Klinge

1. Alte Klingen, gute Wunden.


2. Die Klinge verzehrt die Scheide.

Sehr oft der Geist den Körper.


3. Eine gute Klinge biegt sich, aber sie springt nicht.

Holl.: Het zijn de beste lemmers, die wel buigen en krommen. (Harrebomée, II, 16.)


4. Eine gute Klinge erkennt man am Biegen.Parömiakon, 640.


5. Eine gute Klinge haut Nägel durch und bekommt keine Scharte.


6. Es ist keyn kling, die herter (schärfer) schirt, dann so ein betler ein herr (Edelmann) oder ein knecht gewaltig würt.Franck, I, 88a; II, 79c; Paradoxa, 86a; Gruter, I, 52; Petri, II, 417; Lehmann, II, 143, 180; Wend Vnmuth, I, 239; Gaal, 205; Blum, 459; Reinsberg III, 119.

Engl.: Set a beggar on horseback and he'll ride a gallop. (Gaal, 205.)

It.: Quando il sterco monta in scanno, o puzza, o fa danno. (Gaal, 205.)

7. Klingen, die sich biegen, springen nicht.


8. Nene klinge harder schert, dan so ein bedeler ein here wert.


9. Wer mit der Klingen alles verfechten will, muss sein Schwert nimmer in die Scheide stecken.Schottel, 1113a.


10. Wie die Klinge, so die Scheide.

Frz.: Telle lame tel fourreau. (Kritzinger, 409b.)


*11. Alles über die Klinge jagen (springen lassen).Eiselein, 382; Braun, I, 1892.


*12. Aus einer Klinge in die andere fallen.


[1394] *13. Eine gute Klinge führen.

Gut schlagen. In der Provinz Preussen sagt man sprichwörtlich von einem starken Esser: Er schlägt eine gute Klinge. (Frischbier, 2047.) In Würzburg: A guata Klinga schlaga. (Sartorius, 169.)


*14. Einen über die Klinge springen und den Grind flugs weghawen lassen.Luther's Tischr., 216a.

Ihn köpfen.

Frz.: Passer tout au fil de l'épéé. (Kritzinger, 282a.)

Holl.: Hij zal over de kling springen. (Harrebomée, I, 415a.)


*15. Einen vber die klingen springen lassen.Fischer, Psalter, 18a.

Ihn niederhauen oder verleumden.


*16. Einen vor die Klinge kriegen.

Sich mit einem schlagen.


*17. Er bleibt (nicht) bei der Klinge.


*18. Er ist keine passauer Klinge.Parömiakon, 180.

Von Eigensinnigen, Hartnäckigen, Charakterfesten.


*19. Es ist die Klinge, die eine Scheide braucht.


*20. Etwas vor der Klinge ausmachen.

Frz.: Emporter quelque chose à la pointe de l'épéé. (Kritzinger, 281b.)


*21. Jemand vor die Klinge fordern.

Ihn zum Zweikampf auffordern.


*22. Nicht bei der Klinge bleiben.Eiselein, 382.

Die Streitfrage verändern, nicht bei der Sache bleiben.

Frz.: Sauter de branche en branche. (Lendroy, 226.)

*23. Seine Klinge zurückziehen.

Holl.: Hij trekt zijne kling terug. (Harrebomée, I, 415a.)


*24. Ueber die Klinge springen müssen.Mathesy, 139a.


[Zusätze und Ergänzungen]

25. Die Klinge schneidet nicht in ihre eigene Hülse.Neue illustrirte Zeitung, V, 25.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 2. Leipzig 1870.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Holz, Arno

Die Familie Selicke

Die Familie Selicke

Das bahnbrechende Stück für das naturalistische Drama soll den Zuschauer »in ein Stück Leben wie durch ein Fenster« blicken lassen. Arno Holz, der »die Familie Selicke« 1889 gemeinsam mit seinem Freund Johannes Schlaf geschrieben hat, beschreibt konsequent naturalistisch, durchgehend im Dialekt der Nordberliner Arbeiterviertel, der Holz aus eigener Erfahrung sehr vertraut ist, einen Weihnachtsabend der 1890er Jahre im kleinbürgerlich-proletarischen Milieu.

58 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Frühromantik

Große Erzählungen der Frühromantik

1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.

396 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon