Lampe

1. An Einer Lampe werden tausend Lampen angezündet.

Wirkung des guten Beispiels.


2. Bei solcher Lampe1 betet man keinen Rosenkranz.Parömiakon, 2378.

1) Z.B. bei der Weinflasche.


3. Die der Lampe bedürfen, füllen sie mit Oel. Eiselein, 408; Simrock, 6146; Graf, 517, 241.

Lat.: Lucerna qui indigent, oleum affundunt. (Eiselein, 408.)


4. Die Lampe (des Muthes) brennt nur hell, wenn sie Oel hat.

Zur Mutherzeugung wird statt des Oels auch wol Spiritus in die Lampe gegossen.


5. Die Lampe wird ausgelöscht, wenn die Sonne aufgeht.

Holl.: Men zoekt geene lamp, als de zon op is. (Harrebomée, II, 4.)


6. Die Lampe wollen viele putzen, aber kein Oel drein giessen.Winckler, IV, 28.


7. Eine Lampe, die zu viel Oel bekommt, verlischt auch.

Dän.: En lampe kand og slukkes udaf for megen olie. (Prov. dan., 376.)


8. Eine Lampe ohne Oel und ein Mädchen ohne Geld sind nicht beliebt in der Welt.


9. Ist die Lampe ausgelöscht, so ist alles gleich schwarz.Reinsberg I, 112.

Dann gibt es keine schönen und hässlichen Frauen.


10. Lomp' hinuf, Sorg' herunter.Tendlau, 813.

Der Sabbat soll Gemüths- und Seelenruhe gewähren. Wenn etwa die Sabbatlampe, die, an der Decke des Zimmers über dem Tische hangend, am Schluss des Sabbats wieder in die Höhe steigt, beginnen auch sofort wieder die Sorgen der Werktage.


11. Man muss erst die eigene Lampe mit Oel versorgen, ehe man in die des Nachbars eingiesst.

In Hindostan: Steckt zuerst eure Lampe zu Hause an, und dann die in der Moschee. (Reinsberg III, 42.)


12. Mancher will von der Lampe den Rost abputzen, scheuert aber nur das Metall weg und der Rost bleibt sitzen.


13. So lange die Lampe Oel hat, brennt sie.Parömiakon, 2051.

Holl.: De lamp kan zonder olie niet branden. (Harrebomée, II, 4.)


14. Soll die Lampe brennen, muss man ihr Oel geben.


15. Was nützt die Lampe ohne Oel!

Die Russen: Es fehlt öfter an Lampen als an Oel. (Altmann VI, 408.)


[1761] 16. Wenn die Lampe einmal vergeht, dann ist das Oelkaufen zu spät.


17. Wenn die Lampe mehr scheinen soll, muss man mehr Oel zugiessen.


18. Wer die Lampe am Tage brennt, der wird nachts kein Oel haben.


19. Wer eine Lampe braucht, darf 's Oel nicht sparen.Simrock, 6147; Körte, 3660; Braun, I, 2130.

Böhm.: Kdo kahance potřebuješ, nal évej oleje. (Čelakovsky, 129.)

Holl.: Die eene lampe noodig heeft, moet er olie in doen. (Harrebomée, II, 4.)

Lat.: Sint Maecenates, non deerunt, Flacce, Marones. (Martial.) (Philippi, II, 189.)


20. Wer mit Lampen umgeht, wird mit Russ und Oel beschmuzt.Winckler, XIII, 37.


21. Wer mit leeren Lampen aufzieht, hat zu gewarten das nescio vos und sind ihm alle Thüren verriegelt.Eiselein, 408.


22. Wer die Lampe brennt bei Sonnenschein, wir d bald des Nachts ohne Leuchte sein.

Dän.: Hvis lampe der brænder om dagen, fattes gierne olie om aftenen. (Prov. dan., 376.)


23. Zu 'ner goldenen Lomp gehört e goldene Schabbes.Tendlau, 813.


*24. Das hat er bei einer schlecht brennenden Lampe geschrieben (abgeschrieben).


*25. De hett all lange bi de Lampe arbeid.Bueren, 295; Eichwald, 1151; Frommann, III, 430, 270; Hauskalender, III.


*26. De Lamp die brant wie enne Jöd, den op et sterwen lêt. (Meurs.) – Firmenich, I, 403, 198.


*27. De Lampe briend as wan en Jêuden buarsten wär. (Iserlohn.) – Frommann, V, 161, 101.


*28. Die Lampe gegen einen Vorhang vertauschen.

Von leichten Dirnen und Frauen, die ihr Treiben in ihrer Schlafstube zu verbergen suchen. Der Skandal unter einer schönen Hülle. (Burckhardt, 140.)


*29. Die Lampe ist so trocken wie 'n Niklosbox (Nikolaushose). (Eifel.)


*30. Einen auf die Lampe giessen.

In Mecklenburg: Ênen up de Lamp nehmen. Einen Schnaps trinken. Man hat dafür auch die Redensart: Einen heben. Einen hinter die Binde (s.d. 2) giessen. Einen Funken auf die Pfanne setzen. Einen Hieb (auch Lungenhieb) riskiren. Einen nehmen, schmeissen, herunterschmeissen. (Vgl. Frischbier2, 1532.)


*31. Einen vor (an) die Lampe führen.

Ihn in eine Stellung bringen, dass er besser beurtheilt werden kann.


*32. Hai es ôk al (schon) in der ewigen Lampe weäst. (Iserlohn.) – Frommann, V, 74.

Die »ewige Lampe« ist eine Schenke, wo der Gäste wegen die ganze Nacht hindurch die Lampe brennt, wenn anders die Polizei nicht anderer Ansicht ist.


*33. Hai heäd wuat op de Lampe nuamen1.

1) Genommen. – Ist betrunken. (S. Ansehen 29 und Haarbeutel.)


*34. Hei hät ennen up de Lampe gegôten. (S. Haarbeutel.) (Waldeck.) – Curtze, 360.


*35. In de Lampen slân. (Holst.) – Schütze, III, 8.

Verschwenden, wie unbedachtsam zu viel Oel in die Lampe schütten.


*36. Nach der Lampe riechen.

Von dem, was man richtig überlegt und durch vielen Fleiss aufgeklärt hat, weil der fleissig Studirende bis in die Nacht bei der Lampe arbeitet. Auch nach dem Schreibtisch, im Gegensatz zum frischen Leben.

Holl.: Het riekt naar de lamp. (Harrebomée, II, 4.)


*37. Pûst de Lamp ut.Bueren, 973; Hauskalender, III.


*38. Seine Lampe wird ohne Docht zu Hause kommen.

Wer etwas ausleiht, bekommt es selten unverletzt zurück.


39. Die Lampe des Weisen gibt seinem Buch einen lieblichen Geruch.

Lat.: Quae olet lucernam, ea olet papyrus optime. (Sailer, Sprüche, 102.)


40. Es fehlt der Lampe an Oel.

Lat.: Oleum lichno deesse. (Bovill, II, 20.)


*41. Die Lampe (das Licht) brennt, als wenn der Lönneweber frie wöll.Frischbier, I, 449.


Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 2. Leipzig 1870.
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