Ich komme nun zu S. Pietro in Vaticano, welche wegen ihrer Größe und Schönheit die Hauptkirche nicht nur von Rom und Italien, sondern auch von der ganzen Welt genennet zu werden verdienet. Rand links: S. Pietro in Vaticano. Es kann dieselbe zur erstaunenswürdigen Probe dienen, wieweit in zweyen Jahrhunderten die täglich sich erneurende Begierde den Gottesdienst unsern Sinnen angenehm zu machen, es in einer Religion, die ohnedem mehr als zu viel auf das Aeußerliche verfallen, bringen könne. Rand links: Kostbarkeit dieser Kirche. Der jüngere Chev. Fontana mit dem Vornamen Caroli macht in seinem von dieser Kirche herausgegebenen Werke eine Rechnung, nach welcher sie schon zu seiner Zeit, das ist, schon vor vierzig Jahren, über achtzig Millionen Scudi Romani gekostet hatte. Sie kann aber auch mit zur Probe dienen, wie gefährlich es in allen Dingen sey, den Bogen zu hoch zu spannen, indem die unumschränkte Begierde des Pabsts Leonisdes zehnten den prächtigen Bau dieser Kirche mit Gewalt fortzusetzen, zu den allzuplumpen Misbräuchen des Ablaßkrams Gelegenheit gab, wozu vernünftige Leute unmöglich länger stillschweigen konnten. Was desfalls zwischen Tezel und Luther vorgefallen, und wohin endlich die Sache zum größten Nachtheile des päbstlichen Stuhls gediehen, ist bekannt genug.
Konstantin der große soll an diesem Orte schon eine Kirche gebauet, und selbst zwölf Körbe voll Erde mit dazu getragen haben, es ist aber solche in großen Verfall gerathen, bis Julius der zweyte den itzigen Bau unter dem berühmten Baumeister Bramante Lazari angefangen, welche hernach unter Raphaele d'Urbino, Giuliano Sangallo, Fra Giocondo Veronese, [545] Peruzzi, Antonio Sangallo, Buonaroti, Barozzi, Fontana, Maderno, Bernini und andern fortgesetzet worden. Rand links: Namen ihrer Baumeister.
Ueber den Thüren der Kirche rühmen einige Inscriptionen insbesondere der Päbste Paulus des fünften, Urbans des achten und Innocentius des zehnten Freygebigkeit und Sorgfalt in Vollführung dieses kostbaren Baues, wovon ich nur des letzten Lob und Ueberschrift hiemit beyfüge: Rand rechts: Monument zum Lobe Rand rechts: Innocentis des zehnten.
Basilicam Principis Apostolorum
In hanc molis amplitudinem
Multiplici Romanorum Pontificum
Ædificatione perductam
INNOCENTIVS X. PONT. MAX.
Novo cælaturæ opere
Ornatis sacellis
Interjectis in utraque Templi ala
Marmoreis columnis
strato e vario lapide
Pavimento magnificentius terminavit.
Clemens der achte hat eine besondere Congregation von Kardinälen und Prälaten angeordnet, so die Aufsicht über den Bau der St. Peterskirche führet. Rand rechts: Congregation von Kardinälen über den Bau von der St. Peterskirche. Vor solcher werden alle Streithändel, die über die Contracte mit den Handwerksleuten, Lieferung der Materialien, Unterschleif etc. entstehen, untersuchet. Das einträglichste aber, so selbige zu verwalten hat, sind die Vermächtnisse zu diesem Kirchenbaue, bey welchen ihre Gewalt so weit geht, daß, wenn ein sterbender etwas ad pias causas vermacht, und solches in dem ausgedrückten Stücke und objecto nicht angeht, weil zum Exempel die verordnete Sache schon durch einen andern ins Werk gerichtet worden, oder andere Umstände sie nicht zulassen, diese Congregation alsdann die Macht hat, gedachtes Legat zum Bau der Peterskirche zu ziehen, oder wenigstens die Zinsen an sich zu behalten von der Zeit des Todes, bis sie den Ausspruch gethan, wenn auch gleich durch diesen das Vermächtniß einem andern pio Corpori zugeurtheilet wird. Rand rechts: Platz vor der Kirche. Man kann nichts prächtigers sehen, als die entrée oder den Vorplatz vor der Kirche. Man hat zwar das Monumentum Scipionis Africani, welches eine Pyramide von mehrerer Größe, als die vom C. Sestius noch übrig ist, gewesen seyn soll, unter dem Pabste Alexander dem sechsten, um mehrern Raum zu bekommen, weggeräumet; ich glaube aber nicht, daß das Auge dabey etwas eingebüßet habe. Rand rechts: (Monumentum Scipionis Africani.) Die ovale Galerie, welche Alexander der siebente um diesen Platz hat anlegen lassen, hat vierfache Reihen von Seulen, also daß drey Gänge nebeneinander mit Seulen unterschieden sind. Die Größe dieses vom Bernini angegebenen Vorhofes ist daraus zu ermessen, daß sein Diameter in der Breite, nämlich bey den zwoen Fontainen und dem Obelisco hundert und achtzig, die Länge aber von dem Anfange der Seulen (wenn man aus der Stadt kömmt) bis an die Kirche, vierhundert gemeiner Schritte austrägt. Etliche Kupferstiche und Gemälde stellen gerade dem Frontispicio der Kirche gegenüber eine Colonnata vor, sie ist aber in der That nicht vorhanden, sondern dieser Platz zur Auffahrt ganz frey, auch meines Erachtens viel besser, daß die Aussicht auf diese Art nicht eingeschränket werde. In dem itzt stehendenPorticu oder bedeckten Gange zählt man drey hundert und zwanzig Seulen von Travertino oder Quaderstücken von Tivoli, deren jede von einer solchen Dicke ist, daß drey Männer sie kaum umklaftern können. Rand rechts: Porticus. Das Dach der Colonnata ist platt, und stehen auf derselben sechs und [546] achtzig Statuen von Heiligen in mehr als doppelter Lebensgröße, alle nach dem Dessein des Bernini. Wenn man diesen Gang erreichet hat, so gelanget man auch bey dem schlimmsten Regenwetter in die Peterskirche, durch die obere Galerie, an welche auf jeder Seite sich die Colonnata schließt, und deren diejenige, so zur rechten Hand ist, den Vorhof des vaticanischen Pallastes abgiebt.
Auf beyden Seiten ist der unterste runde Platz mit einer hohen Fontaine gezieret, und in der Mitte der große Obeliscus, so ehemals in dem hiernächst gelegenen Circo Neronis gestanden, zu sehen. Rand links: Fontainen. Rand links: Vortrefflicher Obeliscus. Solchen hat Sesostris, König in Aegypten, der Sonne zu Ehren verfertigen, Cajus Caligula aber zu Wasser nach Rom bringen lassen. Die Größe des Schiffes, welches man hiezu gebrauchet, beschreibt PLINIVS lib. XVI, c. 40. Die vier Seiten, welche itztgedachtes Monument hat, laufen oben ein wenig spitzig zu, und findet man daran keine solche hieroglyphische Figuren, wie an andern seiner Art zu sehen sind. Sein ganzes Gewichte soll von neun hundert und zwey und neunzig tausend sieben hundert und sechs und achtzig Pfunden seyn. Rand links: Größe desselben. Diese greuliche Last von Granit besteht aus einem einzigen Stücke, so ohne basi (die etwan zwey und dreyßig Fuß hoch ist) eine Höhe von achtzig Fuß hat. Der um die Stadt Rom so hoch verdiente Pabst Sixtus der fünfte hat auch diesen Obeliscum unter der Aufsicht Dominici Fontana aufrichten lassen. Man brauchte hiezu ein und vierzig Maschinen, die mit eisernen Rollen, wie auch starken Seilen versehen waren, und wurden sie zu gleicher Zeit von acht hundert Menschen und hundert und sechszig Pferden in Bewegung gebracht. Rand links: Umstände seiner Aufrichtung. Acht Tage giengen bey dieser Arbeit hin, um die Pyramide nur aus der Erde, worinnen sie gleichsam begraben lag, zu heben, und vier Monate, um sie auf den Platz, wo sie stehen sollte, zu bringen, ob gleich dieser nur drey hundert Schritte von ihrer ersten Lage entfernet war. Die größte Probe seiner Wissenschaft in der Mechanik bewies Fontana den 10 Sept. 1586, da er vermittelst dieser Anstalten in zwey und funfzig Bewegungen, wozu mit einer Trompete und Glocke besondere Zeichen gegeben wurden, besagte Last glücklich in die Höhe richtete, unter dem Frohlocken eines unzähligen Volkes, Läutung der Glocken durch die ganze Stadt, und Abfeuerung der Gestücke vom Castel St. Angelo. Man erzählet hiebey, daß Fontana sich so genau an die geometrische Ausrechnung seiner Rüstzeuge gehalten, daß er beynahe, wenigstens an diesem Tage wäre steckend blieben, weil die Stricke, mehr als er vermuthete, sich ausgedehnet, und dadurch zuletzt ein klein wenig gemangelt, daß der Obeliscus nicht völlig auf seine Basin gehoben worden. Bey diesen verdrüßlichen Umständen soll ein gemeiner Kerl aus dem umstehenden Haufen den Rath gegeben haben, daß man nur die Stricke mit Wasser besprengen und anfeuchten sollte. Dieses geschah mit erwünschter Wirkung, indem die Seile wegen der empfangenen Feuchtigkeit sich selbst fester anzogen und verkürzten, mithin auch die ihnen angefesselte Last ein wenig höher hinauszogen. Besagtes ganze Werk kam innerhalb Jahresfrist zu Stande, und kostete in allen sieben und dreyßig tausend neun hundert und fünf und siebenzig Scudi ohne das metallene Kreuz, so oben darauf steht, und ohne die vier Löwen, auf deren Rücken der Obeliscus ohne einzige Zusammenfügung von Kalke oder Metalle, pur allein durch seine Schwere und gleiches Gewichte ruhet. Die gesammte Zurüstungen und Werkzeuge, welche man zu seiner Aufrichtung gebraucht, hat Bellorius im Leben Dominici Fontana, und Michael Mercati in seinem Buche de Obeliscis beschrieben. Die vier Löwen, so die große Last gleichsam tragen, liegen auf dem Piedestal, und sind von verguldeten: bronzo. Das Fundament, welches sehr breit und tief in der Erde liegt, besteht aus lauter kleinen Stücken von Kiesel- und Back- oder Ziegelsteinen, welche [547] mit einem guten Kalke verbunden sind. Das oben darauf befindliche metallene und verguldete Kreuz, so sieben Fuß hoch ist. hält in sich einen Theil des Holzes vom Kreuze Christi: und wer im Vorbeygehen auf die Wohlfahrt des päbstlichen Stuhles es mit einem Pater noster und Ave Maria begrüßt, erlangt auf zehn Jahre und zehnmal vierzig Tage Ablaß. Rand rechts: Ablaß dabey. In dem Heidenthume war dieser Obeliscus den Kaisern Augusto und Tiberio gewidmet, wie man denn noch oben bey der Spitze auf der einen Seite liest: Rand rechts: Inscriptionen.
Divo Cæsari D. Julii F. Augusto.
und auf der andern:
Tiberio Cæsari D. Augusti F. Augusto sacrum.
Auf diese Veränderungen seiner Patronen zielet das Distichon:
Ægyptus Soli, binis me Roma dicavit
Augustis, sacras tu pie Sixte Cruci.
Unter die obgemeldte alte Inscription hat Sixtus der fünfte an der Seite von der Kirche folgende neuere eingraben lassen:
Sanctissimæ Cruci
Sixtus V. Pont. Max.
Consecravit
E priore sede avulsum
Et Cæs, Aug. ac Tib.
J. L. ablatum
MDLXXXVI.
An den vier Seiten des Piedestal liest man folgende Schriften, nämlich gegen Abend:
Christus vincit
Christus regnat
Christus imperat
Christus
Ab omni malo
Plebem suam
defendat.
Gegen Mitternacht:
Sixtus V. Pont. Max.
Cruci invictæ
Obeliscum Vaticanum
Ab impura superstitione
Explatum justius
Et felicius consecravit
Anno MDLXXXVI. Pont II.
und besser unten:
Dominicus Fontana ex pago Miliagri
Nova Comiensis transtulit & erexit.
Gegen Morgen:
Ecce Crux Domini
Fugite
Partes adversæ
Vicit Leo
De Tribu Judæ.
[548] Gegen Mittag:
Sixtus V. Pont. Max.
Obeliscum Vaticanum
Dis Gentium
Impio cultu dicatum
Ad Apostolorum limina
Operoso labore transtulit
Anno MDLXXXVI. Pont. II.
In das Fundament sind verschiedene auf dieses Werk insbesondere gerichtete Medaillen mit eingemauert worden, und stellt eine davon des Pabstes Sixti des fünften Brustbild, und auf der andern Seite einen unter dem Schatten eines Baumes sicher schlafenden Mann vor, mit den Worten: Rand links: Darauf geprägte Medaillen.
Perfecta Securitas.
Auf einer andern war S. Franciscus d' Assisis knieend vor einem Crucifixe vorgestellt, nebst einem alten verfallenen Tempel und den Worten:
Vade Francisce, repara.
Auf gleiche Art hat Alexander der siebente im Jahre 1661 den 25 Aug. unter den ersten Grundstein der oben beschriebenen Seulengalerie um den untersten Theil des St. Petersplatzes viele silberne und goldene Medaillen legen lassen, deren etliche dieses Theater vorstellen mit den Umschriften: Vaticani Templi area porticibus ornata. Wie auch: Fundamenta ejus in Montibus sanctis. Die Stufen, worauf man von diesem Platze nach der Kirche hinauf tritt, heißen Limina Apostolorum. Rand links: Limina Apostolorum. Karl der große soll am Weihnachttage, als er um der römischen Krönung willen die St. Peterskirche besuchte, knieend über die damalige Treppe gekommen seyn. Man sieht heut zu Tage noch ein oder anderes altes Weib, welches sich durch diese Andacht eine Stufe in den Himmel zu bauen suchet; sonst aber muß man den äußerlichen Eifer für dergleichen Ceremonien in Rom nicht suchen. Auf den Seiten dieser Treppe stehen die unter Pius dem zweyten vom Minio di Fiesoli verfertigten Statuen St. Petri und St. Pauli.
