II. Der heroische Mensch

Neuere gehen bei Taxierung des Wertes der einzelnen Zivilisationen etwa von »Fortschritten« und »Erfindungen« aus, wobei dann die Griechen sehr kurz zu kommen. Ägypter und Babylonier sind schon Jahrtausende her sehr fleißige Leute gewesen und haben technische, mechanische, chemische Leistungen der höchsten Art aufzuweisen, bevor sie ihr Tagediebeleben begannen. »In materieller Beziehung haben die Griechen auch nicht eine nennenswerte Erfindung hinterlassen«, sagt Hellwald; »ja auch in ihrer Gedankenwelt und Formenwelt haben sie sich den stärksten vorderasiatischen Einflüssen gar nicht entzogen«.

Es ließe sich auf die letzte Behauptung entgegnen, daß sie eben nur allem ihre Fasson gegeben haben. Was aber jene »Fortschritte« betrifft, so ist darüber zweierlei zu sagen. Erstlich ist die Ansicht erweislich falsch, daß sich erstA1 mit der materiellen Bereicherung und Verfeinerung des Lebens auch der geistige Fortschritt einstelle, indem erst mit der Armut auch die Roheit verschwinde. Hie und da offenbart bei bevorzugten Rassen, auch wenn die materielle Kultur sehr mäßig ist und der von Hellwald so hochgeschätzte und vom Luxus so sorglich unterschiedene1 »Komfort« gänzlich fehlt, alles, was von der Seele eines Volkes abhängt, schon die höchste und reichste Schönheit, und nun geht ja über die Geschichte der Nausikaa an Seelenschönheit und Zartheit nichts mehr hinaus2. Sodann aber garantiert die materielle Bereicherung und Verfeinerung des Lebens nicht gegen die Roheit. Diejenigen Klassen, welche mit ihr emporgekommen, sind oft unter luxuriöser Tünche erst recht roh und gemein und die, welche unten bleiben, vollends. Und ferner führt[22] sie mit sich auch die Ausnützung und Erschöpfung der Erdoberfläche, sowie die Vermehrung, gleichA2 Verpöbelung der städtischen Menschheit, d.h. alles, was auf den Untergang hindrängt, auf jenen Zustand, da sich die Welt doch wieder nach »Erfrischung« durch noch unverbrauchte Naturkräfte, also nach einer neuen »Roheit« umsieht.

Da wir nun hier die Griechen nicht nach ihrem äußern, materiellen Dasein zu schildern haben, dürfen wir auch die materielle Tradition, die sie von Vorderasien empfingen, glücklicherweise übergehen. Sie selbst haben ja andern Völkern ihre Erfindungen und Entdeckungen im ganzen gerne gelassen3, wenn auch etwa einmal ihr Ehrgeiz erwachte und fand, es wäre doch schön, dergleichen auch gemacht zu haben4; für die mythische Anschauung der Kulturfortschritte hatten sie neben andern Verbildlichungen5 ihren Prometheus, der der Menschheit das Feuer gebracht und sie vom Verzehren des rohen Fleisches (ὠμοφαγία) befreit hatte.

Überhaupt ist hier nicht von den ersten Anfängen zu sprechen. Vor allem nicht von der hypothetischen allgemeinen Urgeschichte der Menschheit, wovon Lucrez6 – wahrscheinlich nach epikureischer Doktrin – ein immerhin lesenswertes Bild gibt, ebenso nicht von den prähistorischen Menschen, den Troglodyten und makedonischen Pfahlbaumenschen usw., auch nicht von den indogermanischen (über Phrygien gekommenen) vermutlichen Einwanderungsschichten usw.A3, zumal auch nicht von den[23] verrufenen. Pelasgern. Da ferner lebendig doch nur der mythisch-heroische Mensch überliefert ist, und die archäologische Forschung täglich neue Resultate bringen kann, beschäftigt uns auch die Frage, wer die Herrschenden und Dienenden von Alt-Ilion, Orchomenos, Tiryns, Mykenä waren, hier nicht7, und nur kurz wollen wir auch darauf hinweisen, daß die Griechen außerhalb ihres Landes urkundlich waren, bevor sie auf eigene Rechnung in ihrem Lande selbst mythisch sind. Wir denken dabei an die ägyptischen Inschriften des XIV. Jahrhunderts, welche die Namen der DardaniA4 (Dardaner), Daanau (Danaer), Tekkra (Teukrer), AchaiuschaA5 (Achäer) usw. als Gefangener der Ägypter enthalten und, wenn die Namendeutung richtig ist, auf Raubfahrten gegen Ägypten schließen lassen, die, was die Entfernung betrifft, nur an den Wikingszügen ihr Gegenstück haben8. Der Heroenmythus trennt diese uralte[24] Welt von der historischen, bald nur wie ein zarter Schleier, bald wie ein dichter, fester Vorhang; wir sehen von jenseits her etwas schimmern oder hören auch nur Waffenklang und Rossestampfen, dumpfen Ruf und Ruderschlag; es ist das alte Tatsächliche, das aber nicht mehr als solches zu uns hindurchdringen kann. Und es ist kaum ein Schade drum; die alten Piraten dürften vielmehr froh sein, daß man von ihnen nichts Näheres weiß; es würde kaum erbaulich lauten. Der Vorhang allein macht das Tatsächliche, also Vergängliche, zum Unvergänglichen.

Im weitern sind hier auch die Wandersagen und die frühesten mythischen Städteeroberungen zu übergehen. Von jenen ist das für uns Brauchbare schon bei früherer Gelegenheit erörtert worden9; was diese betrifft, so sind die Städteeroberungen des Herakles sachlich und zeitlich von sehr verschiedenem Ursprung10. Jedenfalls aber wollen einzelne Städte, wie Athen und Theben11, schon enorm viel erlebt haben, bevor sie in die urkundliche Geschichte eintretenA6, und es ließe sich fragen, ob die ganze übrige Welt noch eine einzige Stadt von so schicksalsreichen Präcedentien, wie Theben, besessen habe.

Schließlich ist hier auch eine Charakteristik nach Stämmen zu unterlassen, so stark auch die Gegensätze beim KoloniegründenA7 und später noch im Peloponnesischen Kriege betont werden, und wenn schon z.B. bei Thukydides (I, 124) die Korinther meinen: »man muß den Potidäaten helfen, weil sie Dorer sind und von Ioniern belagert werden«. Diese[25] Gegensätze wurden, wenigstens in der spätern Zeit, nur wieder aufgerufen, wo es diente12.


Das Volk, das in der Welt die Griechen hieß, hat nun in den verschiedenen Epochen seines Lebens eine ganz ungemein verschiedene Ausdehnung gehabt, und man hat sich bei ihm immer wieder den stark veränderten geographischen Horizont klarzumachen. So erhebt sich denn auch schon für den Mythus sowohl der vortroischen als der troischen Generation und der Nostoi die Frage nach dem Schauplatze, wobei wir davon absehen wollen, daß das Terrain selbst noch in Wanderung begriffen ist, indem der Hellespont, der Euripus, der Faro von Sizilien ein früher zusammenhangendes Land durchrissen haben sollen, und Lesbos als ein Fragment des Ida, der Ossa als eines des Olymp gilt usw.13. Als Gaue der Sage kommen natürlich vor allem der Peloponnes mit den westlichen Inseln, Hellas und Thessalien in Betracht; aber auch noch Ätolien ist damals berühmt14, und sogar Epirus. Ferner wird ein ansehnlicher Küstenrand in Makedonien und Thrakien als griechisch vorausgesetzt: in dem perrhäbisch-magnetischen Gyrton am Fuße des Olymp herrschten Peirithoos und Ixion; auf der Halbinsel Pallene hausten die Giganten, welche Herakles erlegte; Asteropaios, der Sohn des Pelegon, stammt aus dem spätern Makedonien; Abdera hieß nach Abderos, welchen die Rosse des Diomed fraßen; auf Samothrake waren Iasion und Dardanos zu Hause, zu geschweigen des Orpheus, der nach dem Thrakien der Sänger, d.h. Pierien gehört, und u.a. im Dorf Pimpleia bei Dion wohnte. Ferner ist die nordwestliche Ecke von Kleinasien nebst Lesbos im Mythus hochberühmt. Die Ilias zeigt eine ganz spezielle Kenntnis der ganzen Gegend am Ida; an den dortigen Höfen mögen Homers Vorgänger ihre Lieder gesungen haben15; auch der Weg der Argonauten bis Kolchis ist in den großen, heroischen Mythos aufgenommen, und südlich reicht derselbe über das wenigstens durch die späteren Schicksale der Auge und des Telephos bekannte mysischeA8 Pergamos bis an den Berg Sipylos,[26] wo Tantalos, Pelops und Niobe hausen16. Dagegen ist ganz Ionien, wo doch Homer lebte und sang, nebst KarienA9 von dem Gesamtmythus wie abgeschnitten, obschon es dort an der ganzen Küste an religiösen Einzelmythen nicht fehlte. Die Bevölkerung muß irgendwie nicht die Kräfte gehabt oder den Moment verpaßt haben, sich in denselben hineinzuflechten, weshalb die von Curtius vertretene Annahme, daß sie schon vor der dorischen Wanderung urgriechisch gewesen sei, uns nicht ganz sicher erscheint. Erst Rhodos ist dann wieder schon von alters her der Sitz der aus Kreta gekommenen Telchinen, und das Heiligtum der Athene zu Lindos ist von den Danaiden gestiftet; zumal aber folgt nun ganz unvermutet als eine mythenberühmte Gegend Lykien mit seinem alten Apollsdienst, seinen Sagen von Leto, die mit ihren Kindern hier Pflege gefunden, und dem Mythus von Bellerophontes und der Chimära17. Mythisch hochberühmt sind auch eine Anzahl von Inseln, und besonders wird die Bedeutung Kretas für den Mythus immer merkwürdig sein. Was aber die weiteren Gründungen am Strand von Pamphylien, in Kilikien und auf Zypern betrifft, so werden wir nie mehr in den Prozeß hineinsehen, wodurch sie griechisch waren oder wurden; neben denjenigen, die sich durch Anknüpfung an die Nosten als nachheroisch zu erkennen geben, gibt es auch etwa eine, welche deutlich älter sein willA1018. Wo dann der Mythus nach Phönizien und nach Ägypten züngelt (Andromeda, Busiris, Proteus), ist er nur schön fabelhaft.

Wie bei der kleinasiatischen Südküste, so könnte sich auch im Westen die Frage erheben, wieweit der Mythus uralt, und wieweit er erst ein Reflex der späteren Kolonisation sei; doch ist es meist handgreiflich, daß er erst mit den Kolonisten hinübergewandert ist. Hier kommen in Betracht die Leute des Iolaos auf Sardinien19, die verschiedenen Lokalisationen[27] des Herakles bis an die nach ihm benannten Säulen20, die Sagen von geflüchteten Troern, wie Antenor als Gründer Pataviums21, Äneas, der Sizilien berührt und bis Latium gelangt22, den troischen Elymern auf Sizilien23, ferner die Nostoi der achäischen Helden, zumal Diomeds, dessen Herrschaft am Adriatischen Meere durch die insulae Diomedeae bezeugt wurde, und der bei den Venetern noch zu Strabos Zeit göttliche Ehren genoß24. Auch hatte man für den Westen einen König, Latinos, vorrätig, welcher für beliebige Ankömmlinge Töchter bereit hatte, wie z.B. die Laurine für den Lokros25, zu geschweigen von Phaethon am Eridanos26, den aus Thessalien kommenden Pelasgern als Gründern von Cäre-Agylla27, den Pisaten Nestors als solchen des italischen Pisä28, Iason auf Elba und den Argonauten in Istrien29, Euander auf dem Palatin, dem Odysseusgefährten Polites bei Temesa30, der Gründung des lukanischen Petelia und Krimissas durch Philoktet31, der Lokalisierung des homerischen Äolos auf den liparischen Inseln32 u.a.m. – Überall fand eben eine doppelte Operation statt, indem einesteils die Griechen Sagen von weitgereisten Leuten ihrer Nation, sowie den Wunsch, diese Sagen festzuhalten, besaßen, anderseits die sämtlichen anderen Nationen, wo immer die hellenische Kultur hinkam, den Mythus als ein wundervolles Produkt aufnahmen und mit demselben zusammenzuhangen wünschten; den[28] Grad aber des Wunsches der Griechen, sich zu verbreiten, und des Entgegenkommens der anderen wird man nie mehr bestimmen können.

Nun ist aber überhaupt alles Lokale mythisch empfunden, und an den Rändern der Welt wird der Dichtung erst recht heimisch zumute. Schon an den Halbfabel- und Fabelvölkern: den Lapithen, Kentauren, Pygmäen usw. hat die heroisch-hellenische Menschheit eine aller Wirklichkeit Trotz bietende Bordüre; dann aber kommt das Hyperboreerland mit seiner uns von Sophokles so wunderbar geheimnisvoll geschilderten Gegend, es kommt die von Stesichoros besungene Fahrt des Helios, den der goldene Becher über den Okeanos trägt33, und wir blicken in eine große, mythische Welt, worauf Erde und Meteorisches in mächtigem, fabulosen Zusammenhange stehen. Jenseits des Okeanos wohnen die Gorgonen, am äußersten Gestade, bei der Nacht, wo die Stimmen der Hesperiden ertönen, und an den Enden der Erde, über diese Stimmen hinaus, steht Atlas und hält mit dem Haupt und den unermüdlichen Händen den Himmel34. Der Okeanos überhaupt umgibt die Erde samt dem Meere, in sich selbst zurückströmend (ἀψόῤῥοος)35; von ihm stammen alle Gewässer: Meere, Flüsse und Brunnen, und zwar erklärte man sich dies wohl durch ein unterirdisches Zuströmen; die Sonne geht in ihm auf und unter, und die Gestirne (wie auch die Götter) baden sich in ihm. Am Okean findet sich Glückliches wie Schreckliches: die Äthiopen, die Kimmerier, das Elysion, die Haine der Persephone und dann wieder, wie gesagt, die Gorgonen, und das Wasser der Styx ist ein Zehntelsabfluß von ihm. Zumal aber sind hier die Inseln der Seligen, auch sie, wie Pindar sagt, von den Lüften des Okeanos umweht36.

