Antiochia

[208] Antiochia, Hauptst. Syriens, von Seleukus Nikator gegründet, am Orontes, fast eine Meile vom Meere, bestand nach und nach aus 4 Städten, jede mit einer eigenen Mauer umgeben und alle von einer gemeinschaftlichen umschlossen. Sie hatte 21/2 deutsche M. im Umfang und [208] war eine der reichsten und schönsten Städte des Alterthums. Die Hafenst. hieß Seleucia; die Ueberreste ihrer massiven Hafendämme bezeugen, daß hier eine Wasserbaute war, welche den größten unserer Zeit nichts nachgab. A. litt viel durch Erdbeben und wurde endlich von den Neupersern 541 verbrannt. Später wieder aufgebaut, gelangte sie nie mehr zu ihrer alten Bedeutung. Im ersten Kreuzzuge ward sie 1098 von den Kreuzfahrern erobert und ein christliches Fürstenthum unter dem Normannen Boemund; dieses Fürstenthum wurde 1268 von dem ägypt. Sultan Bibars zerstört. Das jetzige Antakia ist unbedeutend, aber durch gewaltige Mauerreste, Felsenwohnungen, und als der ergiebigste Fundort von Anticaglien merkwürdig. – In Antiochien war bekanntlich schon unter den Aposteln eine christliche Gemeinde, und dort erhielten die Bekenner Jesu den Namen Christen; der antioch. Bischof genoß großes Ansehen und erhielt den Titel Patriarch, nach Konstantinopels Erhebung war er unter den Kirchenfürsten der vierte dem Range nach; in Antiochien wurden auch mehrere Concilien gehalten und es befand sich dort eine berühmte christliche Schule. – Unter den vielen andern Antiochien Asiens war das bedeutendste in Pisidien, in welchem Paulus und Barnabas predigten; seine Trümmer hat Arundell 1833 aufgefunden.

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 1, S. 208-209.
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