Tigranes

[394] Tigranes, ein berühmter König von Groß-Armenien, welcher in dem letzten Jahrhundert vor Christus regierte. Von seinem Vater, Artarias, als Geisel an die Parther überliefert, setzten ihn diese, nach jenes Tode, wieder auf den Thron, indem er ihnen ein Stück von seinem Lande abtreten mußte. Mit Mithridates (s. d. Art. i. d. Nachtr.), dessen Tochter, Cleopatra, er zur Gemalin nahm, schloß er ein Bündniß gegen die Römer; und das Glück seiner Waffen, mit welchen er Cappadocien eroberte, bewog die Syrer, ihn zur Besitznahme ihrer Länder einzuladen. Er that dies und eroberte einen großen Theil von Cilicien und Syrien, woraus er erst nach 18 Jahren durch Pomperus vertrieben wurde. Er eroberte mehrere Länder und brachte aus diesen ungeheure Beute zurück. Doch ließ er sich vom Mithridates nicht wieder zu einem neuen Bündniß gegen die Romer bewegen; griff aber vielmehr die Parther an, eroberte das abgetretene Stück Landes und auch noch Mesopotamien und Mygdonien; nahm dann das von den Seleuciden noch besessene Stuck von Syrien, und einen großen Theil von[394] Phönicien und eignete sich nun den stolzen Titel eines Königs der Konige an. Bald verlangte nun Lucullus die Auslieferung des aus seinem Lande vertriebenen Mithridates, welchen Tigranes bei sich aufgenommen hatte, dieser verweigerte es und es kam zum Krieg, in welchem Tigranes geschlagen wurde, der nun dem Mithridates die Führung des Kriegs überließ. Sie wurden beide nochmals in einer Hauptschlacht besiegt; allein im folgenden Jahre, wo die unter den Römern ausgebrochenen Zwistigkeiten den beiden Königen sehr zu siatten kamen, brachten diese Armenien, Cappadocien etc. wieder unter ihre Waffen; doch des Tigranes Sohn emporte sich wider den Vater: dieser mußte seine Armeen theilen, er schlug den Sohn und nöthigte ihn, nach Parthien zu fliehen; aber eben dieses nahm nun Parthei für den Sohn, fiel in Armenien ein: zu gleicher Zeit wurde Mithridates von den Römern geschlagen, zu denen auch endlich Tigranes Sohn überging. Jetzt faßte Tigranes, im Vertrauen auf die Großmuth des Pompejus, den Entschluß, diesem selbst sich freiwillig zu ergeben und – Pompejus entsprach seinem Vertrauen: er gab ihm einen Theil von Armenien und auch Mesopotamien zurück und da nach einiger Zeit des Tigranes Sohn aufs neue in Verschwörungen gegen seinen Vater sowol, als gegen die Römer sich einließ, so legte ihn Pompejus in Ketten und schickte ihn nach Rom; der Vater Tigranes aber erhielt, wegen seiner dankbaren Gesinnung gegen die Römer, den Titel eines Freundes und Bundesgenossen des römischen Volks, und starb auch als solcher im 85. Jahre seines Alters.

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Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 8. Leipzig 1811, S. 394-395.
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