Kanonik

[297] Kanonik (v. gr. kanôn = Richtschnur) nannte Epikuros (341-270) die Logik, die er ausschließlich in den Dienst seiner hedonischen Ethik stellte und einfacher gestaltete, als andere Philosophen, so daß die schwierigen Lehren übergangen[297] und der Sinneswahrnehmung und den Gefühlen sowie den daraus hervorgehenden Vorstellungen die Entscheidung über die Wahrheit zugewiesen war. Vgl. Diog. Laert. X § 31. – Kant (1724 bis 1804. Kr. d. r. V. Methodenlehre II, S. 796-831. Der Kanon der reinen Vernunft) verstand darunter die Wissenschaft vom richtigen Gebrauch des Erkenntnisvermögens. Der Grundgedanke dieser Kanonik ist die Unterordnung der Metaphysik unter ethische Gesichtspunkte, die Bestimmung der Philosophie als Lehre vom höchsten Gute. Der Kanon der reinen Vernunft betrifft also nur deren praktischen Gebrauch.

Quelle:
Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig 51907, S. 297-298.
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