Die Räume von Dantes Jenseits kann man ausrechnen und abbilden, diese nicht. So besonders auch nicht den Tartaros der Theogonie (721 ff.). Neun Tage und neun Nächte würde ein eherner Amboß brauchen, um von der Erde dorthin zu fallen; er selbst ist von einer ehernen Umfriedung umgeben und um seinen Nacken ist die Nacht ausgegossen; über ihm (wohl wie ein Gewölbe zu denken) wachsen die Wurzeln der Erde und des Meeres, und in neblichter Nacht sitzen dort die Titanen gefangen. Auch sind dort die Quellen (also der Ursprung) und Enden der Ge, sowie des Tartaros selbst, des Pontos und des gestirnten Himmels; sie heißen[29] schrecklich, modrig, den Göttern selbst ein Greuel. Und dieser Raum, der ein gewaltiger Schlund ist, ist fortwährend von einem schrecklichen Sturme bewegt, der von allen Seiten kommt, und es steht daselbst das furchtbare Haus der Nacht; davor trägt wiederum Atlas das Himmelsgewölbe, da wo (offenbar an einem Tor des Tartaros) Nacht und Tag, schnell wandelnd, einander anreden, indem sie, die eine hin, der andere her, die große Schwelle überschreiten.


Hier nun noch ein Wort über den Ausbildungsgrad des griechischen Mythus und über die Vielartigkeit seiner Überlieferung. Die Griechen besaßen ihn: im weit vorzüglichsten epischen Gedichte der Welt, in einer großen Reihe zyklischer Epen, in einem sehr reichen Drama, im örtlichen, dramatisch gestalteten Kultus, in einer bildenden Kunst höchsten Ranges, endlich in sammelnden Schriftstellern, Scholien zu Dichtern usw. Dazu war keine systematisierende Theologie darüber gekommen, keine tendenziöse Umdeutung oder wenigstens keine, die etwas bewirkt hätte, keine absichtliche Einschränkung oder Verstümmelung.

Aber dunkel bleibt das Zustandekommen des Götter- und Heroenmythus sowie seine Ausbildung zu Sagenkreisen. Zwar sind die einzelnen Elemente und Grundzüge zum großen Teil auch bei anderen arischen Völkern nachzuweisen; aber erst die Zusammenhänge und Motivierungen, welche dem griechischen Mythus eigen sind, bewirken, daß er zu einem großen, geistigen Spiegelbilde der Nation wird. Diese aber werden doch am ehesten das Werk der Aöden gewesen sein; denn das Volk von sich aus hätte sich mit den einzelnen Anschauungen begnügt. Und daß sich bei den freiesten Varianten doch eine Art von Konsensus und eine Allverständlichkeit des Heroenmythus hat bilden können, wird am ehesten zu erklären sein aus dem Dasein einer Mythentradition in Sängerschulen und aus dem Herumwandern der Sänger37.

[30] Wenn wir nun die Frage nach Naturell und Handlungsweise des heroischen Menschen38 stellen, so ist ein Punkt, der uns sofort auffällt, der, daß schon damals das allgemeine Motto für das ganze spätere Griechentum gegeben ist:


»Immer der erste zu sein und vorzustreben den andern39


Dabei ist der Heros keineswegs ein Ideal der Menschheit. All sein Tun und seine Leidenschaft gehen bis an die äußersten Grenzen; seine Idealität liegt in seiner schönen und frischen Erscheinung; dagegen ist er nicht heimgesucht mit Edelmut, sogenannter Würde oder moralischer Vollkommenheit; er stellt die völlig ungebrochene und naive Selbstsucht der menschlichen Natur dar, so unbußfertig als möglich, aber groß und wohlwollend. Der Dichter darf seinen Reichtum auf das Gewaltige bauen. Es gibt bei Homer eine gewisse altfränkische Höflichkeit, aber keine erst aus der Geselligkeit entsprungene Heuchelei40, und auch die Tragiker haben sich danach gerichtet und nach Kräften eine naive Welt geschildert, ja, wie z.B. der Aias des Sophokles zeigt, nach dieser Seite noch gesteigert und vertieft.

An seiner idealen Erscheinung benehmen auch Missetaten dem heroischen Menschen nichts, so wenig als Zeus etwas dabei einbüßt, wenn er Agamemnon einen Lügentraum sendet. Es sind freilich sehr starke Stücke, wenn Herakles den Iphitos meuchlings vom Fels hinunterstürzt, oder Odysseus und Diomedes den Dolon, dem sie erst das Leben zugesichert haben, erbarmungslos hinmorden, oder Peleus und Telamon, die Söhne des Äakos, ihren Halbbruder Phokos einzig nur aus Neid töten, weil er sich bei den Wettkämpfen auszeichnete. Aber im ganzen geht das Furchtbarste nicht aus einem besonders hohen Grad von Bosheit oder Grausamkeit hervor; überhaupt hängt es nicht an größtmöglicher, persönlicher[31] Verschuldung, sondern an bestimmten Arten von Taten, welche einen Fluch (ἄγος) mit sich führen, ohne Zweifel, weil sie die Rache bestimmter Götter nach sich ziehen können, und dieser Fluch kann deshalb gesühnt werden, weil die Schuld gar nicht sehr groß und die Tat an sich eine Sache entschuldbarer Leidenschaft oder auch bloßes Unglück oder vielleicht gar gerecht und löblich war41. Man hat dafür die Zeremonie der Reinigung (Katharsis), meist durch einen Heros, die bei jeder Tötung erfolgen muß: Apoll bedarf ihrer nach der Tötung des Drachen Python; Theseus läßt sich, als er die Räuber und Verbrecher umgebracht (von denen Sinnis allerdings von seiten des Pittheus mit ihm verwandt ist) durch die Phytaliden am Altar des Zeus Meilichios reinigen, Koroibos sogar nach Erlegung des Gespenstes Poine42 in Delphi.

Und nun betrachten wir einmal den homerischen Achill, d.h. diejenige Gestalt, in der uns die eine Häuptseite des heroischen Charakters gerade so klar verkörpert ist, wie die andere es in Odysseus sein dürfte. Dieser Held wird uns in seinem Ringen nach Übermenschlichem, im Übermaß seiner Leidenschaft und in seinem unersättlichen Haß gegen die Griechen vorgeführt, deren Untergang mit alleiniger Ausnahme seiner selbst und des Patroklos er wünscht, und dann wieder in seinem tiefen Gram um den gefallenen Freund und bei der furchtbaren und höchst vollständigen Rache an Hektor, welche von Apoll und auch von Zeus43 schweren Tadel erfährt. Bei allem aber hat er eine erhabene Seele; er weiß, daß er zu kurzem Leben geboren (μινυνϑάδιος) ist, und wie bald sein Tod auf den des Hektor folgen muß, zeigt aber schon vor der Tat, im Gegensatz zu Hektors Wehmut, sublime Ruhe. Endlich folgt seine volle Herrlichkeit bei den Leichenspielen und bei der Zusammenkunft mit Priamos. Sein göttlicher Läuterungsprozeß, der durch einzelne Züge während des ganzen Gedichtes eingeleitet ist44, erhält hier seine Vollendung; aber noch in diesen letzten Reden, nachdem bereits volle Rührung zwischen ihm und Priamos eingetreten, warnt er diesen, auf den bloßen Ausdruck der Ungeduld hin, ihn nicht zu reizen, weil er ihn sonst noch zu töten fürchtet.

[32] Diese Urwildheit der Heroen erinnert an den serbischen Marko, der noch im Schlafe gefürchtet ist. Sie zeigt sich auch bei den Unterliegenden, wenn z.B. Priamos sich in seinem Schmerz mit vielem Schmutz bewirft und auf dem Boden wälzt und hernach in seinem Jammer die überlebenden Söhne aufs schwerste beschimpft (wodurch zugleich der ungeheure Abstand zwischen Hektor und den übrigen Priamiden und Troern versinnlicht wird), oder wenn gar Hekabe sich in Achills Leib einbeißen und seine Leber verschlingen möchte. Auch Herakles hat sein gutes Teil davon. Bei der Einnahme Troias z.B. holt er gegen Telamon, der zuerst durch die Bresche gedrungen, mit dem Schwert aus, weil er nicht will, daß ein anderer für gewaltiger als er gelte, und wird nur durch einen raschen Einfall des schnell gefaßten Bedrohten von einer leidenschaftlichen Tat abgehalten45.

Der eigentliche Wunsch des heroischen Menschen ist ewige Jugend und Göttergleichheit; ihn spricht z.B. Hektor während des Kampfes einmal aus46; daneben gibt es freilich auch einige von Amts wegen alte Heroen, so bei Homer Nestor und in der thebanischen Sage Teiresias, welche dann gerade ihres Alters wegen verehrt sind. – Was aber die Charaktere betrifft, so herrscht der stärkste Rassenglaube. Ganz abgesehen von der häufigen göttlichen Abstammung kommen die Frauen und ihre Eltern auch dem Sänger sehr in Betracht, trotzdem sich daneben etwa auch die bittere pessimistische Lehre geltend macht, daß die Söhne meist geringer werden als die Väter, und es ist im Sinne des Mythus gesprochen, wenn Isokrates47 den Paris auf Aphrodites Anerbieten hin die Erwägung tun läßt, alle übrigen Glücksgüter gingen rasch verloren, die edle Geburt aber verharre stets bei den Nämlichen, er sorge also mit Helenas Wahl für sein ganzes Geschlecht, während die Gaben der beiden anderen Göttinnen sich nur auf die Dauer seines Lebens erstrecken würden. Übrigens gilt die Überzeugung von dem »fortes creantur fortibus et bonis« auch noch für das folgende, agonale Zeitalter, und das Hereinbrechen der Mesalliancen ist z.B. dem Theognis (183 ff.) ein Anlaß des tiefsten Jammers48. Dementsprechend gilt der Charakter im ganzen als angeboren, inkorruptibel bei den Guten und inkorrigibel bei den Schlechten, und die Bildung durch Erzieher und Amme (παίδευσις) kommt nur[33] sekundär in Betracht, trotzdem auch auf sie jeweilenA11 ein hoher Wert für das Werden einer großen Persönlichkeit gelegt wird, und z.B. nicht nur Achill, sondern auch Iason als Zöglinge Cheirons gelten müssen49, welcher im Mythus das verklärte Bild des Lehrers darstellt.

Das Gewaltige des heroischen Menschen offenbart sich nun vor allem im Kampfe. Seine höchste Stufe ist es, wenn nicht nur Aias ohne die Götter groß sein will, sondern Diomedes bei der Verfolgung des Äneas selbst Apoll nicht scheut und erst, nachdem er das vierte Mal »einem Dämon gleich« angedrungen, zurückweicht, da ihm der Gott schrecklich zuruft: Besinne dich und weiche! Götter und Menschen sind zweierlei50. Überhaupt aber zeigt sich der Typus des Helden in den Schlachten, im Lager, in der belagerten Stadt in endloser Variation, mit wenigen Gegensätzen, wie Thersites. Wie dem echten, großen Chronikschreiber, z.B. einem Froissart, von dem man nie weiß, ob er auf seiten der Franzosen oder der Engländer steht, ist er dem Dichter als solcher lieb; daher zeigt dieser keine kenntliche Parteinahme, und am allerwenigsten um des Erfolges willen, der ja bei den Nosten den meisten Siegern übel vergällt wird51. Für diese epische Lust am Geschehen ist die Hauptsache, daß es recht heftig zugeht, und dafür hat der Dichter seine stationären Verse52, wie


»Laut erhallte daselbst Wehklag' und Frohlocken der Helden.

Morden und Sterben geschah, und es schwamm vom Blute der Boden.«


Am stärksten aber offenbart sich seine Objektivität am Schlusse des IV. Buches, wo Apollon die Troer und Athene die Achäer antreibt und mit der Supposition eines unbeteiligten Zuschauers, der das, was geht, nicht verachten würde, ein vortrefflicher Aktschluß gewonnen wird. Wenn aber Homer irgendwo den Achäern günstiger scheint als den Troern, so mag es höchstens etwa im III. Buch der Ilias (1 ff.), beim Aufmarsch, sein, wo die letztern mit Lärm und Geschrei, wie die Kraniche zum Streit mit den Pygmäen am Okeanos, die Achäer aber schweigend, mutatmend und entschlossen, einer dem andern beizustehen, ins Feld[34] rückenA1253. Für das Aufziehen der Heeresscharen hat Homer überhaupt prächtige Bilder54, und ebenso für das Vorgehen einzelner Heroen, für Diomedes z.B. das mächtige vom Löwen, der, vom Hirten nur gestreift, in das Schafgehege bricht55.

Groß ist sodann die technische Genauigkeit in der Beschreibung der Kämpfe, Hiebe, Waffen, Wunden. Berühmte einzelne Waffen werden im Mythus magisch, als res fatales aufgefaßt, so der in Philoktets Händen befindliche Bogen des Herakles. Mit besonderer Liebe ist (IV, 105) vom Bogen des Pandaros die Rede; der des Odysseus wird förmlich zum lebenden Wesen. Zu dieser Realistik gehört es z.B. auch, wie (VIII, 124 ff.) die Verlegenheit des Kämpfers gezeichnet wird, dem sein Wagenlenker getötet ist, und der nun selber die Zügel ergreifen muß.

Die List ist völlig erlaubt; selbst Arglist und zwar gegen Verbündete wie Philoktet, sobald sie dem HauptzweckA13 dient, ist in Odysseus verkörpert. Dieser hat sich in frühern Jahren auch Gift zum Bestreichen der Pfeile holen wollen, solches aber erst nachträglich bekommen, weil derjenige, an den er sich zuerst wandte, die Götter fürchtete. Also man hat bei der Sache zwar ein böses Gewissen, tut sie aber dennoch.

Ein Verhältnis zu ihrem Staat haben die Heroen, wenn wir von der spätern Politisierung eines Herakles und Theseus absehen, im ganzen noch nicht; ihre halbgöttliche Natur und ihre Herrschaft verstehen sich noch von selbst, und wenn man je von der Herrschaft vertrieben wird, so geschieht dies nicht durch das Volk, sondern durch andere Erben oder durch Feinde. Zwar erscheint schon in der Ilias die Lagergemeinde etwa einmal bedenklich56, und wenn auch noch ganz als Poesie, malt doch auch die Odysse den polirischen Zustand von Ithaka. Aber erst die Tragiker bringen mit besonderer Vorliebe politische Zustände ihrer Zeit in die Staaten der Vorzeit: Äschylos läßt in den Bittflehenden eine Volksversammlung stattfinden, und mehrfach klingt das Politische auch im Agamemnon durch, indem z.B. der König (849) in seinem Staat, wo nötig, baldigst mit wohltätigem Brennen oder Schneiden als Arzt eingreifen will, und Klytämnestra (883) vorgibt, den jungen Orest aus Fürsorge für den Fall zu Strophios entfernt zu haben, daß die lauttobende Anarchie[35] des Demos der Herrschaft besonnenen Rates ein Ende machte. Vollends Euripides politisiert, wo es ihm paßt; man denke nur an die vom Boten im Orest beschriebene Volksversammlung mit Voten und Abstimmung.

Die Götter haben es in der Gewalt, den Heroen Ruhm zu geben (κυδαίνειν), ja einen Glanz der Persönlichkeit zu verleihen, da auf einmal etwas Übernatürliches aus ihnen heraussieht, so daß z.B. Odysseus auf Augenblicke eine göttliche Figur werden kann57. Auch der Ruhm bei der Nachwelt aber erscheint bereits als Ziel der Helden. Hektor denkt an die in künftigen Zeiten durch den Hellespont Fahrenden, welche das Denkmal des von ihm zu Erlegenden sehen und dabei den Ruhm des Siegers am Leben erhalten werden; dem Griechen, der erfolgreich die Troer ausspähen würde, wird großer, himmelhoher Ruhm bei allen Menschen in Aussicht gestellt; vor einem Kampfe erwägt man, daß jedenfalls der Besiegte den Ruhm des Siegers vermehren werde58. Vollends, was Großes geschieht, ist von selber ein Sang den Künftigen.

Bei ihrem vollendeten Sichgehenlassen schimpfen sich die homerischen Helden, daß es ein Elend ist, es anzuhören. Nachdem Achill auf Athenes Zureden das Schwert in die Scheide gestoßen, läßt er seinen Worten gegen Agamemnon den freiesten Lauf; hier wird nicht das mindeste aus guter Lebensart heruntergeschluckt oder nobel gegeben, während man dem Gegner ans Leben möchte59. Auch im Hohne gegen einen Erlegten zeigt man nicht die mindeste Generosität; besonders schnöde ist der des Patroklos gegen den Wagenlenker des Hektor, der einen trefflichen Taucher abgäbe60. Aber wenn die Helden auch leicht sehr heftig aufbrennen, sind sie doch gutmütig und an sich nicht händelsüchtig und können nach dem Schelten gleich wieder freundlich miteinander sein. Der von Hektor als Feigling und auch wegen der Gaben Aphrodites verhöhnte Paris gibt zu, Hektor habe ihm kein Unrecht getan, meint aber, dieser sollteA14 ihm doch die göttlichen Geschenke nicht vorwerfen, denn sie seien nicht zu verachten, da die Götter selbst sie gespendet hätten, und aus eigenem Willen sie keiner gewinnen könnte61. Wenn dann gar[36] Paris, nachdem ihm Helena für seine Überwindung durch Menelaos das Bitterste gesagt, entgegnet, ein andermal werde er siegen, denn auf troischer Seite seien auch Götter, und übrigens wollten sie sich jetzt zur Ruhe begeben62, so hat man hierin eine bewußte Komik des Dichters zu sehen.

Diese Heroen weinen auch wie Kinder, nicht etwa bloß in großen Erkennungsszenen, wie der zwischen Odysseus und Telemach, wo dies sehr am Platze ist, sondern Achill weint aus Zorn, bis Thetis aus der Flut auftaucht und ihn streichelt und, als wäre er ein verzogenes Kind, fragt: »Kind, was weinst du? Welch ein Leid ist in dein Herz gekommen? Sage es heraus und birg es nicht in deinem Innern, damit wir beide es wissen.« Es liegt in dieser heroischen Zeit im Weinen, oder vielmehr im Sichausweinen noch eine Sättigung. So sättigt Penelope in der letzten Nacht vor der Entscheidung ihr Herz noch durch Weinen, ehe sie Artemis um den Tod bittet63. Aber wenn es zuviel ist, wird die Trauer auch wieder stillegestellt: Menelaos gedenkt der Umgekommenen in seinen Hallen oft, und bald besänftigtA15 er sein Herz mitA16 Wehklage, bald hört er damit auf; denn »schnell kommt die Sättigung an der schaurigen Klage«. Und nachdem er nebst Helena, Telemachos und Peisistratos um den verlorenen Odysseus geweint, wendet Peisistratos doch ein: es ist nicht erfreulich, nach dem Abendessen sich zu grämen; auch morgen wird dazu ja wieder ein Tag sein, und Menelaos geht darauf ein und sagt: Lassen wir das Weinen und gedenken wir wieder des Mahles64.

Zu den Naivitäten gehört auch, daß die Helden die Courage verlieren dürfen. Auf den Donner des Zeus hin nehmen die größten Reißaus, selbst Odysseus überhört Diomeds Ruf, dem gefährdeten Nestor zu helfen, und flieht wie die andern zu den hohlen Schiffen65 und Agamemnon rät zweimal66 zur Aufhebung der Belagerung und Flucht in die Heimat, worauf[37] ihn freilich das erste Mal Diomed, das andere Mal Odysseus scharf abkanzelt.

Naiv ist vor allem auch der unbefangeneA17 Ausdruck, den das Wünschen und Verlangen in der Heroenwelt findet. Odysseus bei den Phäaken67 bekennt sich zunächst trotz tiefer Betrübnis deutlich zu seinem Hunger, dem Unverschämtesten, was es gebe; dann aber, so verlangt er dringend, möge man ihn schon morgen in die Heimat senden, und nennt dabei nicht einmal Frau und Sohn als Gegenstände seiner Sehnsucht, sondern seine Habe, seine Knechte und sein hochgewölbtes Haus. Und später, nachdem er die Phäaken mit dem ersten Teil seiner Erzählung ins höchste Erstaunen gesetzt hat, benützt er den Augenblick, um gänzlich unbefangen von ihnen eine reiche Ausstattung mit Geschenken zu erbitten, indem es viel vorteilhafter sei, mit vollerer Hand heimzukehren68. Das Höchste und Lieblichste von Naivität aber stellt Nausikaa dar, welche den verwandelten Odysseus nicht bloß bewundertA18, sondern auch in aller Unschuld den Wunsch ausspricht, einen solchen Gemahl zu haben, und auch Alkinoos möchte gerne einen solchen Schwiegersohn haben, »einen, wie du bist, soA19 gleichgesinnt mit mir. Ich gäbe ihm Haus und Habe«69. Hier ist dasjenige Wünschen, das nicht in Erfüllung geht, noch nicht gegen das Gesetz der Poetik.

Davon, daß vom bevorstehenden Tode alter Leute offen gesprochen werden darf, ist in diesem Werke schon früher die Rede gewesen70; diese Freiheit hat – abgesehen davon, daß die Moira ja doch weder früher noch später kommt, als sie will – ihren Grund darin, daß noch keine optimistische Heuchelei die Taxation des Lebens beherrscht. Und auf der Abwesenheit der Heuchelei beruht teilweise auch das Selbstlob, welches damals mit dem edelsten Zartgefühle verträglich ist. Nicht nur darf ein Odysseus offen sagen, was er für ein Schütze sei, weit der beste unter denen, die jetzt auf der Welt Brot essen, ausgenommen Philoktet, »denn mit den frühern (Herakles, Eurytos usw.) begehre ich mich nicht zu[38] messen«71, sondern man braucht sich überhaupt noch nicht aus »Bescheidenheit« schlechter zu machen als der erste Beste.

Die Wahrheitsliebe wird gelegentlich72 sehr gerühmt, möchte aber in praxi nie eine speziell griechische Tugend gewesen sein. Dagegen möchten wir noch an die Reinheit, nicht sowohl der Sitte nach sogenannten Moralbegriffen, als der Darstellung erinnern. Nausikaa badet mit ihren Mädchen; es wird aber kein Wort davon gesagt, wie sie sich im Bade ausnahm73.


Trotzdem das Zeitalter durchaus kein goldenes ist, und trotz alles Vorherrschens des Bösen und des Unglücks ist nun über das heroische Dasein eine allgemeine Idealität gebreitet, und man wird ewig eine Nation beneiden, deren tägliches Phantasiebild des Vergangenen so aussah, wie diese Welt Homers. Es ist freilich eine »unnütze Welt«, in welcher, sehr bezeichnend, wenn wir von Bildern des Dichters absehen, der Bauer nirgends vorkommt, sondern nur als Aufseher des mobilen Reichtums, der Hirt, und etwa (bei Laertes) der Gartenknecht. Dafür aber haben auch schon die herrlichen Gestalten eines Eumäos und einer Eurykleia die höchste Idealität; denn es ist hier überhaupt alles adlig und vornehm; was Dienendes und Geringes auftritt, ist nur in Beziehung und Reflex auf die Heroen vorhanden und hat einen Abglanz von deren Dasein.74

Hierher gehört es, daß den damaligen Menschen durchgängig eine höhere physische Kraft zugeschrieben wird, als »die Sterblichen, welche jetzt sind«, besitzen, und daß die Nachwelt sie sich von riesenhafter Größe vorstellt75. Besonders aber möge man betrachten, wie im ganzen Homer durch die sogenannten epiheta ornantia Personen und auch Dinge, die den Hereon gehören, ausgezeichnet werden, indem nicht nur Könige mit einer Umschreibung der Weihe »die heilige Kraft des Alkinoos« usw. heißen, sondern der Schweinehirt als göttlich, die Diener als »hochgemut« (ὑπέρϑυμοι), selbst Pferde und Schafe als schönhaarig gewissermaßen gefeit sind. Auch diejenigen Individuen, welche gemißbilligt werden, ja auch die Bösen, sind in das allgemeine Goldlicht der großen Zeit[39] eingetaucht, gerade wie später die sogenannten bösen Charaktere in der Tragödie76. Zwar hat der Mythus sich einige Frevler, wie Salmoneus und Kapaneus, und einige Ruchlose, wie Sinnis, Prokrustes und besonders Nauplios vorbehalten, welcher als ein eigentümliches Gemisch von Wissen, Verkehrskunde, Bosheit und Rache denjenigen behilflich ist, die Töchter über Meer verkaufen wollen, und den Schiffbruch der von Troia heimfahrenden Helden durch falsche Feuersignale herbeiführt77; auch Thersites macht eine starke Ausnahme von der sonstigen Idealität. Aber die Freier der Penelope haben an der idealen Herrlichkeit ihren Teil; obschon sie alle aufgeopfert werden, sind sie doch den Göttern ähnlich (ϑεοειδεῖς)78; denn um Lumpe zu töten, dazu ist Odysseus nicht von seinen Irrfahrten heimgekehrt.

Und nun wohnt an Höfen, wie dem des Nestor und Menelaos in der Odyssee79, eine edle Wohligkeit. Es herrscht der Olbos80; wem aber diesen Kronion bei seiner Geburt und Ehe zugeteilt hat, wie er ihn dem Nestor für seine ganze Lebenszeit verlieh, der führt ein behagliches Alter in seinen Gemächern, und seine Söhne sind verständig und die besten Lanzenkämpfer81. Vom materiellen Wohlleben ist nicht selten die Rede: wir erfahren, daß für die Könige besser gekocht wird82, und immer mit denselben Worten wird der Hergang beim Opfer geschildert83. Aber mit Andacht wird allein von herrlichem Weine gesprochen, z.B. von dem für des Odysseus Rückkehr aufbewahrten und von jenem allerbesten zu Ismaros, welchen der einzig gerettete Apollspriester Maron ihm schenkte,[40] von dem erzählt wird, daß niemand von den Knechten und Mägden im Hause um ihn wußte, sondern nur Maron und seine Gattin und eine einzige Schaffnerin; und ein einziger Becher, unter das Zwanzigfache von Wasser gemischt, genügte, damit ein Duft aus dem Mischkrug aufstieg, so süß und göttlich, daß nichts davon zu bekommen ein Schmerz war84. Kommt dann aber gar zu den Genüssen des Mundes noch der Sänger, dem die Gäste, der Reihe nach sitzend, lauschen, so gilt dies als die lieblichste Erfüllung des Wunsches, die man sich denken kann85.

Eine Ausnahmsstellung nimmt nun noch das Phäakenleben ein, das sich um einen guten Grad höher und herrlicher darstellt, wenn auch sein Gesamtbild fühlbar fabelhafter ist als das der Höfe von Pylos und Lakedämon. Die Phäaken wohnen, den Göttern nahe und von ihnen geliebt, fern im Meere, am Rande der Welt, unbesucht von andern Sterblichen. Beständig herrscht bei ihnen Festlichkeit, Gesang und Tanz. Das Klima ihrer Insel erinnert an die Kanarien und Azoren: es weht darüber ohne Unterschied der Jahreszeit ein ewiger West, und während das eine blüht, reift das andere. An dem Palaste des Alkinoos ist alles von edelm Metall; goldene Hunde, »unsterblich und unalternd«, halten davor Wache, und Jünglinge von Gold (also belebte Statuen) stehen als Fackelträger darin. Alkinoos selbst hat in der Halle seinen Thronsessel, wo auch die Königin am Herde, von ihren Dienerinnen umgeben, Purpurwolle spinnt, und da sitzt er und trinkt er »einem Unsterblichen gleich«. Die Vornehmen, die ihn umgeben, sind »szepterhaltende Könige«; auch das VolkA20 hört auf ihn wie auf einen Gott; und auch die Königin Arete ist höher geehrt als irgendeine Gattin auf Erden und schlichtet selbst Streitigkeiten der Männer. Besonders gut ist an diesem Volke, das in einer Art von heiterm Dasein seine Zeit hinbringt, daß es auf seinen Schiffen, welche schnell sind wie ein Fittich oder ein Gedanke und ohne Steuer und Steuermann, von Nebel umhüllt, von selbst sicher dem richtigen Ziele zusteuern, den vom Sturme bedrängten Menschen Rettung bringt. Von jeher erscheinen aber auch Götter sichtbar unter den Phäaken, wenn sie Hekatomben darbringen, und setzen sich mit ihnen zusammen ans Mahl. Und wenn ihnen auch ein einsamer Wanderer begegnet, so verbergen sie sich nicht vor ihmA21, da die Phäaken ihnen nahe sind »wie die Kyklopen und die[41] wilden Stämme der Giganten«. Darin, daß sie mit den Göttern umgehen, als verstände sich dies von selbst86, und in ihrer märchenhaften Schiffahrt liegt ihre besondere göttlicheA22 Begnadigung; diese wonnige Existenz ist dann freilich durch Poseidon schwer bedroht87.

