Sinapin

[122] Sinapin, krystallisirbarer indifferenter Stoff aus dem weißen Senfsamen. Man entfernt aus dem gepulverten Samen durch Äther das feste Öl, behandelt den Rückstand mit kaltem, dann mit heißem Alkohol u. preßt ihn aus, das heiß filtrirte alkoholische Extract wird auf die Hälfte abdestillirt, worauf das S. in verfilzten farblosen Nadeln auskrystallisirt. Es löst sich in heißem Alkohol u. Äther, schmilzt bei 130°, ist ohne Reaction auf Pflanzenfarben, verbindet sich nicht mit andern Körpern, concentrirte Schwefelsäure entwickelt daraus Rhodanwasserstoffsäure; Salpetersäure färbt es dunkelroth, alkalische Lösungen intensiv gelb. Man unterscheidet zwei Modificationen des S-s, die eine röthet Eisenoxydsalzlösungen sogleich, die andere erst beim Erwärmen; salpetersaures Silberoxyd fällt aus den Lösungen beider Rhodansilber. Seine Zusammensetzung ist wahrscheinlich C32H25NO10 + C2NS. Kocht man das S. mit Kali u. übersättigt dann mit Salzsäure, so fällt Sinapinsäure (s.d.). Versetzt man eine heiße concentrirte alkoholische Lösung des S-s mit etwas concentrirter Schwefelsäure, so fällt ein saures Salz in krystallinischen Blättchen aus, welches S. minus Rhodan enthält.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 16. Altenburg 1863, S. 122.
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