Botschaft

1. Böse (schlimme) Botschaft bringt man bald.

It.: Le cattive nuove sono le prime. (Bohn I, 108.)

Ung.: A rosz hír szárnyon röpül, a jó pedig kullogva is alig jár. (Gaal, 237.)


2. Eine gute Botschaft ist das Botenbrot wol werth.Kirchhofer, 66; Körte, 705; Eiselein, 90.

Wenn jemand ein Amt oder eine Ehrenstelle erhalten, so wurde ihm dies in der Kegel durch die Rathsdiener angekündigt, welche dann das Botenbrot, ein Trinkgeld, erhielten, was anfänglich ein Brot gewesen, aber gewiss bald in ein grösseres Geschenk verwandelt worden sein mag.


3. Eine schlimme Botschaft ist immer wahr.

Span.: Las malas nuevas siempre son ciertas. (Bohn I, 228.)


4. Ueble Botschaft kommt immer zu früh.Simrock, 1264; Tunn., 15, 13.

Dän.: Onde tidninger have vinger og ere gierne visse. (Prov. dan., 436.)

Frz.: Les mauvaises nouvelles ont des ailes. (Bohn I, 35.) – Trop tôt vient qui mauvaise nouvelle apporte.

Holl.: Hi comt al vroech ghenoech, die quade bootschap brinct. (Fallersleben, 406.)

Lat.: Prava revelare si vis, noli properare.


5. Ueble Botschaft verdient kein Botenbrot.Simrock, 1248; Eiselein, 90.


6. Wenn man gute botschafft bringt, so spitzt man die ohren.Henisch, 469.


7. Wer gute Botschaft bringt, darf nicht lange klopfen.

Engl.: To him of good judgment the sound of a gnat suffices, to him who lacks it the noise of an orchestre availeth not.


8. Wer gute Botschaft bringt, klopft derb.

Lat.: Audax pulsus bona afferentis aut nunciantis. (Bovill, III, 113.)


9. Wer schlechte Botschaft bringt, kommt früh genug.Körte, 706; Simrock, 1247.

Holl.: Hij komt vroeg genoeg, die eene kwade boodschap brengt. (Harrebomée, I, 76.)

Lat.: Prava revelare si vis, noli properare. (Sutor, 907.)


*10. Dass dich die vier bottschafft ankommen. Agricola, 528.

Ein sprichwörtlicher Fluch, wodurch man jemand die vier Uebel wünschte, welche nach dem Heiligenglauben die vier Heiligen: Sanct- Antonius (s.d.), Sanct-Ruprecht, Sanct-Valentin und Sanct-Cornelius heilten.


[Zusätze und Ergänzungen]

zu1.

Poln.: Do dobrego trudno o kłusaka, a do złego jedno chodniczek jak tu był. (Čelakovský, 31.)


zu5.

Lat.: Nemo hunc amat, qui verba nuntiat mala. (Binder II, 2043; Eiselein, 90.)


zu8.

Dän.: Han banker dristig paa, som baer godt budskal. (Prov. dan., 46.)


zu9.

»Wer böse botschafft bringen thut, ob er nicht eilt, kompt doch frü gnug.« (Loci comm., 145.)

Engl.: Ill news comes apace. (Marin, 11.)

Frz.: Trop tôt vient à la porte, qui triste nouvelle apporte.

It.: Le cattive nuove volano.

Schwed.: Elakt budskap kommer alltid tids nog. (Marin, 11.)


[1040] 11. Die Botschaft hör' ich wol, allein mir fehlt der Glaube.

Um Zweifel, Versicherungen gegenüber, auszudrücken. Aus Goethe's Faust.


12. Ueble Botschaft auf der langen Bank, macht dem Boten und dem Wirth das Herz krank.Freytag, Nest der Zaunkönige, Leipzig 1872, S. 33.


13. Wer böss Botschafft bringt, der kompt früe genug, wenn er gleich nicht sehr eilet.Henisch, 1265, 44.

Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 5. Leipzig 1880, Sp. 1040-1041.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien:
Ähnliche Einträge in anderen Lexika

Buchempfehlung

Aristophanes

Die Vögel. (Orinthes)

Die Vögel. (Orinthes)

Zwei weise Athener sind die Streitsucht in ihrer Stadt leid und wollen sich von einem Wiedehopf den Weg in die Emigration zu einem friedlichen Ort weisen lassen, doch keiner der Vorschläge findet ihr Gefallen. So entsteht die Idee eines Vogelstaates zwischen der Menschenwelt und dem Reich der Götter. Uraufgeführt während der Dionysien des Jahres 414 v. Chr. gelten »Die Vögel« aufgrund ihrer Geschlossenheit und der konsequenten Konzentration auf das Motiv der Suche nach einer besseren als dieser Welt als das kompositorisch herausragende Werk des attischen Komikers. »Eulen nach Athen tragen« und »Wolkenkuckucksheim« sind heute noch geläufige Redewendungen aus Aristophanes' Vögeln.

78 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon