Unter der Regierung des Pabstes Paulus des vierten zählte man in der römischkatholischen Christenheit zweymalhundert und acht und achtzig tausend Kirchspiele, und vier und vierzigtausend Klöster. Rand rechts: Anzahl der Kirchen und Klöster unter Paul dem vierten.
Gleichwie nun diese Anzahl in den darauf gefolgten Zeiten mehr zu- als abgenommen hat, also ist leicht zu erachten, daß das heutige Rom, als der Sitz des sichtbaren Oberhauptes von der päbstlichen Kirche sich über den Mangel der Kirchen nicht zu beschweren habe, sondern in Ansehung der geringen Zahl Einwohner damit mehr als zuviel versehen sey. Es sollte schwer fallen, alle Klöster, Kapellen, Oratoria, Hospitäler, Seminaria und andere geistliche Gebäude, welche außer den zwey und achtzig Pfarrkirchen in Rom sind, zu benennen, und begnüge ich mich, nur der vornehmsten, welche ich selbst besehen habe, allhier zu gedenken, und zwar in alphabetischer Ordnung, weil es doch in Rom unmöglich ist, die Sachen nach der Lage der Quartiere zu besehen, indem bald dieser Garten, bald jener Pallast oder etliche Kirchen verschlossen sind, wegen welcher man in jede Gegend der Stadt mehr als einmal kommen muß.
Die Kirche von S. Adriano im Campo Vaccino steht auf dem Platze, wo ehemals Saturns Tempel war. Es sind darinnen etliche gute Gemälde und vor dem Hauptaltare zwo schöne Porphyrseulen zu sehen. Rand rechts: Kirche St. Adriani.
S. Agostino ist zwar klein und dunkel, hat aber etliche schöne Gemälde, unter welchen man den Propheten Esaias, und an demselben das sich zeigende Knie hoch hält. Rand rechts: St. Agostino Der Meister davon ist Raphael, welcher Namen allein schon ein großes Lob des Werkes in sich fasset. In der Capella Pamfilii ist St. Thomas von Villa Nova in weißem Marmor vorgestellt, wie er einer bettlenden armen Frau, die ihr Kind säuget, ein Almosen reichet: man rühmet daran die wohl nachgeahmte Kleidung oder Draperie; das Gesicht der Bettlerinn ist schön, ich glaube aber, es würde der Wohlanständigkeit des Gemäldes, so einer Kirche gewidmet war, nichts abgegangen seyn, wenn gleich diese schöne Bettlerinn ihre Brüste etwas weniger entblößt zeigte. Rand rechts: Fehler an einer Statue. Das Werk ist von einem Malteser Melchior Gofar oder Cassa angefangen, und vom Herkule Ferrata geendiget worden. Das Tabernakel auf dem hohen Altare oder Altare maggiore ist aus vielen kostbaren Steinen, als Amethyst, Achat, Jaspis etc. verfertiget, und hat schöne Seulen von Alabastro fiorito, welches nach Art einiger Nelken roth und weiß gesprenget ist. Der Altar in der Capella della Crociata pranget mit schönen schwarzen Seulen, und ist folgende Grabschrift darinnen zu lesen: Rand rechts: Inscription.
D. O. P.
Viro Frugi
Faustina Buccamatia
Marita Karss. &
M. Casalius Patri J. O. D. S. M.
Fecer.
V. A. LXVII. M. V. D. II. Obiit VI. K. Mart. MDXLV.
[474] In den letzten Zeilen werden die einzelnen Buchstaben ohne Zweifel andeuten: Optime de se merito fecerunt. Vixit annos LXVII. Menses V. dies Il.etc.
Nahe hiebey ist das schöne Grabmaal des Kardinals Imperiali, der im Jahre 1673 verstorben, sehenswürdig. Rand links: Grab des Kardinals Imperiali, Ein weißer Adler hebt durch seinen Flug den Deckel des Sarges ab, auf die Art wie eine Apotheosis der Römer könnte vorgestellt werden, und kömmt dieser Vogel desto bequemer zu dieser Vorstellung, weil ihn die Familie der Imperiali im Wapen führet. Auf der einen Seite des Sarges steht die Statue der Zeit mit einer Sanduhr, und auf der andern der Tod, beyde gleichfalls aus weißem Marmor.
Unter den übrigen hier begrabenen berühmten Leuten befinden sich der päbstliche Geschichtschreiber P. Onuphrius Panvinius, und der gelehrte Kardinal Noris. Dieses letztern Epitaphium lautet folgender maßen: Rand links: Panvinii und des Kardinals Noris.
Fr. Henrico Noris Veronensi
Ordinis ac Tituli S. Augustini
Presbytero Cardinali S. R. E. Bibliothecario
Augustiniana Eremitarum familia
Theologo, Chronologo, Historico, B. M. P.
HENRICO monumentum ingens sese explicat Orbis
Phœnicum ad littus littore ab Hesperiæ,
Inscribunt tumulo quicquid duxere perenni
Ære, Argento, Auro, Secula & Historiæ.
NORISIO minor est titulus tu grandior esse
Augustine potes par tumulo titulus.
Obiit Vi I. Kal. Martii
Anno æræ Christi MDCCIV.
Ætatis LXXIII. ex A. D. IV. Kal. Septembr.
Ich erinnere mich, bey dem berühmten Medailleur zu Nancy St. Urbain (so fünf und zwanzig Jahre lang unter dem alten Hamerani in Rom gearbeitet hat) eine zum Lobe des Kardinals Noris von obgedachtem Künstler geprägte Medaille gesehen zu haben, die so wohl an Erfindung als Arbeit vieles Lob verdienet, und waren Historia vindicata und Chronologia restituta, diejenigen Wissenschaften, welche auf der einen Seite in symbolischen Vorstellungen erschienen. Rand links: Medaille auf Noris.
Die Akademie zu Pisa hat gleichfalls sein Gedächtniß mit einer Schaumünze beehret, welche auf der einen Seite um des Kardinals Brustbild die Worte zeiget: Henr. Card. Noris. Veron. S. R. E. Biblioth. und auf der andern einen Obeliscum, nebst den Worten:Theologo, Chronologo, Histori. Untenher liest man:Acad. Pisana.
Das Leben des Kardinals Noris ist von seinem Landsmanne FrancescoBIANCHINI im ersten Theile degli Arcadi p. 199, und in des MAFFEIVerona Illustrata, beschrieben.
Ob aber Noris die unter seinem Namen herausgegebenen gelehrten Werke selbst allein verfertiget, oder mit fremden Kälbern gepflüget habe, begehre ich hier nicht zu entscheiden.
Bey dem Eintritte in die Kirche halten die drey Engel Gabriel, Michael und Raphael die Muschel, worinnen das Weihwasser aufbehalten ist. Das ganze Werk ist aus Marmor verfertige.
Ich hätte beynahe vergessen zu melden, daß das Bildniß der heil. Mutter Maria, so auf dem Hauptaltare zu sehen ist, von dem Evangelisten Lukas verfertiget seyn soll. Rand links: Anmerkung über des Evangelisten. Ich habe [475] auf meinen Reisen so viele Stücke von seiner Arbeit gesehen, daß man sich höchlich zu verwundern hat, wie dieser heilige Mann dabey auf andere Sachen noch habe denken können. Rand rechts: Lukas Gemälde. Es ist wahr, daß man von Raphael, Rubens und andern berühmten Malern gleichfalls eine Menge Schildereyen findet; allein diese Leute thaten ihr Lebtage nichts anders, und hatten dabey so vieleEleves und Lehrlinge, welche unter ihren Meistern mitarbeiteten, daß diese öfters den Werken nur die letzte Feinigkeit zu geben hatten. Beyderley kann aber vom Lukas nicht gesagt werden. Leute von einer gewissen Art der Andacht werden die vom Lukas verfertigten Gemälde für unschätzbar halten, Liebhaber der Malerey aber ihnen allezeit ein Stück vom Raphael, Rubens, Vandyck etc. vorziehen; ich fürchte durch dieses Urtheil desto weniger eine Todsünde zu begehen, nachdem der berühmte Maler Carolus Maratti, ein guter ehrlicher Katholike, so keck gewesen zu sagen: daß, wenn er zu Lukas Zeiten gelebet hätte, er wohl im Stande gewesen seyn würde, dem heiligen Evangelisten gute Erinnerungen und Lectionen wegen seiner Malerey zu geben.
S. Agnese in Roma alla Piazza Navona ist von mittelmäßiger Größe, aber sehr prächtig, und geben ihr die auf beyden Seiten stehende Palläste von gleicher Symmetrie auch äußerlich ein schönes Anse hen. Rand rechts: S. Agnese in Roma. Sie ist von ovaler Figur, hat innenher acht große korinthische Seulen von rothem und weißem Marmor, viele bas-reliefs, welche an den meisten Altären aus einem einzigen Stücke Marmor bestehen, ob sie gleich sehr groß und z. E. in dem Hauptaltare, da die Geburt Johannis des Täufers vorgestellt wird, zwanzig Personen zu zählen sind, worunter zwölf von sehr erhabener Arbeit bemerket werden. Durch eine Treppe geht man hinunter in den Locum Turpitudinis, wie man ihn nennt, allwo die heil. Agnes durch zweene Kriegsknechte genothzüchtiget werden sollte, von welcher That sie jedoch durch einen Stral und Schein zurück gehalten worden, da indessen der St. Agnes Haare vom Kopfe auf einmal so stark gewachsen, daß ihr ganzer Leib damit verhüllet worden, und man nichts von ihrer Blöße sehen können. Rand rechts: Locus turpitudinis. Dieses ist an dem Orte selbst an einem Altare in erhabenen Figuren auf einem Stücke von weißem Marmor vorgestellt, und daran absonderlich das schöne und schamhafte Gesicht der Märtyrinn wohl zu sehen. Die Cuppola ist von Ciro Ferri und Pasqualini trefflich gemalt, und wenn etwas daran auszusetzen, so ist es die Menge der Heiligen und Engel, womit dieses Gemälde gleichsam überhäufet ist. Rand rechts: Cuppola.
Die Kirche von S. Agnese fuori di Porta Pia ist also gelegen, daß man acht und vierzig Stufen hinab steigen muß, um in selbige zu kommen. Rand rechts: S. Agnese fuori di Porta Pia. In den Wänden oder Seiten dieser Treppen sind die alten Inscriptionen und bas-reliefs, so in denen bey dieser Kirche gelegenen Catacombis gefunden worden, eingemauert. Rand rechts:Catacombæ. Man giebt diesen Cimiterio di S. Priscilla für einen der Orte aus, wo unter den ersten Christen die Märtyrer begraben worden, ich habe aber ohne langes Suchen unter gemeldten Aufschriften alsbald eine gefunden, welche mit ihren AnfangsbuchstabenD. M. d.i. Diis Manibus, genugsam andeutet, daß kein Christ, sondern ein Heide, darunter begraben gewesen. Daß auch die den Begräbnissen von den Heiden vorgesetzte Göttinn Nenia in dieser Gegend und vor der Porta Pia ihren Tempel gehabt, könnte leicht aus den Alterthümern weitläuftig gezeiget werden. Rand rechts: Heidnische Inscriptionen in denselben. Von denCatacombis werde ich bey der Kirche von St. Sebastian ein mehrers anführen. Diejenigen, so hier bey St. Agnes zu sehen, sind sehr verfallen und in schlechtem Stande. Die Kirche aber ist wegen ihrer schönen marmornen Seulen nicht außer Acht zu lassen. Der Hauptaltar ist von pietre commesse, oder zusammengesetzten kostbaren Steinen, die Vögel, Bluhmen und dergleichen vorstellen. Rand rechts: Schönheit der Kirche. Die metallene und verguldete Statue der heil. Agnes in einem Mantel [476] von orientalischem Alabaster steht unter einem Himmel, derauf vier wohl polirten porphyrnen Seulen ruhet.
Die Canonici Regulares von St. Salvatore bedienen diese Kirche, und werden allhier die Lämmer aufgezogen, deren Wolle hernach zu den geweiheten Palliis dienet, welche der Pabst den Erzbischöfen, und durch ein besonderes Privilegium etlichen wenigen Bischöfen zu schicken pfleget, wofür sie sich wieder mit zehn tausend ja zwanzig tausend Thalern und mehr einzustellen haben, nachdem ihr Bißthum mittelmäßiger Einkünfte oder sehr reich ist. Rand links: Wie die Pallia verfertiget werden. Das erzbischöfliche mainzische Pallium mußte schon zur Zeit der Reformation mit dreyßigtausend Gulden eingelöset werden, und sturben damals in kurzer Zeit drey Erzbischöfe hinter einander. Heut zu Tage zahlet der Erzbischof von Salzburg oder vielmehr sein Land jedesmal hundert tausend Gulden dafür. Die Einsegnung derzwey Lämmer geschieht am St. Agnestage den 10 Jenner. Die Pallia sind nichts anders als schmale Striche von wollenem Zeuge, so weder vor Hitze noch Kälte helfen können, auch nirgends verordnet sind, oder zu einiger Zierde etwas beytragen; unterdessen zielet man doch auf die durch Mosem den Leviten gegebene Kleidungen, wenn unter andern über diese Lämmer zu sprechenden Gebethen auch folgendes vorkömmt:Omnipotens & misericors Deus, qui per Moysen famulum tuum Pontificibus Tabernaculo inservientibus indumenta instituisti, & per sanctos Apostolos tuos sacerdotibus & Præsulibus Evangelicis vestimenta sacra providisti, effunde tuam sanctam benedctionem super hos agnos, de quorum vellere sacra pallia pro summis Pontificibus, Patriarchis & Archiepiscopis conficienda sunt, ut qui eis utuntur, una cum plebe tibi commissaper intercessionem Beatæ Virginis & Martyris Agnetis, super cujus tumbam oramus, ad æternam beatitudinem perducantur per Christum Dominum nostrum. R. Amen.
Den mystischen Verstand des Pallii giebt Clemens der zweyte in der Bulle, die er bey der Ertheilung desPallii an Johann Bischof von Salerno ausgefertiget, und liest man davon folgende Worte in des BARONII Annalibus Eccles. Tom. XI, ad an. 1047. n. XII, p. 165:
In nomine Patris, Filii & Spiritus Sancti, Archiepiscopali pallio nostra Apostolica manu dilectionem vestram insignivimus, quo utaris toties in anno, quoties præd. cessores tuos eo usos fuisse constat. In quo, quia de vellere ovis est, intelligete ovium pastorem. Et quia eo circumcingeris & etiam circa humeros portas, cognoscas & undique circumspicias, ne aliqua erret, & in morsus incidat luporum. Quod si aliquando (quod absit) contigerit, eam habeas in humeros ad caulam reportare, & pristinæ societati coadunare. Quod vero ante & retro crux Domini habetur, illud Apostolicum semper docet ante oculos tuæ mentis habere: Mihi mundus crucifixus est, & ego mundo. Weil die Pallia, nachdem sie von den Nonnen, welchen der Pabst solche Arbeit übergeben, gewebet worden, nach gewissen verrichteten Gebethen eine Nacht lang bey den Leichnamen der Apostel Petri und Pauli gelassen werden, so nennt man sie auch Pallia de corpore S. Petri sumta.
Santa Anastasia in Velabro ist eine artige Kirche, in welcher die schönen Gemälde, und unter andern hinter dem Hauptaltare die Geburt Christi verdienet gesehen zu werden. Rand links: S. Anastasia in Velabro. Einige [477] von den hier befindlichen trefflichen Marmorpfeilern sind aus dem Alterthume noch übrig; unter den neuen Werken aber ist die von Francesco Aprili verfertigte marmorne Statue der h. Anastasia, welche auf dem Hauptaltare liegt, ein solches Stück, dessen sich keine Zeiten zu schämen Ursache haben würden. Rand rechts: Trefflichs Statue der h. Anastasia. Etliche sind der Meynung, daß hier Templum Neptuni gestanden, sonderlich weil man im Jahre 1526, als man in die Tiefe grub, ein Gewölbe, somit vielen Seemuscheln gezieret war, entdecket hat. Rand rechts: Templum Neptuni. Ich habe selbst auf diesem Platze noch einige schöne Muscheln und gute Stücke von Verde antico gefunden. Vor itztgedachter Kirche linker Hand gegen das Feld zu, waren vorzeiten dieCirci Antonini Caracallæ. Rand rechts: Circi Antonini Caracallæ.
Sant' Andrea dei Giesuiti ist oval und von der Baukunst des berühmten Chev. Bernini zwar nicht allzugroß; man sieht aber darinnen nichts als Marmor. Rand rechts: S. Andrea dei Giesuiti. Auf dem Fußboden zeiget sich das Wapen der Familie von Spinola, welches von zween Engeln und der Tugend gehalten wird. Das ganze Werk ist mit Marmor verschiedener Farben eingelegt, uno unter denselben die Gruft oder das Begräbniß der besagten Familie. Von gleicher Art ist das nahe dabey befindliche Grabmaal des Camillo Meltio. Unter den Kapellen ist die von St. Stanislao die sonderbarste wegen ihrer schönen Seulen von breccia di Spagna1.
Der Märtirertod des heil. Andreas ist auf dem Altare maggiore von Wilhelm Borgognone mit vieler Kunst gemalet.
Das zu dieser Kirche gehörige Collegium dienet den Jesuiten zu ihrem Novitiat, und ist darinnen die Kammer, so Stanislaus Costa bewohnet hat, nothwendig zu besehen, wegen des trefflichen Denkmaals2, das man diesem Heiligen darinnen aufgerichtet hat. Rand rechts: Novitiat der Jesuiten. Rand rechts: Treffliche Statue Stanislaus Coska. Er ist vorgebildet, wie er todt auf seinem Bette liegt, und hat der Bildhauer le Gros, ein Franzose, das Stück Marmor also auszusuchen und zu gebrauchen gewußt, daß der Kopf, die Füße und Hände weiß, die Kleidungen aber ganz schwarz sind. Das Bett oder Küssen, worauf er liegt, ist von gelbem Marmor, und sieht man dieses Werk nicht ohne vieles Vergnügen. In besagter Kammer stehen noch zwey Brustbilder, unter deren einem die Worte zu lesen sind:
S. Ignatii Lojolæ effigies ex gipso super mortui faciem olim inducto expressa. Anno Jubil. MDCC. Rand rechts: Bustum Ignatii Lojolæ.
Das andere ist das Bildniß S. Francisci de Borgia, mit einer Unterschrift von gleicher Art, und vom Jahre 1703.
Ehe man in diese Zelle des St. Stanislai kömmt, geht man durch eine Kammer, in welcher an der Wand das Original der ersten Conföderation oderCoitionis in sacram societatem, so den 15 April 1539 unterzeichnet ist, si a Papa Domino concedente confirmaretur, zu sehen ist. Rand rechts: Anmerkung über den Anfang des Jesuiterordens. Dieses Instrument haben eigenhändig unterschrieben Johann Codurz Bobadilla, Paschasius Brovet, Ignatius, Petrus Faber, Symon Rodoric und etliche andere. Die Schrift ist mit Glas vor den Staub bedeckt, und verdienet, daß sie der Nachwelt aufgehoben werde. Aus des CIACONII Leben Pauls des dritten ist zu sehen, wie dieser Pabst im Jahre 1539 mündlich, und 1540 schriftlich den Orden bekräftiget habe. Der Anfang war gering, es ist aber mit der Zeit eine volkreiche und so mächtige Gesellschaft [478] daraus entstanden, daß gekrönte Häupter, ja selbst der Pabst sich bisweilen vor ihnen fürchten müssen. Nach einem zu Rom im Jahre 1679 gedruckten Catalogo waren damals in allen siebenzehntausend sechshundert und fünf und funfzig Jesuiten, unter welchen sich siebentausend achthundert und sieben und siebenzig Priester befanden. Rand links: Anzahl der Jesuiten durch die ganze Welt. In einer neuen Tabelle, welche der General der Jesuiten verfertigen lassen, habe ich gefunden, daß 1717 von diesem Orden gewesen sieben und dreyßig Provinciæ, fünf und zwanzig Domus Professorum, sechshundert und funfzigCollegia, neun und funfzig Domus Probationis, dreyhundert und funfzig Residentiæ, zweyhundert und mehr Missiones, hundert und ein und sechszig Convictus und Seminaria; neunzehntausend achthundert und sechs und siebenzig Socii. in allen, worunter zehn tausend und sechs und dreyßig Priester waren. Bey Auf- und Annehmung neuer Mitglieder in ihre Gesellschaft sehen sie vornehmlich auf dreyerley Verdienste: nämlich 1) auf eine vornehme Geburt, damit sie desto mehr Patronen und Beschützer an großen Höfen oder im Lande finden; 2) auf Reichthum, der ihnen dadurch zuwachsen kann; und 3) auf einen scharfsinnigen Verstand. Die List, so sie gehabt, die Erziehung der Jugend in allen römisch-katholischen Landen an sich fast ganz allein zu ziehen, macht sie gleichsam zu Meistern, aus der Jugend diejenigen Subjecta, welche ihnen nach den itzterwähnten dreyen Umständen am besten anstehen, nach Gefallen an sich zu locken, und mithin allenthalben die Hände im Spiele zu haben:
– – – penetrant aulas & limina Regum
Scire volunt secreta domus atque inde timeri.
Uebrigens leben sie in einer großen Subordination und Mäßigkeit, sonderlich in Essen und Trinken. Ein Jesuite kömmt, mit Kleidung, Kost und allem, was er nöthig hat, seinem Orden jährlich kaum auf siebenzig Thaler zu stehen.
Ignatius Lojola hielt sich im Jahre 1528 und ehe er nach Rom gieng, zu Paris auf, und unterrichtete daselbst die Jugend; ich kann aber nicht errathen, was folgende Worte, welche ich über einer Kapelle derAbbaye Royale zu Montmartre bey Paris beobachtet, sagen wollen3:
Sacra & pia Societatis Jesu incunabula. Anno MDCXLIII.
[479] Die Kirche di S. Andrea delle Fratte hat etliche gute Gemälde und Bildhauerarbeit; das beste aber ist in dem dabey gelegenen Kloster zu sehen, und besteht aus zwoen sehr grossen Statuen von Engeln, deren einer die Dornenkrone Christi, der andere aber die Ueberschrift des Kreuzes hält. Rand rechts: S. Andrea delle Fratte. Sie sind aus weißem Marmor vom Bernini verfertiget, und sollen mit der Zeit in der neuen Kapelle S. Francesco di Paoli gebrauchet werden.
S. Andrea di S. Gregorio oder Nel Monte Celio, zeigt treffliche Stücke à fresco aus der Historie dieses heiligen Apostels, an welchen die berühmten Meister Domenichino und Guido Reni zu gleicher Zeit gleichsam um die Wette gemalt haben. Rand rechts: S. Andrea di S. Gregorio. Die Gemälde zur rechten Hand, wenn man in die Kirche tritt, sind von dem ersten, und die zur linken vom Guido. Rand rechts: Schone Gemälde. Schade ist es, daß man so schlechte Fürsorge für beyde getragen, und sie vom Regen, der hie und da eindringen kann, nicht wenig beschädigen lassen. Domenichino stellt unter andern die Geißelung Andreä vor, und Guido, wie der Apostel sich zur Erde wirst bey Erblickung des Kreuzes, woran er sterben sollte. Wer von diesen beyden Künstlern den Preis erhalten, ist unter den Kennern noch streitig; das Publicum aber hat sich für Guido erkläret. Man besieht hier zugleich die Kirche des heil. Gregorius, von welcher unten ein mehrers folget.
S. Andrea della Valle pranget gleichfalls mit trefflichen Gemälden à fresco. Rand rechts: S. Andrea della Valle Lanfranco hat die Cuppola mit so geschickter Hand gemalt, daß sie in diesem Stücke für die schönste in der Welt gehalten wird4. Rand rechts: Treffliche Cuppola. Die darunter befindlichen vier Evangelisten nebst der Tribuna, sind vom Domenichino; und die drey Stücke, welche in dem Chore der Mönche das Leben des h. Apostels abbilden, vom Cavaliere Cozza Calabrese.
Die schönste Kapelle dieser Kirche findet sich gleich beym Eingange rechter Hand, und gehöret der Familie von Ginnetti, welche mehr als achtzig tausend Scudi daran verwendet haben soll. Rand rechts: Kostbare Kapelle. Verde, Negro antico, Diaspro, Achat und Lazulistein sind darinnen nicht gesparet, und das Geländer vor dem Altare ist von rothem und gelbem Marmor. Die bas-reliefs und sechs marmorne Statuen, so Tugenden vorstellen, verdienen gleichfalls gesehen zu werden. Die Kapelle der Strozzi giebt der vorgehenden nichts nach, und ist von Michel' Angelo Buonaroti angegeben. Das darinnen befindliche Grabmaalaus Negro antico ist kostbar, [480] sowohl als die bas-reliefs an den Leuchtern von bronzo. So ist auch die letzte Kapelle, welche den Barberini gehöret, wegen ihrer Gemälde und Bildhauerarbeit nicht vorbey zu gehen. Die zwey Grabmaale, so über den Arkaden der Kirche stehen, sind von Pasquino di Montepulciano gearbeitet, und ruhen darinnen die Päbste Pius der zweyte und dritte, aus der Familie von Piccolomini. An einem andern Grabsteineist zu lesen: Rand links: Epitaphia.
Mentis eram hospitium, gelidi sum marmoris hospes:
Mens dedit esse hominem, mors modo vertit humum.
Hospitium mihi vita fuit, sibi terra recepit
Omnia, Mens tantum, quod bene gessit, habet.
Anteus Malteuluccius
sibi posterisque suis
Anno MDCXXXIII.
Der Kirche S. Andreæ in Portogallo erwähne ich nur als einer Probe, wie das gemeine Volk die Namen verderben könne. Rand links: S. Andrea in Portogallo. Rand links: (Verstümelung der Namen.) Denn eigentlich müßte sie benennet werden ad busta Gallica, weil auf diesem Platze am Monte Esquilino Camillus zuerst die Gallier, welche unterdem Brennus sich die Schatzung von Rom wollten zahlen und zuwägen lassen, überwunden hat. Mit gleicher Verstümmelung hat man aus der Kirche S. Laurentii in domo Perpennæ gemacht S. Lorenzo in Panisperna; und aus S. Praxede in Trastevere, sancta Passera.
Die Kirche und das Hospital di S. Antonio Abbate gehöret den Augustinermönchen französischer Nation, ist hell, mit einem schönen Altare gezieret, und hat gute Gemälde von Gio Battista Lombardelli della Marca und Nic. Pomarancio. Rand links: S. Antonio Abbate. Rechter Hand in der Kirche sind zwo Figuren von Löwinnen eingemauert, die nahe bey der Kirche in dem templo Dianæ gestanden. Sie sind in grünem Marmor eingefasset, ihre Farbe ist von gelbem Marmor, an welchem die strichweise eingelegte Stücke von Verde antico die Schattirung vertreten, und jede hat einen weißen Ochsen unter sich. Rand links: (Templum Dianæ.) Ich kann nicht sagen, daß ich an dieser ganzen Arbeit etwas schönes oder sonderliches gefunden hätte; es sind aber Werke, so aus dem Alterthume übrig geblieben, und deswegen hochgeachtet werden. Der Hofplatz des Klosters ist mit Stücken von weißem Marmor, Verde antico und Porphyr gepflastert, woraus zu schließen, daß sonst gute Gebäude in dieser Gegend gestanden seyn müssen, deren rudera man hiezu verbrauchet hat. Rand links: (Turris Mæcenatis.) Das daran gelegene Gebäude, so man für den Tempel der Diana ausgiebt, wird itzt als ein Kornboden des Klosters genutzet, in welchem man die Wände und gewölbte Bögen unverändert gelassen hat. Man sieht an denselben auch einige eingelegte grobe Arbeit, als einen Esel und eine Löwinn. Hiebey verwahret man die alten Stücke von Statuen, die auf diesem Platze ausgegraben werden, und finden sich unter solchen Alterthümern etliche gute Köpfe, so man Vespasian, Seneca und andern zuschreibet. In dem Garten des Klosters ist ein angenehmer kleiner Lorbeerwald, in dessen Mitte ein Springbrunuen und Teich zu sehen. In itztgedachter Gegend ist der Garten und Thurm Mæcenatis gewesen, von welchem Nero den Brand der Stadt Rom mit Vergnügen angesehen hat. Man bemerket heute zu Tage nichts mehr von diesem Werke, und ist alles zu andern Gebäuden verbrauchet worden.
