VIII. Zwischen den einzelnen Arbeitstagen

[144] Es ist zunächst zu konstatieren, daß die Schwankungen der Arbeitsleistung der einzelnen Arbeiter bei kontinuierlicher Arbeit gleicher Art von einem Tage zum andern, wenigstens in manchen Industrien ganz erhebliche und weit größere sind, als man dies a priori für wahrscheinlich halten würde. Nehmen wir beispielsweise einige mit Hilfe automatischer Maßvorrichtungen festgestellte Leistungen von Webern32, die sich jedesmal auf den gleichen Webstuhl, die gleiche Sorte und die gleiche Kette beziehen, so finden wir, die jedesmalige Durchschnittsleistung = 100 gesetzt, bei einem Arbeiter folgende Leistungen in aufeinander folgenden Arbeitstagen (5. Juni bis 11. Juli 08):

88,4. 86,7. – (Pfingsten) – 96,0. 116,4. 115,4. 99,5. 109,5 – 100,8. 108,3. 114,6. 106,4. 97,5 103,2. – 113,1. 89,4. 89,4. 76,7. 109,1. 99,3. – 91,1. 97,4. 105,4. 96,9. 103,2. 99,8. – 84,8. 84,8. 93,7. 106,4. 87,3. (Die Wochen sind durch Gedankenstriche getrennt.)

Die Differenz zwischen höchster und niedrigster Tagesleistung innerhalb dieser fünfwöchigen Periode beträgt 39,7% der Durchschnittsleistung, die Maximalleistung steht also um 51,7% der Mindestleistung über dieser. Gleichheit der Leistung in zwei aufeinander folgenden Tagen kommt zweimal vor, im übrigen aber zeigen sich gerade zwischen benachbarten Tagen sehr erhebliche Schwankungen, die höchste beträgt (109,1 – 76,7 =) 32,4% der Durchschnittsleistung oder 42,2% der niedrigen der beiden aufeinander folgenden Leistungen, der Durchschnitt aller Schwankungen von einem Tag zum andern beträgt 83/4% oder rund 1/12 der Durchschnittsleistung. Inwieweit der für die Leinenweberei sehr wichtige Feuchtigkeitsgehalt der Luft dabei mitspielt, zeigt z.B. der Hygrometerstand einer Woche, verglichen mit den Arbeitsleistungen:


HygrometerstandArbeitsleistung in %

(Soll-normale = 80)des Durchschnitts:

76113,1

7789,4

7089,4

6476,7

75109,1

7699,3
[144]

Der Tiefpunkt der Leistung fällt also allerdings auf den Tag mit (infolge der trockenen Hitze der Außenluft) abnorm ungenügend gelungener Wassersättigung der Werkstattluft, ein der beiden nächstniedrigeren auf den zweitungünstigsten Tag, auch steht die ganze, hygrometrisch ziemlich ungünstig klassifizierte Woche im Durchschnitt um 2,4% unter der Durchschnittsleistung des Arbeiters. Im übrigen aber sind die Schwankungen davon nicht bedingt. – Die hier beobachteten Schwankungen sind keineswegs abnorm hohe. Es kommen weit stärkere vor. Ein anderer Arbeiter, der die gleiche Sorte zur gleichen Zeit (10. Juni bis 9. Juli) auf einem 8,4% schneller laufenden Stuhl und neben einer anderen, auf einem zweiten Stuhl laufenden Sorte machte, hatte, in Prozenten seines (naturgemäß gegenüber der einstühligen Arbeit merklich niedrigeren33 Durchschnittes, folgende Tagesleistungen:

95,6. 104,4. 88,5. 117,1. – 103,3. 99,6. 108,3. 85,2. 98,8. 92,1. – 91,6. 110,9. 78,0. 77,8. 93,3. 95,5. – 97,8. 110,8. 110,5. 100,0. 80,1. 121,7. – 96,5. 105,0. 137,5.

Der Unterschied zwischen höchster und niedrigster Leistung beträgt hier (137,5 – 77,8) = 59,7% der Durchschnittsleistung und 76,7% der niedrigsten Tagesleistung, der höchste Unterschied zwischen den Leistungen zweier aufeinander direkt folgenden Tage beträgt (121,7 – 80,1) = 41,6% der Durchschnittsleistung und 50,2% der niedrigeren der beiden Tagesleistungen, der Durchschnitt aller Unterschiede zwischen je zwei direkt aufeinander folgenden Tagen beträgt 14,0% oder fast ein Siebentel der Durchschnittsleistung. Nehmen wir die gleiche, in der Wirkung durchschnittlich recht ungünstige Woche zur Prüfung des Einflusses der Luftfeuchtigkeitsverhältnisse, so ergibt sich:


Hygrometerstand

(voll-normaler = 80)

7691,7

77110,9

7078,0

6477,8

7593,3

7695,5


Mithin trifft auch hier die niedrigste aller registrierten Tagesleistungen auf den gleichen Tag, wie im vorigen Fall, die zweitniedrigste auf den nächstungünstigeren, und die Woche als Ganzes steht mit 7,2% Minderleistung gegenüber dem Durchschnitt bei diesem Arbeiter noch ungünstiger da, als bei dem andern (darüber später); aber die übrigen 5 Wochentage außer den erwähnten erscheinen in dem Maß ihrer Schwankungen nicht durch jene Wassersättigungsverhältnisse bedingt.[145] Bei den übrigen, von mir durchgerechneten Arbeitsleistungen beträgt der Durchschnitt aller Schwankungen zwischen zwei unmittelbar aufeinander folgenden Tagen zwischen 6,83 und 20,9%, es kommen dabei Maximalschwankungen zwischen zwei Tagen bis fast 100% der niedrigeren von beiden Leistungen vor, wobei außergewöhnliche, durch Maschinendefekte oder »Schützenschläge« herbeigeführte Störungen natürlich außer Betracht gelassen sind.

Ueber die Gründe dieser starken Schwankungen der Arbeitsleistungen von Tag zu Tag wird späterhin zu sprechen sein. Hier sollte nur die Tatsache festgestellt werden. Nur das sei schon hier bemerkt, daß aus Gründen, die im Rohmaterial liegen, die tägliche Leistung des Leinewebers erheblicheren, von seinem Willen und seiner Tagesdisposition zur Arbeit unabhängigen Schwankungen ausgesetzt ist, als bei anderen Industrien; die Zahl der Fadenbrüche, welche die Tagesleistung in höchst entscheidender Weise beeinflußt, hängt durchaus nicht nur von Bedingungen der Werkstattluft, sondern vor allem von der Qualität des Garns und der Sorgfalt, mit der die Kette geschlichtet worden ist, ab, und ihre Zahl verteilt sich naturgemäß auch um so unregelmäßiger auf die einzelnen Tage, je ungleichmäßiger und deshalb ungünstiger es in beiden Hinsichten um das Rohmaterial bestellt ist. Andrerseits ist das Tempo der Arbeit in immerhin erheblichem Maße nicht von der Eigenart, sondern auch vom Willen des Arbeiters abhängig, der den Webstuhl abgestellt lassen kann, um an einem Fadenbruch, oder an einer Verwirrung der Kettfäden zu bessern, so langsam er will und zu seiner Erholung braucht. Es gibt zahlreiche Industrien, bei denen dies in ebensolchem oder höherem Maße der Fall ist, andere wieder, bei denen er – immer die gleiche Intensität und Wirksamkeit der Kontrolle durch die »Meister« vorausgesetzt – darin ungünstiger steht, und es wäre sehr der Mühe wert, die einzelnen Industrien bzw. Arbeiterkategorien einmal sorgsam darnach zu klassifizieren, wie streng in diesem hier jetzt gebrauchten Sinne des Wortes der Arbeiter wirklich »an die Maschine gekettet« ist.

Hier fragen wir vorerst nur, ob sich die schwankende Höhe der Tagesleistungen vielleicht zu den einzelnen Wochentagen in Beziehung setzen läßt. In den obigen beiden Beispielen wird man davon wohl keine Spur entdecken: die Tagesleistungen scheinen[146] ohne alle und jede Rücksicht auf die Lage des Tages in der Woche auf- und abzuspringen. Allein vielleicht ergibt sich ein anderes Bild bei Zusammenfassung der Leistungen größerer Gruppen von Arbeitern. Erinnern wir uns zunächst, was bisher über dies Thema gesagt worden ist.