Von itztgemeldter Treppe tritt man nicht gleich in die Kirche selbst, sondern erst in eine schöne Galerie, welche an andern Orten wegen ihrer Größe für eine Kirche geachtet werden könnte, indem sie zweyhundert und sechszehn Fuß in der Länge und vierzig in der Breite hat. Rand links: Galerie vor der Kirche. Acht entsetzlich große Seulen, die im Diameter zwölf palmi halten, und kaum von fünf Männern umfaßt werden können, tragen nebst vielen andern von seinem Tevertino den Architrave, an welchem man liest:
In honorem Principis Apostolorum
Paulus V. Burghesius Romanus
Pont. Max. Anno MDCXII.
Pontificatus VII.
[549] Die fünf Eingänge in diese Galerie, so mit eisernem Gitterwerke verwahret sind, haben auf jeder Seite eine jonische Seule von violet-blauem Marmor. Ueber der mittlern oder Hauptpforte ist in einem marmornen bas-relief vom Ambrosio Malvicino der Heiland vorgestellt, wie er Petro die Schlüssel giebt. Ueber dieser Galerie ist die Loge, von welcher der Pabst dreymal im Jahre, nämlich am grünen Donnerstage, am ersten Ostertage und am Himmelfahrtsfeste den öffentlichen Segen ertheilet. Rand rechts: Päbstliche Loge. Am grünen Donnerstage wird dabey dieBullain Cæna Domini von zween Kardinälen, die Diaconi sind, und zwar von dem einen lateinisch und von dem andern in italienischer Sprache abgelesen, und darauf vermittelst der Herabwerfung und Auslöschung eines Wachslichtes, der Fluch wider die Ketzer fulminiret. Das Dessein dieser Loge oder Tribuna ist vom Cavaliere Giov. Lanfranco angegeben, und vom Pietro Santi Bartoli in Kupfer gestochen. In der Galerie, welche zu Abführung aller Unreinlichkeit mit etlichen springenden Wassern versehen ist, findet sich über der Hauptpforte ein Werk von mosaischer Arbeit, so ehemals in der alten Kirche gestanden, und samt seiner Mauer hieher gebracht worden. Rand rechts: Mosaische Arbeit. Giotto, ein florentinischer Maler, der im Jahre 1336 gestorben, ist Meister davon, und bekam er zweytausend und zweyhundert Gulden, (welches damals eine große Summe war) vom Kardinal Jakob Gaetano Stefaneschi, Nepoten des Pabstes Bonifacii des achten zur Belohnung. Es stellet dieses Stück die Schicksale der römischen Kirche vor unter dem Bilde eines Schiffes, worinnen sich die Jünger Christi in großer Gefahr von Sturm und Winden befanden. Der Heiland erscheint auf den Wellen und rettet Petrum, der ihm aus dem Schiffe entgegen gegangen war. Der Mann, so am Ufer sitzt und mit einer Angel fischet, wird von Kennern für das künstlichste am ganzen Werke gehalten. Auf der Seite verrichtet ein Bischof sein Gebeth auf den Knieen. Vorzeiten las man darunter die Verse:
Quem liquidos Pelagi gradientem sternere fluctus
Imperitas, fidumque regis trepidumque labantem
Erigis & celebrem reddis, virtutibus almum,
Hoc jubeas cogitante, Deus, contingere portum.
Auf dieses Sinnbild zielte auch Innocentius der neunte, wenn er an den Kaiser Friedrich den zweyten schrieb:
Niteris incassum navim submergere Petri:
Fluctuat, & nunquam mergitur illa ratis.
Der Fußboden der Galerie ist mit schönem Marmor belegt, und die Decke mit vieler verguldeter Stuccaturarbeit gezieret. Rechter Hand bey der Treppe, ehe man durch den vaticanischen Pallast geht, ist die Statua Equestris Constantini M. welcher noch von der Erscheinung des leuchtenden Kreuzes bestürzt scheint. Rand rechts: Statua Constantini M. Sie ist nicht völlig zu Staude gekommen, und mangelt ihr die Polirung noch; indessen aber wird sie doch sowohl wegen ihrer sonderbaren Größe (indem sie aus einem einzigen Stücke von weißem Marmor besteht) als wegen ihrer Schönheit von jedermann hoch gehalten. Der Künstler und Meister davon ist Laurentius Bernini1. An dem Ende der andern Seite ist eine gleiche Statue Karls des großen aus einem Stücke Marmor vom Augustino Cornacchini einem Florentiner verfertiget, zu finden. Rand rechts: Statua Caroli M. Man setzt aber an dieser letzten aus, daß der hintere Theil des Pferdes zu [550] weit geöffnet, der Schwanz nach der Stellung des Pferdes nicht naturell sey, und endlich die ganze Statue etwas gegen die rechte Hand hänge. Vielleicht thut dem itztgedachten Stücke das noch anhaltende Leben seines Meisters den größten Schaden, und wird vieles aus diesem Urtheile mit seinem Tode wegfallen.
Aus der Galerie gehen fünf Pforten in die Kirche, davon die äußerste zur rechten Hand vermauert ist, und nur alle fünf und zwanzig Jahre in dem Anno Sancto oder Jubeljahre vom Pabste selbst mit einem Hammer geöffnet wird. Rand links: Porta Santa. Das daran befindliche metallene Kreuz wird von vielen mit großer Ehrerbiethung geküsset, daher es auch an seinem untersten Theile ganz weißlich und bleich worden ist. Durch die eine Pforte, welche linker Hand ist, durfte vor alten Zeiten keine Weibesperson gehen; es ist aber diese wunderliche erordnung heutiges Tages gänzlich aufgehoben. Rand links: Ehemalige Strenge gegen das weibliche Geschlecht. Nach TORRIGII Zeugnissede Crypt. Vatican. führte der letzte zur linken Hand befindliche Eingang voralters auch den Titel vonPorta Judicii, weil durch dieselbe nur die Todten in den Tempel gebracht wurden. Rand links: Porta argentea. Die mittelste Thür wurde ehemals Porta argentea genennt, weil sie mit Silberblech überzogen war, von welchem itzt nichts mehrvorhanden ist. Sie ist von Metall, und theilet sich in zweene Flügel, deren jeder drey Felder hat. In den obersten zwoen Abtheilungen, welche, wenn die Thür zugeschlossen ist, in einer Linie stehen, zeiget sich der Heiland und die heil. Maria; in den andern zwoen Petrus und Paulus; ferner in der einen von den untersten Eugen der vierte, wie er dem Kaiser Sigismund die Krone aufsetzet, und in der letzten itzt gemeldter Pabst, wie er etlichen morgenländischen Völkern öffentliches Gehör giebt. Diese Thür ist auf Eugenii Befehl von zween Florentinern Antonio Filareti und Simon Donatelli, gegossen worden. Ueber derselben befindet sich ein vom Bernini verfertigtes marmornes bas-relief, so den Heiland vorstellet, wie er zu Petro sagt: Weide meine Schafe. Rand links: Bas-reliefs von Bernini.
Die itzige Form der Kirche stellt ein lateinisches Kreuz vor, und ist die Proportion der Höhe, Länge und Breite so wohl in Acht genommen, daß an diesen dreyen Stücken nicht das geringste dem Auge als außerordentlich vorkömmt, obgleich das ganze Werk zusammen genommen, von ganz ungemeinem Gehalte ist. Rand links: Form der Kirche. Das mittelste Gewölbe ist acht und dreyßigstehalb gemeine Schritte breit, und die ganze Länge der Kirche hält zweyhundert und acht und achtzig gemeine Schritte, davon hundert und achtzig vom Eingange der Kirche bis in die Mitte der Cuppola zu rechnen sind. Rand links: Ausmessung der Kirche.
Nach des Chevalier Caroli Fontana geometrischer Ausrechnung ist die ganze Länge des Gebäudes, wenn man die Breite der Galerie und die Dicke der Mauern mit darunter begreift, von 970 palmi Romani, welche 666 zwey Drittheil Pieds de Roy de Paris und 722 englische Fuß betragen; wie Misson die Maaße der letzten Rechnungen genommen hat: [551] wobey ich ein für allemal noch erinnere, daß un Palmo di Roma ohngefähr einen Daumbreit mehr als eine gewöhnliche Mannsspanne betrage; oder daß sie nach geometrischer Rechnung acht Zolle und drey Linien, das ist etwas mehr als zwey Drittheil eines pariser Schuhes ausmache.
Die innerste Länge von der metallenen Pforte des Pabstes Eugenii bis an den äußersten Altar, auf welchem die Katheder des h. Petri verwahret wird, ist ohne die Dicke der Mauern von 829 und ein halbpalmi, oder 571 pariser und 594 englischen Schuhen.
Die Breite des großen Navis oder mittelsten Gewölbes, so durch die ganze Länge der Kirchegeht, ist von 123 palmi, oder 84 und ein Drittheil pariser undSo und zwey Drittheil englischen Schuhen; die ganze Breite aber der Kirche von der Cappella del Coro bis an die Kapelle vom h. Sacrament (die Dicke der Mauern mit begriffen) 414 palmi, oder 284 pariser und 291 englischer Schuhe. Die Länge von der Katheder Petri bis in das Kreuz hält 258 palmi, oder 170 französischer und 174 englischer Schuhe. Die Länge des Kreuzganges ist innen 615 palmi, oder 410 französ. und 438 engl. Schuhe, und mit der Mauer 671 palmi, oder 461 und ein Drittheil pariser und 490 engl. Schuhe. Die innere Breite des Kreuzganges hält 103palmi, oder 70 und zwey Drittheil pariser und 73 engl. Fuß. Die Höhe der Kirche von dem Fußboden bis an den Schluß des Gewölbes (ohne die Cuppola) beträgt 200 palmi, oder 137 und ein Drittheil pariser und 144 engl. Fuß; die Breite der Facciata 390palmi; die Höhe der Statuen, welche über dem Frontispicio stehen, 22 palmi, oder 16 französ. und 18 engl. Schuhe, und der äußere Umfang der Kirche in allen 3000 palmi. Der Tempel Salomons hatte große Vorhöfe und kostbare Zierrathen von Silber und Gold; das Hauptgebäude aber ist in Ansehung der Größe so wenig der St. Peterskirche zu vergleichen als eine andere Kirche, so jemals gestanden. Rand rechts: Parallele mit dem Tempel Salomons und der S. Paulikirche zu London. Die Kirche St. Pauli in London pranget mit einer schönen Baukunst, ist aber um ein großes Theil kleiner als St. Peter, indem nach Ed. Chamberlaine Berichte ihre Länge sich nur auf 690 englische Schuhe, so ohngefähr 646 parisische ausmachen, erstrecket. Ja wenn man dem Maaßstabe und der Zeichnung des neuesten englischen Baumeisters Colen Campbell, welche er im ersten Bande seines Vitruvii Britannici gegeben hat, wie es billig ist, nachfolget, so erstreckt sich die Länge der St. Paulikirche nicht über 520 englische Schuhe; die von der St. Peterskirche aber (davon er auch den neuesten und accuratesten Riß giebt) ohne die Galerie auf 650 solcher Schuhe, da hingegen in beyden die Dicke der Mauern mit gerechnet worden. Nach den gemeinen Schritten, womit ich vorhin der St. Peterskirche eine Länge von 288 Schritten gegeben, hält die von St. Paul zu London von der Facciata bis unter den Mittelpunct der Cuppola 124, und in ihrer ganzen Länge 222 Schritte. In dem Kreuzgange, von einem Eingange zum andern,[552] ist sie 115, und im übrigen (wenn die Ausschweifungen an den Seiten nicht mitgenommen werden) 46 solcher Schritte breit. Der Diameter der Cuppola ist von 53, und ihr Umfang auf dem ersten obern Umgange von 156 gemeinen Schritten. In einem oben befindlichen Zimmer der Kirche St. Pauli ist ein hölzernes Modell von der römischen St. Peterskirche, aber so schlecht gemacht, daß sich diejenigen gräulich irren würden, welche nach solchem ihr Urtheil in Vergleichung der beyden Kirchen anstellen wollten.
So prächtig aber auch das Gebäude der St. Peterskirche ist, so hat es doch dem Schicksale aller irdischen Dinge nicht entgehen können, indem man auch verschiedene Dinge daran auszusetzen gefunden hat. Wie weit aber solche gegründet sind, lasse ich dahin gestellet seyn, und verweise desfalls auf den Anfang der Einleitung zum ersten Theile des Vitruvii Britannici, welchen Colen Campbell herausgegeben hat.
Darinnen kommen alle überein, daß die Cuppola ein künstliches und prächtiges Werk sey, welches der Stadt auch schon vom weiten eine gute Zierde giebt. Rand links: Höhe der Cuppola. Die Höhe von dem Fußboden der Kirche bis an die Spitze des Kreuzes ist von 593 palmi, oder 405 pariser und 432 englischen Schuhen. Der äußere Umfang des Doms hält 620 englische Schuhe, und der mit dem Pantheon gleiche innerste Diameter 191 palmi, oder 131 und ein Drittheil pariser und 143 englische Schuhe. Rand links: Umfang. Oben in der Kirche auf dem ersten Umgange derCuppola habe ich ihre Peripheriam von 214 gemeinen Schritten gefunden.
Sixtus der fünfte ließ diesen Dom durch Jac. de la Porta und Dominicum Fontana bauen; die Ehre desDessein und Anschlages aber gebühret dem berühmten Mich. Angelo Buonarota, als welcher gegen diejenigen, so die Rotonda als ein nie genug zu bewunderndes Alterthum herausstrichen, sich verlauten ließ: er wolle nicht nur ein Werk von gleicher Größe aufführen, sondern solches auch in der Luft erhaben bauen; worinnen er Wort gehalten hat. Der Cavaliere Gioseppo d'Arpino hat die Desseins zu der mosaischen Arbeit, womit diese Cuppola gezieret ist, gemacht, und erscheinen sonderlich darunter die vier Evangelisten in vier großen runden Plätzen. Dieses bewundernswürdige Gewölbe ruhet auf vier großen Pfeilern, deren jeder neunzig palmi im Diameter hat, und mit einer (ohne das Fußgestell) zwey und zwanzig palmi hohen Statue von weißem Marmor gezieret ist. Die erste stellet St. Veronicam vor, und ist vom Francesco Mochi verfertiget. Rand links: Statua Veronicæ, S. Helenæ, S. Andreæ, S. Longini. Der Meister von der andern, die St. Helenam abbildet, ist Andreas Bolgi von Massa di Carrara; die dritte Statue, so St. Andreas seyn soll, ist ein Werk des Francesco Quesne oder du Quesnoy; und die vierte als St. Longinus, kömmt aus des Bernini Händen, der diese Auszierung der Kirche angegeben hat. Rand links: Meisterstück des Fiammingo. Unter den besagten vier Statuen geben einige dem St. Andreas, so ein Meisterstück des du Quesnoy zugenannt Il Fiammingo ist, den Preis, und hat dieser Künstler außer dieser Statue in seinem ganzen Leben nur noch eine einzige verfertiget, nämlich die Märtyrinn St. Susanna, welche in der Kirche S. Maria di Loreto in Rom, nicht weit von der Columna Trajani zu sehen ist. An beyden rühmt man vor andern dieDraperie oder Art zu kleiden. An der St. Veronica des Mochi haben etliche aussetzen wollen, daß das Tuch, worinnen das blutige Angesicht Christi abgedruckt seyn soll, allzusehr gleichsam vom [553] Winde zurück gewehet werde. Rand links: Critik über die Statuam Veronicæ. Es behaupten aber andere, daß dieses also seyn müsse, weil nach den Umständen der Historie die heil. Veronica, sobald sie das Tuch vom Herrn Christo zurück erhalten, sich damit eiligst auf die Seite gemacht habe. Zwischen Mochi und Bernini regierte stets ein heimlicher Haß oder Misgunst: und erzählt man, daß der erste, als die von ihm gearbeitete Statue aufgerichtet worden, sich in einen Mantel verhüllet und hinter Bernini gestellt, um dessen Urtheil davon unerkannt anhören zu können; da denn Bernini den erstgemeldten Fehler daran bemerket, nämlich daß il Volto troppo ventolato sey. Diese Tadlung sey dem Mochi so empfindlich gewesen, daß er frey hervor getreten und gesagt: es sey wahr, daß dieses Tuch allzusehr zurück gewehet scheine; es komme solches aber von dem starken Winde, der oben durch die Cuppola herein dringe. Rand rechts: (Schade, so an der Cuppola geschehen.) Um diese stachlichte Antwort deutlicher zu verstehen, so ist zu melden, daß Bernini beschuldigt wird, als habe er durch die angegebene Aushölungen der Pfeiler oder Nicchie, in welchen die vier gemeldten Statuen stehen, und vornehmlich durch die Treppe, welche er in die Fundamente dieser Pfeiler geführet, um dadurch in die unterirdischen Gewölber oder Sacre Grotte zu kommen, die Stärke dieser Fundamente dergestalt geschwächet, daß bald darauf bey einem großen Donnerschlage ein Ritz in der Cuppola sich erängele. Des Bernini Gemüth und Umgang war ohnedem solchergestalt beschaffen, daß er sich wenig Freunde erwarb, daher mangelte es bey dieser Gelegenheit desto weniger an Leuten, welche sein Unternehmen und das daraus ihrer Meynung nach entstandene Unglück mit so verhaßten Farben abmalten, daß Bernini beynahe seinen Kopf darüber verlohren hätte, welchen er durch Aufrichtung des Obelisci auf dem Platze Navona gleichsam ranzionirte. Michel Angelo, der Angeber und Urheber dieses Gewölbes hat dieses Unheil gleichsam vorher gesehen, und daher sehr nachdrücklich vermahnet, daß man ja gedachte vier Hauptpfeiler und ihre Fundamente stets in Ruhe und Frieden lassen sollte. Wie löblich man gethan hätte, wenn man seinem Rathegefolget, hat man mit einem betrübten Lehrgelde erfahren, weil doch von Freunden und Feinden der römischen päbstlichen Monarchie beklagt werden muß, daß diesem (in so weit es die irdischen Dinge zulassen) so vollkommenen Werke, ein solcher Schandfleck zugewachsen. Im Jahre 1700 ist besagter Riß in der Cuppola durch ein Erdbeben noch in etwas vergrößert worden. Die Höhe des Gewölbes macht, daß man von unten auf diesen Fehler kaum beobachtet, wenn man nicht davon unterrichtet ist; wenn man aber auf dem obern Umgange ist, fallen zweene Risse oder Spaltungen einander gegenüber gar deutlich in die Augen, davon die eine mit einer eisernen Stange einer Hand breit bedecket ist.
Ueber einer jeden der gemeldten vier Statuen ist eine schöne Tribuna oder Galerie angelegt, von deren etlichen man die hieher gehörigen Heiligthümer, welche in einer besondern Kapelle aufgehoben werden, zu verschiedenen malen des Jahres öffentlich vorzeiget. Rand rechts: Reliquien. Die vornehmsten darunter sind ein großes Stück Holz vom Kreuze Christi; das Eisen ohne Spitze von der Lanze, womit der Hauptmann der Kriegsknechte und nachmalige h. Longinus die Seite des Heilandes geöffnet hat2; il Volto santo, oder der Abdruck des blutigen Angesichtes Christi auf weißer Leinwand; der Kopf des Apostels Andreä; desgleichen St. [554] Thomä, Bischofs von Canterbury; des Evangelisten Lucä und vieler anderer. Rand rechts:Lancea Christi. Rand rechts: Il Volto santo. Die erstern Stücke habe ich vom Balcon der heil. Veronica zeigen sehen, auf welchen niemand als Kardinäle und die Canonici dieser Kirche kommen dürfen. Wenn daher der Pabst jemanden solche Freyheit gestatten will, so macht er ihn vorher zu einen Canonicum honorarium S. Petri, wie im Jahre 1625 mit dem Prinzen und nachmaligem polnischen Könige Uladistans, und im Jahre 1700 mit dem Großherzoge von Florenz Cosmus dem dritten geschehen.
In den Gewölbern unter dem Piedestal einer jeden von den vier gemeldten Statuen ist ein Altar, worauf die Historie der darüber stehenden Statue in mosaischer Arbeit abgebildet ist durch Fabio Christofori, nach den Desseins des berühmten Andrea Sacchi; durch die Treppen, welche unter jedem dieser vier Altäre angeleget sind: steigt man hinunter in die unterirdischen Gewölber, welche mit trefflichem Mosaique angefüllet sind, und war diese Arbeit allhier desto nöthiger, weil die Feuchtigkeit des Ortes den Gemälden auf Holz, Leinwand und anderm Grunde keine lange Dauer würde vergönnet haben. Rand links: Unterirdische Kapellen. Hier kömmt man auf den ehemaligen Fußboden der alten Kirche St. Petri, welcher mit so vielen Gräbern der Heiligen angefüllet ist, daß man ihn nicht rühren oder umkehren wollen, sondern den größten Theil mit einer Mauer eingeschlossen hat, also daß man ohne Fackeln nichts darinnen sehen kann. Das Estrich ist noch, wie es zu Konstantins des großen Zeiten gewesen seyn soll, mit Porphyr und andern Marmorstücken belegt. Die Königinn Christina fand hier auch ihr Grab, nahe bey welchem Christus in weißem Marmor von alter gothischer Arbeit vorgestellt ist. Allenthalben herum stehen steinerne Särge der alten Kardinäle und Päbste. Adrian der vierte liegt in einem sehr großen Sarge von Granit aus einem Stücke, so zugleich mit dem großen vaticanischenObelisco vor alten Zeiten aus Aegypten ist gebracht worden, und soll es das größeste Stück seyn, so man in dieser Art und Form hat. Rand links: Adrians des vierten Sarg.
Die Kaiser Honorius, Theodosius und Otto der zweyte lagen sonst jeder besonders in kostbaren Monumenten; allein die Päbste haben für gut gefunden, die Särge zu anderm Gebrauchezu verwenden, und die drey Körper auf einen Platz zusammen zu legen, da sie ganz schlecht als unter einem Backofen, der mit Kalk beworfen ist, ruhen. Rand links: Kaiserliche Begräbnisse Vielleicht wünschten die Päbste, daß alles Andenken der kaiserlichen ehemaligen Gewalt in Rom gänzlich vertilget und ausgerottet wäre, zumal wenn die Kaiser von der Gemüthsneigung Ottens des zweyten gewesen. Außer der Königinn Christina findet man von vornehmen Frauenzimmer allhier begraben die Kaiserinn Maria, Honorius Gemahlinn, in deren Grabe man vieles Gold, Silber und Edelgesteine gefunden, welche der Sacristey und dem Kirchenbau zugewandtworden: Agnes, Kaiser Heinrichs des dritten Gemahlinn, und Charlotte von Lusignan, Königinn von Cypern, welche im Jahre 1487 zu Rom gestorben ist, haben gleichfalls allhier ihre Ruhestäte gefunden. Der Baumeister Bramanta, so das ersteDessein der St. Peterskirche entworfen, genießt auch der Ehre, hier sein Grab zu haben. Rand links: Bramanta. Nicht weit davon ist das Grab Venerabilis Bedä zu sehen, desgleichen der Stein, worauf die Kaiser ehemals bey ihrer Krönung knieeten, nebst einem weißen Marmorsteine, worauf die Donatio Mathildis[555] (davon das schriftliche Original, wie man vorgiebt, in dem Archive vorhanden ist) eingegraben seyn soll. Rand links: Bedä Monument Rand links: Donatio Mathildæ. Die Schrift ist kurz und ganz unleserlich, daher muß man es nur glauben, oder wenigstens sich anstellen, als glaube man es. Es würde auch eine historische Untersuchung dieses Vorgebens hier in Rom schlecht angebracht werden, allwo es heißt, wie BARTOLVS sein zweifelhaftes Urtheil von der offenbar falschen Donatione Konstantins des großen endiget:Nos sumus in terris amicis Ecclesiæ, & ideo dico, quod donatio ista valeat.
In den gewölbten Gängen, wodurch man in diese verschlossene Abtheilung und auch zu denen vier unterirdischen Altären, die unter den vier Pfeilern angelegt sind, herum geht, ist es an verschiedenen Orten gar dunkel, und daher nicht ohne Ursache durch eine in italienischer und lateinischer Sprache hier eingegrabene Verordnung, dem weiblichen Geschlechtealler Zutritt in diese Orte untersaget, den einzigen Pfingstmontag ausgenommen, an welchem Tage hingegen auch keine Mannsperson herunter gelassen wird. Rand rechts: Warum das weibliche Geschlecht nicht hie her zu allen Zeiten gelassen werde. Eine unerlaubte Liebesgeschichte, die hier im dunkeln vorgegangen, soll zu diesen Anstalten Gelegenheit gegeben haben. In obgemeldtem Umgange behält man noch die Vorstellung des alten Vaticans und der ehemaligen St. Peterskirche à fresco; wie auch vielerley alte bas-reliefs, so theils bey Abbrechung der alten Kirche gefunden und aufgehoben worden. Rand rechts: Frescogemälde. Eins davon stellt den Kopf Neronis vor, wie man aus der Gegenhaltung seiner Münzen schließt. Rand rechts:Bas-reliefs. Ferner sieht man das erste Werk in mosaischer Arbeit vom Jotti, und ein anderes dergleichen großes Stück, so ehemals andem Grabmaale Otto des zweyten gestanden, und Christum zwischen Petro und Paulo vorbildet. Rand rechts: Kopf Neronis. Die allhier befindliche Statue des sitzenden Petri, soll die erste3 seyn, welche man von diesem Apostel verfertiget hat. Rand rechts: Statue Petri. An einem Stücke von weißem Marmor, welches mit einem eisernen Gitter überzogen ist, bemerkt man etliche rothe Flecken, als Zeichen des Blutes, welches ein dabey stehendes marmornes Marienbild von sich gespritzet haben soll, als es von einem Bösewicht mit einem Steine im Auge verwundet worden. Rand rechts: Blut von einem Marienbilde. An einem andern Orte ist ein marmornes mit biblischen Geschichten geziertes bas-relief vom GrabeJulii Bassi Consulis4 eingemauert; desgleichen Maria mit ihrem Kindlein in weißem Marmor schön gehauen, so vom Grabe Pauli des fünften hieher gebracht worden; die Erschaffung Eva in dergleichen Arbeit vom Grabmaale Pauli des vierten; viele alte Mosaiquen, und sonderlich die trefflichen neuen Stücke dieser Kunst, welche man hier in den vier unterirdischen Kapellen der St. Veronica, St. Andreas, St. Longinus und St. Helena findet. Rand rechts: Marmorarbeiten. DieCapella Clementina oder la Confessione de' SS. Apostoli ist in der Mitte dieser vier Kapellen, gerade unter dem Altare Maggiore und der Cuppola der Kirche.Marmorarbeiten. Rand rechts: La Confessione. Die Wand solcher Kapelle ist von Marmor und Porphyr aus dem Bade der Agrippina, das ehemals auf diesem Platze erbauet war. Ein Mosaique, das Petrum und Paulum vorstellet, soll achthundert Jahre alt seyn. Die schönen bas-reliefs von Metall nebst vier kostbaren Tafeln oder Specchii, deren jedes aus einem Stücke Serpentin beym Eingange dieser Kapelle anzutreffen, verdienen gesehen zu werden. Auf dem Altare werden die Pallia vom Pabste geweihet, und unter denselben liegen die vornehmsten Heiligthümer dieser Kirche, nämlich die zween halben Leiber Petri [556] und Pauli. Rand rechts: Halbe Leiber Petri und Pauli. Man nennet diesen Ort insbesondere Limina Apostolorum, und wer mehrere Nachricht von allen und jeden in diesenSouterrains befindlichen Dingen haben will, trifft solche in Caroli Fontana Beschreibung dieser Kir che, in BOSII und ARINGHIIRoma Subterranea, wie auch in Francisci MariæTORRIGII besonderm Werke, delle Grotte Vaticane an, auf dessen letzteres Zeugniß ich es auch ankommen lasse, wenn vorgegeben wird, daß über der Kiste, worinnen Petri und Pauli Körper verwahret sind, ein goldenes Kreuz von hundert und funfzig Pfunden schwer liege. Rand links: Limina Apostolorum. Wenn man diese Gewölber besieht, giebt man etwan drey Paoli Trankgelder, und wird man mit einer Fackel herum geführet.
Ich kehre aber wieder zurück und hinauf in die Peterskirche, allwo mitten im Kreuze der Kirche oder gerade unter dem Mittelpuncte der Cuppola der Altare Maggiore (worauf der Pabst allein Messe lesen darf) alle neugierige Augen auf sich wendet. Rand links: Altare Maggiore. Solcher ist nach Gewohnheit der Alten gegen die Tribuna gerichtet, also, daß der Pabst oder derjenige, welcher auf dessen besondere Erlaubniß nur für einmal Messe davor liest, das Gesicht gegen das Volk und die Thür, und also hier gegen Morgen hinkehret. Ueber diesem Altare ist ein Himmel von verguldetem bronzo mit vier Engeln und einem Kreuze gezieret, auf vier grossen gewundenen metallenen Seulen, welche Bernini gezeichnet, und Gregorius Rossi gegossen hat. Itztgedachte Seulen wiegen zehn tausend und funfzig Pfund, und sindaus den metallenen Platten verfertiget, womit das Gewölbe des Panthei bedeckt war. An den vier Piedestaux aus Marmor hat Francesco Fiammingo seine Kunst bewiesen.
Daß Urban der achte sich durch dieses Werk, das in allen neunzig Fuß hoch ist, einen ewigen Namen stiften wollen, sieht man auch aus seinem Wapen und den Bienen, welche in den Zierrathen der Bluhmen und Blätter an den Seulen und Fußgesimsen nicht gesparet sind. Wenn man auf diesem Platze steht, hat man auf den vier Seiten gleichsam vier große Kirchen vor sich. Man geht auch von hier durch zwo Treppen (so aber gemeiniglich verschlossen sind) hinunter in die obgedachte Confessionem Apostolorum, um welche oben in der Kirche hundert silberne Lampen beständig (den einzigen Charfreytag ausgenommen) brennen.
Ich gehe aber in der fernern Beschreibung dieser Kirche wieder zurück nach dem Haupteingange derselben, und bemerke daselbst an den ersten gegen einander über stehenden Pfeilern zwey große Gefäße von gelbem Marmor für das Weihwasser. Rand links: Gefäße zu Weihwasser. Jedes wird von zween weißen marmornen Engeln gehalten, die gelbe Schale ist aus einem Stücke, jeder Engel aus einem Stücke, und das Fundament gleichermaßen. Das ganze Werk ist groß und schön, also daß es seinem Meister Augustino Cornachini viele Ehre macht.
Das Bildniß St. Petri in Mosaique über der Porta santa ist wohl gerathen, und von Ciro Ferri einem Römer, welcher auch die Cuppola vor der ersten Kapelle zur rechten Hand nach der Zeichnung seines Lehrmeisters Pietro di Cortona mit eben solcher Arbeit gezieret hat. Rand links: Mosaique über der Porta Santa. In dieser Kapelle zeigt man eine marmorne Seule aus dem Tempel zu Jerusalem, an welche Christus gemeiniglich sich soll gelehnet haben, wenn er daselbst lehrete. Rand links: Eine Seule aus dem Tempel zu Jerusalem. In der kleinen Nebenkapelle des Bischofs von Mira, St. Nikolas, ist dieser Heiliger in trefflicher mosaischer Abbildung vom Fabio Cristofori vorgestellt. Das Gewölbe der gemeldten ersten Kapelle, so von einem hölzernen Crucifixe, welches Pietro Cavallini gemacht, seinen Namen führet, hat der Cavalier Lanfranchi gemalet. Rand links: Kapelle St. Nikolas.
An dem ersten Pfeiler der Kirche, der dieser Kapelle gegenüber steht, und dessen ich auch schon wegen des Weihwassers gedacht habe, ist das Grabmaal der berühmten Christina Alexandra, Königinn von Schweden zu sehen, welches nach dem Dessein des Caroli Fontana unter Innocentius dem zwölften, auf dieses Pabstes Unkosten angefangen worden, und im[557] Jahre 1702 unter Clemens dem eilften völlig zu Stande gekommen. Rand links: Epitaphium der Königinn Christina. Es ist solches von weißem Marmor; ihre Medaille oder ihr Brustbild en bas-relief hat ein Franzose Jean Theodon verfertiget, und die metallenen Zierrathen sind vom Giardini gegossen. Das ganze Werk hat zwölftausend Scudi gekostet, und ist der Königinn Körper aus denen sacre Grotte, worinnen er vorher in einem dreyfachen Sarge von Cypressen, Bley und gemeinem Holze stund, hieher gebracht worden. Die darunter befindliche Inscription lautet folgendermaßen:
Christinæ Suecorum Reginæ
Ob orthodoxam Religionem abdicato Regno,
Abjurata Hæresi
Pie susceptam ac dilecta Romæ sede eximie cultam
Monumentum ab Innocentio XII. inchoatum
Clemens XI. absolvi curavit
MDCCII.
Pasquinus urtheilte von dieser Christina oder Christiana, sie sey Regina senza Regno, Christiana senza Fede, e Donna senza vergogna.
Die Cuppola vor der zweyten Kapelle ist ein treffliches mosaisches Werk, welches Guido Ubaldo Abbatino nach der Zeichnung des Pietro di Cortona verfertiget hat. Rand rechts: Mosaicum. Auf dem Hauptaltare der Kapelle selbst verdienet der vom Domenichino mit Oelfarben gemalte Märtyrertod des heil. Sebastians allerdings gesehen zu werden. Rand rechts: Gemälde. Der dieser Kapelle gegenüber stehende zweyte Pfeiler, pranget mit dem weiß-marmornen Monument der Gräfinn Mathildis, deren Leichnam im Jahre 1630 zuS. Benedetto in Polirone gefunden und auf Befehl des Pabstes Urbans des achten in die St. Peterskirche gebracht worden. Rand rechts: Grab der Mathildis. An den wohlgearbeiteten bas-reliefs ist unter andern vorgestellt, wie der Kaiser Heinrich der vierte ohne Krone (welche ihm ein Knabe nachträgt) vor dem Pabste Gregorius dem siebenten auf den Knieen liegt und ihm den Fuß küsset. Ueber dem Sarge sieht man die völlige Statue dieser dem päbstlichen Stuhle mehr als zu viel zugethanen Prinzeßinn. Das ganze Werk ist von einem Römer, Stefano Speranza, nach dem Dessein des Bernini verfertiget. Die alte Grabschrift zu St. Benedetto war:
Stirpe, opibus, forma, gestis & nomine quondam
Inclyta Mathildes hic jacet, astra tenet.
Anitzo liest man unter dem in der Peterskirche aufgerichteten Denkmaale:
Vrbanus VIII. Pont. Max.
Comitissæ Mathiidi virilis animi fœminæ
Sedis Apostolicæ Propugnatrici
Pietate insigni, liberalitate celeberrimæ,
Huc ex Mantuano Sanct. Benedicti
Cœnobio translatis ossibus
Gratus æternæ laudis promeritum
Mon pos. Ann. MDCXXXV.
Gegenüber ist das Grab des Pabstes Innocentius des zwölften, welches er sich gleich zu Anfange seiner Regierung machen lassen, mit diesen einzigen Worten: Innocentius XII. Pont. Max. Rand rechts: Innocentius des zwölften. So kurz diese Grabschrift, so entfernt ist auch das Denkmaal von eitler Pracht, indem es in allen zusammen nur sechshundert Scudi gekostet hat, und bewundert man diese Demuth des Pabstes desto mehr, weil unter seiner Regierung an die kostbaren Zierrathen [558] dieser Kirche bey achtmal hundert und siebenzehntausend sechshundertScudi Romani verwendet worden. Es kann aber unter der scheinbarsten Erniedrigung öfters auch die größte Ehr. begierde verborgen seyn.
In dem gedachten andern Pfeiler ist ein Stein befestiget, der Petra Scelerata genennt wird, weil man ihn den heiligen Märtyrern angehängt haben soll, um bey ihrer Quaal sie desto mehr auszudehnen. Andere sagen, daß auf demselben viele Heilige hingerichtet worden, und dahin zielet die darunter gesetzte Schrift:
Super isto lapide
Multa corpora Sanctorum
Martyrio cæsa sunt.
Erat in veteri Basilica ad
lævum portæ juxta
Sacellum sanctissimi
Sudarii anno MDCVI.
Auf einem andern Steine in dem gegenüber stehenden Pfeiler soll der Pabst Silvester die Körper der heil. Apostel Petri und Pauli von einander getheilet haben.
Die Inscription des Steines ist folgende:
Super isto lapide
Porphyretico fuerunt divisa
Ossa Sanctorum Apostolorum
Petri & Pauli
Et ponderata per B. Sylvestrum Papam
Sub anno Dom. CCCXIX.
Quando facta fuit in
Ecclesia.
Was in dieser Aufschrift von der Abwägung der Gebeine gemeldet wird, gründet sich auf die Tradition, daß man die Gebeine Petri und Pauli anfänglich nicht habe von einander zu unterscheiden gewußt, bis nach lang angehaltenem Fasten und Bethen Gott durch eine sonderbare Offenbarung kund gemacht habe, die größern Gebeine wären St. Pauli, die kleinern aber vom h. Petro. Nach Anleitung solcher Offenbarung habe Pabst Silvester beyde Sammlungen der Gebeine gegen einander auf eine Wage gelegt und aus dem Gewichte geurtheilet, welchem Heiligen jede Reliquien zuzueignen wären.
Die Cappella del Sagramento, welche die dritte in dieser Ordnung ist, hat ein treffliches Tabernakel von Lazulisteine und vergoldeter bronzo-Arbeit mit zween metallenen Engeln zur Seite, alles nach der Zeichnung des Bernini verfertiget. Rand links:Cappella del Sagramento.
Das Gemälde, so die h. Dreyfaltigkeit vorstellet, ist vom Pietro di Cortona, von welchem auch das Dessein der Cuppola, welches Abbatino in mosaischer Arbeit ausgeführet hat. Mitten in der Kapelle ist ein breites metallenes Grabmaal Sixtus des vierten, worauf die Statue dieses Pabstes, als auf einem niedrigen Paradebette liegt. Gedachtes Werk ist vom Antonio Pollajolo einem Florentiner. Unter dem hierauf folgenden Bogen ist das vorkressliche Monument des Pabstes Gregorius des dreyzehnten aus weißem Marmor. Rand links: Grabmaal Gregorius des dreyzehnten. Er ist hier vorgestellt, als ertheile er den Segen. Zu seinen Füßen liegt ein Salamander, und auf jeder Seite steht eine Tugend in Riesengröße. Diese zwo Statuen, der Pabst, der Sarg, und das Piedestal zusammen genommen, bestehen nur aus fünf Stücken von ungeheurer Größe, woran Camillo Rusconi, ein Mayländer, seine Wissenschaft in der Bildhauerkunst [559] gezeiget hat. Gegenüber ist das Grab des Pabstes Gregorius des vierzehnten ohne die geringsten Zierrathen. Rand rechts: Gregorius des vierzehnten. An dem einen großen Pfeiler, der auf dieser Seite die große Cuppola trägt, ist St. Hieronymus in der Wüsten, als eines von den besten Gemälden des berühmten Muziani zu betrachten. Auf der andern Seite dieses Pilastro steht eine alte metallene Statue Petri, zu welcher das gemeine Volk häufig läuft, um den Fuß des Bildes zu küssen, und ihre Köpfe daran zu reiben. Rand rechts: Verehrung der Statue Petri. Sie sollunter Gregorius dem großen aus den Stücken einer zerbrochenen Statue Jovis Capitolini gegossen worden seyn, und Leo Isauricus Iconoclasta dem Gregorius dem zweyten vergeblich gedrohet haben, daß er kommen und sie in Stücken schmeißen wolle. Etliche gehen so weit, daß sie vorgeben, die Statue sey niemals umgeschmolzen worden, sondern man habe nur mit einer kleinen Veränderung aus dem heidnischen Jupiter einen heiligen Petrum gemacht. Rand rechts: Ob solche ehemals den Jovem Capitolinum vorgestellet? Wenn ich aber die Wahrheit sagen soll, so kömmt mir diese Muthmaßung keinesweges glaublich vor, und hätte die Veränderung so groß seyn müssen, daß sie ohne gänzliche Umgießung nicht wäre ins Werk zu richten gewesen. Denn dieses auf einem Stuhle sitzende Bild führt in der linken Hand, die gegen die Brust gehalten wird, die Schlüssel; die rechte Hand ist etwas erhoben mit den zween vordersten aufgerichteten Fingern, als wenn der Segen ertheilet werden sollte, welche Stellung sich für niemand weniger als den Jupiter schickt. Ueber dem Kopfe ist ein Limbus oder Schein, der aber nicht allzufein gerathen, indem er eher einem kleinen Wagenrade mit seinen Speichen, als dem Glanze eines erleuchteten Hauptes ähnlich sieht.
Ferner kömmt man rechter Hand in der Kirche an die kostbare Cappella Gregoriana, die der heil. Maria gewidmet ist, und woran Gregorius der dreyzehnte achtzigtausend Scudi verwandt hat. Rand rechts: Cappella Gregoriana. Die Baukunst ist vom Giacomo della Porta. Gemeldter Pabst ließ auch den Körper des h. Gregorii Nazianzeni hieher bringen, welcher vorher bey den Benedictinernonnen im Campo Martio war.
In dem Kreuzgange zur rechten Hand finden sich drey Altäre, und an denselben eben so viele berühmte Gemälde. Rand rechts: Altäre im Kreuzgange. Das erste vom Angelo Caroselli, einem Römer, stellt den heil. Wenceslaus, Herzog in Böhmen vor; das andere vom Valentin, einem Franzosen, zeigt den Märtyrertod des h. Processus und h. Martinians; und auf dem dritten hat Poußin den Tod des Märtyrers Erasmus abgebildet. Andiesen und denenselben gegenüber in der andern Seite des Kreuzganges stehenden Altären findet man sehr schöne Seulen von Porphyr, negro antico, und giallo antico, deren die letztern bey drey Klaftern dick und über vier Mann hoch sind.
Weiter sah man sonst auf einem Altare und an dem Gemälde des berühmten Lanfranchi, wie Christus auf dem Meere wandelt und den wegen seines Zweifelmuthes sinkenden Petrus aufrichtet, welches itzt in ein treffliches mosaisches Stück verwandelt worden, so vier und zwanzig Engel und Menschen mit allerley Farben vorstellet. Rand rechts: Mosaische Werke. Gleiche Veränderung hat man an dem Altare des S. Michel' Archangelo mit dem Begräbnisse der h. Petronilla vom Giov. Francesco Quercino vorgenommen, und arbeitet man noch an der kleinen Cuppola.
Hierauf folgt das schöne Grabmaal Clemens des zehnten, von der Architectur des Cavaliero Mattia de Rossi. Die daran befindliche Statue des Pabstes hat Hercule Ferrata gemacht, Lazzaro Morelli den Glauben, Gioseppo Mazzoli die Standhaftigkeit, Filippo Carcano die zwo Famas und andere Zierrathen, und endlich Ambros, Parisii, oder wie andere wollen, Leonardo Retti, die bas-reliefs am Sarge. Rand rechts: Grabmaal Clemens des zehnten.
[560] Das Ende von der Länge der Kirche nimmt das Altare della Catedra di S. Pietro, ein, worauf dieses Apostels hölzerner Predigtstuhl in einem andern von verguldetem bronzo eingeschlossen verwahret wird. Rand links: Treffliche Altare della Catedra di S. Pietro. Zween Lehrer aus der griechischen Kirche, St. Joh. Chryso. stomus und St. Athanasius, und zween aus der lateinischen, nämlich St. Augustinus und St. Ambrosius, alle vier sehr groß von bronzo dorato, auf vier prächtigen marmornen Fußgesimsen halten diesen Stuhl. Ueber demselben erscheint von gleichem Metalle die Herrlichkeit oder der Glanz der Engel, und in ihrer Mitte der heil. Geist in Gestalt einer Taube, von welcher viele Stralen hervorbrechen. Bernini hat das ganze Werk, so hundert und siebentausend fünfhundert und ein und funfzig Scudi gekostet, gezeichnet, Giov. Piscina gegossen, und Franc. MariaFEBEIde Identitate Cathedræ Romanæ weitläuftig beschrieben. Vordiesem Altare hängt eine große Lampe von bronzo, welche Clemens der eilfte verfertigen lassen, und hat dieser Pabst auch denen Mönchorden erlaubt, die Statuen ihrer Stifter hieher setzen zu lassen, und zwar in solcher Rangordnung, die ihnen ihre Eile oder Langsamkeit in Aufrichtung solcher Denkmaale geben würde. Die Dominicaner waren die ersten, so sich diese Erlaubniß zu nutzemachten; die Statue ihres Stifters ist aus einem einzigen Stücke weißen Marmor (das ungearbeitet zweytausend Scudi Romani gekostet) als ein Animal disputax und mit solchem wilden Feuer vorgestellet, dergleichen seine Ordensnachfolger bisweilen in dem Verfahren der heiligen Inquisition mehr als zu viel beweisen. Zu seiner linken Seite sieht man einen Hund mit einer brennenden Fackel, alsdas Wapen des gedachten heiligen Gerichts. Rand links: Statue St. Dominici. Uebrigens ist diese Statue vom Le Gros sehr wohl gearbeitet und im Jahre 1706 gesetzt worden. Gegenüber hat sie vor etlichen Jahren und unter Benedict des dreyzehnten Regierung an St. Francisco einen Nachbar bekommen. Rand links: St. Francisci. Mehrere als itztgedachte zween Orden haben sich zur Zeit noch nicht eingestellt: und nachdem die beyden obersten Plätze besetzt sind, so ist nicht vermuthlich, daß die übrigen Orden inskünftige sehr eilen werden. Für der Jesuiten beständiges Ausbleiben getraue ich mir wohl Bürge zu seyn, denn bey diesen demüthigen Leuten heißt es allezeit: Aut Cæsares, aut nihil. Den Karmelitern ist zwar ihre Ankunft von dem Propheten Elias durch Benedict den dreyzehnten in aller Forme Rechtens zugesprochen worden; allein sie sind mit der Statue ihres Erzvaters noch nicht öffentlich allhier hervorgerückt.
Rechter Hand (in Ansehung desjenigen, der das Altare della Catedra besieht) oder auf der Seite der Epistel ist das vom Bernini in marmo negro verfertigte Grabmaal Urbans des achten aus dem Hause Barberini, welches man an den hier und da angebrachten und über dem Sarge herumschwärmenden Bienen leicht errathen könnte. Rand links: Grabmaal Urbans des achten. Der beste Einfall verliert seine Annehmlichkeit, wenn er gar zu oft auf die Bahn gebracht wird, und die sinnreichsten Erfindungen schicken sich nicht allezeit zu einem Mausolæo, worauf nichts, als was groß und ernsthaft ist, vorgestellt seyn muß. Die Arbeit an diesem Werke ist übrigens vortrefflich, und sonderlich an den zwo Statuen der Carità und Standhaftigkeit nichts auszusetzen, wo man nicht etwan an der ersten, so als eine junge Frau die ihr Kind säuget, abgebildet ist, lieber etwas weniger Entblößung ihrer schönen und sehr völligen Brüste haben wollte. Jede dieser Statuen ist aus einem einzigen Stücke von weißem Marmor.
[561] Gegenüber und auf der Seite des Evangelii vom Altare ist das Mausolæum Pauli des dritten, aus dem Hause Farnese, wozu der große Michel Angelo Buonaroti die Zeichnung, und Guglielmo della Porta die Bildhauerarbeit verfertiget hat. Rand rechts: Pauli des dritten. Das ganze Werk soll vier und zwanzigtausend Scudi gekostet haben. Man bemerket hier vor andern zwo liegende Statuen aus weißem Marmor, deren die eine die Klugheit oder Wahrheit als eine schon bey Jahren seyende Frau, mit einer Draperie ganz sittsam, ehrbar, ernsthaft und also vorstellet, daß man sie eben so leicht für eine Mannsperson als für ein Frauenzimmer ausgeben könnte. Mit der andern Statue aber, welche die Religion abbildet, und an welcher man sonderlich den Kopf bewundert, hat es eine ganz andere Bewandniß; indemsie als eine junge wohlgewachsene und wollüstige Weibsperson in einer solchen Lage vorgebildet ist, daß einsmals ein Spanier nach dem Exempel Pigmalions sich in ihre Schönheit verliebet, und als er sich in die Kirche verschließen lassen, in solchen Unternehmungen betroffen worden5, welche ihm an andern Orten den Kopf würden gekostet haben, hier aber nicht so genau genommen wurden, weil er dem Kardinal Caraffa zugehörte oder in dessen Diensten stund. Rand rechts: Aergerniß, welches eine Statue gegeben hat. Von solcher Zeit an hat man diese Statue zwar von den Brüsten an bis auf die Knie mit einer leichten drapperia von bronzo als mit einem dünnen Hemde bedecket, ich zweifele aber, daß dadurch allen Versuchungen einer so hitzigen Nation, als die Italiener sind, genugsam gesteuert worden. Sie hält in der Hand ein brennend Herz; und geben einige vor, es sey Clelia Farnesia, des Pabstes Pauli des dritten Tochter, welche er nebst Petro Aloysio Farnesio währenden seines Kardinalats erzeuget hat, in diese Figur abgebildet. Das Kupfer von dem ganzen Grabmaale ist in des P. BONANNIHistoria Templi Vaticani, Tab. XXXVI, zu sehen.
Von hier kömmt man an das schöne Grabmaal Alexanders des achten, welches erst im Jahre 1725 vollendet worden, und absonderlich mit verde antico und einem kostbaren orientalischen gelben Marmor, der dem Achat nicht unähnlich sieht, pranget. Rand rechts: Grabmaal Alexanders des achten.
Gegenüber an dem Altare des Hauptpfeilers ist Petrus, wie er vor der Pforte des Tempels zu Jerusalem den Lahmen heilet, mit Oelfarben vom Luigi Civoli gemalt. Rand rechts: Gemälde. Es hat aber dieses Stück vielen Schadendurch das Abfallen seiner Farben erlitten, daher es in mosaischer Arbeit erneuert werden soll.
An dem Altare di S. Leone il Grande verdienet ein sehr großes bas-relief aus einem einzigen Stücke Marmor wohl betrachtet zu werden. Rand rechts:Bas-relief an St. Leons Altare. Man zählt darauf achtzehn Personen, worunter sieben sehr erhaben und groß sind; die ganze Geschichte aber geht auf Leo den grossen, wie er den Attila mit der Rache St. Petri und Pauli (die sichin der Luft mit erzürntem Gesichte zeigen) bedrohet, wenn er sich an Rom vergreifen würde. Nach Bellori Berichte hat der Cav. Alessandro Algardi, ein Bologneser, vier ganze Jahre daran gearbeitet, und von Innocentius dem zehnten zehntausend Scudi dafür bekommen. Andere erhöhen diese Belohnung bis auf dreyßigtausend Scudi. Die Figuren, so vorn an diesem prächtigen Stücke sich befinden, sind fast isolees, oder beynahe von allen Seiten frey, und eigentlich kleine Statuen, welche jedoch mit den übrigen ein einziges Stück Marmor ausmachen. Das darauf folgende Grabmaal Alexanders des siebenten leget wieder ein schönes Zeugniß von Laurentii Bernini Kunst und Wissenschaften ab, ob es gleich nicht eines von seinen besten [562] Stücken ist. Rand rechts: Grabmonument Alexanders des siebenten. Der Pabst ist knieend vor gestellt zwischen vier großen Statuen der Tugenden, an deren einer zwar, so die Carità seyn soll, einige Kenner wider die hängenden Brüste etwas einzuwenden haben; allein wer kann es hierinnen allen Leuten recht machen? und will ich meinem Herrn inskünftige nicht ferner mit solchen Critiken beschwerlich fallen. Rand links: Critik über die Statue der Carità. Das ganzeMausolæum giebt der Kirche mehr Zierde, als das Leben des Pabstes Alexanders des siebenten dem päbstlichen Stuhle Ehre gemacht hat. Die Katholiken selbst tragen kein Bedenken zu sagen, daß in seiner Person aus einem Cardinale Santo ein Pontefice Demonio geworden. Seine beste Zeit brachte er mit Bagatellen zu, dergestalt, daß er einsmals, nach des Kardinals von Retz Berichte (Memoires T. V, p. m. 177) sechs bis sieben Tage anwendete, um auszufinden, ob mosco von musca, oder musca von mosco käme. Ein andermal setzte er eine Belohnung für den Erfinder eines lateinischen Wortes, welches eine chaise roulante eigentlich ausdrücken würde. Nahe bey obgedachtem Mausolæo stehen viele besondere Beichtstühle mit unterschiedenen Ueberschriften, als pro lingua superioris Saxoniæ, pro lingua Illyrica, pro lingua Hispana etc. damit ein jeder wissen möge, wo er einen seiner Muttersprache kundigen Beichtvater aufzusuchen habe. Rand links: Beichtstühle. Ehemals stund allhier auch ein metallenes Gefäß, worinnen man bey den ersten Verfolgungen das Blut der Märtyrer aufgefangen haben soll, es ist aber itzt nicht mehr auf diesem Platze, sondern in einem andern Orte verschlossen. Rand links: Gefäß, worinnen Märtyrerblut gewesen.
Das Fresco- Gemälde, so itzt über der Thüre der Sacristey steht, war sonst auf der andern Seite der Kirche an dem Platze, wo nun das Grabmaal Alexanders des siebenten zu sehen ist, und hat man es samt der Mauer hieher gebracht. Rand links: Fresco- Gemälde. Es stellet Petrum vor, wie er einen Besessenen befreyet, und Romanelli ist der Meister davon.
Die Sacristey selbst ist achteckigt, und ein wenig von dem übrigen Gebäude der Kirche abgesondert, also daß man erst durch einen Gang gehen muß. Innen über der Thüre hängen die großen eisernen Ketten, welche Petrus und Paulus sollen getragen haben. Rand links: Petri und Pauli Ketten. Allhier sind gute Gemälde und ein starker Vorrath von Reliquien zu sehen, welche letztere meistentheils mit dem Haupte St. Andreä am Ostermontage öffentlich gezeiget werden.
In der benachbarten Guardarobba wird das kostbare Kirchengeräthe verwahret, worunter nebst andern Tapeten auch eine Bekleidung der Kirche von rothem Damaste mit goldenen vier Finger breiten Galonen besetzet ist. Rand links: Kirchengeräthe und Meublen. Diese ganze Behängung, wozu über dreyßig tausend Ellen Damast gekommen, soll hundert tausend Scudi gekostet haben.
Die ferner in der Kirche folgende Kapelle Gregorius des großen ist diejenige, so am ersten unter allen andern fertig worden. Rand links: Cappella Gregorii M. Clemens der achte hat sie nach dem Abrisse desGiacomo della Porta einrichten lassen, und daher heißt sie auch Clementina. Unter dem Altareruhet Gregorius des großen Körper; das Gemälde auf dem Altare ist vom Andrea Sacchi, und stellt vor die Geschichte, wie ein pohlnischer Gesandter, der den Pabst um Reliquien von heiligen Märtyrern angesprochen, und statt der Antwort ein Schnupftuch voll Erde aus dem Amphitheatro Vespasiani bekommen, desfalls seine Verwunderung und Misvergnügen bezeuget, durch ein Wunderwerk aber, welches Gregorius der große zuwege brachte, überführet wurde, daß diese Erde ganz mit Blut der Märtyrer angefüllet wäre. Rand links: Heilige Erde aus dem Colisæo. Der Beweis, daß diese Erde vieles Blut von wilden Thieren eingesogen hätte, wäre vielleicht aus der Historie leichter zu führen gewesen. Man sieht aber hieraus, was für eine reiche Vorrathskammer von Reliquien die Kirche noch an dem alten Colisæo habe, und wie wenige Anhänger des berühmten Dodwells Meynung von der geringen Zahl der Märtyrer allhier finden werde.
[563] Die vier Kirchenlehrer und andere Figuren à Mosaico in der kleinen Cuppola vor dieser Kapelle, sind vom Marcello Provenzale.
Gegenüber in einem Altare an einem Pfeiler ist itzt ein treffliches Mosaicum, so den Tod Saphyrä vorstellet mit drey und zwanzig Personen in mehr als Lebensgröße von allerley Kleidung und Farben. Rand rechts: Treffliche Mosaique. Das Original von diesem Stücke hat Roncalli delle Pomerancie gemalt.
Leonsdes eilften Monument, so in der Ordnung folget, ist aus weißem Marmor vom Algardi gehauen. Rand rechts: Grabmaal Leo des zehnten; Die Statuen des Pabstes und der bey ihm stehenden zwoen Tugenden, sind in mehr als Lebensgröße. Absonderlich ist viele Kunst angebracht an dem bas-relief des Sarges. welches die Aussöhnung des Königs in Frankreich Heinrichs des vierten mit der römischen Kirche vorstellet. Das Monument hat folgende Inscription:
Leoni XI. Medici Florentino Pont. Opt. Max
Qui ad summam Ecclesiæ Dei felicitatem
Ostensus magis quam datus
Christianum orbem brevi XXVII. dierum lætitia
Et longo annorum mœrore complevit
Robertus Cardinalis Ubaldinus ex sorore pronepos
Grati animi monumentum p.
Obiit anno ætatis suæ LXIX. quint. Kal. Maji
A. MDCV.
Diesem gegenüber ist Innocentius des eilften (aus dem Hause Odeschalchi) Grabmaal von nicht weniger schönen bas-reliefs und anderer Bildhauerarbeit, wodurch der Ruhm ihres Meisters Moinot, eines Burgunders, verewiget wird. Rand rechts: Innocentius des eilften.
Die nächst daran stoßende Kapelle, so der unbefleckten Empfängniß der Jungfrau Maria geheiliget ist, wird la Cappella del Coro genannt, weil die Handlungen, bey welchen Musik gebraucht wird, hierinnen gehalten werden, als wozu sie wegen ihrer Größe und Einrichtung gar bequem ist. Rand rechts:Cappella del Coro. Die Unterhaltung der sämmtlichen Musikbedienten kömmt dem päbstlichen Hofe jährlich auf fünf tausend Scudi zu stehen.
Unter dem Altare liegt der Leichnam des h. Johannis Chrysostomi, eines Patriarchen von Konstantinopel, über demselben aber ist die Pietà, oder Maria, so ihren todten Sohn vor sich liegend hat, von Michel Angelo Buonarota in weißem Marmor vortrefflich gehauen. Rand rechts: Statue der Pietà. Sowohl über dem Haupte der Maria, als des Herrn Christi, ist eine goldene Krone zu sehen. In dieser Kapelle ist Clemens der eilfte aus dem Hause Albani, ohne einige Zierrath seiner Ruhestäte begraben. Rand rechts: Grab Clemens des eilften;
Weiter gegen dem Haupteingange der Kirche findet sich Innocentius des achten Grabmaal, woran die metallene Statuen und andere Zierrathen von Antonio Pollajuolo, einem Florentiner, gegossen sind. Rand rechts: Innocentius des achten. Die eine Statue des Pabstes hält in ihrer Hand eine Lanze, welche diejenige vorstellet, womit Christi Seite geöffnet worden, und welcheman als ein Geschenk des türkischen Kaisers Bajazeth, wie oben gemeldet, in dieser Kirche verwahret. Man liest an diesem Monumente die Worte:In innocentia mea ingressus sum, redime me Domine, & miserere mei, und darüber folgende weitläuftigere Inscription:
Innocentio VIII. Cybo Pont. Max.
Italicæ pacis perpetuo custodi
Novi Orbis suo ævo inventi gloria
[564] Regi Hispaniarum Catholici nomine imposito,
Crucis sacrosanctæ repertæ titulo
Lancea, quæ Christi hausit latus
a Bajazethe Turcarum Tyranno dono missa
æternum insigni
Monumentum e vetere Basilica huc translatum
Albericus Cybo Malaspina
Princeps Massæ
Ferentilii Dux, Marchio Carrariæ, etc.
Pronepos
Ornatius augustiusque posuit Anno Dom.
MDCXXI.
In der nächsten Kapelle stellt das Altargemälde die Darstellung Mariä im Tempel vor. Rand links: Mosaique. Dieses Stück war ehemals von Francisco Romanelli gemalt, und anitzt hat man es in ein treffliches Mosaicum verwandelt, auf welchem siebenzehn große Personen, darunter eine mit einer brennenden Fackel erscheint, vorkommen. Die letzte Kapelle hat Innocentius der zwölfte unter Veranstaltung Caroli Fontana mit schönem Marmor auszieren und das treffliche große Porphyrgefäß, worinnen sonst der Körper des Kaisers Otto des zweyten gelegen seyn soll, zum Gebrauche der h. Taufe hieher bringen, wie auch mit vielen Zierrathen von verguldetem Metalle versehen lassen. Rand links: Porphyrsarg. Die Zeichnungen zu den letztern hat ein Bildhauer Theodon gegeben, und Giardino hat sie gegossen. Die Taufe Christi an dem Altare ist von Carolo Maratta gemalet, und wird itzten Mosaique nachgemacht.
In allen zählet man bey hundert und achtzig große marmorne Seulen in dieser Kirche. Rand links: Anzahl der marnwrnen Seulen, Altäre etc. Die viereckigten Hauptpfeiler sind von Innocentius dem zehnten mit rothem Marmor überzogen, auch mit weißen medaillons oder runden Portraiten der Päbste en bas-relief und dergleichen weißen Tauben mit einem grünen Zweige, als dem Wapen des gedachten Pabstes Inncentius des zehnten gezieret worden. Man zählet auch in dieser Kirche neun und zwanzig Altäre. Der Fußboden ist ganz mit Marmor bedecket, und wird alles so reinlich gehalten, daß die Kirche scheint, als wäre sie kaum erst in diesem Jahre ganz neu gebauet. Rand links: Wie reinlich alles gehalten werde. Wenn einiger Staub sich an den Wänden oder der Decke angesetzet, so werden Leute in Körben und besondern Maschinen hinausgezogen, welche den Staub nicht abkehren, (weil solches denselben nur von einem Orte auf den andern jagen und die seine Arbeit durch die Bürsten oder Besen verderben würde) sondern mit weichen Tüchern abnehmen, und sollen zur Aufsicht solcher Reinlichkeit über funfzig Personen bestellet seyn. Bey dieser Sorgfalt habe ich mich verwundern müssen, daß man dennoch Vögel in der Kirche herumfliegen sieht, welche sich lustig hören lassen und an Raume zum fliegen keinen Mangel leiden. Rand links: Vögel in der Kirche. Ja ich [565] habe etliche Tauben darinnen angetroffen, welche gewiß zur Reinlichkeit der Kirche wenig beytragen werden. Ob man sie nicht wohl fangen könne, oder ob ein kleiner Aberglaube und ein Respect für die Tauben darunter verborgen stecke, ist mir unbekannt6.
Wegen der Dicke der Mauern, und weil die Fenster nicht gar groß sind, ist die Kirche ein wenig dunkel und feucht, aus welcher Ursache die Gemälde auf Leinwand und Holz sich nicht nach Wunsche in die Länge halten, sondern man gezwungen wird, ihren Abgang nach und nach mit einem unvergänglichen Werke, nämlich dem Mosaico zu ersetzen, von welchem ich allhiermit desto mehrerm Rechte noch etwas hinzu füge, je größer die Anzahl der Stücke von die ser künstlichen Arbeit in der St. Peterskirche ist. Rand rechts: Anmerkung von den mosaischen Arbeiten. Daß die Alten mit Gemälden von zusammengesetzten Steinen einen großen Pracht getrieben, sieht man aus PLINII lib. XXXVII, c. 2, da er meldet, wie Pompejus sein von Perlen zusammengesetztes Portrait mit im Triumphe tragen lassen, veriore luxuriæ triumpho, wiePLINIVS hinzufüget. Ich halte aber dieses nicht für ein solches Werk, wovon hier die Rede ist, sondern ziehe vielmehr hieher die Arbeit, so die Alten Lithostrata oder Opera Musiva tessellata, vermiculata, sectilia und die Künstler davon Musearios oder Musivarios nenneten7. Die Materie, woraus heute zu Tage diese Werke zusammengesetzt werden, besteht aus Glasgüssen von so vielerley Schattirungen in jeder Farbe, als man kaum verschiedene Farben von englischer Wolle, so zum sticken gebrauchet wird, finden kann. Sie werden erst in dünne Kuchen gegossen, und hernach in längliche Stücke von mancherley Dicke geschnitten. An den Figuren, welche die Decke der St. Peterskirche zieren, und also nur von weitem gesehen werden, sind manche Stücke von der Dicke eines Fingers; zu den feinesten Werken aber nimmt man subtile Fäden oder Stifte Glases, so nicht viel dicker als eine gemeine Nehnadel sind, und können von dieser Art leicht zwo Millionen Stücke auf ein Portrait von vier Quadratschuhen verbrauchet werden.
Itztgedachte Stifte werden so nahe aneinander gefüget, daß man nach der darauf erfolgten Polirung (womit man, als bey Spiegeln verfähret) kaum merken kann, daß es eine Zusammensetzung vieler Theilchen sey, und kömmt das ganze Werk dem Auge vor als ein lebhaftes Gemälde, vor welches ein seines Krystallenglas gezogen ist. Der Grund, worein diese Stifte oder länglichte Steine getragen und befestiget werden, besteht aus einem Teige, der von zu Kalke gebranntem Marmor, seinem Sande, Gummi Dragante, Eyerweiß und Oel vermischet und zusammengesetzet ist. Er ist anfänglich so weich, daß man die Stifte leicht einsetzen, auch wenn man etwas versehen, wieder heraus nehmen, den Teig wieder zusammendrücken und neue Stifte einfügen kann; nach etlichen Tagen aber wird er härter und endlich mit der Zeit so fest und hart als ein Stein, dergestalt daß es unmöglich ist, ferner etwas darinnen zu ändern. Dieser Grund ist mit einem steinernen Rahm oder Gesimse eingefasset, welches bey großen Gemälden bisweilen einen Fuß breit und eben so dick ist. Die innerste Masse hält vermittelst vieler metallenen Haken an einer steinernen oder [566] metallenen Platte fest: und weil in großen Stücken, die öfters zwölf bis funfzehn Fuß breit und sechszehn bis zwanzig hoch sind, die Masse des Teiges und der darinnen befestigten Glasstifte über drey Viertheil eines Fußes hoch ist, so kann man leicht erachten, von was für einer großen Schwere ein solches Werk seyn müsse. Die entfernten Stücke an der Decke der Gewölber werden nicht poliret; an den untersten Altargemälden hingegen wendet man desto mehrern Fleiß an. An einem Stücke von ungefähr achtzig Quadratfußen bringen sieben bis acht Künstler, die zugleich daran arbeiten, zwey Jahre zu: und je subtiler die Arbeit ist, desto mehr Zeit wird dazu erfodert. Sie haben in offenen Fächlein die Stifte von verschiedenen Farben vor sich und im Griffe, wie die Setzer in Buchdruckereyen ihre Buchstaben. Man muß sich verwundern, wie accurat sie die kleinsten Strichlein und jedes Haar nachmachen, also daß zwischen dem Originalgemälde und einer solchen Copey kein anderer Unterschied zu spüren ist, als daß diese von mehrerer Lebhaftigkeit, Glanz und lustre ist. Mit der Zeit werden alle Altargemälde der Peterskirche mit solchem Mosaique prangen. Viele Päbste, worunter Innocentius der zwölfte oben an zu setzen ist, haben gewisse Gelder und fonds dazu vermachet, welche täglich noch anwachsen. Unter Benedict dem dreyzehnten sind allhier nur drey Altarstücke fertig, hingegen desto mehrere in seine geliebte Beneventanerkirche gebracht worden.
Die Schneidung der Glasgüsse geschieht oben auf dem Dache der Peterskirche, und die Arbeit oder Zusammensetzung in einem besondern Gebäude hinter der Kirche. Die alten mosaischen Werke haben gar dicke Stifte, oftmals als ein kleiner Finger, und findet man viele darunter, deren die eine hervorstehende Seite verguldet oder versilbert ist. Gegen das Ende des dreyzehnten Jahrhunderts, als Giovanni Cimabue, ein Florentiner, (welcher im Jahre 1240 gebohren war und im I. 1300 verschied) der Malerey durch eine verbesserte Zeichnung wieder aufzuhelfen anfing, brachte auch Andreas Tassi, sein Landsmann, die mosaische Arbeit in mehrern Gang, nachdem er vom Apollonius einem Griechen, welcher inder Kirche St. Marci zu Venedig seine Kunst sehen ließ, die Wissenschaft, mit dieser Art email umzugehen, und insbesondere die dazu gehörige Glasgüsse und Steine zu verfertigen, erlernet hatte.
Vor zwey hundert Jahren machte man diese Arbeit noch gar schlecht, wie man aus den alten kleinen Kuppeln der St. Peterskirche, welche nach und nach verändert werden, sieht; denn an diesen sind die Stifte nur von gebranntem Thone undan der obern Seite mit Töpferglasur von verschiedenen Farben überzogen.
Von dem neuern Mosaico ist auch zu unterscheiden die florentinische Arbeit, vermittelst welcher man verschiedene geschnittene Edelgesteine und kostbare Marmor in Figuren zusammensetzet, nicht anders als wenn künstliche Tischler von allerley Holze Figuren in einen Tisch oder Schrank einlegen, und werden die florentinischen Werke pietre pretiose commesse genennet. Rand links: Unterschied zwischen dem Mosaique und der florentinischen zusammengesetzten Arbeit. Oberer Theil der Peterskirche.
Es ist aber nicht genug, daß man die St. Peterskirche untenher betrachte; sondern sie ist auch in ihren obern Theilen mit solchen merkwürdigen Dingen versehen, daß kein Reisender sich die Mühe, bis in den obersten Knopf zu steigen, darf gereuen lassen. Die erste Wendeltreppe, so sich nicht weit von der Cappella des Coro anhebt, hat keine Stufen und könnte man darauf zu Pferde auf- und abreiten. Rand links: Treppe ohne Stufen. Sie ist vornehmlich wegen der Esel, die zum Kirchenbau und Unterhalt der oben wohnenden Leute täglich viele Sachen in die Höhe oder wieder herunter bringen müssen, also angeleget worden. Rand links: Anmerkung wegen der Trankgelder. Bey der untersten Thüre läßt man den Degen, welchen man vermittelst eines Paolo wieder von dem Pförtner einlöset.[567] Andere Trankgelder zu nehmen ist durch eine eingehauene Schrift verbothen, es finden sich aber dennoch oben hie und da Leute, welche durch ihre Bemühungen noch etwas heraus locken. Unten an der Treppe arbeiten Mannspersonen, welche zur öffentlichen Kirchenbuße, oder um Dispensation, die sie mit Gelde zu bezahlen nicht vermögend sind, zu erlangen, gesso (welches die schlechteste Art von Gips ist, dessen seinestes stucco genennet wird) stoßen. Nachdem man etwan zwey hundert und achtzig Schritte gestiegen, geht man hinein in die Kirche und auf ihren obersten Umgang über den Pfeilern, woselbst das Gewölbe sich in die Runde zu beugen anfängt. Dieser Umgang ist ohne Geländer, aber so breit, daß man ganz sicher darauf herum wandern kann. Rand rechts: Umgang der Kirche, Von hieraus sieht man die ungemeine Größe der mosaischen Bilder, welche, wenn man unten in der Kirche ist, nur von gewöhnlicher Größe zu seyn scheinen, und darf ich zum Beweise nur die Länge der Schlüssel Petri anführen, welche in der That von drey und dreyßig palmi ist. Der innere Umgang der Cuppola ist noch um ein gutes Theil höher. Auf dem Dache der Kirche geht man frey herum, etliche Wege und als Straßen gepflastert, und findet man auf dieser Höhe viele kleine Wohnhäuser, welche nebst den mancherley Kuppeln machen, daß man sich fast verirren könnte. Rand rechts: der Cuppola. Das Dach der Kirche gepflastert und bewohnet.
