Magnesiumlicht

[276] Magnesiumlicht. Metallisches Magnesium brennt, namentlich in Band-, Draht- oder Pulverform, an der Luft mit hellweißer Flamme, die infolge Reichtums an blauen, violetten und ultravioletten Strahlen große photographische Wirksamkeit hat und deshalb als künstliche Lichtquelle zu photographischen Aufnahmen vielfach verwendet wird.

Magnesiumband kann in Lampen mit Uhrwerk mit andauernder Flamme verbrannt werden und liefert dann die optische Helligkeit von ungefähr 135 Hefnerkerzen, wenn 7,4 mg Magnesium pro Sekunde verbrennen. Es wirkt aber mehr als zwanzigmal heller bei seiner photographischen Wirkung auf Bromsilbergelatine und fast fünfzigmal heller auf Chlorsilbergelatine als eine Hefnerkerze (Eder). Magnesiumband verbrennt an der Luft nicht vollständig, sondern in der Regel verflüchtigt sich ein Teil als Metalldampf.

Das Magnesiumpulver verbrennt vollständiger. Magnesium, in Sauerstoffatmosphäre verbrennend, gibt ein blendend weißes und photographisch dreimal wirksameres Licht als beim Verbrennen an atmosphärischer Luft. Zu photographischen Zwecken wird meistens Magnesiumpulver als sogenanntes Magnesiumblitzlicht (s.a. Blitzlicht) verwendet. Nachstehende Tabelle von Franz Novak gibt eine Uebersicht über das Verhalten verschiedener Blitzlichtgemische:


Magnesiumlicht

[276] Unter den Gemischen, die untersucht wurden, ergab die größte Leuchtkraft (photographische Wirksamkeit auf Bromsilbergelatine nach dem Passieren des Lichtes durch Glas) dasjenige mit Kadmiumnitrat. Dann folgt das Gemisch mit Thoriumnitrat. Aus der Tabelle ist weiter sofort ersichtlich, daß die Variierung des Thoriumnitratgehalts eine Aenderung der Leuchtkraft bedingt; am günstigsten ist das Verhältnis 1/2 Teil Thoriumnitrat mit 1 Teil Magnesiumpulver. Was die Verbrennungsgeschwindigkeit anbelangt, so verbrennen unter den in der Tabelle genannten Proben am raschesten die Gemenge mit Kalium- und Baryumnitrat. Die Verbrennungsgeschwindigkeit der Präparate, welche die größte Leuchtkraft ergaben, nämlich der Gemenge mit Kadmium- und Thoriumnitrat, ist zwar viermal bezw. dreimal länger als die des Kaliumnitratgemenges, aber nach den praktischen Proben ist diese Geschwindigkeit noch vollständig ausreichend, um gute Aufnahmen zu liefern, wobei diese Gemenge den Vorteil einer mehr als neun- bis zehnmal so großen photographischen Wirksamkeit auf Bromsilbergelatine als das Kaliumnitratgemisch besitzen. Am meisten Rauch liefert unter den genannten Blitzlichtgemischen das mit Kaliumnitrat, am wenigsten die Gemenge mit Thorium- und Kadmiumnitrat.

Langsam brennende magnesiumhaltige Zündsätze werden zu sogenannten photographischen Zeitlichtpatronen benutzt. Das Cerinitrat ist in Gemischen mit Magnesium für Blitzlicht nicht gut geeignet, weil es zu langsam abbrennt, eignet sich aber wegen seiner großen Leuchtkraft gut zu Zeitlichtgemischen. Verzögernde Zusätze sind Kieselgur, feinstgepulvertes Calcium-, Magnesium- oder Strontiumkarbonat, mitunter wird überdies etwas roter Phosphor zugesetzt.

Ein Gemisch von gleichen Teilen auf nassem Wege gefälltem getrockneten Magnesium- oder Calciumkarbonat brennt mit Magnesium in Mengen von mehreren Grammen etwa in 1/2 Minute ab (Novak). Langsam brennen Gemische von gleichen Teilen Magnesium und Wolframsäure oder Natriumwolframat (Patent der Farbenfabriken vorm. Fr. Bayer in Elberfeld) oder von Magnesium mit Chromalaun (Krebs). Ein Gemisch von 1 Teil Magnesium, 2,5 Teilen Strontiumnitrat, 1 Teil Magnesiumkarbonat und 0,05 Teilen rotem Phosphor geben ziemlich rauchfreies Licht; es brennt pro 1 g in etwa 1 Sekunde ab und wird noch als Zeitlicht betrachtet. Dia beigemengten Strontiumverbindungen geben dem weißen Magnesiumblitzlicht eine schwach rötliche Nuance, was bei Aufnahme farbiger Objekte mit orthochromatischen Platten günstig wirkt; man nennt solche Gemische wohl auch orthochromatische oder panchromatische Zeitlichtgemische.

Das vom Blitzlicht entwickelte Licht zeigt das Spektrum des brennenden Magnesiums auf helleuchtendem kontinuierlichen Spektralgrunde nebst Andeutungen der Spektren der beigemengten Substanzen. Solche Zeitlichtpatronen, die nicht rasch verpuffen, sondern langsam und mit wenig Geräusch abbrennen, werden besonders bei Aufnahmen von Interieurs, Grüften u.s.w. verwendet.

Die Zündung der Magnesiumblitzpulver erfolgt häufig mit Lunten; vielfach wird auch elektrische Zündung benutzt, indem sehr dünne Platin-, Eisen- oder Nickeldrähte durch den elektrischen Strom (meist werden Trockenelemente benutzt) glühend gemacht werden und dadurch das darüber geschüttete Magnesiumblitzpulver direkt oder durch Vermittlung von ein wenig Zündsatz entflammt wird.


Literatur s. bei Blitzlicht; ferner Novak, Ueber Blitzlichtgemenge, Photogr. Korrespondenz 1907, S. 388.

J.M. Eder.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 6 Stuttgart, Leipzig 1908., S. 276-277.
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