Die Liebhaber schöner Pferde können jährlich den 17 Jan. bey der Kirche St. Antonii ihre Augen weiden. Rand links: Segnung der Pferde. Denn an diesem Feste des Heiligen werden alle Pferde, Maulesel etc. aus des Pabstes, der Kardinäle, Prälaten, Prinzen und anderer vornehmer Herren Ställen vor der Kirchthüre vorbeygeführet, allwo ein Priester sie mit Weihwasser besprenget.
[481] Hilft es den Pferden nichts, so trägt es doch den Mönchen gute Geschenke ein. Zu Siena werden an dem Tage vor Maria Himmelfahrt diejenigen Pferde, welche am itztgedachten Feste in die Wette laufen sollen, vor der bischöflichen Kirche mit Weihwasser gleichsam eingesegnet, und bekömmt der Priester, welcher solches verrichtet, wenigstens eine Wachskerze für jedes Pferd zum Opfer. Ob die Heiden bey denLudis Circensibus, da sie ihre Pferde mit Wasser zu bespritzen pflegten, eine gleiche religiöse Absicht gehabt, lasse ich dahin gestellet seyn5.
Auf dem Platze vor der Kirche St. Antonio steht auf einem Kreuze von orientalischem Granitmarmor ein Crucifix und zu seiner Seite die heilige Maria, beyde von Metall, unter einem Himmel oder Dais, der auf vier Seulen aus Granit ruhet. Rand rechts: Von der Absolution Heinrichs des vierten, Königs in Frankreich. Dieses ist ein Denkmaal der Messe, welche Pabst Clemens der achte wegen der Bekehrung des Königs Heinrichs des vierten zum römischkatholischen Glauben hier in dieser Kirche gelesen hat. Es ist nicht zu bewundern, daß sich der römische Stuhl mit dieser Geschichte viel einbildet, indem sie ihm Gelegenheit gegeben, seine Gewalt über gekrönte Häupter an den Tag zu legen. Bey der Absolution, als der Psalm Miserere mei gesungen wurde, schlug der Pabst die vor ihm auf den Knieen liegende königl. Gesandten du Perron und d' Ossat, bey jedem Verse mit einer Ruthe über die Schulter; und obgleich der Kardinal d' Ossat in seinem Schreiben an Villeroy vom 19 Oct. 1596 schreibt, es habe solches gar nicht wehe gethan; so ist doch genug, daß der heilige Vater durch Vorzeigung der Ruthe und väterlichen Züchtigung andeuten wollen, was ungehorsame Kinder verdienen, und daß er den Stab Weh wider sie brauchen könne. Rand rechts: Was sich der Pabst dabey herausgenommen. Der Kardinald' Ossat mag noch zu oft wiederholen, daß bey dieser Absolution nichts vorgegangen sey, welches der königl. Autorität zu nahe trete, so wird er doch solches keinem unparteyischen Leser überreden. Ja es scheint aus der langsamen Einsendung des Berichtes von diesem besondern Umstande, daß er selbst wohl begriffen, was man dawider sagen könnte, und daß er lieber gesehen hätte, wenn man in Frankreich nichts davon erfahren, als woselbst die Sache erst kund wurde, als der päbstliche Hof die protocolla absolutionis drucken ließ.
An dem Fußgestelle der erwähnten Seule las man ehemals die Worte: Rand rechts: Aenderung einer Inscription, so Frankreich angieng.
D. O. M.
Clemente VIII. Pont. Max.
Ad memoriam absolutionis
Henrici IV. Franc. & Navarr.
Regis Christianissimi
Q. F. R. D. xv. Kal. Octobris
MDXCV.
Allein man hat ohngefähr vor zwölf Jahren diese Inscription weggenommen, also daß man anitzt an dem Piedestal nichts sieht, als an der einen Seite eine Feuerflamme, an der andern den Buchstaben oder Zeichen T, welches auch an der dritten Seite vorkömmt in der Brust eines eingehauenen doppelten Adlers, woselbst es von zween Engeln gehalten wird. Ueber dem Adler steht das Wort:
Paulatim.
[482] Ich zweifele nicht, der Buchstabe Tau sey allhier das Zeichen der Lossprechung und Absolution, wie es auch in alten Zeiten dafür genommen wurde, wenn in den Kriegsgerichten die Soldaten um Leben und Tod loseten. Rand links: Was der Buchstabe Tau Fau bedeute. Der Buchstabe Theta hingegen bedeutete den Tod, dessen griechische Benennung Θανατος damit anfängt6. Tau kömmt im obgedachten Verstande auch beym Propheten Ezechiel c. 9, v. 4, 6 vor.
Die Kirche St. Apollinare ist nicht sowohl wegen ihrer Schönheit berühmt, als durch das dabey angelegte Collegium Apollinare oder Germanicum und Ungaricum, worinnen für hundert und funfzig Deutsche und Ungarn Stiftungen gemacht sind, um in der Philosophie und Theologie unterrichtet zu werden. Rand links: Collegium Apollinare S. Germanicum. Man zählt funfzehn deutsche Kardinäle, fünf geistliche Churfürsten, sechs Erzbischöfe und etliche und achtzig deutsche Bischöfe, die aus diesem Seminario hervorgekommen. Die Jesuiten haben die Aufsicht darüber, und die Discipel sind in rothen langen Röcken gekleidet.
Die Kirche der SS. Apostoli ist noch nicht völlig fertig; man hat aber darinnen zu besehen des Domenico Muratori Gemälde am Altare Maggiore, welches den Märtyrertod Petri vorstellt; die Kapelle des Prencipe Odeschalchi, worein viel Giallo antico, Verde antico, trefflich rother Marmor und Pietra Cotognina, so einem mit weiß vermischten Bernstein nicht unähnlich sieht, verwandt worden; die Kapelle St. Antonii von Padua, woselbst der gelehrte Grieche und Kardinal Bessarion begraben liegt, welcher dem Concilio zu Florenz beygewohnet, und sowohl durch seine aus Griechenland und von Konstantinopel geflüchtete Manuscripte, als eigene Gelehrsamkeit Gelegenheit gegeben, daß die Wissenschaften wieder mehr und mehr in Europa in die Höhe gekommen. Rand links: SS. Apostoli. Rand links: Grab des Kardinals Bessarion. Ganz oben in der Kirche, rechter Hand in der Capella del Crocifisso stehen acht schöne gewundene Seulen, jede aus einem Stücke von weißem Alabaster. Rand links: Kostbare Seulen. Sie sind in der alten Kirchede'santi Apostoli, welche Konstantin der große auf diesem Platze bauen lassen, gefunden, und soll Ludwig der vierzehnte von Frankreich dafür acht silberne von eben dieser Größe und gleichem Gewichte gebothen haben. Die Statuen der zwölf Apostel, so in diese Kirche kommen sollen, mangeln noch. Auf einem Steine in dem Vorhofe der Kirche ist ein Adler in einem Kranze von Eicheln und Eichenlaub abgebildet, mit der Ueberschrift: Tot ruinis servatam Jul. Car. Sixti Il II. Pont. Nepos hic statuit. Rand links: Altes Bild eines Adlers. Dieser Adler soll vorzeiten in dem Quirinalpalläste gestanden seyn. Das zu dieser Kirche gehörige Hospital erweiset den Hausarmen viel Gutes, unterhält zum Andenken der zwölf Apostel zwölf arme Witwen und eine Apotheke, woraus den Bedürftigen die Arzeneyen umsonst gereichet werden. Rand links: Treffliches Hospital. Rand links: Armenapotheke. Diese Apotheke ist bey St. Eustache, und an derselben mit großen Buchstaben zu lesen PAVPERIBVS. Nicht weit davon ist ein verschlossener Kasten, worein die nothleidenden Kranken, die sich aber schämen öffentlich zu betteln und in die Hospitäler zu gehen, einen Zettel legen und auf selbigem melden können, was ihnen mangelt und wo sie wohnen, da man ihnen das benöthigte hinbringet.
[483] Die Kirche St. Barba wird von der Brüderschaft der Buchführer, derer geistliche Patronen Thomas Aquinas und Johannes de Deo sind, unterhalten. Rand rechts: St. Barba, Patronen der Buchführer. Ob sie den ersten wegen seiner Gelehrsamkeit oder aus Furcht vor seinen Jüngern den Dominicanern angenommen, lasse ich dahin gestellt seyn. Wenigstens hat sich der Buchhandel weniges Aufnehmen an solchen Orten, wo die Inquisition regieret, zu versprechen. S. AVGVSTINVSde Civitate Dei, und LACTANTIVS sind die ersten Bücher, welche in Rom gedruckt worden, und zwar im Jahre 1455 von Conrad Schweichheim und Arnold Panart, zweenen Deutschen. Rand rechts: (erste Bücher, so zu Romgedruckt worden.)
In der Kirche di S. Bartolomeo dell' Isola steht das Tabernakel auf dem Hauptaltare zwischen vier schönen rothen Porphyrseulen mit weißen Gesimsen. Rand rechts: S. Bartolomeo dell' Isola. Unter dem Altare ruhen die Reliquien des h. Bartholomäus in einem Sarge, der gleichfalls von Porphyr ist. Die Kirche verdienet sowohl wegen dieser Arbeit als wegen ihrer übrigen Marmorpfeiler gesehen zu werden, ohne der vier Kapellen, welche Antonius Caracci, ein Neffe und Lehrling des großen Caracci, gemalet hat, zu gedenken.
S. Bemardo alle Terme Diocleziane ist eine schöne Kirche, und kann man daraus von der Größe der diokletianischen Bäder urtheilen, weil dieses Gebäude ehemals nur einen von dessen sieben Thürmen ausmachte. Rand rechts: S. Bernarda. Die Cuppola der Kirche gleicht derjenigen, so in der Rotonda ist, ausgenommen, daß die von St. Bernardo weiß und helle, dabey auch nicht offen, sondern mit einem kleinen Thurme versehen ist. Rand rechts: Cuppola. In der kleinen Kapelle beym Chore, sind gute Bildhauerstücke von Fancelli, wie auch sonst noch acht große Statuen von Stucco zu bemerken.
Die Façade der Kirche S. Bibiana ist vom Chevalier Bernini, aus dessen Händen auch die unvergleichliche marmorne Statue dieser Heiliginn gekommen, so auf dem Hauptaltare steht, und als das Meisterstück dieses Künstlersbewundert wird. Rand rechts: St. Bibiana. Rand rechts: Vortreffliche Statue dieser Heiliginn. Sie war anfänglich der h. Constantia gewidmet, daher sie sich auf eine Seule lehnet. Man kann sich an dem Gesichte, Haaren, pannegiamento und andern Schönheiten dieser Statue kaum satt sehen, jedoch dünkt mich, daß die linke Hand um das Gelenke am Arme etwas zu dick gerathen sey. Die Geschichte dieser Heiliginn ist linker Hand der Kirche von Pietro di Cortona à fresco gemalet. Ihr Körper liegt unter der obgedachten von Bernini verfertigten Statue in einem schönen Sarge von Alabastro Orientale. Bey der Kirchthüre ist eine rothe Seule von Pietra Egizzia zu sehen mit der Ueberschrift: Ad hanc columnam S. Bibiana alligata & plumbatis cæsa Martyrium consummavit.
Zur rechten Hand, wenn man in die Kirche tritt, ist die Capella di santa Maria Maggiore, auf deren einen Seite der Kaiser Leopold, auf der andern Karl der sechste gemalet sind, beyde, als wenn sie im Gebethe gegen den Altar begriffen wären. Unter dem ersten liest man: Rand rechts: Verse auf den Kaiser Leopold;
Hic Leopold, hic est pietate Augustus & armis
Hic terræ, illa astris intulit imperium.
[484] Unter dem Kaiser Karl dem sechsten stehen die Worte: Rand links: auf Karln den sechsten.
Regna creant Reges, sed Te quo nomine dicam
Carole, quem Regem mundus uterque facit?
In dieser Gegend der Kirche St. Bibiana liegen fünf tausend zwey hundert und sechs und sechszig Körper von heiligen Märtyrern begraben, ohne ihre Kinder und Weiber zu rechnen, weshalben man hier jährlich vom Feste aller Heiligen bis zu seiner octava Ablaß auf sieben tausend Jahre verdienen kann, wie die Aufschrift eines alten Steines bezeuget. Rand links: (Menge Märtyrer.) Linker Hand bey der Kirche sieht man die rudera der Mauern von dem Pallaste des Kaisers Licinius und in dem bey der Kirche gelegenen Garten gegen die Straße zu, steht das kleine Bild eines Bärs, der einen kleinen Hut auf dem Kopfe hat, und ehemals dieser ganzen Gegend den Namen von Orso pileato gegeben hat. Seine Bedeutung kann ich nicht errathen, und finde ich auch an dem Bilde selbst eine schlechte Gestalt und Arbeit. Die Haare sehen nicht anders aus, als längliche Fischschuppen, er steht auf vier hohen Füßen und sieht übrigens einem Lamme ähnlicher als einem Bären. In gemeldtem Garten wächst ein Kraut S. Bibiana genannt, welches den Leuten als ein untrügliches Mittel wider das Kopfweh und die hinfallende Sucht gegeben wird. Rand links: Kraft des Krauts S. Bibiana. Il credere è Cortesia, wie die Italiener selbst bey dergleichen Erzählungen bisweilen erinnern. Eigentlich soll es das Eupatorium cum foliis Cannabis seyn.
