Reif

[149] Reif; so nennt man jenen schnee- oder eisartigen Beschlag, den man an kalten Herbst- und Wintermorgen an den Blättern der Pflanzen, den Zweigen der Bäume und der Gesträuche bemerkt. Dieser Beschlag ist eigentlich ein gefrorner Thau; und daher erscheint er auch an allen [150] denjenigen Körpern, welche in den wärmern Jahrszeiten von jenem benetzt werden. Ist die Luft bis zum Gefrierpunkte erkältet, so gefriert das aus ihr niedergeschlagene Wasser, und bildet, indem es sich in der Form kleiner Eiskrystalle an Zweige und Reiser hängt, den Reif. Mit dem Ansetzen des Reifs verhält es sich übrigens wie mit dem Anhängen der Salzkrystalle an die Fäden oder Stäbchen, die man in eine anschießende Salzauflösung bringt. Hängt man nehmlich einen Faden in eine mit Salz gesättigte Flussigkeit, so legen sich, wenn die Krystallisirung in dieser beginnt, die Theile des wieder fest werdenden Salzes an den Faden an, so daß dieser gleichsam den Kern der entstandenen Krystalle abgiebt. Man sehe hier in Girtanners Anfangsgründen der antiphlogistischen Chemie das Kapitel über die Lufterscheinungen oder über die Meteorologie nach.

Quelle:
Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 4. Amsterdam 1809, S. 149-150.
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149 | 150
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