer Richtung um seinen eignen Durchmesser verstellen und dadurch sowohl außen als auch innen in die Verzahnung des Rades R eingreifen kann.

Fig. 4. Mangelrad.
Fig. 4. Mangelrad.

R dreht sich so lange in derselben Richtung, bis eine der beiden Schienen (z. B. S) sich gegen die verlängerte Triebradwelle legt und das Triebrad T um den zunächst befindlichen Triebstock herum von der äußern auf die innere Seite der Verzahnung von R leitet, oder umgekehrt. Mit dem Wechsel im Zahneingriff tritt die Umkehr in der Drehrichtung des Rades R ein. Bei fortgesetzter Drehung von T wiederholt sich das Spiel periodisch. Tritt an Stelle des Rades R eine Zahnstange (wie bei manchen Mangen), dann ergibt sich eine geradlinig hin und her gehende Bewegung. Bei Wendegetrieben kann mit der Bewegungsumkehr auch eine Änderung des Übersetzungsverhältnisses (s. Rädergetriebe) verbunden werden.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 20. Leipzig 1909, S. 527-528.
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527 | 528
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