In S. Carlo alli Catinari ist der Hauptaltar wegen seiner vier trefflich schönen korinthischen Seulen von Porphyr und einem Tabernakel von Diaspro verde, das vornehmste. Rand links: S. Carlo alli Cattinari. In dem daselbst befindlichen Epitaphio Laurentii Sperandi wird als sein hauptsächliches und einziges Lob angeführt, daß er die zwischen seinen guten Freunden und Verwandten entstandene Zwistigkeiten mit sonderbarer Klugheit beyzulegen gewußt. Rand links: LobSperandi. Er ist im Jahre 1623 gestorben. Sein Lob giebt Gelegenheit sich über die Blindheit der menschlichen Gemüther zu verwundern, welche ihren unsterblichen Nachruhm so selten in diesen und dergleichen wahrhaften Verdiensten, sondern vielmehr in hundert andern Eitelkeiten zu suchen pflegen.
Die Kirche S. Carlo al Corso oder de Lombardi steht der mayländischen Nation zu, und der Kaiser ist als Herzog von Mayland Patron davon. Rand links:S. Carlo al Corso. Es ist also kein Wunder, daß man die mayländische Domkirche hier im kleinen nachgeahmet hat, welches man vornehmlich sieht an dem Umgange und dermit weiß-marmornen Statuen gezierten Galerie um den hohen Altar, in welchem das Herz St. Caroli Borromäi verwahret ist. An den Altären sind gute Gemälde von Perusino, Carlo Maratta, Pascal de Rossi und andern Meistern. Diese Kirche ist außer Carolo Borromäo auch dem h. Ambrosio gewidmet, wie man an ihrem schönen Portal lesen kann.
S. Carlo alle quattro Fontane ist klein, aber sehr artig, von der Architectur des Boromini. Von Perusino, Mignard, Romanelli, Dominico und Borgiani sind schöne Gemälde darinnen zu sehen. Rand links: S. Carlo alle 4. fontane. Sie steht den spanischen MönchenOrdinis S. Trinitatis Redemtionis Captivorum zu, daher in dem Kloster weitläuftige Catalogi oder die Namen derjenigen Sclaven, so jährlich durch dieser Geistlichen Fürsorge aus der barbarischen Dienstbarkeit befreyet worden, zu lesen sind.
Nahe hiebey verdient auch die Kirche S. Anna alla quattre Fontane gesehen zu werden. Beyde haben ihre Benennung von der angenehmen Kreuzstraße, an welche sie stoßen, indem la Strada felice und Via Pia sich hier durchschneiden, und dadurch eine schöne Aussicht in vier Straßen geben. Rand links: S. Anna alla 4 fontane. Rand links: Schöne Kreuzstraße. An jeder der vier Ecken ist eine Fontaine, welche aus einer [485] liegenden steinern Statue Wasser von sich spritzet. Zwo von solchen Statuen stellen Flüsse in Bildern von Männern vor, und die zwo andern sind Nymphen, und hält man unter allen die Weibesperson an der Ecke des barberinischen Pallastes für die beste.
S. Catarina dà Siena à Monte Magnapoli (welches aus Balneis Pauli corrumpirt ist) gehöret den Dominicanernonnen, ist klein, aber neu und trefflich schön, also daß man fast nichts als Marmor, Gold und Gemälde darinnen erblicket. Rand rechts: S. Catarina dà Siena. Unter andern ist die Historie, wie St. Dominicus ein todtes Kind erwecket, von Tintoret überaus wohl gemalet. Gegen über ist die schöne Kirche St. Dominici und Sixti. Rand rechts: (S. Domenico.)
S. Cecilia in Trastevere gehört den Benedictinernonnen, und hat die Kapelle dieser Heiliginn wenig ihres gleichen wegen des daran verwandten Negro antico, Alabastro, Diaspro, Achat, marmo Verde, Giallo etc. Rand rechts: S. Cecilia in Trastevere. Die schöne Statue St. Cecilia aus weißem marmore Pario ist von Stephano Maderno verfertiget; Ihr Körper liegt in einem silbernen Sarge, welcher vier tausend drey hundert und drey und neunzig Scudi gekostet, wie BARONIVSad ann. 821 meldet. Es ist dieses ein Geschenk des Pabstes Clemens des achten, nachdem er im Jahre 1599 durch Fürbitte der h. Cecilia wunderbarer Weise vom Podagra geheilet worden. Um diese Kapelle brennen beständig neunzig Lampen. Die Kapelle und das Grab des Kardinals Sfondrato ist gleichfalls sehenswürdig nebst etlichen Gemälden von Guido Reni, Nicolao Pomarancio, Annibal Caracci, Vanni und andern geschickten Meistern. Hinter der Kapelle St. Cecilia ist am Gewölbe ein altes mosaisches Werk. In einer Nebenkapelle zeigt man den Platz, worauf St. Cecilia mit dreyen Hieben enthauptet worden ist.
Das Collegium Clementinum hat den Namen von seinem Stifter Clemens dem achten und dienet vermittelsteines kleinen Zuschusses oder Kostgeldes zur Erziehung vornehmer Jugend, unter den Patribus derCongregation Sommasca. Rand rechts: Collegium Clementinum. Währenden Carnavals wurden darinnen öfters Schauspiele mit untermischten Tänzen aufgeführet, und geschah solches insonderheit alle Freytage.
Zu gleichem Vortheile der studirenden Jugend ist das Collegium Romanum an der Kirche St. Ignatius errichtet, ein schönes und großes Gebäude, in welchem die Jesuiten das Regiment führen. Wer auch nicht bey ihnen in Pension ist, kann dennoch allhier ihre Lectionen in allerley Wissenschaften, nämlich der griechischen, lateinischen und hebräischen Sprache, Logik, Rhetorik, Poesie, Historie, Metaphysik, Mathematik, Philosophie und Theologie umsonst hören, daher sie einen starken Zulauf haben. In einem Vorzimmer des untersten Stockwerks stellet eine schöne Statue von weißem Marmor den Stifter dieses Collegii, Gregorius den dreyzehnten vor. Das Museum Kircherianum, so in vielen Schränken und zwoen langen Galerien vertheilet ist, mag wohl sonst in vollkommenern Stande gewesen seyn, als es itzt wirklich ist, indessen findet man doch noch eine große Menge merkwürdiger Dinge darinnen, unter welche ich zähle: Rand rechts: Museum Kircherianum.
I. Vielerley Hausrath, Löffel, Messer, Schreibzeuge etc. ausländischer Völker, sonderlich der Chineser.
II. Vielerley auswärtige Vögel und Sceleta derselben, worunter eine Misgeburt eines Vogels mit drey Füßen.
III. Monströse Eyer; Nattern, so aus den Eyern in Mutterleibe gekrochen sind etc.
IV. Mancherley Insecten, Taranteln etc. eine Eydexe mit doppeltem Schwanze etc.
V. Mehl und Brodt aus einer brasilischen WurzelBeiu genannt, beydes ist sehr weiß.
[486] VI. Allerley Salz, worunter dasjenige, so bey Cordona gegraben wird, sehr weiß und fest ist.
VII. Eine in Bernstein eingeschlossene Eydexe.
VIII. Flos ferri, schön weiß, aus den steyermärkischen Bergwerken.
IX. Allerley Fische, worunter auch derjenige, welcher Orbis genennt wird, und kugel, rund ist.
X. Steine, so aus dem menschlichen Körper gekommen, worunter einer von zehn Unzen in der Blase des P. Leonis Sanctii gefunden worden.
XI. Mancherley elfenbeinerne sonderlich durch die Drechselkunst verfertigte Arbeit.
XII. Etliche Erfindungen vom Mobili perpetuo.
XIII. Viele Gemälde von Frauenköpfen und ihrem Haarschmucke, wobey die Worte TERTVLLIANI zu lesen sind de cultu fœminarum:
Crinibus harum quiescere non licet.
zu welchem man noch fügen könnte, was beym TERENT. in Heaut. vorkömmt:
Nostin' mores mulierum
Dum moliuntur, dum comuntur, annus est.7
XIV. Vielerley indianische Früchte.
XV. Zeichnungen aus der Optik.
XVI. Chinesische Lackirarbeit.
XVII. Uhrwerke und Automata sonora.
XVIII. Korallen und mancherley Gewächse aus der mittelländischen See, dem rothen und andern Meeren.
XIX. Mechanische Erfindungen zu Aufhebung schwerer Gewichte.
XX. Eine schöne Sammlung von etlichen hundert Arten Marmor, Achat, Alabaster etc. mit den dabey gefügten Benennungen derselben. Dabey ist die Inscription zu lesen: In scopulis quoque ipsis & lapidibus reperit natura in quo delectaret. S. AMBROS. Præfat. in Psalmos. Ferner ist
XXI. Pala annuli in Monumento Christiano reperta cum Delphino & Anchora & Siglis mysticis ΙΧΘΥC.
XXII. Irrdene Gefäße aus allerley Ländern, Porzellan aus Japan, China, Persien etc.
XXIII. Brustbilder der alten Kaiser, imgleichen der heil. Maria mit dem Christkindlein aus kleinen Glasperlen von verschiedenen Farben, so manmargaritini nennt, zusammengesetzt.
XXIV. Proben von kleinen Schriften, worunter das Hohelied Salomonis in hebräischer Sprache auf einen Platz von anderthalb Spannen lang und nur zween Finger breit gebracht ist. Etliche solcher Schriften stellen Bildnisse und Portraite vor.
XXV. Anaglypha testacea.
XXVI. Irrdene Gefäße, woran die Malerey dem Raphaeli Urbinati zugeschrieben wird.
XXVII. Bildnisse berühmter Leute, z. E. Petrarchä, Mich. Angelo Buonarotä etc.
[487] XXVIII. Hüte, Mützen und andere Sachen, so aus den fibris oder Fäden auswärtiger Bäume und Blätter verfertiget worden.
XXIX. Versteinerte Sachen; malthesische Schlangenzungen, Elephantenzähne, ebur fossile etc. worunter das sonderbarste ein ganzer menschlicher Körper, der in Stein verwandelt worden. Die Hirnschale mit der Nase sieht man ganz deutlich, das übrige aber und der unterste Theil des Leibes ist als ein Klumpe von Tropfstein anzusehen.
XXX. Gelübde und Tabulæ votivæ, amuleta etc. aus dem Heidenthume.
XXXI. Alte Inscriptionen, worunter eine Volcano Quieto Augusto.
XXXII. Schreibgriffel, Armbänder, Schnallen, Schlüssel etc. der Alten.
XXXIII. Alte Siegel, Gewichte etc.
XXXIV. Opfergeräthschaften.
XXXV. Spitzen von alten Pfeilen und Spießen.
XXXVI. Fragmenta ærea eruditæ antiquitatis, z. E. ein alt Monument einer gepflanzten Colonie, welches zwey Kälber vorstellet, hinter welchen ein Pflug mit zween vorgespannten Ochsen, und einem Manne, der diese treibt, folgen; viele kleine Götzenbilder, Priester, metallene Lampen, und ein großer Adler, dergleichen die Legionen zum Kriegszeichen führten.
XXXVII. Pfeile, Bogen, Schilde und anderes Gewehr von barbarischen Nationen.
XXXVIII. Marmornel bas-reliefs und Götzenbilder von verschiedenen Völkern, womit etliche Schränke angefüllet sind.
XXXIX. Kleine undzarte irrdene Gefäße aus mancherley Landen.
XL. Irrdene Lucernen.
XLI. Urnen, worunter viele sehr hoch und länglich sind; vasa lacrymatoria etc.
XLII. Köpfe von alten Statuen, mancherley Larven etc.
XLIII. Gebeine von großen Thieren.
XLIV. Waffen verschiedener Thiere, z. E. ein Horn vom Rhinoceros, von einem Einhorne etc.
XLV. Aegyptische Mumien.
XLVI. Einegroße Sammlung von allerley Seemuscheln, worunter eine, Tiara Pontificis genannt, so giftig ist, daß alle Thiere, die von ihr verletzet werden, sterben müssen.
XLVII. Eine große Dachziegel, gezeichnet †Rege Dom. nostro Theodorico felix Roma.
XLVIII. Noch vielerley Inscriptionen in Marmor; ein fragmentum fastorum Consularium, so nicht auf dem Capitolio gelesen wird, eine rare Münze von der Größe eines Thalers, dabey aber dünn, auf welcher die Anbethung der Weisen aus Morgenland eingeschnitten ist.
XLIX. Hetruscische Alterthümer.
L. Salze und Krystalle.
LI. Glas- und Schmelzarbeit, meistentheils aus dem Alterthume.
Ich zeige diese Sachen an in der Unordnung, worinnen ich sie gefunden, lasst auch viele schlechte und bisweilen auf Kindereyen hinaus laufende Stücke mit Fleiß aus. Mehrere [488] Nachrichten findet man in dem Museo Kircheriano, welches der Jesuite PhilippusBONANNI im 1709ten Jahre zu Rom in Folio mit vielen Kupferstichen herausgegeben hat. Ueber dem Eingange der ersten Galerie stehen die Worte: Jacobus III. Rex Magnæ Britannlæ dignatus hoc Musæum invisere Regia humanitate & benevolentia ingens ipsi pretium addidit die secunda Junii Ann. MDCCXVIII. Rand links: Inscriptionen dieses Musei. Dergleichen Nachricht von dem Besuche des Pabstes Clemens des eilften 1718 ist auf der andern Seite der Thür zu lesen. Mein Herr kann leicht aus unsern ehemals gehabten Unterredungen erachten, daß ich mich in dieser Sammlung des P. Kirchers mit vieler Sorgfalt nach einer chymischen Vegetation, durch welche Vögel, Kräuter und Bluhmen aus ihren Aschen wieder hervorgebracht werden, umgesehen, und da ich solche nicht gefunden, bey den Jesuiten nachgefraget habe, ob dieselbe nicht ehemals unter des P. Kirchers Verlassenschaft sey anzutreffen gewesen; allein es will niemand hier etwas davon wissen, welches mich desto mehr in der Meynung bekräftiget, daß alles dasjenige, was Monconys, Schott, Gaffarel, Digby, Vallemont und absonderlich P. Kircher davon geschrieben haben, Fabeln sind. Rand links: Anmerkung über diePalingenesiam der Pflanzen. Ich bin jederzeit auf diese Sache begierig gewesen, und habe mich sowohl in den Niederlanden, in England, Frankreich, Dännemark und Italien, als in Deutschland lange Jahre her bey geschickten Chymicis und in allen kostbaren Kabinetten wiewohl mit vergeblicher Bemühung darnach erkundiget. Dieses ist zwar, wie ich gestehen muß, kein schließender Beweis, allein jedoch ein großer Anlaß zu einem gegründeten Zweifel. Alle Salze und Metalle, so in einem Liquido aufgelöset worden, hängen sich bey erfolgender Ausdünstung des Dissolventen an den Seiten des Gefäßes mit ihren subtilen Theilchen wieder an8, da es denn nicht anders seyn kann, als daß aus solcher Concretion oder Crystallisation zuweilen solche Figuren entstehen, welchemit Bäumen, Kräutern, Bluhmen etc. einige Gleichheit haben. Man versuche nur des Winters an den gefrornen Fenstern, ob man nicht allerley Vorstellungen von Bäumen und Blättern werde daran zusammen bringen können9. Es würde aber wunderlich seyn, wenn man diese fortuitam positionem partium ad partes für eine wahrhafte Vegetation, wie sie in den Bäumen und Kräutern geschieht, ausgeben wollte. Es ist wahr, daß die Crystallisation des in Champagner- oder Burgunderweine aufgelöseten Salis Armoniaci oder Salpeters artige Weintrauben vorstellen; allein daß dieses noch keine rechte Vegetation, oder eine wahre Verwandschaft mit den natürlichen Weinreben anzeige, beweist eben dieselbe hervorkommende Wirkung, wenn das Sal Armoniacum auch nur in bloßem gemeinen Wasser aufgelöset wird. Und eben dieses Kunststück geht nicht einmal mit Weinean, wenn man ein Porzellangefäß dazu nimmt. Denn aus den verschiedenen Gefäßen, aus der verschiedenen Kälte oder Wärme der Luft, aus verschiedenen Eigenschaften des auflösenden Liquoris, und aus den verschiedenen Salibus, so aufgelöset werden, kommen auch verschiedene so genannte Vegetationes hervor. Die Proben davon sind leicht zumachen, weil man Alaun, Vitriol,Sal marinum, Armoniacum, Salpeter, Crystallum minerale, Sal de duobus und dergleichen ohne große Unkosten haben kann. Aus diesem Schattenwerke der Pflanzen ist man auf die Palingenesiam der Bluhmen gerathen, von diesen ferner auf die Hervorbringung der Vögel und anderer Thiere aus ihrer Asche, und endlich gar auf die Auferweckung [489] eines menschlichen Körpers, mit welcher Thorheit etliche Chymisten schwanger gegangen sind.
Mein Herr lasse sich bey solchen Umständen nur die Hoffnung vergehen, daß ich ihnen in itztgedachtem Stücke viele Geheimnisse werde auf meiner Reise verschaffen können. Ich theile indessen folgende Manier Arborem Philosophicam oder Dianæ zu verfertigen mit, weil ich nicht weis, ob er sonst schon in einer chymischen Schrift bekannt gemacht sey: Rand rechts: Vom Arbore Philosophica.
Rec. Mercurii purificati drachmas 2, dissolve in Aquæ fortis uncia 1, seorsim solvatur Luna cupeliæ in duplo Aquæ fortis, dissolutiones simul conjungantur, & leni igne tertia pars liquoris extrahatur, postmodum vase clauso in frigido stare permiseris per 5 vel 6 horas, sie Luna & Mercurius simul in Crystallos concrescent, & elevabuntur usque ad superficiem liquoris, a medio incipientes in formam arboris cum suo trunco & ramis.
In dem Collegio Urbano de propaganda Fide, werden sechs und dreyßig junge Leute, welche mit der Zeit als Mißionarien außerhalb Europa sollen gebraucht werden, unterrichtet, und ist zu besserer Ausbreitung der christlichen Religion in Asien allhier eine besondere Buchdruckerey zu orientalischen Schriften angeleget. Rand rechts: Collegium Urbanum de propaganda fide. Das Gebäude ist schön und vom Bernini angegeben.
Des Collegii Germanici habe ich schon bey der Kirche di S. Apollinare erwähnet, und mehr als zwanzig andere gehe ich mit Stillschweigen gänzlich vorbey, um nicht gar zu weitläuftig zu seyn. Rand rechts: Andere Collegia.
S. Clemente in Monti ist eine von den ältesten Kirchen der Stadt Rom, und darinnen der Altare isolé mit seinen schönen Porphyrtafeln, Marmorseulen und zweyen pulpitis oder Ambonibus von weißem Marmor zu sehen. Rand rechts: S. Clemente in Monti. Bey dieser letzten einem ist eine Seule von altem Mosaique zu bemerken, dergleichen Arbeit man auch an der Decke des Gewölbes hinter dem Altare maggiore findet. Der Fußboden ist sehr artig von kleinen Stückchen Porphyr, Verde antico, gelbem und weißem Marmor etc. in Figuren zusammen gesetzt, auch die Decke schön gemalt und wohl verguldet.
Diese Kirche liegt linker Hand über das Colisæum hinaus, und sind nahe dabey in einem Wein- und Kohlgarten die rudera vieler Bäder und Gebäude, die etliche für des Mäcenas Garten, andere für des Antonini Caracallä Bäder ausgeben. Rand rechts: Alterudera.
S. Costanza fuori di Porta Pia ist rund, und ruhet ihr Gewölbe auf vier und zwan zig Seulen von Granito Orientale, welche Paar und Paar beysammen stehen. Rand rechts: S. Costanza. In der Decke von altem Mosaique sind außer etlichen Vögeln Weintrauben und ihre Auspressung vorgestellet, daher etliche auf die Gedanken gerathen, daß dieses Gebäude vorzeiten ein Tempel des Bacchus gewesen, welchen aber andere widersprechen, und aus ANASTASIOBibliothecario in vita S. Silvestri behaupten, daß Konstantin der große dieses Gebäude nach der Form des Baptisterii vom Lateran aufgeführet, um die zwo Constantias, deren die eine seine Tochter, die andere seine Schwester war, darinnen taufen zu lassen. Rand rechts: (Templum Bacchi.) Das merkwürdigste daselbst ist das große Gefäß oder Grab aus einem einzigen Stücke Porphyr, welches vier Fuß hoch, über fünf breit, achthalb Fuß, oder dreyzehnthalb Spannen lang ist. Rand rechts: Großes Porphyrgefäß. Es sind darauf etliche[490] Kränze und Knaben mit Weintrauben vorgestellt, welche desto mehr zu bewundern sind, je schwerer sich der Porphyr arbeiten läßt. Der Deckel ist gleichfalls aus einem Stücke, aber beschädiget. Etliche machen das Grab der Tochter Ciceronis Tulliolä, andere Tulliä der Frau Tarquinii Superbi daraus, und endlich noch einige, welche die wenigste Wahrscheinlichkeit vor sich haben, Bacchi selbst.
Die Kirche di S. Cosmo e D. miano in Campo Vaccino hat zwo Abtheilungen, davon die erste rund, die andere viereckigt ist. Rand links: S. Cosmo e Damiano. Man bemerkt darinnen einen schönen Altar und die alte mosaische Arbeit an der Tribune, welche Christum mit seinen Jüngern vorstellet. Linker Hand ist ein schwarzer marmorner Stein von der Große und Gestalt eines mittelmäßigen Holländerkäses eingemauert, dessen sonderbare Bedeutung ich nicht erfragen konnte, daher ich ihn bloß für ein altes römisches Gewicht angebe. In dem unterirdischen Gewölbe ist ein Brunnen zu finden, und etwan zehn Stufen tiefer noch ein anderer, der entsprungen seyn soll, als man den Leichnam des h. Felix daselbst herausgenommen. Vor der Kirche stehen zwo porphyrne Seulen, und hält man dafür, daß ehedem Romuli und Remi Tempel hier gewesen, welcher in diese itztbeschriebene Kirche verwandelt worden. Rand links: (Templum Romuli und Remi.)
S. Croce in Gernsalemme ist wegen ihres Alterthums und der heiligen Reliquien eine von den merkwürdigsten Kirchen der Stadt Rom. Konstantin der große erbauete sie auf Anhalten seiner Mutter Helena zu Ehren des gefundenen Kreuzes Christi, von welchem auch drey Stücke hier verwahret werden, nebst einem Nagel, womit Christus aus Kreuz geheftet wor den, und der Ueberschrift des Kreuzes in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache. Rand links:S. Crocein Gerusalemme. Rand links: Kreuze vom Kreuze Christi. Rand links: Ueberschrift des Kreuzes. Nach HonoratiNIQVETI Berichte in Historia Tituli Crucis, lib. I, c. 23. 24. ist diese Ueberschrift erst unter Innocentius dem achten im Jahre 1492 gefunden worden, nachdem sie über tausend Jahre in einer bleyernen Kiste gelegen. Die ganze Geschichte von der Findung des Kreuzes Christi durch Helenen, die Mutter Konstantins des großen ist, wie SALMASIVSde Cruce, p. 296 zeiget, sehr unglaublich, sie wird es aber noch mehr durch die Schwierigkeit, welche sich bey dem itztgedachten Titel findet. Denn zu was wären Wunderwerke nöthig gewesen, um das Kreuz des Heilandes von den andern beygelegenen Kreuzen der Schächer zu unterscheiden und zu erkennen, wenn man die Ueberschrift des Kreuzes Christi dabey entdecket hatte, weil man aus denen daran befindlichen Löchern und Nägeln leichtlich hätte urtheilen können, zu welchem Kreuze sie sich genau schickete, wenn auch gleich die zween mit gekreuzigten Missethäter (wie es glaublich ist) nicht weniger ihre Ueberschriften gehabt hätten. Ein ganz besonderes Wunder hatte eo seyn müssen, wenn die Nagel, womit sie angeheftet gewesen, an allen dreyen Kreuzen Löcher von einerley Tiefe und Entfernung von einander hinterlassen hätten.
Man verwahret ferner in der Kirche di S. Croce zween Dornen aus der Krone, den Schwaam, welchen man mit Eßig und Galle dem Heiland dargereichet, ein Stück vom Rocke Christi, den Finger des heil. Apostels Thoma und viele andere Heiligthümer. Rand links: Andere Reliquien. Ich weis nicht, ob man vermuthen sollte, auch die Würfel, womit die Kriegsknechte um das Gewand Christi gespielet haben, hier anzutreffen, wie sie doch wirklich gezeiget werden10 mit einer andern sehr verdächtigen Reliquie, nämlich dem Querholze des Kreuzes, woran der gute Schächer gehangen. Rand links: Reliquien von Würfeln etc. Die Legenden bezeugen, daß als Helena die drey Kreuze auf dem Berge Calvarii gefunden, und man nicht gewußt, welches dasjenige sey, woran Christus gelitten hatte, solches durch die Auferweckung eines Todren, der mit diesem Kreuze berühret worden, kund gethan sey; allein wie das Kreuz des frommen Schächers von den andern zu unterscheiden [491] gewesen, wird vielleicht noch aus einer geheimen Nachricht offenbaret werden müssen. Rand links: Kreuz des guten Schächers.
Man zeiget auch allhier eine von denen Münzen, wofür Judas den Heiland verrathen hat. Rand rechts: Eine der Münzen, wofür Judas seinen Meister verrathen hat. Die eine Seite derselben stellt einen Kopf mit langen Haaren und Stralen vor, die andere aber eine Bluhme, die von etlichen für eine Sonnenbluhme, von andern aber für eine Rose angesehen wird. Das dabey befindliche Wort ΡΟΔΙΟΝ, es mag solches nun an statt des Genitivi pluralis ῥοδίων gesetzet seyn, oder als ein Adjectivum sich auf das ausgelassene Wort νόμισμα beziehen, deutet an, daß dieses eigentlich eine rhodisische Münze, und die obgedachte Bluhme eine Rose seyn müsse, weil diese im Griechischen ῥόδον genennet wird, und die Alten vorgaben, es habe die Insel davon den Namen bekommen, weil man bey der Grundlegung der Hauptstadt viele Rosenstauden angetroffen. Das stralende Haupt des Phöbusoderder Sonnen zielet auf das im Hafen zu Rhodus aufgerichtete Sonnenbild, welches man unter die sieben Wunder der Welt zählete. Mehrere solcher rhodiser Münzen mit einer Rose und dem stralenden Haupte der Sonne finden sich beym SELDENOde Jure Nat. & Gent. lib. II, c. 8. HubertoGOLZIOin Num. Insul. Tab. II. de laCHAVSSE, BEGERO und andern, sie sind aber kaum halb so groß und schwer, als die jüdischen Silberlinge oder Sekel, deren Preis insgemein auf einen halben Thaler gerechnet wird; und solchergestalt hätten viele Stücke gegeben werden müssen, um den Werth der dreyßig Silberlinge auszumachen. Die Soldaten, fremden Juden, Handelsleute und römische Bediente brachten vermuthlich mancherley fremde Münzsorten nach Jerusalem: und daß dergleichen gäng und gebe im Lande gewesen, sieht man aus dem Zinsgroschen mit des Kaisers Bildnisse, welchen man dem Herrn Christo vorgezeiget; es steht auch nicht, daß dem Verräther Judas seine bedungene Belohnung in harten Silberlingen sey ausgezahlet worden. Allein alles dieses beweist nur, es sey keine Unmöglichkeit, daß eine rhodisische Münze bey diesem Handel gebrauchet worden, keinesweges aber, daß insbesondere dieses Stück. so man in S. Croce aufbehält, mit dazu genommen worden. Besondere Gründe dieser letzten Meynung weis man nicht anzuführen, sondern es kömmt alles auf eine mündliche Tradition an. Der Töpfer, welchem man die dreyßig Silberlinge für seinen Acker gezahlet, wird sie schwerlich von seinen andern Vermögen abgesondert oder sie als ein Schatzgeld aufgehoben haben, und wenn auch ein Christ wissentlich ein solches Stück bekommen hätte, würde er es vermuthlich mehr wie ein verfluchtes und von ihm verabscheuetes Geld weggeworfen, als für eine sonderbare Rarität aufgehoben haben. Man zeiget an mehrern Orten solche Silberlinge, für welche Judas seinen Herrn und Lehrmeister überantwortet haben soll, und sind darunter einige von jüdischem Gepräge, wie denn diese Nation das Recht zu münzen behalten, auch nachdem sie unter das römische Joch gebracht war. Man machte voralters keinen solchen Gewinn und Profit damit, wie heut zu Tage zu geschehen pfleget, und daher war niemand bedacht, ein sonderbaresRegale daraus zu machen, dessen sich keine andere als mit der höchsten Majestät prangende oder von selbiger damit begnadigte Städte hätten gebrauchen dürfen. Unter den jüdischen Münzen hat man doppelte, einfache, halbe und Vierthel-Sekel, auf deren einer Seite insgemein der wunderbare Stab Aarons zu sehen ist, mit der Ueberschrift: Jeruschalaim Kodschan, d.i. das heilige Jerusalem; auf der andern aber der Krug mit dem Manna oder ein Rauchfaß, mit den Worten: Schekel Jisrael. d.i. ein Sekel Israel. Es kann aber ebenfalls so wenig versichert werden, daß Judas mit solcher Münzforte bezahlet worden, als daß dieses oder jenes Stück insbesondere unter der Zahl der besagten Silberlinge gewesen sey. (conf. BYNAEVSde morte Christi cap. IV.)
[492] Bey dieser Kirche ist auf einmal für sechstausend und acht und zwanzig Jahre Ablaß zu holen. Rand links: Reicher Ablaß. Ihr Fußboden ist schön eingelegt, und zwölf große Pfeiler von Granito Orientale unterstützen die Architraven. Der Hanptaltar hat gute Marmorarbeit, und unter demselben liegen die Körper des heil. Cäsarei und Anastasii in einem porphyrnen Sarge. Die Tribune ist vom Penturecchioà fresco gemalt, und stellet die Erfindung des Kreuzes Christi mit den Gemüthsneigungen der Umstehenden sehr wohl vor. In der andern Kapelle rechter Hand beym Eingange in die Kirche ist das Schisma Petri Leonis in einem Gemälde vom Carolo Maratta. Zu Ende dieser Seite ist die kostbare Kapelle von St. Helena, worein diese Kaiserinn eine ganze Schifsladung von der Erdedes Calvarienberges, auf welche ihrem Vermuthen nach das Blut Christi geflossen war, hat bringen lassen. Rand links: (Erde vom Calvarienberge.)
Man sollte meynen, weil diese Dame sich um die Heiligthümer sehr verdient gemacht, so könne es nicht fehlen, ihr Geschlecht müsse auch einiges Vorrechtes bey selbigen zu geniessen haben. Rand links: Keine Weibsperson wird in St. Helena Kapelle gelassen. Allein es findet sich gerade das Gegentheil, indem keine Weibsperson in diese Kapelle gelassen wird, es sey denn am 20 März, als am Einweihungsfeste dieser Kirche, an welchem hingegen keine Mannsperson den Zutritt in dieselbe hat. Die Decke stellt in schöner mosaischer Arbeit vom Balthasar Peruzzi unsern Heiland vor unter den vier Evangelisten und vielen Engeln. Pomarancio hat die Gemälde von der Erfindung des Kreuzes verfertiget.
In dem mittelsten Altare war ehemals St. Helena mit Oelfarben vom Peter Paul Rubens zu sehen, an deren Stelle itzt die treffliche weiß-marmorne Statue dieser Heiliginn, so ein Kreuz hält, bemerket wird. Rand links: Treffliche Statue St. Helena. Es sind von itztgemeldtem Künstler noch zwey andere schöne Stücke allhier zu finden, nämlich Christus mit der Dornenkrone, und die Kreuzigung des Heilandes.
In dem Garten des daran liegenden Klosters, so mit Cisterciensermönchen besetzet ist, finden sich die rudera des Tempels der Venus und des Cupido oder Adonis: man sieht auch in dieser übrigen ganzen Gegend viele Ueberreste von Alterthümern, insonderheit von Wasserleitungen. Rand links: (Templum Veneris.)
Der berühmte Benedictiner D. Bern. deMONTFAVCON hatte in gemeldtem Kloster folgende Inscription entdecket: Rand links: Exempel, wie die gelehrtesten Leute in geringen. Rand links: Dingen fehlen können. z E. Montfaucon.
ANIA L. INGRATIVS HOMINE NVLLVM EST.
und in seinem Diario Italico, edit. Paris. 1702, p. 111 vermeynt, man müsse lesen: Annia Liberta. Allein man muß diesem gelehrten Manne Gerechtigkeit wiederfahren lassen, daß er der erste gewesen, der seinen Irrthum, und in der Inscription die bekannte Sentenz erkannt: Animal ingratius homine nullum est, wie ich solche Verbesserung nicht nur von seiner eigenen Hand in diesem mir ehemals gegebenen Buche, sondern auch in etlichen andern auf sein Veranlassen geänderten Exemplaren gefunden habe. Ich führe solches allhier zu diesem Ende mit an, damit man sehe, daß in ganz gemeinen Dingen Fehler können begangen werden von Leuten, welchen übrigens das Lob einer großen Gelehrsamkeit nicht kann abgesprochen werden. Salmasio ist auf gleiche Art entfallen, daß er in einem gedruckten Werke gesetzt, Christus sey zu Jerusalem gebohren, welcher Fehler aber noch zu rechter Zeit geändert worden, als ein anderer, der hiezu keine große Gelehrsamkeit vonnöthen hatte, ihm desfalls eine Erinnerung gab. Rand links: it. Salmasius.
Die Kirche di S. Domenico e Sisto al Monte Magnanopoli gehöret den Dominicanernonnen, welche einen großen Schatz von Silberzeuge besitzen. Rand links: S. Domenico e Sisto. Auf dem Hauptaltare ist das Bildniß der heil. Maria, wie solches der Evangelist Lukas gemalet hat, zu sehen. Ueber [493] dem Altare ist die Herrlichkeit des Paradieses vom Canuti vorgestellt. Daß die Besitzerin nen dieser Kirche so viele heilige Nonnen ihres Ordens in dieses Paradies haben malen lassen, ist ihnen nicht zu verdenken, weil es ihnen ihr Geld gekostet hat. Die erste Kapelle zu: rechten Hand ist vom Bernini angegeben, und die zwo trefflichen darinnen befindlichen Statuen des Herrn Christi und der Magdalena aus weißem Marmor zeugen von Antonii Raggi sonderbarer Geschicklichkeit. Auf jeder Seite steht eine fast blutrothe marmorne Seule, wel che verdienen gesehen zu werden, sowohl als die in andern Kapellen bestehenden Gemälde, de ren eines die Verlöbniß der heil. Katharine vorstellet, vom Allegrini, und das andere die Madonna del Rosario, die in der einen Hand den Rosenkranz und ihr Kindlein auf dem Arme hält, vom Romanelli. Rand rechts: Treffliche Seulen und Gemälde. Rand rechts: Maria mit dem Rosenkranze.
In der Kirche S. Francesco à Ripa grande ist die Kapelle der Beatæ Ludovicæ Albertoni zu sehen, auf deren Altartische die treffliche Statue der itztgenannten Heiliginn, wie sie gleichsam in einer Entzückung liegt, aus weißem Marmor vom Chev. Bernini verfertiget ist. Rand rechts: St. Francesco. Rand rechts: Treffliche Statue.
In der Kapelle der Pallavicini stehen auf dem Altare zwo schöne große Seulen von Diaspro verde, und auf den Seiten zwey wohlgearbeitete Grabmonumente der gedachten Familie. Rand rechts: Begräbnisse. In der Kapelle, wo das Epitaphium und die schöne vom Nik. Menghini verfertigte Statue der Laura Mattei zu sehen ist, findet sich auch das Gemälde des Annibal Caracci, welches den todten Leichnam Christi mit den dreyen Marien und andern Personen vorstellet. Die marmornen Denkmaale der im Jahre 1635 verschiedenen Lauræ Frangipanlæ und des Kardinals Horatii Matthæi Tit. S. Laurentii, der im Jahre 1686 gestorben ist, haben gleichfalls ihre Schönheiten.
In der obern Kapelle des Klosters, worinnen ehemals St. Franciscus Wohnung gewesen, sind auf dem Altare unter andern Heiligthümern drey Stücke vom Kreuze Christi zu sehen, desgleichen ein Christkindlein, dessen Hemde ganz mit Rubinen und andern Edelgesteinen besetzet ist. Rand rechts: Oratorium S. Francisci.
Nicht weit von der Facciata dieser Kirche liest man folgende zum Lobe Paulus des fünften wohlgesetzte Inscription: Rand rechts: Monument zum Lobe Paulus des fünften.
Paulo V. Pont. Opt. Max.
Quod Urbem augustissimis Templis & ædificiis illustraverit; Transtiberinam regionem uberrimis rivis ex agro Brachiano supra Janiculum ductis irrigaverit, noxiis olerum hortis in pomaria domosque distributis; cœlo salubritatem reddiderit, privatorumque censum auxerit: viis qua apertis, qua amplificatis directisque insignia SS. Benedicti & Francisci Monasteria, Portamque Portuensem in nobiliorem prospectum dederit; expedito utroque Fabricii Pontis aditu, & scalis ad Tiberis alveum deductis civium, peregrinorum, nautarum commodis consuluerit,
S. P. Q. R.
Publicis ad Deum votis atque muneribus Felicitatem precatur MDCXI.
S. Giacomo degl' Incurabili hat seinen Namen von dem dazu gehörigen Krankenhospital. Rand rechts:S. Giacomo degl'Incurabili. Es sind in derselben gute Gemälde zu sehen, und sonderlich in der andern Kapelle rechter Hand des Einganges ein schönes bas-relief aus einem Stücke von weißem Marmor, so Franciscum di Paola vorstellt, wie er die Kranken besucht.
Rand rechts: S. Giacomo scossa Cavalli. S. Giacomo scossa Cavalli hat seinen Namen von denen Pferden, welche einen Wagen voll heiliger Reliquien, die zur Zeit der Kaiserinn Helena aus S. Croce di Gierusalemme[494] nach der St. Peterskirche gebracht werden sollten, auf dem hiesigen Platze nicht weiter ziehen wollten, man mochte sie auch antreiben, so viel man wollte. Rand links: Reliquien. Man hielt dieses für eine Andeutung Gottes, und solchemnach blieben die Heiligthümer hier, unter welchen der Stein, worauf Abraham seinen Sohn opfern wollte, ein anderer, worauf Christus gestanden, als er im Tempel dargestellet wurde, desgleichen heilige Erde von Jerusalem, und etlichen Tropfen vom Blute Christi befindlich sind.
Die Kirche del Giesù ist eine von den schönsten in der Stadt Rom. Rand links: hiesa del Giesù. Die Architectur davon hat Jac. Barozzi da Vignola angegeben, undJac. della Porta ausgeführet. Die meisten Unkosten hat der Kardinal Alex. Farnese, ein Vetter des Pabstes Paulus des dritten, welcher den Jesuiterorden approbiret und gut geheißen hat, hergeschossen. Die Facciata ist von Tevertini oder Quadersteinen, die von Tivoli kommen, mit jonischen und korinthischen Pfeilern, die Thüren aber von einem raren festen Holze, das zu solchem Ende aus America gebracht worden. Rechter Hand des großen Altars liegt der Kardinal Bellarminus begraben: die Statuen der Religion und Weisheit, womit sein Grabmaal pranget, sind vom Chev. Pietro Bernini gearbeitet. Rand links: Grab des Kardinals Bellarmini. Der Altar selbst hat vier Seulen vonGiallo antico und ein gutes Gemälde vom Hieronymo Mutiani, so die Beschneidung Christi vorstellet. Die zwölf Apostel von bronzo dienen an statt der Leuchter, und außer dem Altare stehen auf jeder Seite sechs große metallene Engel als in einem Amphitheater herum, um gleichfalls die Lichter oder Wachsfackeln zu halten. Die Kapelle St. Francisci Xaverii, welche von dem Haupteingange der Kirche die dritte in der Ordnung auf der rechten Hand ist, hat der Kardinal Negroni nach des Cortona Dessein bauen lassen, und finden sich darinnen vierkostbare marmorne Seulen; die dazu gehörige Cappelletta hat zwo schöne Seulen aus grünem Marmor, und ein Gemälde vom Vecchi, wie St. Franciscus den Hühnern und Vögeln prediget. Die Cuppola und das ganze Gewölbe der Kirche ist unter Innocentius dem eilften vom Baciccio Gauli einem Genueser, mit großer Kunst gemalet, und liest man unter der Menge der Engel nicht weit vom Eingange der Kirche die Worte:
In nomine Jesu omne genu flectatur, cœlestium, terrestrium & inferorum.
Das herrlichste in der ganzen Kirche ist die Cappella S. Ignatii Lojolæ, welche außer der großherzoglichen florentinischen Begräbnißkapelle ihres gleichen nirgcnds hat, und erst im 1699sten Jahre zu Stande gebracht worden ist, unter der Aufsicht des wegen seiner Malerey und Baukunst sehr berühmten Jesuiten Andrea del Pozzo. Rand links: Kostbare Kapelle St. Ignatius. Der Fußboden vor dem Altare ist in Bluhmen und arabeschi oder Laubwerk von kostbaren Steinen eingelegt; die Fußtritte daran von Porphyr und anderm Marmor, und die Predella oder der Platz, worauf der Priester auf der obersten Staffel vor dem Altare steht, abermals un commesso oder eine zusammen gesetzte Arbeit von schönen polirten Steinen. Unter dem Altartische ist der Leib des heil. Ignatius in einem metallenen und verguldeten Sarge, vor welchem der Namen Jesu aus Krystall zusammen gesetzt wegen der dahinter brennenden Lampen einen großen Schein von sich giebt. Il Paliotto, oder die Bekleidung des untern Altares ist an Festtagen von gediegenem Silber, aber durchbrochen, damit besagter Sarg und Namen in die Augen falle. Ein wenig über dem Altartische halten zween verguldete Engel den Wahlspruch des h. Ignatius: Ad majorem Dei gloriam, von Lapis Lazuli zusammengesetzt. Auf dem Altare sind vier große canetirte oder nach der Lauge herunter eingekerbte und gestreifte Seulen zu sehen, welche ohne ihre bases und Capitaux (so von verguldetem bronzo sind), acht und zwanzig palmi Romani oder ein und zwanzig Werkschuhe in der Höhe und einen Diameter von drey palmi und sieben Zollen in ihrer größten Dicke haben. Diese große Seulen sind mit Lapis [495] Lazuli, der in bronzo dorato gefasset ist, überzogen, und geben dem Altare ein ungemeines Ansehen. Es sind auch über den Architraven etliche Kugeln von Lazuli doppelt so groß, als ein Menschenkopf. Rand rechts: Anmerkung vom Lazulisteine. Dieser Stein, den etliche für den Cyanæum der Alten halten, ist so schwer zu arbeiten, und wenn er die rechte hohe blaue Farbe rein hat, so kostbar, daß man die hieran verwandte Unkosten nicht genugsam bewundern kann. Der beste kömmt aus der großen Tartarey, die Jesuiten aber wissen ihn durch ihre ausgebreitete Missionen und Colonien von allen Orten der Welt zusammen zu bringen. An dem Altare zeigt sich ein Gemälde auf Holz, welches man herunter lassen kann, und alsdann kömmt die silberne Statue St. Ignatii in einer verguldeten Kleidung, die mit Perlen und Diamanten gleichsam besäet ist, zum Vorscheine. Rand rechts: Silberne Statue St. Ignatius. Pierre le Gros, ein Franzose, hat sie modelliret oder die Form dazu verfertiget, Giov. Federico Ludovici aber gegossen und völlig ausgearbeitet. Sie ist sechszig palmi hoch, und wiegt siebenhundert Pfunde. Bey ihr stehen noch drey andere silberne Figuren. Auf jeder Seite des Altars ist einGruppo11 von Statuen aus weißem carrarischen Marmor zu sehen. Sie sind beyde groß und von schöner Arbeit. Die eine stellt die christliche Religion vor, wie sie die heidnische Abgötterey vertilget, und zu dessen Anzeichen ein Buch mit Füßen tritt, auf dessen Rücken die Worte zu lesen sind: Cames Fotoques Amida & Xaca. Rand rechts: Zwo andere schöne Statuen. Die Abgötterey ist unter dem Bilde einer vom Blitze niedergeschlagenen Schlange abgebildet, nahe bey welcher der König von Bungo in Japan sich dem christlichen Glauben unterwirft. An diesem Werke hat Jean Theodon ein französischer Bildhauer, seine Kunst gezeiget. Der andere Gruppo kömmt aus den Händen des le Gros, und ist wegen seiner Arbeit nicht weniger zu rühmen. Die Religion tritt hier eine Furie und die Ketzerey, so eine Schlange in der Hand hält, mit Füßen. Bey diesen liegen drey Bücher, die drey besondere Titel auf ihren Rücken führen, nämlich 1) Martin Luther, 2) Joh. Calvin, 3) Hulderich Zwingel.
Das Fundament dieses großen Altares ist Alabastro Orientale, und sind an dem ganzen Werke die raresten Marmorarten und andere kostbare Steine nicht gesparet.
Auf jeder Seite der Kapelle ist eine Thür von breccia antica, so roth und weiß gemischet ist. Ueber derselben sind die Chore für die Musik mit verguldetem Laubwerke zu sehen, und muß man etlichemal in diese Kirche kommen, ehe man alle ihre Schönheiten zur Genüge betrachten kann. In der Sacristey ist ein unglaublicher Reichthum. Es ist kaum nöthig zu melden, daß diese Kirche den Jesuiten zugehöre, welche gleich dabey ihr Profeßhaus und darinnen eine schöne Bibliothek haben. Von ihrem Novitiat und Collegio Romano habe ich schon oben gehandelt, und von der Kirche St. Ignatii wird sich noch Gelegenheit zu schreiben finden.
In der Kirche di Giesù e Maria al Corso sind außer den schönen Gemälden sechs Begräbnisse von der Familie Bolognetti zu sehen, nebst dem Grabmaale des Canonici del Corno, welches Dominico Guide mit vieler Kunst in Marmor verfertiget hat. Rand rechts: Chiesa di Giesù e Maria al Corso. Die Inscription ist: Rand rechts: Epitaphium Camilli a Cornu.
Hic situsCamillusa CORNV
Patritius Tarvisinus
& Canonicus, genio Principum
gratus & amicorum
Vir acris consilii
Omnigenæ literaturæ
[496] & fidei verè Germanæ
Moriens XIII. Febr. MDCLXXX. ann. LXX.
Reliquit huic Templo scuta 4000.
Posteris desiderium.
Die Kirche S. Gioseppe de Falegnami ist auf Unkosten der Tischler, Zimmerleute und Wagner, welche eine geistliche Brüderschaft aufgerichtet haben, nach dem Risse des berühmten Giac. della Porto erbauet, und finden sich darinnen gute Gemälde, absonderlich aber die Geburt Christi vom Carlo Maratti. Rand links: S. Gioseppe de Falegnami Unter dieser Kirche und gleichsam in ihrem Grundgewölbe ist S. Pietro in Carcere.
S. Giovanni Battista in fonte ist am Lateran, und wegen des Taufsteines, worinnen nach der heutigen Römer Vorgeben Konstantin der große vom St. Sylvester getaufet worden12. berühmt. Rand links: S. Giovanni Batt. in fonte.
Itzt sieht man in der Mitte dieses achteckigten Gebäudes ein großes Gefäß aus Pietra Egizzia mit einem Deckel von verguldetem bronzo. Rand links: Von Konstantins des großen Taufe. Rings herum stehen acht außerordentlich große porphyrne Seulen, so bey funfzehn Fuß hoch und anderthalb Klaftern dick sind. Wie etliche vorgeben, so hat man solche aus dem Pallaste des Pilatus zu Jerusalem genommen. Die acht Gemälde der Cuppola sind vom Andrea Sacchi, und die Fresco-Stücke in der Kirche vom Carlo Maratti, Gimignani, Camassei und Magnoni. Was man von den ehemaligen Reichthümern dieser Kirche und den unglaublichen Geschenken Konstantins des großen an dieselbe schwatzet, sind allem Ansehen nach Fabeln, welche sich samt der Tradition von Konstantins des großen Tausezu Rom auf nichts gründen, als auf die verdächtige Vitas Pontificum, so dem St. Damasus zugeschrieben werden. Allhier wird jährlich am Sonnabend vor dem Ostertage die Taufe der Türken und Juden durch den Kardinalvicarium verrichtet.
Auf der einen Seite dieser Kirche geht man in die Kapelle S. Joh. Baptistæ, und gegenüber in die Kapelle S. Joh. Evangelistæ. An beyderseits Pforten sind zwo kleine Porphyrseulen, und werden niemals Weibspersonen eingelassen. Vor der ersten Kapelle gegen den Taufstein hin, sieht man eine große eiserne Thür, die ehemals in Konstantins des großen Hause gewesen. Selbst die Kapelle S. Joh. Baptistæ soll diesem Kaiser zur Wohnung und Kammer gedienet haben. Man zeigt hierinnen das kleine Fenster, durch welches der Engel Gabriel zu der h. Mutter Maria gekommen. Rand links: Fenster, durch welches der Engel Gabriel gekommen. Anitzt ist es zugemauert.
Nächst hieran stößt die Kapelle der heil. Ruffina und Seconda, nebst der von St. Venantio, in welcher letztern zehn schöne schwarz-marmorne Seulen und zwey wohlgearbeitete Grabmaale der Kardinäle Ceva zu sehen sind.
Man besieht diese gemeldte Kapellen bequemlich zugleich mit der Basilica di S. Giovanni Lateraneuse, über deren äußerstem Eingange und der Hauptpforte an dem Architrave folgende Versus Leonini zu lesen sind: Rand links: S. Giovanni Lateranense.
Dogmate Papali datur, & simul Imperiali,
Quod sim cunctarum Mater Caput Ecclesiarum,
Hinc Salvatoris cœlestia regna datoris
Nomine sanxerunt, cum cuncta peracta fuerunt,
[497] Sie nos ex toto conversi supplice voto,
Nostra quod hæc Ædes, tibi Christe sit inclyta Sedes.
An der innersten Seite steht:
Sacrosancta Lateranensis Ecclesia, omnium Urbis & Orbis Ecclesiarum Mater & Caput.
Sie gehöret mit unter die vier Kirchen, welche imAnno Sancto oder Jubeljahre besuchet werden müssen, daher sie auch mit einer vermauerten Pforte, welche bey solcher Gelegenheit durch den Kardinal Erzpriester geöffnet wird, versehen ist. Diese Pforte unterscheidet man leicht durch das metallene und verguldete Kreuz, so daran zu sehen, und etwas kleiner als das von der St. Peterskirche ist. An dem großen Portal befinden sich die Thüren von bronzo, welche ehemals im Templo Saturni, der in die Kirche St. Adrians verwandelt worden, in foro Romano gewesen. Rand rechts: Thüren aus dem Temple Saturni.
Am Johannisfeste ist in dieser Kirche auf neun und zwanzigtausend Jahre Ablaß zu holen. Rand rechts: Neun und zwanzigtausend Jahre Ablaß. Längst dem mittlernNavi oder Gewölbe stehen zwölf große Statuen der Apostel, jede aus einem einzigen Stücke von weißem Marmor von den besten Künstlern gehauen, und zwar jede zwischen zwoen kostbaren Seulen vonVerde antico. Ueber ihnen sind bas-reliefs, und noch höher eben so viele Propheten gemalet. Das Bildniß unsers Heilandes von mosaischer Arbeit, so in vielen Feuersgefahren unbeschädigt geblieben, ist über der Tribuna, allwo er auch wunderbarer Weise erschienen, als diese Kirche eingeweihet worden. Sie wird zwar vom St. Johannes benennet wegen der Kapelle Johannis des Täufers, und Lateranensis von dem Römer Plantio Laterano, der unter dem Nero hingerichtet wurde, und hier seine Gärten hatte; allein der eigentliche Schutzherr, dem sie gewidmet, ist Christus.
Man geht um den Hauptaltar, welcher frey steht, herum, wie in der Domkirche zu Mayland, und findet man hinter der Tribuna etliche schöne Grabmaale Gabriel Philippuccii, Angeli Baracciani und des berühmten Malers Andreä Sacchi, welcher, wie in der Grabschrift gemeldet wird, picturæ ac vitæ lineas absolvit d. 21. Jun. 1666. ætat. 62. Rand rechts: Grab des Malers Andreä Sacchi. Ferner sind daselbst zu sehen die zwo ersten Statuen, die man vom Petro und Paulo gemacht haben soll. Rand rechts: Aelteste Statuen Petri u. Pauli. Eine knieende Person, so zwar ein männliches Gesicht und Runzeln, aber keinen Bart hat, wird von etlichen für die Johanna Papissa angesehen, von andern aber für Nikolaus den vierten ausgegeben. Rand rechts: Statua Johannæ Papissæ. Sie ist mit einer päbstlichen Krone gezieret und in weißem Marmor gehauen. In dem Hauptaltare ist ein anderer von Holz eingeschlossen, auf welchem St. Petrus Messe gelesen haben soll. Rand rechts: Altar, worauf Petrus Messe gelesen. Heut zu Tage darf niemand dasselbe darauf verrichten außer dem Pabste, und dem er schriftliche Erlaubniß dazu gegeben, welches aber auf nicht mehr als eine Messe geschehen darf Unter denen Reliquien, so in diesem altari Papali aufgehoben werden, befinden sich die Köpfe St. Petri und St. Pauli, eine Schulter des heil. Laurentii, ein Zahn des Apostels Petri, die Haare und Kleidung der heil. Maria, die Leinwand, womit Christus seinen Jüngern die Füße getrocknet, als er sie gewaschen hatte13, das Purpurkleid, so mit seinem Blute bespritzet ist, das Schweißtuch, welches im Grabe über seinem Gesichte gelegen; etwas von dem Blute und Wasser, so aus seiner Seite geflossen; ein Stück Gerstenbrodt von denenjenigen, womit fünftausend Mann gesättiget worden. Rand rechts: Reliquien: Tuch, womit Christus den Jüngern die Füßegetrocknet hat. Rand rechts: Ein Gerstenbrodt von denen, so Christus gebraucht.
[498] Auf dem Altare del SS. Sagramento steht ein Tabernakel, so aus vielen kostbaren Steinen zusammen gesetzet ist von der künstlichen Hand des Pompeji Targoni, der den berühmten Damm vor Rochelle angegeben, und also auf gar verschiedene Arten sei nes Namens Gedächtniß gestiftet hat. Vor diesem Altare stehen vier canelirte Seulen von verguldetem Metalle, und vier andere von korinthischer Ordnung aus grünem und weißem Marmor sind auf dem Altare zu finden. Rand links: Sonderbare Seulen. Was die ersten betrifft, so geben etliche vor, Titus Vespasianus habe sie aus dem Tempel zu Jerusalem genommen und nach Rom gebracht; andere wollen, Augustus habe sie gießen lassen aus denen metallenen Rüstungen, womit die Vordertheile der Schiffe seiner überwundenen Feinde Cleopaträ und Marci Antonii versehen gewesen; andere glauben, Sylla habe sie aus dem asiatischen Tempel des Jovis Olympici geholet; andere endlich behaupten, Domitianus habe sie gießen und ins Capitolium setzen lassen. Es steht jedem frey zu glauben, was er will. Anitzt sollen sie mit heiliger Erde aus dem Grabe Christi, welche Helena, die Mutter Konstantins des großen von Jerusalem gesandt hat, gefället seyn. Rand links: Erde aus dem Grabe Christi.
