Übergang

[107] Übergang, 1) das Gehen über einen Fluß, Graben, eine Brücke, einen Berg; 2) die Stelle, wo eine Chaussee, Fahrweg etc. eine Eisenbahn (s.d. S. 574) schneidet; 3) das allmälige Fortschreiten von einem Zustand zu dem andern; 4) (Transitus, Transitio), die Art u. Weise, wie Redner u. Dichter ihre Leser u. Zuhörer von einem Gedanken zu dem[107] andern, od. von einem erörterten Punkte auf den andern überführen. Die Übergänge sind entweder mittelbare, wenn man sich dabei gewisser Formeln od. Wörter bedient, wodurch das Vorhergehende u. das Folgende mit einander in Verbindung gebracht wird; od. unmittelbare, wo man das Ende einer Betrachtung, Erörterung etc. mit kurzen Worten od. ganz im Allgemeinen wiederholend anzeigt u. auch das Folgende eben so allgemein angibt. In der Predigt ist der Ü. die Vermittlung des Eingangs mit der Abhandlung selbst; in der lyrischen Poesie läßt man sie ganz weg; die epische Poesie wählt oft feierliche Übergänge (Anrufungen der Götter, bes. der Musen etc.); 5) die Mitteltinten zwischen Licht u. Schatten od. zwischen zwei verschiedenen Farben. Auf der richtigen Stimmung dieser Töne beruht zum großen Theile die Harmonie des Colorits; 6) Übertritt eines Tonstücks in eine neue Tonart, um in dieser länger zu verweilen, einen od. mehr Sätze in ihr auszuführen, vgl. Modulation; 7) eine bald vorübergehende Veränderung, bes. eine bald vorübergehende Empfindung od. Entschließung.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 18. Altenburg 1864, S. 107-108.
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