[20] Von der Christlichen Vollkommenheit, welche durch den Trieb deß Heiligen Geistes beschihet.
Nach der Stimme: Nun lob, mein Seel, den Herren, usw.
1.
Wer seine Schwachheit liebet
Und alle Schuld damit beschönt,
Gefährlichst sich betrübet
Und niemals recht mit Gott versöhnt.
Er hat die HimmelsStrassen
Noch nie getretten an,
Sein Hertz hat GOTT verlassen,
Weil er nur böß gethan.
Dann Sünd und Unrecht meiden
Ist hier der erste Schritt;
Bald man mit HertzensFreuden
Der Tugend Weg betritt.
2.
Wann nun deß Glaubens Kertze
Und Gottes wehrter Heilger Geist
Beleucht das reine Hertze
Und es in alle Warheit weist,
So folgt ein frommes Leben,
Daß man aus freyem Muth
Deß Höchsten Huld ergeben
Der Liebe Werke thut.
Das Kind wird auch vollkommen,
Wie GOTT, sein Vater, ist,
Entfliehend mit den Frommen
Der Welte Trug und List.
3.
Der Baum ist zu bemerken
An seiner Aeste guten Frucht,
Gleichwie man an den Werken
Erkennt der waaren Christen Zucht.
Es bringt verlangte Freuden
Deß Glaubens Wurtzel Safft;
Vollkommen durch das Leiden
Bewärt deß Geistes Krafft.
Wer GOTTES Wort betrachtet
Und seine Macht erkennt,
Der wird gerecht geachtet
Und GOTTES Kind genennt.
4.
In allen guten Werken
Vollkommen durch der Liebe Band
Macht in sich selbst bemerken
Der Seelen Engelreinen Stand;
Die Freud' in dem Gewissen
Ist ein vergnügtes Seelenmahl,
Dabey man kan geniessen
Zufriedenheit ohn Ziel und Zahl.
Vollkommen wird erst werden
Ein Gott beliebter Christ,
Wenn er der Mutter Erden
Im Tod' ergeben ist.
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