Heinrich St. John Bolingbroke

[163] Heinrich St. John Bolingbroke, Lord Vicomte, geboren zu Battersen in der Grafschaft Surry in England 1672, gestorben eben daselbst 1751; ein Mann von großen und einnehmenden Talenten, in seiner Jugend aber dem Trunk und den Wollüsten so sehr ergeben, daß er einmahls ganz nackend durch den Park lief. In seinem 28. Jahre kam er zum Nachdenken; er ward gesetzter, und erhielt einen Sitz im Unterhause. Anfangs war er auf der Seite der Whigs, neigte sich aber bald auf die Seite der Tories (s. Whigs und Tories). 1704 wurde er zum Secretair ernannt. Nach dem Tode der Königin Anna wurde er von Georg I. seines Staatssecretariats entsetzt, und zugleich wurde eine Anklage des Hochverraths gegen ihn geschmiedet. Er flüchtete in der Kleidung eines Bedienten nach Frankreich, ward Secretair bei dem Englischen Prätendenten, der sich zu Commercy aufhielt, mußte aber diese Stelle verschiedener gegen ihn gemachter Kabalen wegen bald wieder aufgeben. König Georg I begnadigte ihn wieder; er konnte aber trotz den Bestrebungen seines Ehrgeitzes doch keinen Einfluß in die Regierung mehr erlangen, und brachte daher seine übrige Lebenszeit mit schreiben politischer und philosophischer Schriften zu, in welchen er das Volk aufklären wollte. Er ist einer der ersten politischen Schriftsteller; über die geoffenbarte Religion schrieb er äußerst frei. Seine philosophischen Werke erschienen 1754 in London in 5 Bänden in groß Quart und auch in 5 Bänden in groß Octav. Seine sämmtlichen Werke kamen in London 1769 in II Bänden in Octav heraus; verschiedene davon sind ins Deutsche übersetzt worden.

Quelle:
Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 1. Amsterdam 1809, S. 163.
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