Für die Schwankungen der Arbeitsleistung innerhalb der Woche geht die wohl einstimmige Ansicht der Betriebsleiter dahin, daß der schlechteste Arbeitstag der Montag sei: Folge der Sonntags-Gewohnhei tender deutschen Bevölkerung im Gegensatz zu dem, aus diesem Grunde für die Leistungsfähigkeit der Arbeiter nicht unwichtigen englischen Sonntag, welcher, in Verbindung mit dem freien Samstagnachmittag, den Trunk auf diesen letzteren schiebt und seinerseits der Ueberwindung der Folgen des Trunkes dient34. Die Leistung scheint Montags besonders stark gedrückt zu sein einerseits bei Arbeiten, welche relativ viel Intelligenz erfordern, andererseits bei sehr monotonen Arbeiten. Der letztere Punkt könnte, falls er sich bei exakten Messungen bestätigen sollte, für die Arbeitspsychologie von Bedeutung sein. Die Ansichten über die Arbeitsleistung des Sonnabends gehen auseinander. Man findet sowohl die Meinung, daß dieser Tag oder auch: daß die beiden letzten Wochentage abnehmende Leistung zeigten, wie die andere, daß bei Akkordarbeit die Arbeit am intensivsten am Schluß der Arbeitswoche sei. Exakte Feststellungen darüber und über die anderen Wochentage fehlen bisher. Das quantitativ recht bescheidene, nur etwas über hundert (statt – sagen wir – 10 000) Arbeitswochen umfassende, Material von (in dem schon erwähnten Betrieb) exakt gemessenen Tagesleistungen, welches ich daraufhin durchgerechnet habe, zeigt für eine Anzahl männlicher Weber folgendes Bild: Setzt man die Durchschnittsleistung desjenigen Wochentages, auf dem das Maximum liegt, = 100, so ist dieser Tag der Mittwoch, und es gruppieren sich um ihn die übrigen Wochentage wie folgt:


Montag93,61

Dienstag96,45

Mittwoch100

Donnerstag96,79

Freitag98,64

Sonnabend99,54


Die Woche würde also eine stärker (Montag – Mittwoch) und eine schwächer (Donnerstag – Sonnabend) ansteigende Leistungskurve aufweisen, getrennt durch eine Senkung zwischen Mittwoch und Donnerstag. Zählt man nun ferner in denjenigen Wochen, in welchen ein einzelner Wochentag sich hinlänglich deutlich durch ein Maximum der Leistung von den andern Tagen unterscheidet, diese Maximaltage aus, so zeigt sich, daß dieses Wochenmaximum, welches, bei gleichmäßiger Verteilung, für jeden Wochentag 16,6% der Fälle ergeben müßte, liegt am:


in % der Fälle:

Montag10,9

Dienstag14,1

Mittwoch29,3

Donnerstag15,2

Freitag14,1

Sonnabend16,4


Zählt man schließlich (für die gleichen Arbeiter) die einzelnen Tage auf die Häufigkeit des Vorkommens einer Vermehrung oder Verminderung der Leistung gegenüber dem vorangegangenen Arbeitstage durch, so ergibt sich für diejenigen Fälle, in denen überhaupt eine hinlänglich deutliche Abweichung sich zeigt, folgendes Bild: Es nahm die Leistung zu (+) bzw. ab (–) in Prozenten der berücksichtigten Fälle am:


Montag+42,3-57,7

Dienstag+66,6-33,3

Mittwoch+68,0-32,0

Donnerstag+38,8-62,2

Freitag+56,3-43,7

Sonnabend+48,8-51,2
[147]