Auch sonst kommt an den Rändern der Welt ein erhöhter Grad des Glückes vor, so auf der Insel Syrie, wo nie Hunger und Krankheit herrscht, sondern die Leute, wenn sie alt sind, durch die Pfeile des Apoll und der Artemis fallen88. Um aber noch einmal auf die Phäaken zurückzukommen, so machen wir noch auf jenen Zug höchster Gastfreundschaft im Munde des Alkinoos aufmerksam, da er sagt, der Fremde und Schutzflehende sei dem fühlenden Menschen ein Bruder89. Auch für das, was zur zartesten Delikatesse an diesen Höfen gehört, daß man nämlich den edeln Gast bewirtet, bevor man ihn nach seinem Namen fragt, liefern die Phäaken das Hauptbeispiel: man beachte, wie die Nennung des Odysseus zwar gewünscht, aber verschoben und vom Dichter auf die höchste Spannung und Wirkung hin verspart wird90; »der Gast, ich weiß nicht, wer er ist«, sagt Alkinoos, ihn vorstellend, zu seinen Leuten.

Gegen das Banausische, wogegen Hesiod keinen Widerwillen hat91, wird von dieser heroischen Welt aus einstweilen gelegentlich protestiert, indem der Phäake Euryalos den kaufmännischen Seefahrer92, dessen Auge auf die Waren und den gierigen Gewinn gerichtet ist, geringschätzig dem in Wettkämpfen erfahrenen Manne gegenüberstellt, und ein stärkerer Gegensatz läßt sich allerdings nicht denken als der zwischen dem Banausen und derjenigen Denkweise, die es darauf ankommen läßt, ob man sterbend dem Feinde Siegesruhm verschafft oder siegend von ihm solchen gewinnt93. Dabei aber schadet es der Idealität der heroischen Menschen nichts, wenn sie alles können. Laertes gärtnert, Achill schneidet seinen Gästen das Fleisch vor, Odysseus baut sein Floß selber und rühmt sich[42] auch kleinererA23 Dinge; »An Kunst aufzuwarten«, sagt er zu Eumäos94, »wird sich nicht leicht ein anderer mit mir messen, das Brennholz wohl zu schichten und Scheiter zu spalten, zu zerlegen und zu braten und Wein zu schenken«. Daher benimmt auch der Königstochter ihre Ausfahrt zur Wäsche nichts von ihrem Adel; Nausikaa kann ruhig von ihrem Vater den Wagen verlangen mit der Begründung, daß sie seine und der fünf Brüder Gewänder waschen muß, deren dreiA24 noch unvermählt sind und zum Reigentanz beständig frische Kleider haben wollen.

Für alle »Erfindung« hatte der spätere Mythus den Palamedes95, der dann freilich auch gehörig unglücklich wird; je nach Gunst oder Ungunst sollte er Gutes und Böses aufgebracht haben. Neben ihm können wir der mythischen Künstler: eines Dädalos, Trophonios und Agamedes, der: Daktylen und Telchinen, sowie der großen Seefahrer gedenken: des Argosteuermanns Tiphys, welcher das Steuer erfunden hatte, des weitsichtigen Lynkeus, der die Felsen unter dem Wasser sah und zuerst ferne Küsten begrüßte96, des Phereklos, der dem Paris seine Schiffe baute97. Natürlich waren die zwei großen Hauptverbildlichungen aller Seefahrt Odysseus und die Argonauten. Die aber, welche daheim blieben, trauten den Seefahrern alles zu, und die, welche selber draußen gewesen waren, schufen, heimgekehrt, an der Fabelgeographie weiter. Es mögen die wundervollsten Lügner sein, welche die Erde getragen hat; die Reiselügner der Diadochenzeit sind daneben lauter Prosa.

Zur Idealität der Heroen gehört schließlich noch eine lustige komische Bordüre. Wir denken hier an das ganze Satyrtreiben und dann besonders auch an Gestalten wie den großen Dieb Autolykos, den Großvater des Odysseus, dem, als er am Parnaß wohnte, der Einbruch in die Nachbarhäuser zur Last gelegt wurde, und der den ihm gewachsenen Sisyphos zum Geschäftskompagnon machte98, oder an das weit und breit Unfug stiftendeA25 Brüderpaar der Kerkopen, das bei Herakles an den Unrechten gekommen war, aber, die Köpfe nach unten an einem Tragebalken aufgehängt, in peinlichster Situation über eine heitere Beobachtung dergestalt lachen mußte, daß Herakles mitgerissen wurde und es laufen ließ.

Merkwürdig ist, daß bei aller naiven und oft höchst verbrecherischen Begehrlichkeit gar keine Sagen von Schätzen im allgemeinen vorkommen,[43] welche in Grüften oder Bergwerken usw. liegen sollten (abgesehen etwa von dem, was man von einer vermeintlichen Krypta in Delphi fabelte). Die Sage redet immer nur von einzelnen kostbaren und zugleich magisch belebten Gegenständen, die zum Teil von Hephästos geschaffen, also von göttlicher Fasson sind, wie dem goldenen Vlies, dem Halsband der Harmonia, dem Szepter des Zeus usw.99. An diese Dinge und nicht an Schätze ins Unbestimmte hineinhängt sich das Gelüste. Und dies, während man vom Treiben der Phönizier her recht wohl wußte, was Bergbau sei, und während man in Wirklichkeit in Mykenä, Orchomenos usw. die erstaunlichen Bauwerke besaß und kannte, welche für Thesauren galten. Man möge dem den Norden gegenüber halten, dessen ganze Phantasie von Horten, hohlen Bergen usw. erfüllt ist100.


Außer den Heroen kommen nun auch die Vertreter der Stände, die Spezialmenschen vor. Diese machen in der idealen Welt gewissermaßen eine Ausnahme und Lücke, sind aber schon für die Bewegung des Mythus unentbehrlich. Hier könnte nun z.B. vom Arzte gesprochen werden; aber der homerische Machaon ist kein gewöhnlicher Oberfeldarzt, sondern ein Fürst und Herrscher und nur durch die Heilkunde noch besonders ausgezeichnet. Für den Erzieher verweisen wir auf das oben von Cheiron Gesagte101 und für den Mantis auf unsere Ausführung im vierten Abschnitte102; dagegen möge nun vor allem vom Sänger die Rede sein. Dieser sorgt bei Homer reichlich dafür, daß man ihn nicht vergesse. Seine Kunst steht so hoch in Ehren, daß Achill selbst Sänger ist103 ja die ganze heroische Welt und ihr Mythus ist eigentlich nur um des Sängers willen vorhanden; als Alkinoos beim Gesange des Demodokos von der Einnahme Ilions die Tränen des Odysseus bemerkt hat, fragt er nach dem[44] Grunde dieser Rührung und bemerkt dazu, dieses Schicksal hätten die Götter bereitet und das Verderben verhängt, damit auch die Künftigen daran einen Stoff zum Singen hätten104. Ferner ist der Sänger der tugendhafte und zuverlässige Mensch κατ᾽ ἐξοχήν. Agamemnon hatte bei der Abfahrt nach Troia einen solchen bestellt, um die Gattin zu schützen und zu bewachen. Diesen schleppte Ägisth nach einer öden Insel, tötete ihn dort und ließ ihn den Vögeln zur Beute. Klytämnestra aber sank erst in die Hände des Verführers, als sie von dieser höhern ethischen Macht verlassen war105. Im achten Buche der Odyssee tritt denn auch Demodokos, nachdem er erst (61 ff.) herrlich introduziert worden ist, nicht weniger als dreimal auf, und zwar mit dem Gesang vom Hader des Odysseus und Achill, dem von Ares und Aphrodite und dem erwähnten vom troianischen Pferd. Ihn hat den Gang der Erzählung (die οἶμαι) die Muse selbst gelehrt (480 f.), und die Inspiration kommt ihm (499) von einer Gottheit. Auf Ithaka aber wehrt sich Telemachos laut für den Sänger Phemios, da die Mutter es ihm verbieten will, die Rückfahrten der Helden zu besingen. Zeus gibt ja den erfindsamen Sängern ihr Lied einA26, dem Sänger aber soll man nicht grollen, wenn er gerade dieses Lied singt, denn den neuesten Stoff lieben die Menschen am meisten106. In diesem Zeitalter ergötzt noch der Sänger als Mythenerzähler das vornehme Gelage, während im folgenden das vornehme Symposion die Elegie schafft.

Nun darf der Gesang sich auch selber recht laut rühmen. Eumäos vergleicht (XVII, 518 ff.) die Erzählung des Odysseus, der ihm seit drei Tagen vorgeplaudert, mit dem Zauber eines Aöden, der von den Göttern liebliche Worte gelernt hat, und den man, wenn er singt, unaufhörlich zu hören wünscht, und auch Alkinoos erklärt (XI, 368), derselbe mache seine Sache im Erzählen so gut wie ein Sänger. Im Grunde ist jede Begeisterung, welche die Reden des Helden erwecken, so viel als ein Lob des Dichters auf sich selbst; so, wenn er z.B. die Zuhörer verstummen und im Banne eines Zaubers verharren läßt in den schattigen Gemächern. Ganz herrlich darf dann aber am Ende (XXII, 344 ff.) Phemios, indem er zu Odysseus um sein Leben fleht, über die Würde des Sängertums reden: »Dir selber wird es ein Schmerz sein, wenn du den Sänger getötet hast, der ich den Göttern und den Menschen singe. Nicht durch andere bin ich gebildet,[45] sondern ein Gott hat mir Gesänge aller Art eingepflanzt, und mich dünkt, ich singe vor dir noch wie vor einem Gott.« Daß aber der Sänger nicht bloß bei freudigen, sondern auch bei schmerzlichen Anlässen zur Stelle ist, lehrt sein Auftreten bei Hektors Leiche im Palaste des Priamos107, und auch in seiner Verherrlichung bei Hesiod108 wird ausgeführt, welchen Trost er dem Bekümmerten bringt.

Mit dem Namen Heros wird, selbst wenn er Diener eines einzelnen ist, auch der Herold geehrt, z.B. Mulios, der dulichische Herold, welcher den Freiern den Wein mischt und verteilt und ein Diener des Amphinomos heißt109. Aber Sänger und Herold an diesen Höfen mochten einander ziemlich genau kennen und stellenweise beideA27 auch als Spaßmacher fungieren. Beim Freiermord, wo auf Telemachs Fürwort außer dem Sänger auch dem Herold Medon das Leben geschenkt wird110, legt Homer mit einer gewissen Schadenfreude einen kenntlichen komischen Akzent auf den letztern; derselbe kriecht unter dem Stuhl aus einer Rindshaut hervor, umfaßt Telemachs Knie und wird von dem »lächelnden« Odysseus begnadigt. Der Dichter will deutlich feststellen, daß zwischen Sängern und bloßen Herolden doch noch ein Unterschied sei111. Übrigens genießt der Herold – wie, beiläufig gesagt, auch der Mantis und der Wagenlenker112, – auch bei der Nachwelt heroische Ehren; von Talthybios zeigte man zwei Gräber113, zu Sparta und auf der Agora zu Aigion in Achaia; an beiden Orten brachte man ihm Totenopfer114, und sein Zorn regte sich sowohl gegen Sparta als gegen Athen, als man die Dareiosherolde tötete, welche Erde und Wasser verlangten.

Während der Mantis, der Arzt, der Bauhandwerker und der Aöde gerufen werden, erscheint der Bettler ungerufen115. Er ist offenbar ebenfalls eine konstante Figur der heroischen Zeit, sonst könnten nicht die Gegensätze des schlechten und bösen und des guten Bettlers in Iros und Odysseus so vollkommen wahr und selbstverständlich gegeben sein. Mit dem guten hat der Dichter wahrscheinlich daher Sympathie, weil sein eigener Stand oft an den des Bettlers grenzte. So malt er denn den[46] Odysseus in dieser Maske mit großer Vorliebe und höchst vortrefflich. Man beachte z.B., mit welchen Worten er (XVII, 281 ff.) seine Resignation gegenüber bevorstehender Mißhandlung ausspricht, wie er das Essen in Empfang nimmt (352 ff.), wie er den Grundsatz ausspricht, ein Bettler dürfe nicht verschämt sein (578), und wie er, nachdem ihn Antinoos »wegen seines Hungers« mit dem Schemel geworfen, einen Bettlerfluch bereit hat, der jenen treffen möge, wenn es irgendwo auch zum Schutze der Bettler Erinyen gebe (470 ff.). Höchst wirklichkeitsgemäß sind dagegen auch die Schimpfereien des Melanthios über das Bettlertum (217 ff.) und ebenso die Drohungen, die am Anfang des achtzehnten Buches zwischen beiden Bettlern fallen, und die zu einem Raufhandel führen würden, wenn nicht durch Vermittlung der Freier das einzige Bettlern ziemende Duell, der Faustkampf, zustande käme, der mit jener furchtbaren Schlußlehre an Iros endet (105 ff.). – Freundlich werden diese Leute von Nausikaa behandelt, welche (VI, 207 ff.) den Satz ausspricht, daß die Fremdlinge und Bettler von Zeus gesandt sind, und daß auch eine kleine Gabe ihnen lieb ist, und eine freundliche Gesinnung für sie spricht auch das schöne, Eiresione genannte Lied aus116, worin ein Bettler eine Verlobung benützt, um etwas für sich zu ergattern. Hesiod dagegen hat mit ihnen schon lange nicht so viele Sympathie; er konstatiert unter ihnen den gleichen gegenseitigen Neid wie bei den andern Ständen117.

Wunderbar stellen sich die mythischen Frauen: Nausikaa, Penelope und in zweiter Linie eine Arete, Antikleia und Eurykleia bei Homer dar, viel edler als seine Göttinnen. Wie sind den spätern Griechen solche Gestalten, außer wo sie, wie Antigone und die aulische Iphigenie, als Geschenk des Mythus zu betrachten sind, so ganz abhanden gekommen! Nausikaa, wie sie uns im VI. Buche der Odyssee entgegentritt, ist das Höchste, was man sich an Anmut und freier Naivität denken kann, von einer unsagbaren Lieblichkeit. Homer selbst weiß offenbar gar nicht, wie schön sie auf den Hörer wirkt, indem sie furchtlos den verwandelten Odysseus bewundert und einen solchen Gemahl zu bekommen wünscht (239 ff.) und ihn dann schließlich belehrt, auf welche Weise er es anzustellen habe, damit kein Gerede entstehe, und er ihre Mutter Arete für sich gewinne (255 ff.)118. Und neben ihr steht nun diese Mutter, an Würde[47] und Bedeutung ihrem Gatten Alkinoos gleich, so daß der Bittflehende sich zuerst an sie wenden muß, eine Königin, welche schlichtet und richtet. Die Vereinigung von Anmut und Beständigkeit ist dann das Höchste in Penelope. Gleichwohl werden ihr vom Dichter einige herbe Worte des Sohnes nicht erspart. Gleich anfangs (I, 356 ff.) nimmt derselbe sehr nachdrücklich das Vorrecht der Rede für die Männer und insbesondere für sich, den Herrn des Hauses, in Anspruch. Sie staunt, beherzigt und geht; droben aber weint sie, bis Athene sie in Schlummer versenkt. Und dasselbe wiederholt sich (XXI, 344 ff.), als sie gebietet, Odysseus zum Schusse kommen zu lassen; auch über den Bogen will Telemach allein entscheiden und schickt sie mit den nämlichen Worten ins Obergemach zu den Mägden, und auch jetzt gehorcht sie staunendA28 und weint droben wieder. – Neben den übrigen Frauen findet sich dann die herrlich wehmütige Schattengestalt der Mutter des Odysseus, Antikleia, und endlich das Urbild der treuen Dienerin, die ehrwürdige Eurykleia119.

In einem eigentümlichen Glanze, ganz exzeptionell, steht die homerische Helena da, wesentlich willenlos, dabei aber von höchster Anmut. Sie ist eigentlich das unschuldige Opfer Aphrodites, und ihre Liebe zu Paris eine von dieser gesandte Ate. Weil sie sich rein objektiv ihrem Schicksal hingegeben fühlte, ist sie imstande, in ihr Gewebe die Schlachten hineinzuwirken, welche Troer und Achäer um sie kämpften120. Der Göttin macht sie furchtbare Vorwürfe121, indem sie sich von derselben mißbraucht findet, als Mittel, ihrem Günstling zu Gefallen zu sein, worauf diese sie freilich gleich zur Versöhnung in den Palast des Paris führen darf. Beim Besuch Telemachs in Lakedämon122 führt sie sich, von Schönheit strahlend, gleich ganz anders ein als Penelope, und ihre Klage über das, was um sie geschehen, »als ihr Achäer wegen meiner, der Schamlosen, vor Troia kamet«, hat vor lauter Unbefangenheit beinahe etwas Freches; auch scheut sie sich nicht, Telemach und Menelaos das Komische aus der Belagerungszeit zu erzählen; aber daneben hat sie auch ein[48] gramstillendes Heilmittel, und zuletzt123 kommt gar der Geist der Weissagung über sie. Man merkt es in der Odyssee noch durch, daß sie eine ehemalige Göttin ist, während Penelope und Nausikaa dies nicht sind124.

Die Chryseis und Briseis der Ilias sind nur Sachen; immerhin ist zu beachten, daß Agamemnon bei der Rückgabe der Briseis schwören muß, sie nicht berührt zu haben125. In der Revue der mythischen Frauen in der Unterwelt, welche die Odyssee (XI, 225 ff.) gibt, kommt neben meist glänzenden Göttergemahlinnen und berühmten Schönheiten nur eine sehr unglückliche, nämlich Epikaste (Iokaste), sodann mit bloßer Nennung des Namens u.a. Phädra vor; mit ausdrücklichem Abscheu wird nur Eriphyle genannt. Das Furchtbare im Weib zu entwickeln und zu motivieren, blieb der Tragödie vorbehalten, welche die herzlose Zauberin Medea und den Phädratypus ausgestaltet hat126, erzählt aber hatte es schon der Mythus, und den eigentlichen Scheidebrief, den Bruch mit der ältern Anschauung findet man im gleichen Unterweltsbuch der Odyssee (XI, 433 f.) in Agamemnons Wort, daß Klytämnestra Schmach auch auf die künftigen Frauen gebracht habe, und wenn eine sich auch auf schöne Frauenarbeiten verstehe, und ferner in dessen allgemeiner Warnung, nie das völlige Vertrauen wegzugeben, wenn schon Penelope anders und besser sei, sowie in dem Rat, Odysseus möge immerhin auf Ithaka heimlich anlanden, da man den Frauen nicht mehr trauen könne; und in der Tat prüft dieser dann die Gattin sehr. Auch das theoretische Gutachten (XV, 20 ff.), das Athene selber gibt, ist tief unter dem wirklichen Verhalten der Penelope; sie predigt dem Telemach die derbsten Durchschnittsansichten, wonach die Frauen wandelbar sind, dem, der ihnen[49] beiwohnt, sklavisch nachlaufen, die Kinder der frühern Ehe vergessen usw., als etwas Selbstverständliches127.

Was bei den Griechen fehlt, ist einerseits eine Semiramis, d.h. eine große Göttin-Königin, in welcher etwa Aphrodite gelebt hätte, wie in Semiramis Mylitta-Astarte; denn bei Helena reicht es dazu nicht. Vielleicht hätten sie eine solche Gestalt, wenn sie einen Einheitsstaat gehabt hätten. Andererseits fehltA29 auch das rettende nationale Heldenweib, eine Mirjam, Jael, Debora, Judith, Esther128; ja es fehlt trotz Medea, Klytämnestra, Eriphyle usw. die schreckliche Herrscherin: eine JesabelA30 und Athalia, und zwar darum, weil auch der Mann als Heros, nicht als Herrscher auftritt. Dafür haben die Griechen die viragines Atalante und Hippodameia, und es wird bei ihnen der Amazonencharakter und bald auch der der Verräterin, der Tarpeiacharakter ausgebildet.

Schließlich hatte die spätere Zeit auch beim mythischen Tiere (selbst von den Monstris abgesehen) den Eindruck einer besondern Kraft. Pausanias sagt bei Anlaß des kretischen Stieres: »Vorzeiten waren die Tiere den Menschen furchtbarer, wie der nemeische Löwe und der parnassische und der kalydonische und der erymanthische Eber und das krommyonische Schwein, wie denn auch gesagt wurde, die einen habe die Erde emporgesandt, die andern seien Göttern heilig gewesen, wieder andere seien zur Strafe gegen die Menschen losgelassen worden129

[50] Das Gesamtbild der heroischen Welt aber war ein so glänzendes, daß man sich vorbehalten konnte, wenigstens ein Teil der Heroen, namentlich der vor Ilion gewesenen, sei überhaupt nicht gestorben, sondern habe von Zeus an den Rändern der Welt, auf den Inseln der Seligen Wohnsitze erhalten. Dies ist die Anschauung, die sich in den Werken und Tagen (166 ff.) ausspricht; auf die Heroen folgt daselbst aber alsbald das fünfte Geschlecht und mit diesem die heftigste Prinziperklärung des griechischen Pessimismus, so daß die heroischen Vorgänger schon dadurch trotz aller auch bei ihnen geschehenen Gewalttat und allen Jammers in eine Goldwolke zurücktreten. Für uns sind diese Gestalten, trotzdem sie mythisch sind, im höchsten Sinne historisch; sie zeigen uns Metastasen der hellenischen Gefühlsweise, die wir sonst nicht kennen würden.


Vom heroischen ist der homerische Mensch in dem SinnA31 zu trennen, als sich die Kultur desjenigen Zeitalters, in welchem die beiden Gedichte entstanden, in denselben noch besonders verrät130; wiederholt stellt ja Homer seine Zeitgenossen (οἷοι νῦν βροτοί εἰσιν) den Heroen gegenüber, und zwar als das Geringere. – Bezeichnend aber für seine ZeitA32 ist nun vor allem das Dasein von Ilias und Odyssee selbst; auch der Sänger, wie wir ihn kennengelernt haben131, wird im Grunde der Zeitgenosse des Dichters sein. – Ferner muß die Art des Kämpfens notwendig zu dessen Zeit so gewesen sein, wie er sie schildert; sonst wäre jene größte Genauigkeit in der Beschreibung des Griechenlagers und in der Art, wie das Zielen, Treffen und Verfehlen dargestellt und wie die Waffen und die Wunden angegeben werden, nicht zu erklären. Bereits liegt hier auf dem bloßen Bogenschießen gegenüber vom Lanzenwurf eine geringere Achtung; der verwundete Diomed schmäht den Paris als Schützen132; das Treffen mit einem Pfeil gilt nicht als offener Kampf von Mann gegen Mann (ἀντίβιον). Auch die Waffen der Schutzbedeckung sind sicher der Zeit des Dichters gemäß; aus zwei gewiß in der ältesten Sage unsichtbar machenden Helmen, welche Diomed und Odysseus bei ihrer auch[51] sonst höchst charakteristischen nächtlichen Späherfahrt tragen, sind133 z.B. feste, aus den Kopfhäuten eines Stiers und eines Ebers verfertigte Helmkappen geworden. Vor allem aber findet sich ja der das agonale Zeitalter kennzeichnende Agon schon bei den Leichenspielen des Patroklos, und Hesiod machte bereits persönlich einen musischen Agon in Chalkis mit und gewann daselbst einen Dreifuß.

In eine andere als die mythische Welt werden wir ferner mit Absicht durch die Bilder der Ilias versetzt134. Hier werden uns Jagden und andere Szenen aus dem Tierleben, Phänomene des Wetters und des Meeres, bäurische Tätigkeiten, auch etwa Erscheinungen aus dem Pflanzenleben, nur hingegenA33 nirgends städtische Beschäftigungen vor Augen geführt, und die Hörenden und Sehenden sind Hirten und Landleute. Wundervoll lebendig ist z.B. dargestellt (X, 183 ff.), wie im Gehöfte die Hunde unruhig werden, wenn fern ein mächtiges Tier, dem bereits Hunde und Jäger folgen, durch den Wald bricht, und höchst realistisch läßt der Dichter den Löwen in die Herde fallen (X, 485 f. und besonders XI, 172 ff.). Groß und prächtig ist auch (XI, 474 ff.) das Bild von den Schakalen, die den vom Jäger verwundeten Hirsch zerreißen, aber vom Löwen gestört werden. Als Bild aus dem bäurischen Leben bietet sich (X, 351 ff.) das Ackerfahren mit Maultieren, welche es besser als Stiere machen, ferner (XI, 67 ff.) die von zwei Seiten gegeneinander rückenden Schnitter, der hungrige Holzfäller im Walde (ebd. 86 ff.), die beiden über ihre Ackergrenze streitenden Landleute (XII, 421 ff.), der Wolle tragende Hirt (ebd. 451 f.); nur die um Lohn Wolle spinnende und ihr Gewicht wägende Frau (ebd. 433 ff.) gehört vielleicht in die Stadt135. Einmal (XVIII, 207 ff.)[52] wird auch aus dem Kriegsleben ein Bild genommen, indem das Feuer, das vom Haupte des zur Rache stürmenden Achill strahlt, mit den Notfeuersignalen einer belagerten Inselstadt verglichen wird.

Die allgemeine Vorstellung von diesem nachmythischen Leben ergänzen im Epos als früheste Genrebilder am ausführlichsten die Darstellungen der beiden Schilde, der im achtzehnten Buch der Ilias (478-608) beschriebene und der Heraklesschild der nachhesiodischen Dichtung136; letztere kommt, obschon angenommen wird, daß sie kaum lange vor 600 v. Chr. entstanden sei137, für uns deshalb in Betracht, weil sie noch den Gesichtskreis der alten Zeit innehält. Zunächst also das Wunderwerk des Achilleusschildes. In seiner Mitte findet sich die Erde, das Meer und die Gestirne, dann ringsum, konzentrisch in Streifen zu denken: die glückliche Stadt mit Hochzeitszügen und mit dem Rechtshandel auf der Agora138; sodann die belagerte Stadt, der Hinterhalt draußen, die Schlacht, die sich beim Überfall der Herden entspinnt, die Kriegsgötter und Keren, die sich ihre Beute holen; weiterhin das Ackerfeld, das Feld mit den Schnittern, der Weinberg mit Weinlese, Gesang und Tanz, die von Löwen angefallene Rinderherde und die in der Talschlucht weidenden Schafe, endlich der herrlich gestaltete doppelte Tanzreigen und die Gaukler. Und dieses ganze Weltbild, in welchem die wohltuenden Züge des Volkslebens ihre Vollendung gefunden haben, umströmt der Okeanos.

Bei Hesiod139 stellt sich die Kunstüblichkeit der Technik sowohl in der Einleitung als bei einzelnen Bildern viel deutlicher dar, und als ein besonderes Wunderwerk kommt der getrennt vom Bilde schwebende Perseus hinzu140. Um das Zentrum mit der Darstellung eines fürchterlichen Drachen legen sich auf den Streifen erst Kampfszenen ohne bestimmten Inhalt, darauf zwölf Schlangenköpfe, Kämpfe von Ebern und Löwen, ein Lapithen- und Kentaurenkampf mit Ares und Athene, die Götter mit[53] dem spielenden Apoll und den singenden Musen, ein Seehafen mit Delphinen und einem Fischer141 und jener von den Gorgonen verfolgte Perseus; sodann offenbar aus Homer die belagerte Stadt, die aber sehr viel heftiger belebt ist, wie auch die Keren viel mehr ausgemalt sind als dort142, weiter die glückliche Stadt mit Brautzug, Tanz, Gesang, Gelage und dem Treiben der Bürger vor den Mauern; wobei dem Leser Rossetummeln, Ackern, Ernten, Weinlese (diese wieder umständlicher als bei Homer), Faust- und Ringkampf, Hasenjagd und als Beweis der relativ späten Abfassung in ziemlich breiter Ausführung ein Wagenrennen mit einem Dreifuß als Preis vor Augen geführt wird. Hier spricht das agonale Zeitalter schon ganz deutlich zu uns.

Was bei diesen Schilderungen gänzlich fehlt, ist das Gewerbe. Dafür hat der Ackerbau und das Landleben – bei HomerA34 – edle und heitere Züge und trägt auch den Charakter der Wohligkeit: die Hirten blasen auf der Syrinx; den Ackernden reicht jedesmal am Ende der Furche ein Mann Wein; bei den Schnittern sieht der König mit seinem Herrscherstabe still und herzerfreut zu, während unter der Eiche schon Herolde den Stier zum Mahle opfern; vollends Weinlese und Reigen sind von der größten Schönheit, während bei Hesiod die erstere viel kälter gegeben, der letztere mit wenigen Worten (280 ff.) angedeutet ist. – Solche genreartige Darstellungen seines Lebens hat nicht jedes Volk so schön hinterlassen. Freilich gibt es Ägyptisches dieser Art in den Gräbern von Beni-Hassan. Auch hier wird auf den Gütern der Personen königlichen Geblüts, welche dort bestattet sind, gesäet und gepflügt, aber alles präzis und ganz, als ob es so sein müßte. Bei Homer ist alles, als ob man es so wollte; an der Stelle der Genauigkeit finden wir bei den Hellenen Freude und Freiheit.

So sind diese Schilde einfache, typische Zusammenfassungen eines noch immer idealen Daseins, kunstgewordene Träume des damaligen Menschen.


Eine andere Existenz als die des homerischen Menschen ergeben, ganz abgesehen von der düstern Einleitung, schon die Lehren der hesiodischen Werke und Tage143. Daß ein Volk vorhanden war, welches für diese Gnomik empfänglich war und die Tradition in poetischer Form[54] übernahm, erscheint sehr eigentümlich. Man möchte die Frage aufwerfen, wieweit die dorische Wanderung samt Folgen das Dasein gewalttätiger und düsterer gemacht habe, und jedenfalls erfolgte ja die scharfe Ausbildung der Polis erst nach derselben; aber Homer, der von solcher Verdüsterung gänzlich unberührt erscheint, lebte ja auch später. Sicher aber vernehmen wir hier von dem Dichter, dessen Vater einst aus dem äolischen Kyme, »nicht vor dem Reichtum, sondern vor der übeln Armut« nach dem elenden Dorfe Askra am Helikon mit seinem schlechten Klima geflüchtet war (637 ff.), eine uralte Stimme aus der Zeit, da die Arbeit zwar schon als Plage galt, aber noch nicht Banausie hieß, sondern als das einzige Heil in Ehren stand, und da neben dem unfreien Demos der kräftige freie Ackerknecht (441 ff.), der Taglöhner und die Lohnmagd (602 f.) noch ihre Stelle hatten. Neben den Heroen und ihren Nachkommen zeigt sich uns hier ein Geschlecht von Landbauern, welches nur nach gerechten Richtern seufzt und das Recht auf alle Weise mythisch und direkt verherrlicht144, dies freilich, wie zu vermuten, weil anderseits die dem großen besitzenden Stande angehörigen Richter der aristokratischen Zeit (die δωροφάγοι βασιλῆες) das Recht beugten, und die griechische Schikane wieder um soviel mehr angewachsen war. Der Besitz ist allerdings in Hesiods Welt schon die Hauptsache145. Aber nur der ehrliche Erwerb wird gepriesen, und zwar sehr laut (298 ff.). Gute Nachbarn sind von der höchsten Bedeutung, ja wichtiger als Verwandte (342 ff.). Diesen letztern ist nicht unbedingt zu trauen; selbst beim Kontrakt mit einem Bruder soll man, wie zum Scherz, einen Zeugen beiziehen (371)146. Die Familien sollen nicht groß sein; es wird dem Landmann jene Ein- und Zweikinderpoli tik empfohlen, die aufs beste umzudeuten Plutarch später das Bedürfnis empfand147. Vor der Seefahrt wird hier schon lange vor Plato gewarnt; es gehört noch zum Glück der Bürger einer rechtliebenden Stadt, daß sie nicht »auf Schiffen schwimmen« (236 f.); doch gibt der Dichter bei Gelegenheit der an die Jahreszeiten geknüpften Haus- und Bauernregeln gleichwohl alle mögliche Belehrung darüber. Als die Rendezvous des Dorfes oder eines OrtesA35 wie Askra, das nicht etwa als Polis figuriert,[55] erscheinen die Herberge (Lesche) und der Dorfschmied; der Fleißige wird (493 ff.) eindringlich ermahnt, sich daselbst nicht zum Müßiggange verführen zu lassen. Gegen das Ende hin folgen allgemeine Lebens- und Sittenregeln und populärer Aberglaube nebst einer Übersicht der Monatstage zum Behuf der Tagewahl für Tun und Lassen. Diese ganze Gnomik ist durchaus bürgerlich und ländlich; daß ein solches Bild des Daseins und der Pflichten am Leben erhalten wurde, spricht, wie früher gesagt148, sehr für die böotischen Landleute. Zierliche Einzelbilder sind z.B. die Schilderung des während harter Winterkälte wohlgehüteten Mädchens (519 ff.) und die des Gelages nach der Ernte (528 ff.).


Nun kommt noch ganz spät, geschmückt mit allen Gaben hoher mythischer Anschauung, der Spätling unter den heroischen Menschen, der Messenier Aristomenes149. Eine wesentlich odysseische Natur,. hat er nicht bloß zu kämpfen, sondern hauptsächlich auch mit seiner Haupteigenschaft, daß er auf die Dauer nicht gefangen zu halten ist und gerettet wird, wo jeder verloren wäre, die Spartaner zu ärgern150. Dabei ist er die symbolische Gestalt eines bereits hoffnungslos kämpfenden, aber nicht zur Knechtschaft, sondern zur Auswanderung bestimmten Volkes, eine Phantasiefigur, die offenbar nicht bloß bei den Ausgewanderten fortlebte, sondern zum Verdruß der Spartaner im Volksmunde der unterworfenen, helotisierten Messenier. Obwohl Äpytide und vielleicht von göttlicher Erzeugung, ist er nicht König, sondern lehnt vielmehr die Königswürde ab, durch die er als Nationalheld, der alles repräsentieren muß, nur geniert wäre; auch er erinnert mit diesem Zuge an Marko und den Cid. Dafür ist er in jedem Kampfe der erste, indem er, von etwa achtzig Auserlesenen begleitet, mit den Stößen rasch wechselt und bald diese, bald jene spartanische Schar vernichtet, so daß er zwei- oder dreimal Hekatomphonien (Dankopfer für Erlegung von hundert Feinden) feiern kann151. Überall ist er der Abgott der Weiber. Bei seiner Rückkehr nach Andania werfen sie ihm Siegerbinden und FrüchteA36 zu und singen ein Distichon, das noch zu den Zeiten des Pausanias gesungen wurde. Als die beim Demeterfeste zu Ägila von ihm überraschten Spartanerinnen mit Fackeln nach ihm schlagen und ihn so fangen, läßt ihn die in ihn verliebte Priesterin heimlich frei und gibt dann vor, er habe seine Stricke[56] durchgebrannt, und auch als ihn die Kreter fangen, löst eine durch ein Traumgesicht dazu angemahnte Jungfrau seine Bande; diese wird dann die Gattin seines Sohnes. Er rettet aber auch seinerseits die Ehre der zu Karyä geraubten, von seinen trunkenen Genossen bedrohten spartanischen Mädchen. – Viel mehr als bei den homerischen Helden tritt das Verhältnis zum Mantis hervor. Zwar überhört er etwa auch dessen Warnung: indem er an dem Birnbaum vorbeigeht, auf welchem Theoklos die Dioskuren sitzen sieht, verliert er zur Strafe seinen Schild, den er nachher bei Trophonios zu Lebadea wieder erhält und zuletzt dorthin stiftet; aber beide sind stündlich zusammen und gehen etwa auch miteinander nach Delphi. Als der verhängnisvolle Orakelspruch152 sich erfüllt, wird Theoklos zuerst dessen inne, führt dann heimlich auch Aristomenes zu der Stelle des göttlichen Zeichens, überzeugt ihn, daß der Sieg Spartas nun bevorstehe und verbirgt mit ihm die geheimen Unterpfänder, welche die Wiedererhebung verbürgen, eine Szene, die in der alten Redaktion vielleicht sehr schön war. Als nun das letzte Schicksal, »wie bei Troia« durch einen Ehebruch eingeleitet, hereinbricht, fordern beide trotz ihres Vorauswissens zum äußersten Widerstande auf. Erst nach dreitägigem Kampfe befiehlt ihm der Mantis, sich und den Rest der Leute zu retten und stürzt sich dann in die Feinde, um zu sterben. Aristomenes aber und die Seinen ertrotzen sich, nachdem sie Weiber und Kinder in die Mitte genommen, den Abzug; sein und des Mantis Sohn decken die Nachhut. Während diese sich dann später in Zankle festsetzen und dasselbe in Messene (Messina) umnennen, folgt Aristomenes seinem Eidam, dem rhodischen Herrscher Damagetos, der die Tochter des trefflichsten Hellenen gefreit hat, nach Ialysos und genießt dort nach seinem Tode heroische Ehren153.


Schließlich ist hier noch ein Wort über eine sehr wichtige Seite des Urgriechen, nämlich über den piratischen Menschen zu sagen. Überall, wo Küsten und Inseln sind, bei den Völkern aller Rassen meldet sich der Seeräuber frühe und ist oft bis heute nicht zu vertreiben. Wenn bei unsern Kulturvölkern auch nur eine kurze Zeit alles drunter und drüber gehen sollte, wäre er auf unsern Meeren wieder da und sehr furchtbar; denn es ist einladend und für Bevölkerungen etwa sehr fischarmer felsiger Gestade förmlich gegeben, daß sie irgendwo in Ackerbaugegenden Überfälle machen und Korn, Tiere, ja auch Menschen holen. So taten die Kilikier[57] usw. in den letzten Jahrhunderten der römischen Republik und die Normannen im frühen Mittelalter. Zumal der Archipel aber war gewiß von frühe an für die Piraterie wie geschaffen. Darbende beraubten die Arbeitenden und diese wohnten daher gern im Binnenland und befestigten sich da. Nach Thukydides waren die meisten alten Städte von der Küste entfernt angelegt; an dieser hatten sie alle ihren Hafenplatz (ἐπίνειον), deren Pausanias eine Menge nennt. Der größte Typus des Piraten ist nun schon im Mythus Odysseus, ja die Odyssee hat von Anfang bis zu Ende den Seeraub zur Voraussetzung, und schon raubt man Reichtümer zusammen, um damit Figur in der Welt zu machen. Auch bleiben »Poseidonssöhne« des Mythus, d.h. Seeräuberhauptleute bisweilen in der beraubten Gegend, heiraten die Tochter eines dortigen Königs und werden griechische Fürsten, deren Polis dann als ihre Gründung gilt, ganz wie es im Mittelalter dieser und jener Normanne hielt. Später, zur Zeit der schon ausgebildeten Polis, sind dann ausgewichene Parteien gewiß oft zum Seeraub getrieben gewesen, wie in den letzten Jahrhunderten des Mittelalters die jeweilen exilierende Partei von Genua, welche einen Teil der Rivieraburgen innezubehalten und von da auchA37 die Schiffe der Mutterstadt zu molestieren pflegte.


Fußnoten

1 Vgl. Hellwald, Kulturgeschichte, S. 277.

2 Von der Roheit der Zustände zeugt es nach Hellwald (S. 236) 2. B., »daß das Salz zu Homers Zeiten noch wenig und nur als Seesalz bekannt war«. Daß aber bei Homer ein anderes Salz präsentiert wird, das man das attische benannt hat, wogegen neuere Kulturen bisweilen roh und fad erscheinen, das fällt ihm nicht ein.

3 Vgl. Band I, S. 19.

4 In diesem Sinne wurde die Gestalt des Palamedes vervollkommnet, indem dieser (Alkidamas 22) Schrift, Rechenkunst, Maße, Gewichte, Brettspiel, Würfel, Musik, Geld und Feuersignale, sogar Kriegskunst erfunden haben sollte. Vgl. auch Gorg. Palam. 30. Bei Alkidamas restituiert dann freilich Odysseus andern Griechen und den fremden Nationen diese Erfindungen und läßt ihm dafür die schädlichen und verächtlichen.

5 Zum einfach Schönen und Wahren gehört z.B., daß die Göttin der endlich erhaltenen Kornfrucht zugleich ϑεσμοφόρος ist, daß also zum Gedeihen die Gesetzlichkeit gehört; ferner daß Hestia den Häuserbau erfunden hat, das Haus also mit dem Herd entstand. Diodor V, 68. Die fünf Menschengeschlechter dagegen bei Hesiod (W.u.T. 106 ff.) sind und bleiben ein sehr schwieriger Mythus, oder eher ein populäres Philosophem. Schon, daß die beiden ersten von den Göttern überhaupt, die zwei folgenden von Zeus geschaffen werden, ist nicht herrschender griechischer Glaube; ferner ist die sonderbare Aufeinanderfolge ein ewiges Rätsel.

6 Lucr. de rer. nat. V, 780, besonders von 1009 an.

7 Groß war es aber doch, daß Schliemann die Gebeine von zwölf Männern, drei Frauen und vielleicht zwei Kindern in der Akropolis von Mykenä aufdeckte, und höchst lächerlich war die Verlegenheit der heutigen Gelehrsamkeit, als diese wirklichen Reste von Menschen aus der mythischen Zeit zum Vorschein kamen. Von der einen Seite wurde erklärt, die Gräber wären die vornehmer Mykenäer aus der Verteidigung von 468; das Gold habe man hineingetan, weil es sonst die Argeier den Fliehenden abgenommen hätten, so goldreich aber seien die Mykenäer von der persischen Beute her gewesen, die Perser möchten auch eine Anzahl goldener Masken mit sich genommen haben, um die Gesichter ihrer gefallenen Großen damit zu bedecken; von anderer Seite gelangte man zur Annahme, im dritten Jahrh. nach Chr. hätten Barbaren von dunkler Herkunft auf Mykenä gehaust und dort ihre Anführer möglichst prächtig begraben. Auf solche Umwege gelangt man, wenn man sich vor einer einfachen Wahrheit fürchtet. Wir sind nun weit davon, wissen zu wollen, wer die Begrabenen waren; aber komisch war es, als der Schrecken wegen des wirklich aufgefundenen Agamemnon durch die Völker ging.

8 Zweifel an der Deutung dieser Namen äußert W. Christ, Zur Chronologie des altgriechischen Epos, Münchner Sitzungsber. 1884, I, S. 56 ff. – Über Tracht und Gestalt dieser Völker auf den ägyptischen Denkmälern vgl. Milchhöfer, Anf. d. Kunst S. 94 ff. – Das Echo von diesen Zügen dürfte in der Fahrt des Menelaos nach Ägypten und sogar in den spätern ägyptischen Zurechtlegungen des griechischen Mythus enthalten sein. – Auch die Amazonenkämpfe gehören vielleicht zur vorheroischen Geschichte, als eine möglicherweise ganz echte Erinnerung an alte Amazonenstaaten, deren einer (am Thermodon) noch in die historische Zeit hinabreichte. Vgl. Sepp, Altbayr. Sagenschatz, S. 236 ff. Der griechische Staat will, so gut als den Sinnis und Prokrustes, auch diese Form des Staats besiegt haben, und so werden Herakles, Theseus, Bellerophon und die vor Troia kämpfenden Helden mit den Amazonen in Verbindung gebracht. – Sicher fabelhafte Urvölker, die statt wirklicher Erinnerungen auf griechischem Boden auftreten, sind die Lapithen, Kentauren, Phlegyer in Böotien u.a.

9 Band I, S. 16 ff.

10 Vgl. Preller II, 155. Oichalia sucht man an drei Stellen (in Thessalien, Messene und Euböa) und immer wird es zerstört und die dortigen Herren kommen blutig um. Solche Einnahmen sind weder astral noch retrospektiv aus späterer politischer Geschichte zu erklären, sondern sie sind teils lokale alte Sagen, teils wird man, wenn man sonst das Ende eines alten Dynastenhauses nicht mehr wußte, gesagt haben, das habe Herakles getan. Über dessen Züge gegen Troia, Pylos, die Aktorionen von Elis, Lakedämon usw. vgl. Preller. Politische Folgen hatte nur die Hilfe, welche er dem Dorerkönig Aigimios gegen die Lapithen und die mit ihnen verbündeten Dryoper leistete. Unterwegs baut er dann noch Zeusaltäre, bei denen man ihn noch spät als Stifter wird gekannt haben, wie bei der ara maxima in Rom. – Man vgl. auch die Städteeroberungen Achills (abgesehen von den Plünderungszügen um Troia), welche Preller II, 297 aufzählt.

11 Zu der eine Menge von übereinander gelagerten Schichten darstellenden Geschichte Thebens vgl. Diodor. XV, 79 und XIX, 53.

12 Vgl. auch die große Aufzählung der Völker und Zuzüger um Syrakus, Thuk. VII, 57. – Die usuale Doktrin von den vier Stämmen gibt u.a. Strabo VIII, 7, 1 (p. 383 f.).

13 Strabo I, p. 60. Eustath. Dion. 476.

14 Vgl. Preller II, S. 170.

15 Man denke an die umständliche Erläuterung, weshalb von Wall und Graben des Griechenlagers nichts mehr stehe, Ilias XII, 3 ff. – Was übrigens Homer (und zumal auch den Schiffskatalog) betrifft, so wunderten sich Spätere über die geographische Kleinheit der Staaten seiner Helden. Vgl. Isokr. Phil. 145.

16 Vgl. Preller II, 267.

17 Über den Apollsdienst vgl. Preller I, 161 und II, 54. Das Letoon bei Xanthos, Strabo XIV, p. 665.

18 Die Pamphylier stammen nach Herodot (VII, 91) von dem gemischten Volke, das Kalchas und Amphilochos von Troia her folgte. Diese Wanderung dürfte aber erst aus der Bewegung der dorischen Wanderung in die heroische Zeit versetzt sein, welche im Bewußtsein von den Nosten kaum geschieden war. So ist auch Salamis auf Zypern von Teukros gegründet, Olbe in Kilikien von dessen Bruder Aias, das zyprische Paphos von Agapenor, einem der Freier der Helena und Anführer der Arkader vor Troia. In Kilikien geschieht die Hauptanknüpfung durch Amphilochos (s.d. Art. bei Pauly). Tarsos dagegen will von Argivern gegründet sein, welche mit Triptolemos auf die Suche nach 10 ausgegangen. Strabo XIV, 673.

19 Diodor V, 15.

20 Wir erwähnen die bei Eudocia Viol. 436 f. (vgl. Aristot. mirab. ausc. 85) erzählte Geschichte, wie ihm, da er waffenlos ist, am gallischen Strande von Ligys, dem Stammvater der Ligurer der Weg verlegt wird, und Zeus zu seiner Hilfe aus einer Wolke die Steine regnen läßt, mit denen die Ebene la Crau bedeckt ist. – Freilich gab es für die weiten Fahrten auch eine nähere Variante: laut Eustath. Dion. 558 lebte derjenige Geryones, gegen den ihn Eurystheus sandte, nicht in Iberien, sondern schon bei Ambrakia und dort wurden die Rinder geholt.

21 Livius I, 1. Mela II, 4, 2.

22 Strabo XIII, p. 608 gibt seine ganze Fahrt und läßt ihn nach dem sizilischen Aigesta, dem Eryx und Lilybäum mit dem Troer Elymos kommen.

23 Über sie Thuk. VI, 2. – Eine merkwürdige Sage von der Herkunft des Aigestes, des Gründers von Aigesta, Eryx und Entella, gibt Tzetzes, Lykophr. 471.

24 Strabo V, p. 215. Anton. Liber. 37.

25 Konon, c. 3.

26 Strabo a.a.O.

27 Ebenda p. 220.

28 Ebenda p. 222.

29 Ebenda p. 224. – Hygin 23. 26.

30 Strabo VI, p. 255.

31 Ebenda p. 254.

32 Ebenda p. 256.

33 Vgl. Band II, S. 80.

34 Hesiod. Theog. 274 ff. 517 ff.

35 Setzt wohl das Epos eine Einströmung ins Meer bei den Heraklessäulen voraus?

36 Hesiod, Werke und Tage 171. Pind. Ol. II, 129. – Pindar findet es nicht rätlich, sich von Gadeira nach Westen hinauszuwagen. Nem. IV, III. Vgl. III, 35.

37 Für die vermutliche Urgestalt und nachherige Vervollständigung der Sagen von Herakles, Perseus, den Argonauten, bis die ganze spätere Geschichte Medeas daran befestigt war, usw. verweisen wir auf Preller. – Mit der Herrscherfolge in den verschiedenen Königshäusern kam man in Verlegenheit, weil die lokalen Sagen und die Aöden die Namen verschieden mochten angegeben haben. Z.B. die Verwandtschaften der verschiedenen Herrscher von Theben, von Kadmos bis auf Kreon, sind offenbar erst spät in einige, nicht einmal konstante Ordnung gebracht worden. Labdakos ist wohl Enkel des Kadmos durch dessen Sohn Polydoros; aber vor- und nachher gibt es Zwischenherrschaften und Vormundschaften, wie Lykos und dessen Töter Amphion und Zethos, welche erst durch die Gemahlin des Polydoros mit Kadmos' Hause zusammenhangen, und ähnlich steht es vollends mit den mythischen Dynastien von Athen. – Gänzlich den Mythologen überlassen wir auch das allmähliche Zusammenflechten von Sagen zu Sagenkreisen, z.B. die Frage, wer zuerst die Sieben gegen Theben durch den Vaterfluch ursächlich mit der Ödipodie zusammenbrachte, wer zuerst die Episode von Antigone einflocht, Ödipus auf Kolonos zu Theseus führte und diesen (durch athenisch-ruhmredigen Eingriff in den Mythus) die Leichen bestatten ließ. Auch die Gleichsetzung derjenigen Hypsipyle, welche das Kind Archemoros zu warten vergaß, mit der lemnischen Hypsipyle würde hierher gehören.

38 Gänzlich auf sich beruhen lassen wir das äußere Leben der Heroenzeit. Über damaliges Essen, Trinken, äußere Sitte und Etikette vgl. die Exkurse bei Athenäos I, 15 f. 44 f.

39 Mit dieser Mahnung werden Glaukos und Achill von ihren Vätern in den Krieg gesandt. Il. VI, 208. XI, 784.

40 »Personne ne se respecte« würde man auf französisch zu diesem Mangel an Faltenwurf sagen.

41 Eine Fortdauer der Furcht wegen des ἄγος auch in den spätern Zeitaltern findet sich besonders dann, wenn es diente, sich auf die Furcht zu berufen, wie man es noch den Alkmäoniden gegenüber wegen des kylonischen Frevels tat.

42 Pausan. I, 37, 3. 43, 7. Umständlich handelt von der Katharsis bei Gelegenheit der Reinigung Orests durch die Trözenier Pausan. II, 31, 11.

43 Immerhin weiß Zeus, daß Achill den Priamos nicht morden wird; weil er kein Tor und kein Frevler ist, wird er des Schutzflehenden freundlich schonen (XXIV, 157 f.).

44 Man beachte z.B., wie sich seine edle Natur schon I, 334 beim Empfange der zitternden Herolde verrät.

45 Apollodor II, 6, 4.

46 Ilias VIII, 538.

47 Helena 44.

48 Für den Glauben an die Rasse vgl. auch Nägelsbach, Nachhom. Theol. S. 289. – Noch Solon bezweckte offenbar durch das Verbot jeder Mitgift (Plut. Sol. 20) Rassezüchtung. Das Reagieren gegen die bloße Geldheirat schien ihm offenbar in einer Gewerbe- und Kaufmannsstadt doppelt nötig.

49 Hesiod, fragm. 33. Eine Aufzählung seiner Zöglinge gibt Xenophon, de ven. 1. – Man denke an Konnidas, den Erzieher des Theseus. Plut. Thes. 4.

50 Il. V, 438. Diomedes kennt die Götter und sieht sie in ihrer wahren Gestalt. Athene selber hat ihn vorher zur Verwundung des Ares und der Aphrodite angeführt.

51 Der Erfolg ist eigentlich erst der Gott der neuern Zeitpoesie.

52 Il. IV, 450 f. VIII, 64 f.u.a.a.O.

53 Ähnlich IV, 427 ff.

54 Man vgl. noch II, 455 ff. IV, 275.

55 V, 134. Vgl. auch II, 477 ff.

56 Die Il. VII, 161 und VIII, 261 aufgezählten, in den Namen teilweise abweichenden Gruppen von neun Helden scheinen eine Art höchster Aristokratie darzustellen.

57 Ähnlich heißt es Il. XIV, 72 Zeus werde das Heer der Troer gleich den seligen Göttern κυδαίνειν.

58 Il. VII, 87 f. X, 212 f. XIII, 326 f.

59 Il. VIII, 164 sagt Hektor zu Diomed: »Packe dich, schlechte Puppe« und 527 nennt er die Achäer »von den Keren (zu ihrem Verderben) herbeigetragene Hunde«. Freilich schimpfen sich in diesem Gesang auch die Götter so, und Iris fügt 423 zur Zornbotschaft des Zeus noch aus eigenem Fonds an Athene das Wort: »du entsetzlichste, schamlose Hündin«.

60 Il. XVI, 745 f. Vgl. auch den Hohn des Idomeneus XIII, 374 ff.

61 Il. III, 58 ff. Dieses »ich bin doch, der ich bin« ist echt griechisch.

62 Il. III, 437 ff.

63 Od. XX, 59. Bei Euripides Helena 947 ff. dagegen behält sich Menelaos zwar das Weinen vor, hält aber das Nichtweinen doch für nobler. – Ganz außer der Regel ist der Jammer Achills bei der Todesbotschaft des Patroklos, Il. XVIII, 22 ff. Hier ist die Äußerung symbolisch und lange stumm. Achills Reden mit der Mutter und mit den Myrmidonen kommen erst hernach. – Geweint bei der Tötung des Patroklos haben auch Achills Rosse. XVII, 426 ff.

64 O. IV, 100 ff., 190 ff., 212 ff. – Auch bei der Erkennung des Odysseus und Telemachos, XVI, 213 ff., wäre es wohl über dem langen Weinen Nacht geworden, wenn der Sohn den Väter nicht gefragt hätte, auf welchem Schiffe er gekommen sei.

65 Il. VIII, 78 ff.

66 Il. IX, 17 ff. und XIV, 65 ff.

67 Od. VII, 215 ff.

68 Od. XI, 355 ff. – Der ihn noch nicht kennenden Penelope wiederholt er sogar in seiner fingierten Erzählung XIX, 269 ff. mit Nachdruck, daß Odysseus bei den Thesprotern so viele Schätze erbeten und erhalten habe, um in die zehnte Generation davon zu leben; sie soll wissen, daß er nicht mit leerer Hand kommt, sondern für das von den Freiern Geraubte Ersatz bringt.

69 Od. VI, 239 ff. VII, 311 ff.

70 Band II, S. 358.

71 Od. VIII, 215 ff. – Auch lese man, mit welchen Worten Epeios Il. XXIII, 667 bei den Patroklosspielen schon vor dem Wettkampf den Preis für sich fordert.

72 Z.B. II. IX, 312 im Munde Achills.

73 Zu dem Gebadetwerden von Helden durch Königstöchter, das dem guten Nägelsbach Besorgnis macht, vgl. Athen. I, 18 und das Ritterbad im Manesseschen Kodex, Lübke, Deutsche Kunst, S. 415.

74 Über die Herrschaft des Pessimismus auch im Heroenmythus vgl. Band II, S. 348 ff.

75 Pausan. I, 35, 3 ff. VI, 5, 1.

76 Vgl. Band III, S. 221 f.

77 Eine umständliche Charakteristik gibt von ihm Alkidamas, Odysseus 13 ff.: »Eigentlich ein armer Fischer, hat er schon viele Hellenen verschwinden machen, viele Schätze aus den Schiffen geraubt, den Seefahrern unendliches Unheil zugefügt, ein Meister jeder Schurkerei.«

78 Vgl. u.a. Od. IV, 628 ff. Antinoos hat XVII, 410 λιπαροὺς πόδας, und selbst Odysseus sagt ihm 416 »du gleichst einem Könige«. Ähnlich ist es VII, 176 ff., wo Odysseus zwischen der unfreundlichen Rede und der herrlichen Gestalt des Euryalos unterscheidet.

79 Man vergleiche auch die Schilderung des Fürstenlebens, Il. XII, 310-28, in der Rede Sarpedons an Glaukos, wo auch sehr schön und genau gesagt wird, wie sich die Dotation des Fürsten zu seiner heroischen Ehrenpflicht verhält. – Sobald übrigens Wohlleben wohlig geschildert werden soll, lautet es auch in späterer Zeit noch mythisch, wie der Päan des Bakchylides (Bergk, Anthol. S. 481) lehrt.

80 Über ihn vgl. Band II, S. 342.

81 Od. IV, 207 ff.

82 Od. III, 480.

83 Umständlich hierüber samt der Etikette Athen. I und V.

84 Od. II, 341 ff. IX, 196 ff. Vgl. auch den Komfort im Zelte Nestors, Il. XIV, 5 ff., wo Machaon zu sitzen und den funkelnden Wein zu trinken aufgefordert wird, bis die schönlockige Hekamede ihm das Bad gewärmt und das geronnene Blut abgewaschen habe.

85 Vgl. Od. IX, 5 ff.

86 Bei Hesiod fragm. 78 wandeln und erscheinen freilich die Götter überhaupt zwischen den Heroen: ξυναὶ γὰρ τότε δαῖτες ἔσαν, ξυνοὶ ϑόωκοι ἀϑανάτοισι ϑεοῖσι καταϑνητοῖς τ᾽ ἀνϑρώποις.

87 Zu den Phäaken vgl. besonders Od. VI, 203 ff., VIII, 241 ff., VII, 117 ff., 84 ff., VI, 305 ff., VII, 34 ff., VIII 557 ff., XII, 113 ff. (das Verschwinden des Schiffes, nachdem Odysseus ausgesetzt ist).

88 Od. XV, 407 ff.

89 Od. VIII, 546 f.

90 Vgl. Od. VII, 237 ff., VIII, 28 ff., 548 ff., IX, 19.

91 Vgl. Band III, 117 f. Er preist vielmehr laut die Arbeit als einziges Heil und umschreibt z.B. W. und T. 430 den Schmied als Ἀϑηναίης δμῶος.

92 Od. VIII, 159 ff.

93 Vgl. oben S. 36.

94 Od. XV, 321 f.

95 Vgl. über ihn S. 23, Anm. 4.

96 Philostr. imag. II, 15.

97 Tzetzes, Lykophr. 93 und 97.

98 Strabo, IX, p. 439. Tzetzes Lykophr. 344.

99 Das Waffenmetall der Heroen ist das Erz, und Pausan, III, 3, 6 belegt dies mit Homer, mit der Lanze Achills im Tempel von Phaselis und dem Schwert des Memnon im Tempel des Asklepios zu Nikomedien. Das Eisen gehört wohl erst dem schrecklichen fünften Menschengeschlechte an. Vgl. auch Hesiod W.u.T. 150 f.

100 Während Telchinen und Daktylen kunstreiche Metallarbeiter sind, sind die wilden getwerge, welche vielleicht ursprünglich als Bergleute zu verstehen sind, Schatzhüter. – Der (Tyroler) König Laurin ist (laut Sepp, bayr. Sagensch. S. 20) Schatzkönig und Herr eines ganzen unterirdischen Reiches.

101 Vgl. S. 35.

102 Band II, S. 257 f.

103 Ebenso die andern Schüler Cheirons, welcher μουσικῆς δικαιοσύνης καὶ ἰατρικῆς διδάσκαλος war. Plut. de mus. 40. – Achills Phorminx, womit er die Ruhmestaten der alten Helden besang, stammte nach Il. IX, 186 ff. aus der Beute des Eetion.

104 Od. VIII, 579 ff. Vgl. Band II, S. 359. Darüber, daß sich die Götter, wenn sie sich einen guten Tag machen wollen, die Leiden der Menschen vorsingen lassen, vgl. Homer, Hymn. in Apoll. 189 ff.

105 Od. III, 267 ff.

106 Od. I, 325 ff.

107 107 Il. XXIV, 720.

108 Theog. 94 ff.

109 Od. XVIII, 423 ff.

110 Od. XXII, 354 ff.

111 Später ist Euripides den Herolden gram, welche es ja immer mit den Mächtigen und Glücklichen halten. Orest 889 und 895.

112 So Myrtilos, Paus. VIII, 14. 7. Eurymedon war in Mykenä neben Agamemnon begraben, ebd. II, 16, 5.

113 Pausan. VII, 24, I.

114 Ebd. III, 12, 6.

115 Od. XVII, 382 ff.

116 In Κάμινος ἢ κεραμίς dagegen will der Bettler nicht ganz ohne Drohung ein Almosen haben.

117 Werke und Tage 25 f.

118 Die anmutige Lösung, wonach Nausikaa später den Telemachos heiratet, fand sich schon bei Hellanikos und Aristoteles. Eustath. Od. p. 1796. In Telemach träte gewissermaßen Odysseus wieder auf, nur diesmal jugendlich.

119 Schaffnerin und Amme mochten etwa in einer Person verbunden sein. So stellt sich Demeter im homerischen Hymnus (101 ff.) bei Kleos als eine Alte dar, welche selbst keine Kinder hat, »wie die Ammen der Kinder bei den Königen und die Schaffnerinnen in den hallenden Gemächern sind« und nachher (138 ff.) wünscht sie, in einem Hause zu verrichten, was die Arbeiten einer betagten Frau sind: »ein Kind in den Armen zu tragen und wohl zu besorgen, im Hause die Augen offen zu haben, das Lager der Herrschaft zu bereiten und die Mägde in den Frauenarbeiten zu unterrichten«.

120 Il. III, 126 ff.

121 Ebenda 399 ff.

122 Od. IV, 120 ff.

123 Od. XV, 172 f.

124 Die von der Vulgata ganz abweichende Sage, wonach Helena von Theseus entführt wurde und, von den Dioskuren zurückerobert, Iphigenia gebar, die sie dann der Klytämnestra übergab, findet sich Pausan. II, 22, 7. Danach rechnet dann Lukian ihr hohes Alter zur Zeit des troianischen Krieges aus. Die Frühern hatten sie jung bleiben lassen.

125 Il. XIX, 175 ff. und 258 ff. – Im Zelt hat dann Achill Il. IX, 664 ff. die Diomede, Patroklos die Iphis bei sich, beides sind Erbeutete; auch Nestor hat Il. XIV, 6 die Hekamede im Zelt.

126 Die Anschauung der Tragödie vertritt wohl ziemlich genau Euripides Hippol. 407 ff., wonach Fürstinnen das Beispiel der Untreue gegeben haben, und das Unheil für die Frauen aus edeln Häusern seinen Anfang nahm; denn wenn den Edeln Schmähliches gefällt, wird es den Schlechten vollends herrlich erscheinen. – Die Liebe zum Stiefsohn, welche, von diesem zurückgewiesen, die falsche Anklage beim Gemahl und das Verderben des Sohnes zur Folge hat, findet sich übrigens außer bei Phädra auch bei Phylonome. Tzetz. Lyk. 232.

127 Ein bezeichnender Zug, den wir hier noch nachtragen wollen, ist die naive Il. XI, 241 ff. ausgesprochene Anschauung, daß die Gemahlin deshalb, weil man sie um ein Geschenk von 100 Rindern erworben und noch 1000 Schafe und Ziegen dazu versprochen, dies durch Dank (χάρις) vergelten werde, was der junge von Agamemnon getötete Iphidamas nicht mehr erlebt. – Unter die rührenden Beispiele ehelicher Treue gehört auch Euadne, welche in die Flammen des Scheiterhaufens ihres Gemahls Kapaneus sprang. – Eine allgemeine Voraussetzung in der mythischen Zeit ist, daß Witwen nicht wieder heiraten; Pausan. II, 21, 8 sagt, vor der Perseustochter Gorgophone sei es Brauch gewesen, nach dem Tode des Mannes Witwe zu bleiben. – Geschwisterehen in mythischer Zeit finden sich unter den Kindern des Äolos und in der Geschichte von Byblis und Kaunos, auch, Polyän VIII, 44, bei den Eltern des Thessalos. Von den besondern weiblichen Gottesdiensten und Festen findet sich bei Homer noch keine Spur. Ihre Anfänge aber müssen doch wohl noch in die Urzeit fällen.

128 An heroischen Frauen in kleinern Kreisen fehlt es, wie Plutarch, de mul. virt. lehrt, in der halbhistorischen und historischen Zeit allerdings nicht; sie vollbringen aber nicht Rettungen für das ganze Volk.

129 Pausan. I, 27, 9. Nur an Prellersche Naturbedeutung denkt darnach niemand.

130 Lukian, Dem. enc. 9 sagt, Homer werde von den einen in die heroische, von den andern in die ionische Zeit (d.h. in die Zeit nach der dorischen Wanderung) gesetzt; man unterschied also genau.

131 S. oben S.44 f.

132 Il. XI, 385 τοξότα, λωβητήρ, κέραι ἀγλαέ, παρϑενοπῖπα. Man vgl. später Euripides, Herc. für. 159 ff. 188 ff.

133 Il. X, 257 ff. 261 ff. Auch der »Otterhelm« (κτιδέη κυνέη) des Troianers Dolon, ebenda 335, ist ursprünglich wohl als unsichtbar machend gemeint.

134 Vgl. Band III, S. 74 f.

135 Folgende Jagd- und Tierbilder mögen noch (meist aus Buch X bis XII und XVI) erwähnt sein: Die zwei Hunde und Reh oder Hase (X, 360 ff.), der Jäger, der seine Hunde gegen Eber und Löwen hetzt (XI, 292 f.), die zwei verfolgten Eber, die zerstörend durch den Wald sausen (XII, 146 ff.), der unbedingt fleischhungrige Löwe (ebenda 299 ff.), der Löwe im Lager der Hirschkuh (XI, 113 ff.), der, welcher die Kuh erbeutet (XVII, 61 ff.) und der, welcher von der Herde weggescheucht wird (ebenda 657 ff.), der nach Beute ausspähende Adler (ebenda 674 ff.), der Esel, der sich trotz aller Schläge im Felde satt frißt (XI, 558 ff.), die Fliegen um die Milcheimer (XVI, 641 ff. – Von Wetter- und Himmelsphänomenen erinnern wir an den aus den Wolken erscheinenden und sich wieder bergenden Stern (XI, 62 f.), an den meeraufwühlenden Sturm (ebenda 297 f.), an den großen Schneefall als Bild für den Steinregen der kämpfenden Heere (XII, 278 ff.), an das a.a.O. erwähnte Aufleuchten der Landschaft aus den Wolken (XVI, 297 ff.). – Prächtige Naturbilder sind der Sturm im Walde (XVI, 765 ff.), der Waldbrand (XI, 155 ff. und XX, 490 ff.), der Bergstrom, welcher ganze Wälder mit sich reißt (XI, 492 ff.), die stark dastehenden mächtigen Eichen (XII, 132 ff.) und der vom Sturme niedergerissene Ölbaum (XVII, 53).

136 Über die Technik solcher Schilde vgl. Band III, S. 6.

137 Vgl. O. Müllers Konstruktionen Lit.-Gesch. I, S. 175.

138 Dieses Volksgericht hat übrigens schon sehr bedenkliche Züge. Das Objekt ist eine Schikane echt griechischer Art; die Geronten werden von seiten der beiden mitschreienden Parteien nicht unbeeinflußt geblieben sein. Als Honorar für denjenigen von ihnen, dessen Urteil am gerechtesten lauten wird, liegen zwei Talente da. Wer zahlt diese?

139 Scut. Herc. 139-320.

140 V. 216 ff. Vgl. Band III, S. 11.

141 Ist dies an der richtigen Stelle?

142 Die Kampfesdarstellung ist dadurch geschärft, daß die Todesgöttinnen (Keren und Moiren?) 261 um eines Gefallenen willen in wilden Streit geraten. Neben ihnen steht die genau geschilderte Achlys (Todesdunkel).

143 Über sie vgl. Band III, S. 117 ff.

144 Man vergleiche die Stelle über Horkos und Dike (219 ff.), die Klage der Dike vor Zeus (256 ff.), die 30000 unsterblichen Wächter, welche in Nebel gehüllt, umherwandeln, um das Recht zu schirmen (252 ff.), trotzdem Aidos und Nemesis bereits preisgegeben sind, weil sie von der Erde entweichen werden (197 ff.).

145 Vgl. 686: Χρήματα γὰρ ψυχὴ πέλεται δειλοῖσι βροτοῖσι.

146 Freilich war Hesiods Bruder Perses kein Muster eines Bruders.

147 Εἰς Ἡσίοδον ὑπομν. fr. 20. (37 Bernard).

148 Vgl. Band III, S. 118.

149 Pausan. IV, 15, 18, 24 nach Rhianos; vgl. Band III, S. 102.

150 Man denke an seine Rettung durch Adler und Fuchs aus dem Abgrund. Niemand konnte sich vorstellen, Ἀριστομένην αἰχμάλωτον ἂν γενέσδαι.

151 Man vgl. Ali im Kampfe bei Soffain.

152 Vom τράγος = wilden Feigenbaum.

153 Eine grundmoderne Zutat bei Pausanias ist, daß er noch Lydien und Medien habe besuchen und gegen Sparta gewinnen wollen. Wie man ihn bei der Neugründung von Messene anrief, vgl. Pausan. IV, 27, 4.


Anmerkungen: A1 fehlt bei Oeri. A2 Oeri: Vermehrung und Verpöbelung. A3 Oeri: Pfahlbaumenschen, nicht von der vermutlichen Einwanderungsgeschichte und von der Konstitution des hellenischen Volkes aus ältern Bestandteilen. A4 Oeri: Dardana. A5 Oeri: Akaiuscha. A6 Oeri: eintraten. A7 Oeri: bei den Kolonialgründungen. A8 Oeri: die des Telephos bekannte mythische. A9 fehlt bei Oeri. A10 Oeri: möchte. A11 Oeri: bisweilen. A12 Oeri: rückten. A13 Oeri: Zwecke. A14 Oeri: solle. A15 Oeri: ergötzt. A16 Oeri: an der. A17 Oeri: herzhafte. A18 Oeri: welche nicht bloß den verwandelten Odysseus bewundert. A19 fehlt bei Oeri. A20 Oeri: das Volk aber. A21 Oeri: ihnen. A22 fehlt bei Oeri. A23 Oeri: kleiner. A24 Oeri: zwei. A25 Oeri: anstiftende. A26 Oeri: Zeus ist es ja, der den Menschen das Unheil sendet, dem Sänger. A27 fehlt bei Oeri. A28 Oeri: schweigend. A29 Oeri: fehlt aber auch. A30 Oeri: Isabel. A31 Oeri: insoweit. A32 Oeri: verrät; buchstäblich gehören freilich die bei Homer so oft genannten »Menschen wie sie jetzt sind« (οἷοι νῦν βροτοί εἰσιν) erst dem folgenden Zeitraum an. Homerisch in diesem Sinne. A33 Oeri: beinahe. A34 Oeri: zumal bei Homer. A35 Oeri: Städtchens. A36 Oeri: Blumen. A37 Oeri: aus.

Quelle:
Jakob Burckhardt: Gesammelte Werke. Darmstadt 1957, Band 8.
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