Fröhlich soll mein Herze springen

[13] 1.

Fröhlich soll mein Herze springen

Dieser Zeit,

Da vor Freud

Alle Engel singen.

Hört, hört, wie mit vollen Choren

Alle Luft

Laute ruft:

Christus ist geboren.


2.

Heute geht aus seiner Kammer

Gottes Held,

Der die Welt

Reißt aus allem Jammer.

Gott wird Mensch, dir Mensch zugute;

Gottes Kind,

Das verbind't

Sich mit unserm Blute.


3.

Sollt uns Gott nun können hassen,

Der uns gibt,

Was er liebt

Über alle Maßen?

Gott gibt, unserm Leid zu wehren,

Seinen Sohn[13]

Aus dem Thron

Seiner Macht und Ehren.


4.

Sollte von uns sein gekehret,

Der sein Reich

Und zugleich

Sich selbst uns verehret?

Sollt uns Gottes Sohn nicht lieben

Der jetzt kömmt,

Von uns nimmt,

Was uns will betrüben?


5.

Hätte für der Menschen Orden

Unser Heil

Einen Greul,

Wär er nicht Mensch worden;

Hätt er Lust zu unserm Schaden,

Ei, so würd

Unsre Bürd

Er nicht auf sich laden.


6.

Er nimmt auf sich, was auf Erden

Wir getan,

Gibt sich an,

Unser Lamm zu werden,

Unser Lamm, das für uns stirbet

Und bei Gott

Für den Tod

Gnad und Fried erwirbet.


7.

Nun er liegt in seiner Krippen,

Ruft zu sich

Mich und dich,

Spricht mit süßen Lippen:

Lasset fahrn, o lieben Brüder,[14]

Was euch quält,

Was euch fehlt;

Ich bring alles wieder.


8.

Ei, so kommt und laßt uns laufen;

Stellt euch ein,

Groß und klein,

Eilt mit großen Haufen;

Liebt den, der vor Liebe brennet,

Schaut den Stern,

Der euch gern

Licht und Labsal gönnet.


9.

Die ihr schwebt in großem Leiden,

Sehet, hier

Ist die Tür

Zu der wahren Freuden.

Faßt ihn wohl, er wird euch führen

An den Ort,

Da hinfort

Euch kein Kreuz wird rühren.


10.

Wer sich fühlt beschwert im Herzen,

Wer empfind't

Seine Sünd

Und Gewissensschmerzen,

Sei getrost, hier wird gefunden,

Der in Eil

Machet heil

Die vergift'ten Wunden.


11.

Die ihr arm seid und elende,

Kommt herbei,

Füllet frei

Eures Glaubens Hände![15]

Hier sind alle guten Gaben

Und das Gold,

Da ihr sollt

Euer Herz mit laben.


12.

Süßes Heil, laß dich umfangen,

Laß mich dir,

Meine Zier,

Unverrückt anhangen.

Du bist meines Lebens Leben;

Nun kann ich

Mich durch dich

Wohl zufrieden geben.


13.

Meine Schuld kann mich nicht drücken,

Denn du hast

Meine Last

All auf deinem Rücken.

Kein Fleck ist an mir zu finden,

Ich bin gar

Rein und klar

Aller meiner Sünden.


14.

Ich bin rein um deinetwillen,

Du gibst gnug

Ehr und Schmuck,

Mich darein zu hüllen.

Ich will dich ins Herze schließen;

O mein Ruhm.

Edle Blum,

Laß dich recht genießen.


15.

Ich will dich mit Fleiß bewahren,

Ich will dir

Leben hier,[16]

Dir will ich abfahren.

Mit dir will ich endlich schweben

Voller Freud,

Ohne Zeit

Dort im andern Leben.

Quelle:
Paul Gerhardt: Dichtungen und Schriften, München 1957, S. 13-17.
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