Jacob Mauvillon

[99] Jacob Mauvillon, ein bekannter Deutscher Gelehrter, der außer vielen andern Schriften vorzüglich auch die Deutsche Umarbeitung von dem Werke des Mirabeau über die Preußische Monarchie besorgt, und durch seine unglückliche Concurrenz bei den Verhandlungen über das berüchtigte Buch, Bahrdt mit der eisernen Stirne, die Aufmerksamkeit des Publicums auf sich gezogen hat. Er wurde zu Leipzig, wo seine aus Frankreich abstammenden Aeltern sich niedergelassen hatten, am 8. März 1743 geboren. Seine Neigung zum Militairstande verhinderte nicht, daß er sich nicht auch den Wissenschaften ergeben hätte, unter welchen er Mathematik, Sprachen und staatswirthschaftliche Kenntnisse am meisten liebte. Nach mannigfaltigen Schicksalen, die er im Militair in Hannöverschen Diensten zu Anfange des siebenjährigen Krieges erfuhr, wurde er in Cassel als Lehrer bei dem Cadettencorps angestellt, und 1785 an das Carolinum und als Major bei dem Ingenieurcorps nach Braunschweig berufen. Bald darauf (1786) machte er Bekanntschaft mit dem berühmten Mirabeau, der auf seiner Rückreise von Berlin nach Paris Braunschweig besuchte. Zwischen beiden Männern entstand die innigste Freundschaft. Mauvillon fühlte sich an den gewaltigen Mirabeau, mit dem er einige Aehnlichkeit des Charakters und selbst des Körperbaues hatte (der bei beiden nicht der schönste war), auf das innigste angezogen, und unterstützte ihn sehr thätig bei der Herausgabe seines Werks über die Preußische Monarchie. Schon durch diese vertraute Bekanntschaft mit einem Manne, der damahls ganz vorzüglich unter die Verdächtigen gehörte, zog sich Mauvillon Unannehmlichkeiten zu. Da er, vermöge seiner angebornen Freimuthigkeit und Liebe zur Wahrheit, sich öffentlich für einen Freund der Französischen Revolution bekannte, so wuchs die Anzahl seiner Gegner; und sein übereiltes Benehmen bei der gerichtlichen Untersuchung über den wahren Verfasser der Broschüre, Bahrdt mit der eisernen Stirne, wo er den Ritter Zimmermann in Hannover öffentlich [99] als Verfertiger nannte, war gar nicht dazu gemacht. sie zu vermindern. Indessen hörte doch der Herzog von Braunschweig nicht auf diese Gerüchte, weil er von Mauvillonʼs Treue gegen seinen Hof überzeugt war. Kummer und Gram nagten aber an der schwächlichen Gesundheit dieses letztern, und am 10. Januar 1794 starb er an den Folgen der Wassersucht. Er war ein origineller Kopf, der seinen Mangel an Kenntnissen in gewissen Fächern durch beißenden Witz und eine immer fröhliche Lanne zu ersetzen wußte. Dabei belebte ihn eine ungemein feurige Einbildungskraft und der heiße Wunsch, Andre glücklich zu sehen. Die erstere täuschte ihn oft; und eben daher kam es, daß er zu rasch handelte, und bei neuen Verbesserungsplänen nur das Glänzende ihrer Vollendung, nicht aber die Hindernisse in der Ausführung vor Augen hatte.

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Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 3. Amsterdam 1809, S. 99-100.
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