Osmĭum

[162] Osmĭum Os, eins der Platinmetalle, findet sich gemeinschaftlich mit Platin, namentlich legiert mit Iridium (als Osmiumiridium oder Osmiridium, breite, glänzende Blättchen vom spez. Gew. 18,8–20,5) und als Iridosmium (s. d.), auch im Goldsand und wird aus den sogen. Platinrückständen gewonnen. Man erhält das O. durch Glühen von Ammoniumosmiumchlorid in schwammförmigem und durch Schmelzen des amorphen Metalls mit Zinn in kristallinischem Zustand. Es ist bläulichweiß, metallisch glänzend. Härte zwischen Quarz und Topas, härter als Glas, vom spez. Gew. 22,28 und mithin der schwerste aller bekannten Körper. Das Atomgewicht ist 191. Es schmilzt nur im elektrischen Ofen, verdampft schon bei gewöhnlicher Temperatur an der Luft unter Bildung von Osmiumtetroxyd, bei hoher Temperatur verdampft es ziemlich schnell, ohne zu schmelzen, und beim Erhitzen an der Luft verbrennt sein verteiltes O. zu Osmiumtetroxyd; mit Salpetersäure und Königswasser gibt es Überosmiumsäure; nach starkem Glühen widersteht es den Säuren, gibt aber mit schmelzendem Ätzkali und Salpeter osmiumsaures Kali. In trocknem Chlor verwandelt es sich in dunkelrotes Osmiumchlorid OsCl4, das mit Chlorammonium ein kristallisierbares, schwer lösliches, braunes Doppelsalz bildet. Mit Sauerstoff bildet O. drei Verbindungen von basischem Charakter, OsO, Os2O3 und OsO2, ferner Osmiumtrioxyd, OsO3 (Osmiumsäureanhydrid, Osmigsäureanhydrid) und Osmiumtetroxyd (Überosmiumsäureanhydrid, Osmiumsäure) OsO4. Letzteres bildet farblose Prismen, riecht höchst stechend, chlorähnlich (daher der Name O., v. griech. osmë, Geruch), wirkt heftig entzündend auf die Schleimhäute, besonders die Augen, und erzeugt auch auf der Haut schmerzhaften Ausschlag, schmeckt scharf brennend, nicht sauer, erweicht beim Erwärmen, schmilzt unter 100° und siedet bei wenig höherer Temperatur, verflüchtigt sich auch mit Wasserdampf, löst sich langsam, aber reichlich in Wasser und wird durch Metalle und organische Körper leicht zu O. reduziert. Wegen seiner heftigen Einwirkung auf alle Gewebe ist Osmiumtetroxyd ein starkes Gift, es schwärzt die Gewebe (durch Abscheidung von O.) und wird in der Mikroskopie zum Härten der Präparate, als Reagens und Färbemittel, auch in der Photographie, arzneilich gegen Epilepsie benutzt. Osmiumsäure H2OsO4 bildet ein schwarzes Pulver, riecht an feuchter Luft nach Überosmiumsäure, das Kaliumsalz bildet violette, in Wasser lösliche Oktaeder. O. dient zur Herstellung einer elektrischen Glühlampe, Osmiumiridium zu Stahlfederspitzen. O. wurde 1803 von Tennant entdeckt.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908, S. 162.
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