Schwäbischer Zeitpunkt

[1057] Schwäbischer Zeitpunkt. (Dichtkunst)

Man unterscheidet in der Geschichte der deutschen Dichtkunst den Schwäbischen Zeitpunkt, als eine ihr vorzüglich ehrenhafte Epoche. Den Namen hat er von den Kaysern aus dem Hause Schwaben, unter deren Regierung die deutsche Dichtkunst in einer ausnehmenden Blüthe gestanden hat. Sie war ganz in dem Charakter der Provenzalischen Poesie1. Mit Anfang des XIV Jahrhunderts nahm sie stark ab und in der Mitte desselben, war sie schon ganz schlecht. Die Vorstellung von Ritterschaft, von einer Liebe, die mit den Begriffen von Stärke, Beschüzung und galanter Dienstbarkeit verbunden war, veralterte, und kam nach und nach ins Vergessen. Die Turniere, bey welchen vorher die Singer ihren guten Antheil gehabt hatten, kamen aus dem Gebrauch, und die Dichter wurden nun nicht mehr für nöthige Personen bey den festlichen Lustbarkeiten der Großen gehalten. Die Gönner des Gesanges hatten sich verlohren, und dieses zog den Untergang des Gesanges selbst nach sich, der hernach nur unter den Pöbel kam.2

1S. Provenzalisch.
2S. Dichtkunst. S. 255 f. f.
Quelle:
Sulzer: Allgemeine Theorie der Schönen Künste, Band 2. Leipzig 1774, S. 1057.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien: