Kipper

Kipper und Wipper.Eiselein, 376; Braun, I, 1849; Dähnert, 228b.

Kipper und Wipper hiessen in der schlimmsten Zeit der Münzwirren im 17. Jahrhundert die Falschmünzer; von dem niederdeutschen Worte kippen, d.h. sowol auf der Goldwage betrügerisch wiegen, als auch beschneiden; wippen = das falsche Geld in die Wagschale werfen. (Vgl. auch Grimm, V, 786.) Darauf beschränkte sich indess die Thätigkeit der Kipper und Wipper nicht; der Betrug wurde auf so mannichfache Weise geübt, dass uns manche der durch königliche Verordnungen mit schweren Strafen an Gut, Leib und Leben bedrohten betrügerischen Handlungen jetzt gar nicht mehr verständlich sind, als: abschneiden, feilen, fälschen, ausschiessen, austragiren, pagamentiren, heimlich aufwechseln, zerschmelzen guter Münzen, granuliren, kurnen, saigen. Schon um das Jahr 1607 schrieb ein schlesischer Münzmeister an den Kaiser Rudolf, dass die guten Reichsmünzen fast verschwunden und schlechte, die 10-70 Proc. geringer, eingeführt worden seien. Von niederländischen Garn- und andern Händlern wurden sie fassweise eingeführt. Im Jahre 1616 galt der Thaler schon 45 statt 36 Groschen, der Dukaten 75 statt 54 Groschen. Im März 1621 galt in Breslau der Reichsthaler 21/4 Thaler, im Januar 1622 bereits 6-7 Thaler; im Januar 1624 war er bis 20 Thaler gestiegen. Infolge der Entwerthung des Geldes galt in Löwenberg 1621 der Scheffel Weizen schon 9, im folgenden Jahre schon 42 Thaler. Es wurden 1622 für ein Paar Schuhe, die sonst 6-9 Groschen gekostet hatten, 7 Thaler, für ein Mastschwein 120-140 Thaler bezahlt. (Vgl. über die Kipper- und Wipperzeit Breslauer Zeitung, 1865, Nr. 547, S. 3087; Schles. Provinzialbl., Breslau 1865, S. 597; Zur Geschichte der Münzwirren in Schlesien von H. Palm, Breslau 1866, S. 477 und Nachtrag; G. Freytag, Bilder aus der deutschen Vergangenheit, II.)


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 5. Leipzig 1880.
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