Sechste Szene.

[25] Die Mägde, Muckerl, dann Vroni.


DIE MÄGDE kommen, Muckerl in ihrer Mitte führend, vor. Kimm, Muckerl, verzähl!

MIRZL. Wie geht's denn auf der Alm?

MUCKERL hält eine Flasche sorgfältig unter der Joppe. Ich dank! ich dank! Hehehe! Recht gut! Hehehe! Der Jodl laßt enk schön grüßen!

BURGEI. Was hast denn da in der Flaschen?

ANNERL. Laß amal kosten!

MUCKERL zieht die Flasche zurück. Jo, hehehe! Daß 's mir's aussauft's und ich hätt nachher nix! Gewichtig. 's is Weihwasser!

WABERL. Weihwasser! Habt 's doch ehnder g'nug drob'n auf der Alm!

MUCKERL. Freilich wohl! Aber dös ist für mich allanig! Wie oben. Zum Trinka!

ALLE. Jegerl, der trinkt's!

MUCKERL. Glaubt's ös leicht, i bin a Heid' und hob kein' Religion? A Predigt versteh ich net – beta dermerk i net, a Betbüchl konn i nit lesen – so nimm i halt 's Christentum einwendig!

GRETL. Du bist a Hauptchrist!


Alle lachen.


Vroni tritt mit einem Bündel auf.


MUCKERL. Hehehe! – Da kommt d' Vroni!

MIRZL. Und a Binkerl tragt s' a!

WABERL. Gehst 'leicht von da? Z'weg'n was denn?

ANNERL. Is eppa richtig mit 'n Toni und der Crescenz vom Kreuzweghof?

BURGEI. Heirat' er s' und laßt er dich sitzen, der grausliche Ding?


Alle lachen.


GRETL. Schau, nimm 'n Muckerl, is a a feiner Bub'!

MUCKERL. Jo, hehehe! Ich nehm dich schon – hehehe! Du taugerst mir schon lang – dös war eine – juhuhu!


Alle lachen.


VRONI verbissen. Was ös aber lustig seid's, wann's ein'm traurig geht![25]

BURGEI. Uije! Stamm dich doch auf! 's kimmt dir sonst 's Flenna, bist ja sunst so stark!

VRONI. Flennet ich, g'schahet's nit, weil mir weh is, sondern aus Zorn!

MIRZL. Jegerl, du Zornbinkl! – Beleidig dich nur nit! Wir sind allz'samm allweil gute Kameradinnen zu dir g'wes'n, wir müssen dir schon zum Abschied a paar Almer singen, daß dir 's Herzerl aufgeht.


Mei' Schatz is viel sauber,

no säub'rer bin i,

und er heirat' auch z'nachst,

doch a andre als mi!


CHOR Lach-Jodler, den Muckerl mit täppischem Gelächter übertönt. Höhöhöhö!

BURGEI.

Mir is jetzt mein Binkerl

so schwer wie mein Herz,

und ich steh enk jetzt da

grad wie's Mandl beim Sterz!


Wie oben.


ANNERL.

's sein andere Dirndl

akrat wie du b'schlag'n,

und du wirst jetzt die Nas'n

so hoch nimmer trag'n!


Wie oben.


WABERL.

Vom Gamskogel waht a

der nämliche Wind,

mein' Mutter war ledig,

und i bin doch ihr Kind!


Wie oben.


Vroni fährt dazwischen, dabei bekommt Muckerl einen Rippenstoß.


MUCKERL reibt sich. Ah! – Sie hat mich schon gern!

VRONI in die Mitte tretend, singt.

's Kreuzerl am Mieder

und 's Bücherl voll Lieder,

so stazt's ihr im Sonntagg'wand

in d'Kirchen miteinand'!

Da tut's ös so g'schamig,

so christlich und frumb,

doch wie unta der Wochen

seid's allz'samm' a G'lump![26]

MUCKERL. Höhöhöhö!

VRONI.

Do richt's ös oft weitaus

viel brävere Leut' aus,

und ganget gleich drunta

ihr Glück und Ehr z' Grund a!

Dös tat enk nit kränken,

aus grad macht's ös krump,

denn ös seid's halt, ös bleibt's halt

doch allz'samm' a G'lump!


Lehnt sich zornig weinend an den Brunnen.


MUCKERL.

Ös seid's holt, ös bleibt's holt

doch allz'samm' a G'lump!

Höhöhöhö! Rennt ab, da die Dirnen unter Geschrei: »Wart nur!« – »Du Fex!« – »Du kriegst's!« über ihn herfallen. Alle durch die Scheuer ab.


Quelle:
Ludwig Anzengruber: Der Meineidbauer. Stuttgart 1959, S. 25-27.
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