Majestät, die

[35] Die Majestǟt, plur. die -en, aus dem Lat. Majestas. 1. Die höchste, im gemeinen Leben niemanden unterworfene Gewalt und Würde; ohne Plural. 1) Eigentlich, wo allen souveränen Staaten von einem beträchtlichen Umfange die Majestät zukommt. Die Majestät beleidigen, auf eine grobe Art wider diese höchste Gewalt handeln, dergleichen Verbrechen das Laster der beleidigten Majestät genannt wird, S. Laster. Gottes Majestät, seine wesentliche Erhabenheit und Gewalt über alle Dinge. 2) Figürlich. (a) Das thätige Bekenntniß dieser höchsten Erhabenheit; eine nur in der Deutschen Bibel befindliche Bedeutung. Dir gebühret die Majestät, 1 Chron. 30, 11; Epist. Jud. v. 25.[35] (b) Der äußere Glanz, die äußere Würde dieser höchsten Gewalt. Der Kaiser zeigte sich in seiner völligen Majestät. Da es denn auch von dem höchsten Grade des äußern Glanzes, Ansehens und der Pracht anderer Dinge gebraucht wird. Die Sonne in ihrer Majestät. (c) * Ehedem wurde auch ein Majestätsbrief die Majestät genannt, wovon Frisch ein Beyspiel anführet. 2. Eine mit der höchsten Gewalt begabte Person. Die Majestäten lästern, 2 Pet. 2, 10; Br. Jud. v. 8; wo auf eine ungewöhnliche Art obrigkeitliche Personen überhaupt verstanden werden. Jetzt gebraucht man es nur noch in den Titeln der Kaiser und Könige und ihrer Gemahlinnen, als ein Abstractum. Ew. Kaiserliche oder Königliche Majestät geruhen u.s.f. Se. oder Ihre Majestät haben befohlen. Ihre Majestäten, der Kaiser oder König und dessen Gemahlinn.

Anm. Bey den Schwäbischen Dichtern Majestat. Ehe man dieses Wort aus dem Lateinischen aufnahm, druckte man es durch eigene Deutsche Wörter aus. Im Isidor heißt es Meghine, von mögen, Macht, bey dem Ottfried Eregrechti, von Grecht, Kraft, bey dem Notker Vuerchmagtigi, in Lipsii Glossen Megincraft, und zusammen gezogen Mancrefte, in Carls 4 goldener Bulle Almachtichkeit, und noch bey den spätern Schriftstellern Magenkraft und Mächtigkeit. Das Lat. Majestas ist, so wie magnus und alle dieses Geschlechtes, mit unserm Macht und mögen genau verwandt.

Quelle:
Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 3. Leipzig 1798, S. 35-36.
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