Aëdon

[13] Aëdon, (Gr. M.) Tochter des Pandareus ( Itys und Procne). Durchaus verschieden von der, in den zwei bezeichneten Artikeln enthaltenen, (der gewöhnlichen) Sage ist folgende, nach welcher A. mit Polytechnus, einem Künstler zu Colophon in Ionien, so glücklich vermählt war, dass Beide sich rühmten, sich mehr zu lieben, als Jupiter und Juno einander. Darauf schickte Juno die Eris ab, um Zank unter den Glücklichen zu erregen. Eine verlorne Wette gab dem Gatten auf, seiner Frau eine Sklavin zu schenken; er reiste fort, jedoch nicht, um eine solche zu kaufen, sondern um zu Pandareus zu gehen und ihn zu bitten, ihm seine zweite Tochter Chelidonis zur Gesellschafterin für A. zu geben. Auf der Heimreise entehrte er sie, drohete, ihr das Leben zu nehmen, wenn sie ihn verrathen würde, und brachte nun die von seiner Gattin viele Jahre lang nicht gesehene Schwester als Sklavin zu ihr. Die Furcht fesselte der Unglücklichen Zunge, ein Zufall nur führte die Entdeckung herbei, und jetzt beschlossen die Schwestern Rache. Des Polytechnus und der A. Sohn ward geschlachtet und dem Vater zum Mahl aufgesetzt - darauf aber ihm entdeckt, was er gegessen. Mit dem Schwerte verfolgte der entsetzte Polytechnus die Verbrecherinnen bis zur fernen Heimat, dort aber fand er den Tod, denn Pandareus liess ihn, mit Honig bestrichen, den Insekten hinlegen. A. wollte ihn befreien und ihr Bruder sie desshalb ermorden. Die Götter verwandelten alle in Vögel: Polytechnus in einen Pelikan, seine Gattin in eine Nachtigall, die Schwester in eine Schwalbe und den Bruder in einen Wiedehopf. Auch das ältere Ehepaar ward verwandelt, Pandareus ward ein Meeradler und seine Gattin ein Eisvogel.

Quelle:
Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Stuttgart 1874, S. 13.
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