Phallos

[32] Phallos (gr.), 1) das männliche Glied; daher Phallītis, Entzündung des männlichen Gliedes; Phallorrhagie, Blutung aus dem männlichen Gliede; Phallorrhoë, so v.w. Gonorrhöe; 2) Abbildung desselben, Symbol der Manneskraft, eigentlich ein Pflock aus Holz, bes. aus Feigenholz, aus welchem sich oben ein männliches Glied aus Leder befand (Ithyphallos). Es gab allerlei Sagen über die Entstehung des Ph., welchen die Phöniker auf Adonis. die Ägyptier auf Osiris, die Phryger auf Attys, die Griechen auf Dionysos bezogen; alle diese Mythen kommen dahin überein, daß eine Gottheit ihrer Mannheit beraubt u. dies die Veranlassuag des Dienstes wurde; an Jahresfesten wurde der P. als Symbol alles Lebens in Procession umher getragen, u. so kam er auch in die Mysterien. Der feierliche Umgang mit dem P. hieß Phallagogia (Periphallia), die Träger Phallophŏroi, die dabei angestimmten Gesänge. Phallĭkoi, die Feste selbst Phallophorīa. Bisweilen waren die P. an beweglichen Statuen (Phallohermen) angebracht, selbst eben so groß wie die Statuen u. beweglich, z.B. in Ägypten. In Griechenland, wohin der Phallosdienst aus Phönicien u. Ägypten gekommen war, gehörte die Phallosprocession zu den größten Feierlichkeiten der Dionysosfeste, wobei die Phallischen Chöre (s. u. Chor 2) gesungen wurden. Er erhielt sich daselbst u. in Italien bis zur Vernichtung des Heidenthums. Vgl. Lingam.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 13. Altenburg 1861, S. 32.
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