[336] Es war aber grade da zu Land
Die Dorfschulmeisterstelle vakant,
Und hat darüber die Disposition
Der gnädige Herr als Schutzpatron.
Aus Dankbarkeit auf höchsten Beschluß
Kriegt diese Stelle Hieronymus. –
So hat er nun die Schulmeisterei
Und sieht, was hierbei zu machen sei.
Zuvörderst findet er in der Fibel
Manche veraltete Mängel und Übel;
Wie er dann gleich mit Schrecken sah,
Daß das ff und ph nicht da. –
Auch scheint ihm gar nicht wohlgetan
Der abgemalete Gockelhahn. –
[336] Er streichet ihm hinweg zuvoren
Die überflüssigen Reitersporen.
Er füget ihm aber dagegen bei
Ein Nest mit eingelegtem Ei;
Damit man sehe, daß eigentlich dies
Der Segen und Nutzen des Federviehs.
Nachdem er also die Lehre verbessert,
Bedenkt er, wie man die Strafe vergrößert.
Nämlich im Schulvermögen war
Ein Eselskopf als Inventar.
Hieronymus, zu größerer Schand und Graus,
Macht einen ganzen Esel daraus. –
Die Bauern aber murren sehr
Über die neu erfundene Lehr.
Sie taten sich hoch und heilig vereiden,
Sie wollten und wollten dieses nicht leiden
Und wollten den neuen Meister der Schule
Herunterstoßen von seinem Stuhle.
[337] Eines Morgens in aller Früh
Wohl ausgerüstet marschieren sie.
Hieronymus schlummert noch sanft und gut,
Da tönet die Stimme: »Kum man mal rut!«
[338]
Alsbald so fühlt er sich fortgeschoben,
Schwupp da! – Er wird seines Amtes enthoben.
Die Bauern, geschmückt mit vielen Trophä'n,
Machen ein großes Siegesgetön.
[339]
Sie füllen die Gläser und stoßen an:
»Prost, vivat! Düt hett gude gan!«
Als aber vorüber das erste Feuer,
Ist manchem doch nicht so recht geheuer.
Ja, wenn der gnädige Herr nicht wär!
Der gnädige Herr, was sagt aber der??
»Mal fünfundzwanzig! Nach altem Brauch!«
Richtig geraten! – So kommt es auch. –
[340]
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