Maifest, Maifahrt, Mairitt

[597] Maifest, Maifahrt, Mairitt ist das uralte, am 1. Mai, am Walpurgistage, gefeierte deutsche Frühlings- und Sommerfest. Der Tag war dem Donar geweiht und einer der heiligsten[597] Tage des deutschen Heidentums, Opfer- und Gerichtstag der Maiversammlung des Volkes, wovon besonders auch die in die vorangehende Nacht verlegten Hexentänze Beweise ablegen; da zieht der Böse mit den Hexen nach dem Blocksberg, wo sie einen Tanz aufführen, der sich wahrscheinlich auf die Feier der Vermählung Wodans mit Frigg bezieht. Namentlich in Skandinavien und in Norddeutschland wurde der Maitag lange noch festlich gefeiert. Zwei Reiterscharen, die eine vom Winter angeführt, der in Pelz gehüllt und mit Handspiessen bewaffnet, Schneeballen und Eisschollen auswarf, die andere vom Blumengrafen, der mit grünen Zweigen, Laubwerk und kaum erst gefundenen Blumen bekleidet war, rückten von verschiedenen Seiten in die Stadt und hielten ein Speerstechen, worin der Sommer den Winter überwand und durch Ausspruch des umstehenden Volkes für den Sieger erklärt wurde. So im 16. Jahrhundert; später wird bloss noch vom Einführen oder Einreiten des Sommers durch feierlichen Umzug des Maigrafen gesprochen, der den Maienkranz einbringt. Es war eine Maienfahrt, welche Kaiser Albrecht am 1. Mai 1308 von Baden nach Brugg unternahm, und die Kränze, welche er den Begleitern, auch seinem Neffen aufsetzte, waren Maikränze, und wenn die Königin später bei Hinrichtung der unschuldigen Burgmänner zu Fahrwangen gesagt haben soll: nun bade sie im Maientau, so gehört auch dieser Ausdruck zum Maifest; in Schwaben z.B. heisst der Mairitt mancherorts Maitauritt. An vielen Orten wurden am Maitage Maibäume im Walde geholt und feierlich bekränzt und aufgestellt; der Baum ist eine Birke, Tanne oder Kiefer, oft auch heisst bloss der grüne Zweig Maie. Grimm, Mythologie.735; Uhland, Schriften, III, 31; v. Reimberg-Düringsfeld, Das festliche Jahr, Monat Mai.

Quelle:
Götzinger, E.: Reallexicon der Deutschen Altertümer. Leipzig 1885., S. 597-598.
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