Die ungemeine Größe der über dem Frontispicio stehenden Apostel und des Heilandes fällt hier erst recht in die Augen. Im Jahre 1729 im August schlug der Blitz der Statue St. Matthäi den Kopf weg, sie ist aber nun wieder hergestellet. Rand rechts: Größe der Statuen auf dem Dache. Der Dome oder die Hauptcuppola ist eigentlich in ihrem Convexo doppelt, man steigt über das innerste Gewölbe acht und funfzig Stufen hoch als über einen hohen Backofen, da man indessen noch über seinem Rücken ein neues Gewölbe, Concavum oder Cuppola hat, welche von außen allein in das Gesichte fällt. Rand rechts: Doppeltes Gewölbe der Cuppola.
Wenn man diese und zwey und zwanzig andere Stufen überstiegen, so kömmt man auf einen äußern Umgang der Cuppola, der mit einem eisernen Geländer verwahret ist. Hier stehen in einer Rundung schön gearbeitete Seulen, die siebentehalb gemeine Spannen in ihrer Dicke und ohne Piedestal vier und zwanzigstehalb Spannen in der Höhe haben. Zwischen diesen Seulen fällt das Licht durch gläserne Fenster indie Hauptcuppola, und auf ihnen ruhet die kleinere Cuppola, über welche man wieder drey und zwanzig Stufen als über ein Convexum zu steigen hat, wobey man sich an einem Stricke anhalten muß, als wenn man in ein Schiff klettern will. Auch hier ist man nicht unter dem freyen Himmel, sondern hat in einem kleinen Zwischenraume über sich eben ein solches holes Gewölbe, wie das Convexum ist, über welches man steigt. Wenn solches geschehen, kömmt man auf die äußerste Decke der Hauptcuppola, und in die so genannte Laterne, weil sie eine Oeffnung gegen die Stadt hat, und in derselben an St. Peterstage abends neun Lampen angezündet werden. Rand rechts: Laterne. Von hieraus sieht man die offenbare See, ob sie gleich vierzig italienische Meilen von Rom entfernet ist. Rand rechts: Aussicht nach der offenbaren See. Verboth aller Unreinlichkeit. An der Wand liest man folgende Warnung: Quicunque ausu temerario præsumserit sacrosanctum hunc locum, quo modo libet, coinquinare, indignationem Dei Omnipotentis ac Beatorum Petri & Pauli Apostolorum ejus noverit se incursurum & in alias corporales pœnas arbitrio Sac. Congregat. Rev. Fabricæ etc. mit einer italienischen Verdolmetschung.
Von hieraus besteigt man eine hölzerne Leiter von vierzehn Tritten, und ferner eine eiserne von zwölf Sprossen, vermittelst welcher man durch eine gar enge Oeffnung in den runden kupfernen Knopf der Cuppola kömmt, in welchem, wie etliche wollen, zwey und dreyßig Personen Platz haben sollen. Rand rechts: Holer Knopf der Cuppola. Seine Ausmessung. Ich gebe dieses vielleicht zu, wenn solche zwey und [568] dreyßig Leute als Häringe aufeinander gepacket werden, sonst aber bin versichert, daß sechs. zehn bis zwanzig erwachsene Leute denselben genugsam füllen sollen. Der Diameter, welchen man leicht an den großen eisernen Stangen, die kreuzweise das Werk zusamenhalten, nehmen kann, ist von zwölf gemeinen Spannen oder beynahe von acht Fußen. Andere rechnen diesen Diameter von eilf palmi oder achtehalb parisische und acht und ein Drittheil englische Schuhe. Sebastiano Torrisani ein Bologneser, hat sowohl diese Kugel als das darauf stehende Kreuz, welches neunzehn palmi oder dreyzehn parisische Schuhe hoch ist, gegossen. Nach der Rechnung des Mons.TARADE, Premier-Ingenieur d'Alsace8, welche er im Jahre 1713 zu Paris herausgegeben hat, ist man hier nur ungefähr sechs Ruthen niedriger an der Erde, als man auf der Spitze des straßburgischen Thurms seyn würde. Rand links: Parallele mit der Höhe des straßburgischen Thurms.
Wer von dem ganzen Baue der St. Peterskirche eine gründliche Nachricht zu haben verlanget, kann solche am vollkommensten finden in der Architettura della Basilica di S. Pietroin Vaticano Opera di Br. Lazari, M. A. Bonarota, Carlo Maderni & altri famosi Architetti, intagliata da M. FERRABOSCO, Roma 1684. fol. cum figur. desgleichen in des Caval. Carlo Fontana lateinischem und italienischem Werke, so mit schönen Kupfern im Jahre 1694 in Folio unter folgendem Titel herausgekommen: Il Tempio Vaticano e suo Origine con gli Edificii più conspicui antichi e moderni. Rand links: Gedruckte Werke von der St. Peterskirche. Ferner in des gelehrten Jesuiten Bonanni lateinischer Historia Templi Vaticani, Romæ, fol. 1700. und bey dem Jesuiten DONATO, de Urbe Roma, Lib. IV, c. 9.
Wer diese Kirche gehörigermaßen besuchet, erhält jedesmal sechs tausend Jahre Ablaß, welche destoweniger in Zweifel müssen gezogen werden, je mehr man glaubet, daß St. Petrus der Thürhüter des Himmelreiches ist, auf dessen guten Willen nothwendig vieles ankommen muß. Rand links: Ablaß. Dieser Protector der Kirche hat auch nicht weit von hier auf der Seite von St. Martha wunderbarer Weise eine gute Quelle hervorgebracht, deren Wasser man in den päbstlichen Beckereyen, welche nahe beym Vatican liegen, gebrauchet, und wird das daselbst gebackene Brodt für das beste in Rom gehalten. Rand links: Wunderquelle. Rand links: Wo das beste Brodt in Rom zu haben.
Gegen Mitternacht stößt an die St. Peterskirche der weitläuftige vaticanische Pallast, worinnen man zwölf tausend fünf hundert und zwey und zwanzig, oder wie mich der Kastellan versicherte, eilftausend zwey hundert und sechs und vierzig Zimmer und Kammern, zwey und zwanzig Höfe, und tausend zweyhundert Feuerstäte zählet. Rand links: Größe des vaticanischen Pallastes. Es ist leicht zu erachten, daß kein Reisender Gelegenheit hat, diese Rechnung genau zu examiniren, also muß man denen über die Aufsicht dieses Gebäudes bestellten Leuten hierinnen glauben, welche sich auf das hölzerne Modell des ganzen Werkes berufen. Allein man kann auch dieses nicht mehr zu sehen bekommen, weil Clemens der eilfte, da er zur Regierung kom, die Zimmer, worinnen es nebst andern Modellen stund, für sich haben wollte, und daher gedachte Werke wegräumen ließ. Rand links: Modell davon. Bey solcher Gelegenheit wurden sie dergestalt verdorben und in Unordnung gebracht, daß sie noch nicht wieder zusammengesetzet sind, sondern in einer verschlossenen Kammer liegen bleiben. Man hat Ursache, insbesondere das von Antonio Sangallo [569] verfertigte Modell der St. Peterskirche zu beklagen, weil es mit solcher Sorgfalt und Schönheit ins Werk gesetzet war, daß es über dreyßig tausend Scudi gekostet hat. So groß auch diese Summe für ein solches Werk scheint, so kömmt sie doch derjenigen, welche der itztregierende König von Portugall daran gewendet, um ein eigentliches Modell von besagter Kirche zu haben, bey weitem nicht bey. Denn weil man alles und jedes, was daselbst zu sehen ist, in Kleinem nachgemachet, und solchem nach auch die kostbaren Steine, so im Originale angetroffen werden, mit angewendet hat, so sollen die sämmtlichen Unkosten dieses Modells, wie etliche vorgeben, fast auf hundert tausend Thaler gestiegen seyn.
Weil dieser Pallast zu ganz verschiedenen Zeiten erbauet und aneinander gehänget worden, so haben seine Theile keine Proportion oder Symmetrie zusammen, und wegen des schönen Platzes vor der St. Peterskirche, den man deswegen nicht schänden wollen, mangelt ihm sogar ein rechtes Portal. Bey der oben beschriebenen Statue Konstantins des großen, welche Bernini gemacht hat, ist der nächste Eingang, wenn man von der Kirche kömmt, und die daselbst vom Bernini angelegte schöne marmorne Treppe führet in die Sala Regia und andere daran stoßende Zimmer. Rand rechts: Eingänge.
Besser hinunter rechter Hand am obgedachten St. Petersplatze ist ein anderer Eintritt, woselbst die Schweizer ihr vornehmstes Corps de Garde haben, und zeiget sich über der Thüre Maria mit Petro und Paulo en Mosaique von Fabio Christofori nach der Zeichnung Josephi d' Arpino. Rand rechts: Corps de Garde. Rand rechts: Mosaique. Wenn man von hieraus eine Treppe etwas in die Höhe gestiegen, um auf den Hauptplatz dieses päbstlichen Pallastes zu kommen, so zeigen sich alsbald die dreyfach übereinander stehende Galerien, in deren einer Raphael seinen Namen unsterblich gemachet hat. Es ist dieses die mittelste, aus welcher man in die Zimmer geht, welche zum Conclave eingerichtet werden, und nennet man sie Le Loggie oder wegen der Geschichte aus dem alten und neuen Testamente des Raphaels Bibel. Rand rechts: Galerie vom Raphael gemalt. Das Gewölbe dieser Galerie ist nicht von einer gleichen Höhe, sondern in viele gewölbte Quadrate vertheilet, die sich mit jedem Pfeiler oder Fenster endigen, dergestalt daß jede solcher kleinen Quadratdecken vier Seiten hat, welche mit guten Fresco-Gemälden angefüllet sind, und ist es nur schade, daß sie der freyen Luft, dem Winde und dem Staube so sehr Preisgegeben worden. Man erzählet, daß als Raphael in den dreyen Seiten eines solchen Quadratgewölbes die drey ersten Tage der Schöpfung vorgestellet hatte, habe er ohngeachtet der sorgfältigen Verschliessung des Michaelis Angeli Buonarota einsmals Mittel gefunden, in die Kapelle Sixtus des vierten zu kommen, allwo Buonarota damals das Gewölbe malte, da er dann das majestätische Wesen, womit dieser Maler Gott den Vater vorstellte, mit vieler Verwunderung angesehen, und in diesem Stücke seine nachfolgende Arbeit sehr verbessert habe, zu einem klaren Beweise, daß öfters große Meister von andern, die ihnen in der Kunst keinesweges gleich kommen, noch etwas lernen können. Rand rechts: Anmerkung überdie Vorstellung Gottes des Vaters. Denn Buonarota war ein größerer Bildhauer als Maler, der übrigens dem berühmten Raphael keinesweges an die Seite gesetzet werden konnte. Rand rechts: Raphael lernet etwas von Mich. Angelo. Der Charakter dieses letzten war freundlich, leutselig, liebreich, und diese Kennzeichen führen [570] alle seine Gemälde. Von der Bildung und Abmalung der höchsten Gottheit sollten billig alle Christen nach den Gebothen des unendlichen Wesens sich enthalten; wenn sie aber dennoch nach Art der Heiden sichtbare Ausdrückungen ihres allmächtigen Schöpfers haben wollen, so schicket sich ohne Zweifel ein Gesicht, das eine ehrerbiethige Furcht dem Gemüthe eindrücket, besser dazu, als ein anders, so wegen seiner Schönheit und Freundlichkeit nur Liebe erwecket.
Unter den übrigen Gemälden wird die Eva von allen Kennern hochgeachtet und für des Raphaels Arbeit erkennt. Rand links: Bildniß der Eva vom Raphael. Daß er die Desseins zu den übrigen Bildern gemachet, giebt jedermann zu; ob er solche aber auch alle selbst gemalet habe, daran wird stark gezweifelt, und nicht ohne Ursache dafür gehalten, daß Julius Romanus und Raphael dal Colle an den meisten Hand angeleget haben. Unter andern verdienet das Gericht und Urtheil Salomons gesehen zu werden, nebst dem letzten Abendmahle Christi, da zwar alle Apostel an einer viereckigten Tafel sitzen, jedoch also, daß man eines jeden Gesicht sehen kann. Rand links: Gericht Salomons. Rand links: Christi letztes Abendmahl. Dieses letztere Stück wird von einigen dem Raphael zugeschrieben, das erstere aber dem Julio Romano. Beyder Historie von der Bathseba ist nichtwohl ausgesonnen, daß dieses Frauenzimmer sich im Angesichte der ganzen Armee Davids badet. Rand links: Fehleran der Historie der Bathseba. An den übrigen Loggie oder Galerien haben Pellegrino Modanese, Giovanm Modanese, Raphael di Reggio, Paris Nogari, Mascherino, Giov. Paolo Tedesco, Perino del Vaga, und andere gearbeitet. Die Liebhaber von Kupferstichen werden ihr Vergnügen finden in der Sammlung von fünf und funfzig halben Bogen von Imperialpapier, welche Lorenzo Filippo de' Rossi zu Rom nicht weit von santa Maria della Pace für vier Scudi verkauft unter dem Titel: Le Loggie Vaticane, coll' Istorie del Vecchio e nuovo Testamento, col Profeta Esaia (e il deposito di Raffaele inventato e dissegnato da Carlo Maratti) intagliate in acqua forte da Pietro Aquila, e Cesare Fantetti; desgleichen in einem kleinern Werke, welches Orazio Borgiani in drey und funfzig Quartblättern herausgegeben. Man hat auch hievon Scherzi di figure colorite di riliero di stucco ne'compartimenti delle Loggie Vaticane disegnati e intagliati in acqua forte da Pietro Santi Bartoli, libro in 43 mezzi fogli reali per traverso, so zweene Scudi kostet.
Der rechte Schauplatz von Gemälden, und so zu sagen die Werkstäte des Raphael d'Urbino ist in derCamera della Signatura und den dreyen daran stoßenden Zimmern. Rand links: Gemälde Raphaels in derCamera della Segnatura. Jene ist im Jahre 1511 geendiget worden, und zeiget in vier großen Gemälden und sinnreichen Vorstellungen 1) die vornehmsten Glaubenspuncte der Lehre von der Trinitate, mediatione Christi, transsubstantiatione, dem ewigen Leben etc. 2) Die Wissenschaften und Kräfte des menschlichen Gemüths in Ansehung der Philosophie, Mathematik und Astronomie, welches Stück man die Schule von Athen zu nennen pfleget. 3) Die Poesie und den Berg Parnaß. 4) Die Gerechtigkeit, Klugheit und andere moralische Tugenden.
In der nächst hieran liegenden Kammer ist unter der Geschichte des Heliodors auf eine schmeichlerische Art Pabst Julius der zweyte abgebildet, wie er den Kirchenstaat von Feinden befreyet. Rand links: Historia Heliodors. Ein anderes in diesem Zimmer befindliches Gemälde wird in Ansehung des Coloris für das beste, so Raphael verfertiget, gehalten. Ein Wunder, so im Jahre 1264 unter dem Pabste Urban dem vierten zu Bolsenna in der Diöces von Orvietto sich zugetragen, da eine Oblate sich sichtbarer Weise in Blut verwandelt, um einen an der Transsubstantiation zweiflenden Priester, der die Messe las, zu überzeugen, hat Gelegenheit zudiesem Stücke gegeben, worinnen abermals Julius der zweyte des Pabsts Urbans des vierten Person vertritt, und mit seinem Hofstaate erscheint. Rand links: Anmerkungen über ein besonderes Stück, so die Transsubstantiation betrifft. Die Gemüthsregungen der Umstehenden [571] bey einem merkwürdigen Wunder, und insbesondere die Furcht und das Schrecken des Priesters nebst der sonderbaren Verwunderung oder Befremdung der ehrlichen Schweizer oder der päbstlichen Garde, sind sehr wohl ausgedrücket. An dem einzigen Gesichte des Pabstes findet man keine Veränderung, entweder weil ihn Raphael von einem andern ordentlichen Portrait copiiret hatte und es ihm nur um die Aehnlichkeit des Gesichtes zu thun war, oder, wie die eifrigen Verfechter des Raphaels behaupten, aus einem raffinement oder einer sonderbaren spitzfindigen Absicht dieses Künstlers, um dadurch anzuzeigen, daß das Haupt der Kirche von der Gewißheit der Transsubstantiation dergestalt überzeuget sey, daß auch eine sichtbare Probe derselben ihm als nichts neues oder fremdes vorkomme, welche Muthmaßung gewiß sehr weit hergeholet und getrieben ist.
Das dritte Gemälde in diesem zweyten Zimmer zeigt, wie Attila durch die Ankunft St. Leonis und eine dabey erhaltene Erscheinung von weiterm Einbruche in die römischen Lande abgehalten worden. Rand rechts: Fernere Gemälde. Das vierte stellt in einem vortrefflichen Stücke die Befreyung Petri aus dem Gefängnisse vor, und wird gezielet auf die Gefangenschaft, welche Leo der zehnte vor seiner Erhebung auf den päbstlichen Thron, nachdem erals Kardinal-Legat in der Schlacht bey Ravenna gefangen worden, erlitten, und woraus er sich mit der Flucht errettet hat. Der Fußboden dieser Kammer ist sehr artig mit Fließen von allerley Farben ausgeleget. An demPlatfond sieht man in vier kleinern Gemälden vom Raphael 1) wie Gott dem Mosi im feurigen Busche erscheint, 2) die Sündfluth mit der Arche Noä, 3) wie Abraham seinen Sohn opfern will, und 4) wie Jakob die Himmelsleiter und Engel im Traume sieht. In dem nächst hierauf folgenden Zimmer ist abermals vom Raphael gemalet, 1) wie sich der Pabst Leo vor Karln dem großen rechtfertiget, 2) die Krönung Karls des großen zu Rom, 3) wie Leo der vierte mit seinem Segen und dem Zeichen des Kreuzes eine gefährliche Feuersbrunst zu Rom auslöschet, 4) der Sieg Leons des vierten wider die Sarazenen in dem Hafen von Ostia. Alle diese undvorerwähnte Gemälde des Raphael sind à fresco. Rand rechts: Raphaels letzte Arbeit. La Sala di Constantino sollte von ihm mit Oelfarben gemalet werden, er starb aber in der besten Zurüstung davon, nachdem er inzwischen noch die oben erwähnte Verklärung Christi auf dem Berge verfertiget, il piccolo Farnese gemalt, und die unschätzbaren Cartons oder Muster zu Tapeten von sieben biblischen Historien in Stand gebracht, welche letzte mit vielem Vergnügen zu Hamptoncourt gesehen und von einigen Kennern allen vaticanischen Gemälden dieses weltberühmten Meisters vorgezogen werden9. ZurSala Constantini M. hat zwar Raphael die Desseins verfertiget; diejenigen aber, so sie wiewohl theils mit einigen nicht zum besten gerathenen Aenderungen gemalet haben, sind Giulio Romano und Giov. Francesco Penni, welche auch die Malerey à fresco, die in den vorhergehenden Zimmern gebraucht worden, beybehalten haben. Rand rechts: Sala Constaatini M. Die vier allhier vorgestellten Haupthistorien sind erstlich das Gesicht, so Konstantin der große gehabt, und die Erscheinung des Kreuzes am Himmel, davon die Geschichte selbst noch vielen wichtigen Zweifeln unterworfen ist. Rand rechts: Critik über die Gemälde desselben. An dem Gemälde tadelt man vornehmlich den aus Schmeicheley mit abgebildeten und zu einer so wichtigen Sache sich keinesweges reimenden lächerlichen und monströsen Zwärg des damals lebenden Kardinals Hyppolyti de Medicis, nebst dem Zeichen des Kreuzes, welches man allhier in vielen Fahnen der Armee findet. Das zweyte sehr große Stück in diesem Saale bildet die Schlacht und den Sieg Konstantins des großen über den Maxentius ab; das dritte die Taufe Konstantins des großen, wobey aber kein Wasser, in welchem der Kaiser billig stehen sollte, zu sehen ist; das vierte die von Konstantin dem großen an Pabst [572] Sylvester gethane Schenkung der Stadt Rom. Bey welcher Vorstellung nichts überflüssiger, ja unanständiger ist, als ein nackender Knabe, der auf einem Hunde reitet.
Von diesen Desseins des Raphaels und andern von ihm im Vatican vorhandenen Gemälden kann Bellori in der zu Rom in Folio im Jahre 1695 herausgegebenen Descrizione delle imagine depinte da Rafaelle d' Vrbino nelle Camere del Palazzo Apost. Vaticano und der beyden Richardson Traité de la Peinture & de la Sculpture Tom. III mit meh. rerm nachgelesen werden. Diejenigen, so wegen ihrer Entfernung die Gemälde selbst nicht betrachten können, müssen sich mit den Kupferstichen trösten und finden desfalls ihre Augenweide in Pitture nelle Camere del Palazzo Vaticano di Raffaele d' Vrbino disegnate, e intagliate in acqua forte da Francesco Aquila, in 22 fogli Papali, so bey Rossi für neun Scudi verkaufet werden. Ferner gehören hieher: La Vita Leone Papa X. ne'fregi degli arazzi degli Atti degli Apostoli in Vaticano, disegnata e intagliata da Pietro Santi Bartoli, in 15 mezzi fogli reali. Disputa de'Dottori sopra il Santissimo Sagramento dell'Eucharistia, dipinta nella Camera della Segnatura in Vaticano, intagliata a bulino da Filippo Tomasini, in 2 fogli Imperiali. Dieses ist eigentlich die Vorstellung der theologischen Geheimnisse überhaupt, und wird von keiner Dispute über das heil. Abendmahl in dem Gemälde selbst gehandelt. Scuola di Atene, dipinta nella medesima Camera, intaglio dellistesso Tomasini, in 2fogli Imperiali. Incendio di Borgo con Papa Leone Quarto che da la Benedizione edestingue il fuoco, dipinto nell'altra Camera di Torre Borgia, intagliato a bulino dal Tomasini, in foglio Imperiale per traverso. Bataglia di Constantino, invenzione di Raffaele, colorita da Giulio Romano nella Sala del Palazzo del Papa in Vaticano, disegnata e intagliata in acqua forte da Pietro Aquila in quattro Foglio Imperiali.
Der Fehler bey den meisten im Vatican befindlichen Gemälden ist, daß sie entweder in dunkeln Zimmern, oder sonst nicht in gehörigem Lichte stehen. Rand links: Von andern Gemälden. In andern bey der Signatura gelegenen Kammern sieht man gute Gemälde vom Balthasar Peruzzi, Vasari, Perin del Vague, Mutiano, Domenichino etc. Man bemerket auch in einem Zimmer das Kind Jesum in der Krippe liegend, vom Carolo Maratto, als ein Dessein, das mit Kohlen an die weiße Mauer gezeichnet ist; das recht ausgeführte Gemälde davon steht im Quirinal. Rand links: Schönes Gemälde auf Alabaster. In einem andern Zimmer ist Maria auf einem durchsichtigen Alabastro Orientale vom Cavaliero Gioseppe d'Arpino gemalt. Die natürliche Farbe und Zeichnung hat schon vieles zur gehörigen Ausdrückung oder Schattirung geholfen, und wird dieses Stück sowohl wegen seiner natürlichen als durch Kunst erlangten Eigenschaften in sehr hohem Werthe geachtet. In den ehemaligen Zimmern des Pabstes Pius des vierten sind gleichfalls gute Gemälde vom Federico und Taddeo Zuccari, Baroccio, Gherardi etc. Rand links: Optisches Gemälde. La Pietà, welche Pietro da Cortona auf Urbans des achten Befehl gemalet, ist nicht mehr vorhanden, hingegen sieht man noch über einer Thüre in einem schönen Gemälde vom Muziani, wie das Manna vom Himmel über das Lager der Israeliten fällt; durch ein optisches Kunststück stellt dieses Gemälde, wenn man auf einem gewissen Platze steht, in dem gegenüber befindlichen Spiegel einen Kelch nebst einer Hostie dar. Den Spiegel, worinnen man nach einiger Reisenden Berichte erstlich einen Pallast, hernach, wenn man näher tritt, den Pabst, und endlich sich selbst zu sehen bekömmt, habe ich nirgends erfragen können. Wenn alle Thüren geöffnet sind, sieht man durch die Zimmer des Pabstes Pius und die große Galerie in einer schönen Perspective fünfhundert gemeiner Schritte weit, bis an die Fontaine von Belvedere. Rand links: Lange der Galerien. Ich rede hier von der Galerie, welche Gregorius der dreyzehnte nach dem Dessein des Buonaroti über der Bibliothek anlegen, und von Paris Nogari, Marco di Faenza, Giov. di Modena,[573] Giacomo Semenza, Ottaviano Mascherino, und Lorenzino da Bologna malen lassen. Rand links: Gemälde des großen Saales Gregors des dreyzehnten. Die darinnen befindlichen geographischen Abzeichnungen der italienischen Provinzen und der Grafschaft Avignon sind vom P. Ignatio Danti Perugino, einem in dieser Wissenschaft sehr erfahrnen Dominicanermönche. Die in der Mitte der Decke gemalte Historie, wie Christus zu Petro sagt: Weide meine Schafe, ist vom Romanelli. Itztgedachter Saal ist neunzig geometrische oder zweyhundert und drey und dreyßig gemeine Schritte lang, und stößt daran eine andere Galerie von neunzig gemeinen, und an diese wieder eine von funfzig solchen Schritten. Rand rechts: Andere Galerien. In jener sind viele Zeichnungen und Desseins vom Domenichino, in letzrerer aber viele Brustbilder von Philosophen und Poeten; die Copey des ersten globi cœlestis, der in Griechenland verfertiget worden, und davon das Original im farnesischen Pallaste zu sehen ist; dieLudi Circenses in bas-relief auf einem alten Sarge von weißem Marmor. Rand rechts: Busta. Rand rechts: Erster globus cœlestis. Rand rechts: Ludi Circenses inbas-relief. Rand rechts: Alte Mosaique. Von hier aus geht man noch hundert und acht Schritte durch einen offenen Gang bis an die Fontaine. In den benachbarten Zimmern sind acht alte mosaische Stücke vertheilt und eingemauert, welche im Jahre 1711 in dem sabinischen Garten auf dem MonteAventino ausgegraben worden. Zwey Stücke davon stellen Jagden vor, zwey andere einen Kampf unter Thieren, eines etliche Bachanten, und dieübrigen drey, Laubwerkund Vögel. In diesen Zimmern, und sonderlich in der in eine Ründung gebogenen Galerie bey der Pigna, finden sich die Kupferstiche von des Raphaels oben beschriebenen Gemälden der Loggie, nebst etlichen schönen Stücken à fresco, so mit der ganzen Mauer ausgenommen und von andern Orten hieher gebracht worden. In einer von den gedachten Kammern steht auch das Modell von der St. Peterskirche, wie sie nach Bramantis Dessein hätte gebauet werden sollen. Rand rechts: Modell der St. Peterskirche. Weil es in der Höhe gestellet ist, kann man hinein treten, übrigens aber ist nichts gar außerordentliches daran, und ist vielmehr Kunst an dem Modell des Tempels Salomons zu sehen, welches man vor einiger Zeit in Hamburg und London für Geld hat sehen lassen.
In eben diesem Zimmer ist auch eine genaue Abbildung und Copey des Stuhls Petri von Holz, dessen Original in der St. Peterskirche verwahret ist. Rand rechts: Copey des Stuhls Petri. Gegenüber stund sonst des Pabstes Pius des fünften Sessel, welchen man aber wegnehmen müssen, weil viele Leute aus sonderbarer Andacht Stücke davon ausschnitten und mit sich nahmen. Rand rechts: Sessel Pius des fünften.