Unter diesen (stark ländlich beeinflußten) Bedingungen zeigt also der Montag, der auch mit ca. 11% der Arbeitsmaxima einsetzt, gegenüber dem Sonnabend immerhin in mehr als 2/5 der Fälle eine Zunahme und steht also wenigstens in dieser Hinsicht günstiger da als der Donnerstag gegenüber dem Mittwoch. Die eminent günstige Stellung des Mittwochs als Arbeitstag tritt bei der Zählung der Leistungszunahme eben so wie bei der Zählung der Maxima hervor. Ebenso ist, gemessen an der Relation von Leistungszunahme und Leistungsabnahme, der Dienstag günstig und zwar in höherem Grade, als dies zur Ausgleichung der Unterbilanz des Montags gegenüber der Leistung am vorhergehenden Sonnabend erforderlich wäre. Jedoch ist die Zunahme von Dienstag zu Mittwoch noch häufiger als diejenige von Montag zu Dienstag. Donnerstag erscheint auch dabei als ein Tag, an welchem die Arbeitsleistung in der Mehrzahl der Fälle eine Neigung zum Erschlaffen zeigt; der Verlust drückt jedoch, wie dies auch in der Zählung der Maxima hervortritt, diesen Tag nicht ganz auf das Niveau des Dienstag zurück. Freitag und Sonnabend endlich verhalten sich bei der Zählung der Wochen-Maxima[148] anders als bei der Zählung der Leistungszunahmen gegenüber dem vorhergehenden Tage und wiederum anders bei der Ermittlung der Leistungsprozente der einzelnen Tage. Freitag zeigt eine geringere Zahl von Maxima, als sowohl Donnerstag und namentlich Sonnabend, der darin alle Wochentage, außer Mittwoch, übertrifft. Freitag zeigt eine stärkere Durchschnittshöhe der Leistung als Donnerstag, dagegen eine geringere als Sonnabend, der auch darin dem Mittwoch am nächsten steht. Dagegen ist die Häufigkeit der Zunahme der Leistung gegenüber dem Vortage bei ihm größer nicht nur als bei Donnerstag (der ja auf das Wochenmaximum folgt), sondern auch als der Sonnabend, der ein Ueberwiegen der Abnahme zeigt. Das enthält keinen Widerspruch in sich: es drückt sich darin vielmehr aus: daß die kürzere Webezeit des Sonnabends, an welchem die letzten (11/2 – 21/4) Stunden für Instandhaltungsarbeiten verwendet werden35), von derjenigen Minderheit der Arbeiter, welche auf Grund des im Betriebe bestehenden Lohnsystems (Akkordlohn mit garantiertem Mindestverdienst und Prämienzuschlägen für höhere Leistungen) hohen Verdienst suchen, besonders häufig intensiv ausgenützt wird, während bei der Mehrheit bereits – im Bewußtsein des garantierten Lohnminimums – ein gewisser Grad von Feiertagsstimmung zu herrschen begonnen hat. Nun leiden diese Zahlen, mit denen hier gearbeitet wird, noch an einer erheblichen Unvollkommenheit: sie enthalten in mehr als der Hälfte der Fälle Messungen an Webstühlen, bei denen der bedienende Weber gleichzeitig noch einen zweiten Webstuhl (mit eventuell ganz heterogenen Sorten) zu bedienen hatte. Wie sich dies in den Leistungen ausdrückt, davon wird später die Rede sein. Hier sondern wir zur Probe noch diejenigen Fälle aus, bei denen Messungen einstühliger Arbeit, wobei also die ganze Arbeitskraft sich auf den einen Webstuhl konzentriert, vorliegen. Für diese Fälle nun stellt sich die Leistung der Wochentage, den Tag der Höchstleistung zu 100 gesetzt, durchschnittlich wie folgt:


Montag92,69

Dienstag95,61

Mittwoch100

Donnerstag96,91

Freitag99,67

Sonnabend99,18
[149]

Die Maximalleistung liegt also auch hier auf dem Mittwoch, ebenso findet sich die ausgesprochene Senkung zum Donnerstag, dagegen stehen hier Freitag und Samstag dem Mittwoch näher und zeigt Samstag einen Abschlag gegen Freitag statt einer Zunahme. Daß bei zweistühligem Weben der Samstag günstigere Verhältnisse zeigt im Zusammenhalt mit der relativ hohen Zahl der Wochenmaxima, die er (s. o.) aufweist, würde, wären die Zahlen nicht zu klein, aus gewissen später zu erörternden besonderen Bedingungen, die das zweistühlige Weben schafft, vielleicht erklärlich sein. Daß der Montag so viel niedriger einsetzt als im Gesamtdurchschnitt, erklärt sich aus gleich zu erwähnenden Verschiedenheiten der Zusammensetzung der jedesmal in Betracht kommenden Arbeiterschaft. – Die Verhältnisse der Leistungshöhe, Leistungszunahme bzw. -abnähme und der Leistungsmaxima von Dienstag zu Mittwoch, Mittwoch zu Donnerstag, Donnerstag zu Freitag könnten recht wohl vorwiegend durch psychophysische (Uebungs-, Ermüdungs-, Erholungs-) Bedingungen bestimmt sein; doch bedürfte es natürlich ungleich umfassenderen Materials, um derartiges auch nur als provisorische Hypothese aufzustellen. In der von weiblichen Arbeitern (jungen Mädchen) bedienten Säumerei des gleichen Betriebes sollen nach Angabe des Betriebsleiters die Verhältnisse bezüglich der Wochentagsleistungen so liegen, daß die Leistungen bis Mittwoch und teilweise Donnerstag steigen, dann sinken. Ich habe in denjenigen Kontobüchern, die ich einsah, diesen Eindruck bestätigt gefunden, ohne daß ich jedoch das Zahlenmaterial durchgerechnet hätte. Welches Maß individueller Differenzen ferner hinter obigen Durchschnittszahlen steckt, zeigt sich z.B. beim Vergleich folgender 7 Arbeiter (a – g) in bezug auf die Wochentage, an denen ihre markantesten Arbeitsmaxima36 lagen. Diese fielen auf:


VIII. Zwischen den einzelnen Arbeitstagen

[150] Ebenso mögen hier für die drei Arbeiter (a – c), bei denen hinlänglich viele Arbeitswochen gezählt sind, um wenigstens die allergrößten Zufälligkeiten auszuschließen, die Schwankungen der durchschnittlichen Leistung an den Wochentagen wiedergegeben werden (das Maximum wieder = 100 gesetzt):

VIII. Zwischen den einzelnen Arbeitstagen

Alle drei Arbeiter sind landgebürtig, c aber – im Gegensatz zu a und b, welche Brüder sind, – landsässig und überdies der älteste der 7 Arbeiter (40 Jahre), worauf wohl (infolge der hygienisch zweckmäßigen Verwendung des Sonntags) das wesentlich höhere Einsetzen seiner Montagsleistung zurückzuführen ist. (Der ebenfalls landsässige Arbeiter e setzt Montags gleichfalls ziemlich hoch ein, erreicht sein Maximum statt am Mittwoch schon am Dienstag und dann, nach starker Senkung, erneut am Freitag.) Von der früher vorgeführten Verteilung der beträchtlichsten Maxima über die Wochentage weichen die Arbeiter a, b und c (ebenso e) auch hier hauptsächlich bezüglich des Freitags und Samstags ab aus den schon erörterten Gründen. Im übrigen gelten a und b als tüchtige und kräftige, aber langsame, f und g (beide stadtsässig und -gebürtig) als sehr geschickte, etwas unstetere, c und d als nur mittelmäßig kräftige und relativ wenig geschickte, e endlich als ein besonders gewissenhafter und gleichmäßiger, wenn auch nicht sehr schneller Arbeiter37; b, f, g waren Gewerkschaftler.

Im übrigen soll die persönliche Eigenart der Arbeiter in ihrem Einfluß auf die Wochenkurve natürlich nicht verfolgt werden.[151] Denn individuelle Differenzen an so winzigen Zahlen illustrieren zu wollen, könnte allenfalls im Zusammenhalt mit allen anderen Eigenarten des Verhaltens der betreffenden Arbeiter bei der Arbeit (worüber später einiges) einen gewissen Sinn haben, natürlich auch dann nur für die Verhältnisse dieses Betriebes und nur bei größter Vorsicht.

Die vorstehenden Notizen können daher auch unmöglich schon die Existenz einer in irgendeinem Sinne »typischen« Wochenleistungskurve beweisen wollen, die ja vielleicht für jede Industrie (je nach der Art der Arbeitsanspannung), ferner für Stadt und Land (Art und Maß der Sonntagsvergnügungen und des Alkoholverbrauches), endlich geographisch und ethnisch stark abweichenden Bedingungen unterliegt. Hier soll nur die Möglichkeit und Nützlichkeit solcher Rechnungen überhaupt illustriert werden. – Bei Industrien mit elektrischem Antrieb kann die Schwankung der Gesamtleistung natürlich mit Leichtigkeit durch das Schwanken des Stromverbrauchs nach Wochentagen gemessen werden. Daß die Verwertung dieses Maßstabes die genaue Berücksichtigung der jeweiligen Art der Beschäftigung und zahlreicher anderer betriebstechnischer Momente erfordert, versteht sich. Und jedenfalls sollte das Eindringen in die vielleicht ziemlich verschiedenen Arten des Sachverhaltens der einzelnen Arbeiterkategorien, nach Art der Beschäftigung und nach Provenienz, wenn irgend möglich, versucht werden, jedenfalls dann, wenn die Arbeiterschaft in diesen Hinsichten starke Gegensätze in sich schließt. Denn die Möglichkeit, daß in der Art der Gestaltung der Wochenleistungskurve sich typische Differenzen äußern38, ist wenigstens a priori nicht auszuschließen.[152]


Quelle:
Max Weber: Gesammelte Aufsätze zur Soziologie und Sozialpolitk. Hrsg. von Marianne Weber. Tübingen 21988, S. 144-153.
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