In der Kapelle St. Thomä verwahret man zwey Bretter von der Bundeslade, welcheso alt und verlegen sind, daß man nicht mehr erkennen kann, von was für Holze sie gewesen. Rand links: Bretter von der Bundeslade. Wie sie hieher gekommen seyn, weis auch niemand zu sagen. Wenigstens waren sie nicht im andern Tempel, es ist auch nichts davon auf Titi Vespasiani Triumphbogen zu sehen. Ferner zeigt man hier die Tafel von wohlriechendem Holze, worauf Christus sein letztes Nachtmahl gehalten. Rand links: Tisch vom letzten Abendmahle Christi. Ehemals war sie mit Silberblech beschlagen, wie die hie und da noch übrig gebliebenen Stifte andeuten, in den vielfältigen Zerstörungen der Stadt aber ist das Silber abgeschlagen worden und nur ein wenig davon geblieben, an dem Platze, bey welchem Christus gesessen, als woselbst es durch ein Wunderwerk sich nicht hat wollen abreißen lassen. Diese Tafel ist so klein, daß kaum zwo Personenan einer Seite sitzen können; man giebt aber vor, sie sey von einander gesäget worden, damit sie besser ins Gesicht falle, und liege sie doppelt über einander. Ich gestehe, daß ich diese angegebene Ursache nicht begreife. Denn da die Tafel ohnedem nicht groß war, so konnte man sie ja besser übersehen, wenn sie ganz geblieben wäre, und nicht die eine Hälfte die andere bedeckte, wie itzt geschieht. Platz hätte man überall für sie gefunden, und hätte sie eben nicht nöthig gehabt, an dem Orte, wo sie nun ist, aufgehoben zu werden14. Der Stab Mosis, so hier gleichfalls zum Vorscheine kömmt, ist eines Fingers dick und aus achteckigten schmalen Ringen von Eisen und Knochen oder Elfenbein wechselsweise zusammen gesetzet. Rand links: Stab Mosis. Der Stab Aarons, so gegrünet hat, ist dicker und am obern Ende mit einer Krümme, dergleichen wir heut zu Tage an den Bischofsstäben bemerken, versehen. Ein Stück von der Ruthe Aarons wird auch in St. Viti Kirche auf dem Schlosse zu Prag gezeiget, und der ganze Stab Mosis in der Sainte Chapelle zu Paris. Rand links: Ruthe Aarons. Alle diese schönen Sachen sind in der gemeldten Kapelle der lateranischen Kirche für drey Paoli zu sehen, und am grünen Donnerstage, wie auch an St. Thomastage werden sie öffentlich ausgestellt. Ich weis nicht, warum man diesen letzten Tag und die Kapelle von St. Thoma bey dieser Gelegenheit vor andern gewählet, indem doch dieser Heilige in dem übelsten Gerüchte wegen seines Unglaubens ist, und man auch mit einer starken Dose von Leichtgläubigkeit dennoch wohl in die Wahrheit der angeführten Reliquien einigen Zweifel setzen kann. Rand links: Observation wegen St. Thomä Tag und Kapelle.
[499] Nächst an der erwähnten Kapelle ist die Sacristey, über deren Eingange die metallenen Brustbilder Clemens des achten und Paulus des fünften stehen. Die Sacristey selbst ist mit vielem Marmor und Gemälden gezieret, unter welchen letzten die Verkündigung Mariä von Michael Angelo mit Oelfarben gemalet, als ein Meisterstück angesehen wird. Rand rechts: Schönes Gemälde von der Verkündigung Mariä. Maria ist stehend vorgestellt, und weil sie wegen Schreckens vor dem erscheinenden Engel die Hände gen Himmel faltet und zurück zu fallen scheint, so hat der Maler eine Art von Altar so wohl anzubringen gewußt, daß ihr dieser um stehend zu bleiben dienen muß. Eine Taube, welche sich auf sie herab läßt, und mit einer vortrefflichen Klarheit umgeben ist, giebt dem Stücke eine vollkommene Schönheit. Von mehr als zwanzig Päbsten, so in dieser Kirche begraben sind, sieht man nur die Denkmaale Martins des fünften aus dem Hause Colonna (nahe beym päbstlichen Altare) von Metall, und Alexanders des dritten, welches mitten in der Kirche und mit folgender Inscription versehen ist: Rand rechts: Grab Alexanders des dritten.
Alexandro III. Pont. Max.
Nobili Pandinella gente Senis nato
Qui difficillimis temporibus eximia pietate
Summa Prudentia ac Doctrina
Ecclesiæ præfuit annis XXII.
Invicta fortitudine atque constantia Apostolicæ
Sedis jura
Auctoritatem dignitatemque restituit, & post
Immensos labores
Ac solicitudines pace parta
Oecumenicum Lateranense Concilium
Celebravit
Sanctissimas de eligendo Summo Pontifice,
Deque vi & ambitu coercendo leges tulit
Thomam Cantuariensem Antistitem
Bernardum Clarevallis Abbatem
Quos viventes amicissimos habuit
Eduardum Angliæ, Canutum Daniæ, Reges,
Sanctorum numero adscripsit
Plurimisque aliis maximis rebus gestis vitæ demum & Gloriæ cursum confecit
Anno Sal. MCLXXXI. Cal. Sept.
Alexander VII. Pont. Max. nominis &
Muneris
In Ecclesia successor
Pontifici tanto Civi suo
Pios cineres veneratus posuit.
Ferner verdienet gesehen zu werden des im Jahre 1700 verstorbenen Kardinals Hieronymi Casanate marmornes Grabmaal, welches Le Gros verfertiget hat. Rand rechts: Des Kardinals Casanate Grab. An des Malers Joseph d' Arpino Monument findet man eine Probe, daß auch an solchen Werken, die mit vielem Bedacht und Fleiß gesetzt oder ausgearbeitet werden, dennoch offenbare Fehler einschleichen konnen, indem er mit dem Orden des heil. Geistes vorgestellet ist, da doch gewiß [500] ist, daß solcher niemals Künstlern zu Theile worden, und Arpino von Heinrich dem vierten nur mit dem Orden St. Michaelis beehret worden, welches auch aus folgender Grabschrift erscheint: Rand rechts: Fehler an des Jos d'Arpino Grabmaale.
D. O. M.
Josepho Cæsari Arpinati
Equiti S. Michaëlis
Qui summis Pontificibus & Regibus carus
Vitæ lineis actæ laudabiliter
Virtutem in se
Lineis vero picturæ elegantiam naturæ omnem
In tabulis ad miraculum expressit
Romamque sparso felicius colore quam cruore
Docuit pugnare rursus
Vincere atque in Capitolio trimnphare.
Merenti trophæum sed morienti
Dorothea Maggi ejus conjux
Mutius, Bernardinus, Flavius,
Filii mœrentissimi
Tumulum
Hic in Basilica Lateranensi
Posuerunt
Vixir annos LXXII. mens. IV.
Obiit ann. sal. MDCXL.
Der Fußboden der Kirche ist schön eingelegt, und hat man dazu hie und da große runde Stücke von Porphyr genommen. Sowohl hier als in St. Peter sind nach dem Unterschiede der Völker und Sprachen verschiedene Beichtstühle gebauet, und kann man aus der Ueberschrift sehen, wo jeder einen Beichtvater, der seine Sprache versteht, antreffen kann. Die Decke ist nicht gewölbet, aber gut verguldet. Innocentius der zehnte hat vieles zur Zierde dieser Kirche beygetragen, daher man sein Geschlechtswapen, nämlich eine Taube, sowohl hier, als in der St. Peterskirche an vielen Orten zu Gesichte bekömmt. Weil sich auch Heinrich der vierte von Frankreich sonderbar freygebig gegen diese Kirche erwiesen, und ihr zu vielen in seinem Königreiche vorher verlohrnen Einkünften wieder geholfen, so hat ihm das Capitel zur Dankbarkeit eine Statuam equestrem von bronzo aufrichten lassen. Rand links: Statua Equestris Heinrichs des vierten in Frankreich. Sie steht in der von Sixtus dem fünften gebaueten Galerie, und ist mit einem eisernen Gitterwerke umgeben, um alle Beschädigung und Verstümmlung zu verhüten, welche ihr ehedem bey etlichen Gelegenheiten, wenn der päbstliche Stuhl mit Frankreich nicht wohl stund, vom gemeinen Volke angedrohet und zu fürchten war. Das Modell dazu hat ein Lothringer, Namens Nik. Cordier verfertiget, und die Unterschrift ist folgende:
Paulo V. Pont. Max. Henrico IV. Francorum & Navarrorum Regi Christianissimo, Pietate alteri Clodevæo, varietate prœliorum Carolo Magno, amplificando Studio Religionis Sancto Ludovico, generis propagatori, statuam hanc æneam Sacrosanctæ Lateranensis Basilicæ Capitulum & Canonici grati animi monumentum collocandum curarunt, Carolo de Neufville Regio Oratore. Anno MDCVIII.
[501] Eine völlige und weitläuftige Beschreibung dieser Kirche ist im Jahre 1657 mit vielen Kupfern zu Rom herausgekommen; der Kardinal Cäsar Rasponi, so im 1675 Jahre gestorben, und in dieser Kirche begraben liegt, hat ihre historischen Alterthümer untersuchet, daher unter andern in seinem Epitaphio die Worte gelesen werden: Rand rechts: Epitaphium des Kard. Rasponi.
Inter terrarum negotia nactus otia
Lateranensis Ecclesiæ
Eruditissimam scripsit Historiam
Annalium ipse materia
Omnibus virtute carus.
Durch die Sacristey geht man in den Umgang oder die Galerie des Klosters, welche auf der Seite gegen den innern Hof mit allerley kleinen artigen Seulen von weißem Marmor besetzet ist. Man sieht daselbst gleich anfangs einen mit alt-mosaischen Seulen gezierten Altar, durch dessen weißes marmornes Tischblatt von ziemlicher Dicke ein rundes Loch geht, so die Transsubstantiation außer allen Zweifel setzet. Rand rechts: Galerie des Klosters. Mirakel für die Transsubstantiation. Ein Priester, der entweder nicht daran glaubte, oder aus Unwissenheit eine schon gesegnete Hostie noch einmal segnen wollte, wurde seines Irrthums da durch überführet, daß die Hostie aus seinen Händen sich losmachte, durch das Altarblatt fiel und an einer darunter stehenden Seule mit einem Blutflecken beklebend blieb. Rand rechts: Länge des Herrn Christi. Ein anderer Stein ruhet auf vier Seulen, und deutet durch seine Erhöhung die Länge an, die der Heiland in den Tagen seines Fleisches gehabt haben soll. Man giebt vor, sie sey keinem Sterblichen gerecht, welches glauben mag, wer da will. So viel habe ich gefunden, daß diese Maaße sehr groß und eine Hand höher ist als diejenige, welche man mit eben solchen Nachrichten zu Mayland zeiget. Eine große allhier stehende Porphyrseule mit den eingegrabenen Worten: Et Gallus cantavit, ist diejenige, worauf der Hahn gesessen, welcher durch sein Krähen Petrum des gethanen Sündenfalles erinnerte. Eine in die Länge von einander getheilte Seule ist sonst ein einziges Stück gewesen, und durch das Wunderwerk beym Tode Christi gespalten worden. Man liest daran: Et scissæ sunt Petræ. Es wird auch die Seule gezeigt, worauf die römischen Fahnen ausgesteckt waren, als sie das über Christum ausgesprochene Todesurtheil ankündigen sollten. Ein schöner hier befindlicher Porphyrtisch hat den Soldaten gedienet, um darauf um das Gewand Christi zu würfeln. Ein hölzernes Kreuz wird zum Andenken aufgehoben, weil es ein bußfertiger Pilgrim zur Pönitenz von Prag nach Rom getragen. Es ist nicht gar groß und innen hol. Viele hier stehende Seulen und Steine sind mit hebräischen Aufschriften versehen. Rand rechts: Seule, worauf der Hahn gesessen. Eine Seule, so beym Leiden Christi sich gespalten. Fahnenseulen Pilati. Porphyrtisch, worauf die Soldaten gewürfelt. Hölzernes Kreuz, so von Prag nach Rom geschleppet worden. Hebräische Inscriptionen. Porphyrnes Grab der h. Helena.
Das kostbarste ist der porphyrne Sarg Helenä, der Mutter Konstantins des großen, aus einem einzigen Stücke, so mit großen bas-reliefs von Reutern und andern Figuren gezieret ist. Dieses Stück ist noch größer als das vorgegebene Grab Bacchi in der Kirche St. Constantiä, aber an vielen Orten beschädiget. Der Ort, wo man es unter einem runden Thurme, Torre Pignattara genannt, ausgegraben, ist ungefähr drey Meilen von Rom in Via Labicana. Pabst Anastasius der vierte ließ es hieher bringen, damit es ihm zu seinem eigenen Grabe dienen sollte; es wurde aber aus diesem Anschlage nichts, und steht es noch ledig.
Endlich kann ich die berufenen Stühle, welchesellæ stercorariæ oder exploratoriæ genennet werden, und in eben dieser Galerie, ich weis nicht, aus was für Ursachen, gestellet sind, nicht mit Stillschweigen vorbey gehen. Rand rechts: Sellæ stercorariæ. Es sind ihrer zween, und steht zwischen ihnen ein ordentlicher höherer Stuhl von weißem Marmor. Beyde sind von Porphyr oder [502] vielmehr von pietra Egizzia rossa, der nicht so schön und hart als Porphyr ist; der eine hat noch eine runde Lehne, an dem andern aber ist sie abgebrochen. Ehe ich sie noch gesehen, versicherte mich einsmals der Abbé Bencini zu Turin, sie wären nichts anders gewesen, als ordentliche Stühle der alten Römer, an welchen man eine Oeffnung gemacht und mit Holze ausgefüttert habe, damit der bloße Marmor nicht zu sehr kühle. Allein nachdem ich sie selbst in Augenschein genommen, so sehe ich nicht, wie sie zu solchem Endzwecke hätten eingerichtet werden können. Zu Nachtstühlen können sie auch nicht gedienet haben, weil die hintere runde