Etikette

[701] Etikette wird nicht blos das Ceremoniel (s.d.) an den Höfen, sondern überhaupt die Gesammtheit äußerer Förmlichkeiten genannt, welche herkömmlich oder zufolge darüber bestehender Vorschriften und Übereinkünfte beim geschäftlichen und geselligen Verkehr von den verschiedenen Behörden, Beamten, Corporationen und Ständen der bürgerlichen Gesellschaft beobachtet werden. Die Etikette sichert namentlich erblichen Ehrenrechten ihre Anerkennung, da dieselben nicht immer im Besitz von Personen sind, denen man wegen ihrer sonstigen Eigenschaften einen ausgezeichneten Rang zugestehen würde. Sie ist aber darum auch häufig benutzt worden, um den Schein zu retten und z.B. an den kais. Höfen des alten Roms und zu Konstantinopel herrschte nie eine umständlichere und prunkendere Etikette, als da ihre Herrscher dem Untergange nahe waren. Es gehört auch mit zu den Folgen der franz. Revolution, daß die übermäßige, oft lächerliche und zeitraubende Etikette jetzt durchgängig vermindert worden und als veraltet angesehen wird.

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Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1837., S. 701.
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