Guajana

[66] Guajana. 1) Provinz im Bezirke Maturin (Columbien), am Ende des östlichen Hauptarmes der Anden, die am Golf von Pavia verschwinden. Sie enthalten verschiedene Schlamm- und Gasvulkane. Das Land ist außerordentlich fruchtbar; doch gibt es auch Salz und Sandsteppen. Der ganze Bezirk zählt 30,000 Ew., wovon auf Guajana etwa ein Viertheil kommt. Die übrigen Provinzen, welche zu Maturin gerechnet werden, heißen: Aunana, Barcelona und Marguerita. 2) Das Land zwischen dem Maranhon, Oronoko und dem atlantischen Meere, eine Küstenstrecke von etwa 140 Meilen, ohne bestimmte Grenzen gegen Columbien und Brasilien, beiläufig 7000 Quadrat Meilen umfassend. Es ist flaches, zum Theil sumpfiges Küstenland, von mehrern beträchtlichen Flüssen durchströmt. Nach dem Innern zu wird es Hoch- und Gebirgsland. Die Produkte sind Zucker, Kasse, Baumwolle, Indigo, Tabak, Pfeffer, Reis, Kokospalmen, Manion, Farbe- und Arzneihölzer. Die in Südamerika einheimischen Thiergattungen werden auch hier angetroffen, z. B. Beutelratten, Vampire, Jaguare, Ameisenbären, Affen, gehörnte Kröten, Riesenschlangen, Termiten, Moskitos etc. Von seltener, wunderbarer Pracht sind hier die Schmetterlinge. Trotz der Nähe des Aequators ist die Hitze nicht übermäßig, denn die Luft wird von den Seewinden gekühlt. Zweimal im Jahre (Mai bis Juli und Januar bis Febr.) fällt die Regenzeit. Unter den Flüssen ist besonders der Essequebo wegen seiner 39 Wasserfälle berühmt. – Die Bewohner sind einige wilde Indianerstämme, z. B. die Caraiben, 20,000 Europäer, einige tausend Indianer, Mulatten und Mestizen, 160,000 Negersklaven, in der Gesammtzahl 250,000 M. Merkwürdig sind die in den dicken Wäldern und Gebirgen hausenden Maronneger, entlaufene Sclaven, die gleichsam einen Freistaat bilden und durch Plünderung den Kolonien gefährlich werden. Sie wurden auf's Grausamste verfolgt; doch hat man in letzterer Zeit eine Art Frieden mit ihnen geschlossen. – 3) Englische Besitzung an dieser[66] Küste im Norden von 400 Quadrat M. mit 147,000 Ew., worunter 92,000 Sklaven. Die Europäer sind meistens Holländer, welche sich hier niedergelassen, die Hauptstadt ist Stabbruck, Sitz des Gouverneurs, mit 9600 Ew., wovon 5000 Sclaven, bedeutende Ausfuhr von Zucker, Kasse, Rum und Baumwolle.

4.

Quelle:
Damen Conversations Lexikon, Band 5. [o.O.] 1835, S. 66-67.
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