Sensitometrie [1]

[84] Sensitometrie, Messung der Empfindlichkeit photographischer Platten.

Die Kenntnis der Lichtempfindlichkeit photographischer Platten ist wichtig für die Momentphotographie, Berechnung der richtigen Belichtungszeit u.s.w. und deshalb auch wichtig für den Handel mit Trockenplatten. Als Lichteinheit dient die Hefnerkerze. Man verwendet derzeit in Deutschland und Oesterreich hauptsächlich das Scheinersche Sensitometer mit einer auf die Hefnerkerze bezogenen Benzinlampe in 1 m Abstand (Helligkeit = 1,16 Hefnerkerze). Eine rotierende Scheibe mit Sektorenausschnitt stuft die Lichtwirkung von der Mitte gegen den Rand zu in bestimmtem Verhältnis ab. Das Scheinersche Sensitometer besitzt 23 Felder, deren jedes um 1,27 weniger Belichtung als das vorhergehende erhält. Man belichtet eine Minute lang, entwickelt dann die Platte und liest den letzten eben noch sichtbaren Lichteindruck ab. Extrarapidplatten sollen 15–16° Scheiner haben, Rapidplatten ca. 11–14° Scheiner, gewöhnliche Trockenplatten durchschnittlich 10° Scheiner. Tabelle I gibt die Beziehung der Scheiner-Grade zu Lichtwirkung und Empfindlichkeit.

In England sind noch andre Systeme in Gebrauch (Watkins, Wynne, Hurter & Driffield, Chapman Jones u.s.w.), deren annähernde Reduktion Tabelle II wiedergibt.

Watkins Standard der Empfindlichkeit ist eine Platte, welche mit 2 Sekunden und einem Objektiv 0,125 · F im Mai oder Juni mittags, bei Sonnenschein und bei einem Bildabstande von ungefähr 7 m ein gutes Negativ gibt, im übrigen sind Watkins-Sensitometergrade doppelt so groß als die von Hurter & Driffield. – Wynne drückt die Empfindlichkeit einer Platte durch die Größe einer Blende aus, durch welche die Platte das Aktinometerzeitmaß erreicht, für eine korrekte Exposition auf einen normalen Bildgegenstand. Hierbei erfordert die als [84]


Sensitometrie [1]

0,125 · F bezeichnete Empfindlichkeit beim bellen Sommerlichte nur 1 Sekunde Aktinometerzeitmaß, die Belichtungszeit von 1 Sekunde, oder: die Blende 0,125 · F braucht die Belichtungszeit 1 Sekunde für die Wynnesche Empfindlichkeitsanzeige 1. – Um Wynne-Grade in Hurter-Driffield-Grade umzurechnen, erhebt man erstere zum Quadrat und dividiert durch 64; Hurter-Driffield-Grade wandelt man in Wynne-Grade um durch Dividieren durch 64 und Ausziehen der Quadratwurzel.


Literatur: Eder, System der Sensitometrie photographischer Trockenplatten, Wien 1899 bis 1902.

J.M. Eder.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 8 Stuttgart, Leipzig 1910., S. 84-85.
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