Narcisse

[678] Narcisse, 1) jede Art der Pflanzengattung Narcissus; 2) bes. als Gelbe N. (N. pseudonarcissus) u. als Weiße N., mit einem, innen rothen Kranz bildendem Nectarium (N. poëticus), in Gärten cultivirte, durch Form u. Geruch ausgezeichnete Frühlingsblume, beide in Deutschland auch wild wachsend. Durch Füllung u. mancherlei Abänderungen erhalten sie in Gärten besondere Vorzüge; Blüthezeit im Mai, die der gelben im April. Sie nehmen mit gewöhnlicher Gartenerde für lieb, wollen aber etwas feucht stehen. Man zieht sie gewöhnlich aus der Zwiebelbrut; bes. werden die gefüllten Sorten auf diese Art vermehrt; aus dem Samen lassen sich aber auch neue u. schönere Sorten ziehen, die aber erst im 5. u. 6. Jahre blühen Die Zwiebeln nimmt man nur aller 3 Jahre nach dem Verblühen u. völligem Verwelken der Blätter heraus, indem sie im 2. u. 3. Jahre schönere Blumen tragen, als im 1., in späteren Jahren aber, durch die Menge der ungelösten Brut geschwächt, wieder um so schlechter blühen. Die Mutterzwiebeln werden vom September bis October in Reihen, od. truppweise auf besondern Beeten od. Rabatten, 4–6 Zoll tief u. 4–8 Zoll von einander gepflanzt; wenn sie wieder herausgenommen werden, von der[678] kleinen Brut befreit; an einem schattigen, lustigen Orte getrocknet, die trocknen Wurzeln u. losen Schalen abgeputzt u. im Herbst wieder gepflanzt. Nach dem Mythus war es eine wunderschöne N., welche auf Sicilien die Persephone, als Hades sie raubte, verleitete, ihre Gespielinnen zu verlassen. Darum ist sie die Blume der Täuschung. Sie hatte schon durch ihren betäubenden, einschläfernden Duft, nachdem sie vorher durch Schönheit u. Geruch entzückt, Bezug auf die Unterwelt.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 11. Altenburg 1860, S. 678-679.
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