Achtes Kapitel.

Inneres Leben der kaiserlich römischen Armee.

[167] Es gehört nicht zu unserer Aufgabe, zusammenzustellen, was von den Antiquitäten des römischen Heerwesens bekannt ist, aber wir müssen doch suchen, uns das innere Leben dieses großen Organismus in den markantesten Zügen anschaulich zu machen.

Die römische Armee erhielt ihre definitive Form durch ein umfassendes, systematisches Reglement, das Augustus erließ, die constitutiones Augusti. Sie sind uns zwar nicht erhalten, aber ihrem Wesen nach doch aus Zitaten an verschiedenen Stellen zu erkennen.

In den Bürgerkriegen war die Zahl der Legionen fortwährend vermehrt worden. Cäsar hinterließ über 40, die Triumvirn hatten noch einige mehr, und ihre Gegner, die Republikaner, 23. Octavian und Antonius zusammen verfügten im Jahre 36 über etwa 75 Legionen. In der älteren Republik waren nur römische Bürger in die Legionen eingestellt worden; diesen Grundsatz hatte man jedoch allmählich nicht nur verlassen, sondern sozusagen umgekehrt: die Aufnahme in die Legionen gab das römische Bürgerrecht. Schon die Legionen Cäsars hatten sicher zum geringeren Teil aus geborenen römischen Bürgern bestanden, und in noch höherem Grade wird das von den Legionen der Triumvirn gelten. Viele von diesen Legionen können nur sehr äußerlich einen römischen Anstrich gehabt haben. Virgil nennt die Veteranen, die in Italien angesiedelt wurden, einmal rundweg Barbaren.67 Als Augustus unbestrittener Alleinherrscher geworden war, kehrte er wieder zu den älteren Grundsätzen zurück und wußte sie in einer wahrhaft genialen Weise[167] den Verhältnissen des um die Stadt Rom und den latinischen Stamm aufgebauten Weltreichs anzupassen. Er ging nicht so weit, mit unbedingter Schärfe Truppenteile aus Bürgern und Nichtbürgern zu scheiden, aber entsprechend dem politischen Zustand des Staates wurde auch die Armee in verschiedenen nationalen Abstufungen organisiert. Hätte man dauernd unterschiedlos Römer und Nicht-Römer in dieselben Truppenteile eingestellt, so wäre das lateinische Element in jedem einzelnen so schwach gewesen, daß es die anderen weder assimilieren, noch beherrschen konnte. Auch der militärische Wert der Truppenkörper hätte unter solcher unbestimmten Zerflossenheit leiden müssen.

Augustus reduzierte also die Zahl der Legionen zuerst, wie es scheint, bis auf 18, die bis zu seinem Tode auf 25, bis Septimius Severus auf 33 vermehrt wurden. Während aber in der Zeit der Bürgerkriege in der Hauptsache nur leichte Truppen und Reiter als Auxilien neben den Legionen gestanden hatten, so unterschied man jetzt auch innerhalb der schweren Infanterie zwischen den Legionen mit ausgeprägtem römischen Charakter und Auxilien, landsmannschaftlich organisiert nach Kohorten. Der Grundsatz, daß der Legionsdienst als solcher das römische Bürgerrecht verleihe, wurde beibehalten. Es wurden also keineswegs bloß geborene Bürger in sie eingestellt; von den Nichtbürgern aber, die in sie eintraten, werden wir annehmen dürfen, daß sie immer bereits einigermaßen romanisiert, namentlich der lateinischen Sprache kundig waren, so daß sie den römischen Gesamtcharakter der Truppe nicht schädigten.

Unter den Julischen Kaisern bestanden die occidentalen Legionen noch wesentlich aus Italikern. Seit Vespasian hörte das allmählich68 auf; die Italiker traten vorwiegend nur in die Prätorianer-Garde in Rom. Die Legionen ergänzten sich aus den Provinzen, in denen sie standen; auch Germanen traten nach dem Ausweis der Inschriften in steigender Zahl in sie ein.69 Ein Prätorianer spricht einmal in einer uns erhaltenen Inschrift, ganz wie einst Virgil von den »barbarischen Legionen«; so ist es dem Blute nach; nach Geist, Sitte und Sprache aber sind es die wohl ursprünglich[168] barbarischen, jetzt romanisierten und sich im Dienst vollends romanisierenden Nationalitäten des Reiches, aus denen sich die Legionen rekrutieren.

Das Römertum in diesen Legionen aber wurde weiter gesichert dadurch, daß die Centurionen nur zum geringeren Teil aus den Legionen selbst hervorgingen und ganz vorwiegend aus der kaiserlichen Garde, den Prätorianern, entnommen wurden, die Italiker waren.70 Durch sehr häufige Versetzung der Centurionen aus einer Legion in die andere, die wir aus den Inschriften, namentlich Grabschriften, erkennen können, wurde überdies der einheitliche Geist des Offizierkorps der ganzen Armee erhalten und gepflegt.

Auch in den Auxilien dienten wohl einzelne römische Bürger, die Mehrzahl aber bestand aus noch nicht romanisierten römischen Untertanen. Bewaffnung, Fechtweise und Disziplin waren wie bei den Legionen. Die Offiziere und Unteroffiziere waren Römer, die Dienstsprache lateinisch. Die Umgangssprache wird die heimische gewesen sein.71 Der Unterschied dieser Auxilien von den Legionen war also nur ein relativer, der sich mit der Zeit mehr und mehr verwischte.

Diese Auxilien-Kohorten machten den Übergang sowohl zu den leichten Hilfstruppen und Reitern auf nationaler Grundlage, wie zu den reinen Barbaren, die zu den Römern mehr im Bundesgenossen- als im Untertanen-Verhältnis standen und mit eigenen Waffen, in eigener Organisation, unter einheimischen Führern den Römern zuzogen. Auch hier gab es noch verschiedene Übergangsstufen.[169]

Tacitus erzählt uns im Agricola cap. 28) von einer Kohorte Usipeter, die in Britannien meuterte, ihren Centurio und die römischen Soldaten, »qui ad tradendam disciplinam immixti manipulis exemplum et rectores habegantur«, tötete und auf drei Schiffen in die Heimat zu entkommen trachtete. Hier haben die Römer also versucht, die trotzigen Germanen ganz in die Formen des römischen Heerwesens hineinzuzwingen.

Die Bataver aber, die sich unter Civilis empörten, waren, obgleich sie ebenfalls als Kohorten erscheinen, offenbar rein national organisiert. Gerade nach diesem Aufstand aber wurden die Römer vorsichtiger; man ließ die germanischen Völker nicht mehr gauweise zusammen, sondern mischte sie, verwandte sie fern von der Heimat und gab ihnen statt der Kommandeure aus den eigenen Fürstengeschlechtern römische Offiziere. Die heutige englische Armee in Indien wird zu diesen römischen Auxilien Analogien bieten.

Sehr wesentlich für den Charakter des römischen Heeres ist die Zusammensetzung der größeren Truppenkörper.

Jeder Legion wurde eine größere oder kleinere Zahl Auxiliar-Kohorten beigegeben, aber nicht leicht mehr, als sie selbst stark war, meist erheblich weniger. War dies System auch nicht mit absoluter Strenge durchgeführt, wie wir denn z.B. in Rätien Auxilien ohne Legionen gefunden haben, so darf die Angliederung doch als das eigentlich Grundsätzliche angesehen werden. Man mache sich klar, wie alles ganz anders gewesen wäre, wenn entweder auch die Peregrinen-Kohorten zu großen Massen zusammengeballt oder alles als eine Einheit behandelt worden wäre. In jenem Fall hätten sich das Römische und Unrömische wie zwei gleichberechtigte Mächte gegenübergestanden; in diesem wäre das Römische von der Überzahl der Barbaren erdrückt worden. Indem man die Legionen in die Mitte stellte, sie aber den romanisierten Barbaren nicht ganz verschloß und rings herum die noch fast ganz oder ganz barbarischen Auxilien gruppierte, gab man dem römischen Element die Herrschaft über das Ganze. Die vereinzelten und in sich disparaten Kohorten hatten keinen anderen Anschluß, als an die Legion. Notwendig mußte von dem innersten, römischen Kern der Legion aus die Romanisierung allmählich in die äußeren Kreise vordringend immer weiter fortschreiten.[170]

Die Stärke der Legion blieb auf dem alten Satz von etwa 6000 Mann, wenn sie vollzählig war. Mit der Kavallerie, die ihr zugeteilt wurde, und den Auxilien mögen wir die Gesamtstärke im Durchschnitt auf 9-10000 Mann veranschlagen.

Gesetzlich und prinzipiell bestand nach wie vor die allgemeine Dienstpflicht. Praktisch beruhte die Ergänzung der Armee auf dem freiwilligen Eintritt und der Werbung. Die Verpflichtung des einmal Eingetretenen dauerte 20 Jahre, bei den Prätorianern 16 Jahre, wurde jedoch tatsächlich oft noch viel weiter ausgedehnt. Wir hören von Leuten, die, körperlich schon verbraucht, doch noch bei der Fahne festgehalten wurden, selbst dann, wenn ihnen schon der formelle Abschied erteilt war. Man gewährte ihnen dann das Privilegium der Befreiung vom Arbeitsdienst, nahm sie auch wohl aus der Legion heraus, und faßte sie in eigene kleine Kommandos, Vexillationen (Fähnlein), zusammen. Der Grund wird nicht sein, daß es Schwierigkeiten gemacht hätte, Rekruten zu erlangen, oder zu mühsam gewesen wäre, solche auszubilden, sondern das Bestreben, die den Veteranen zustehende Versorgung zu sparen.

Zuweilen ist es auch wohl vorgekommen, daß die freiwillige Werbung nicht ausreichte, das Heer zu ergänzen, und daß man deshalb zur Aushebung schritt. Der zum Dienst Bestimmte durfte aber einen Ersatzmann stellen, was denn freilich wieder zeigen würde, daß tatsächlich Leute, die bereit waren, dem Werber zu folgen, vorhanden waren. Der Unterschied ist nur, daß sie auf dem Umweg über den »Ersatzmann« ein Handgeld gewannen, das der Staat nach dem Gutdünken der Beamten diesem oder jenem wohlhabenderen jungen Mann auflegte.

Sklaven war der Eintritt in den Soldatenstand bei Todesstrafe verboten.

Sehr anschaulich treten uns diese Verhältnisse entgegen aus dem Briefwechsel zwischen Plinius und dem Kaiser Trajan. Jener fragt als Statthalter von Bithynien bei dem Kaiser an, ob er zwei Sklaven bestrafen solle, die unter den Rekruten entdeckt, schon vereidigt, aber noch nicht in die Truppe eingestellt gewesen seien. Der Kaiser antwortete ihm, es sei zu unterscheiden, ob sie freiwillig sich gemeldet, ausgehoben oder als Stellvertreter geliefert worden seien. Wenn ausgehoben, treffe die Schuld die Behörden; wenn Stellvertreter,[171] die, die sie geliefert; wenn sie sich freiwillig gestellt, so seien sie zu bestrafen. Daß sie noch nicht in die Truppe eingestellt waren, komme nicht in Betracht.

Den Begriff des »Militärmaßes«, der in neuerer Zeit eine so große Rolle gespielt hat, hatten auch schon die Römer; es heißt in der Kaiserzeit »incomma« (ἔγκομμα). Wie groß es war, darüber haben unsere Gelehrten merkwürdig verschiedene Ansichten geäußert; während der eine meint, aus einem Scherzrätsel herauslesen zu können, daß »fünf römische Fuß (= 1,48 Meter) auch bei einem Soldaten für eine ganz respektable Höhe gegolten«72 – was die Römer als ein Zwergenvolk erscheinen lassen würde, denn es ist noch sechs Zentimeter kleiner, als der kleinste deutsche oder französische Soldat –, glaubt der Andere,73 daß Maß habe durchschnittlich 5 Fuß 10 Zoll (1,725 Meter) betragen, was noch über das preußische Gardemaß hinausgehen würde. In Wirklichkeit steht an der betreffenden Stelle (Vegez I, 5) nur, daß diese Größe für die erste Kohorte verlangt worden sei; das würde damit stimmen, daß wir später einmal angegeben finden,74 das Maß sei 5 Fuß 7 Zoll (1,651 Meter). Wo die Zahl der Auszuhebenden nur gering ist, kommt man ganz naturgemäß darauf, die Stattlichsten zu nehmen, und die »langen Kerle« werden dem Kriegsherrn zu einer Art Sport. Von Nero hören wir,75 daß er sich eine neue Legion von lauter Sechsfüßigen (1,774 Meter) ausheben ließ, sie die Phalanx Alexanders des Großen nannte und mit ihr an die Kaspischen Tore ziehen wollte.

Nur sehr wenige Truppenteile lagen in Städten oder auch nur Ortschaften. Eine größere Besatzung hatte allein Rom, aber[172] das ganze Garde-Korps der Prätorianer mit den Stadtkohorten war doch nicht stärker als 12000 Mann und hatte außer Rom auch noch einige andere Stationen. In ganz Gallien hatte allein die Hauptstadt Lyon eine Besatzung von 1200 Mann. Sonst waren die inneren Provinzen des Reiches ohne Garnisonen. Die Legionen standen in großen Lagerfestungen, nahe den Grenzen. Nicht weit von dieser Lagerfestung, aber so, daß rings um den Wall ein Rayon frei blieb, bildete sich bald eine bürgerliche Ansiedelung, die canabae, aus der mit der Zeit eine Stadt erwuchs.76

Die Auxiliar-Kohorten lagen meist in den kleineren und größeren Kastellen, ummittelbar an der Grenze.

Es war den Soldaten, obgleich sie im Dienst 40 und 50 Jahre alt wurden, verboten zu heiraten. Gründeten sie eine Familie, so durften sie sie doch nicht im Lager haben, und die Behörde nahm bei der Verlegung der Truppen, da kein »ustum matrimonium« vorlag, keine Rücksicht darauf.

Das Heirats-Verbot erstreckte sich auch auf die Centurionen, und selbst die Höchst-Kommandierenden sollten, wenn sie Rom verließen, um die Truppe zu übernehmen, die Gattin daheim lassen.

Die höheren Offiziere, die Tribunen und Legaten, die aus den aristokratischen Familien Roms wie der römischen Provinzialstädte hervorgehen, sind auch jetzt noch nicht Militärs in ausschließlichem und spezifischem Sinne, sondern, wie in den Zeiten der Republik, Beamte, Magistrate, die jede Art obrigkeitlicher Funktion richterlicher, administrativer, militärischer Natur ausüben. Die Qualifikation, die erfordert wird, ist allein die Vornehmheit, der aristokratische Sinn, der alles kann, weil er sich alles zutraut. Als seiner Zeit Lucullus zur Übernahme des Kommandos gegen Mithridates nach Asien abgegangen war, bereitete er, der bisher angeblich nichts vom Kriegswesen verstanden hatte, sich unterwegs durch Lehrstunden und Bücherstudien vor77 und erfüllte seine Aufgabe glänzend. Marius freilich sprach zum römischen Volk sehr abschätzig über diese Art Feldherren78, und auch in Cäsars Schriften finden wir seine Tribunen nicht häufig gerühmt. Augustus fand[173] auch hier einen Ausgleich zwischen der sozialen Struktur des Römertums und dem militärischen Bedürfnis, indem er das neue Amt der Lager-Präfekten schuf. Ursprünglich waren sie wohl, was der Name besagte, Platz-Kommandanten in den großen Standlagern; sehr bald aber ist wohl ebenso ihre Zahl, wie ihre Funktion erweitert worden. Die Aufsicht und Kontrolle des Dienstbetriebes, für die die mehr oder weniger dilettantischen Tribunen nicht ausreichten, wurden in ihre Hände gelegt. Denn sie sind Berufsoldaten, sie gehen aus dem Stande der Centurionen hervor und sind die gefürchteten Wächter der Disziplin. Später, im 3. Jahrhundert, sind sie ganz an die Stelle der Legaten getreten und Kommandeure der Legionen geworden.

Der Nerv der Armee bleibt, wie in der Republik, der Stand der Centurionen, die wir charakterisiert haben als Feldwebel in der Stellung von Kompagniechefs. Während sie in der Zeit der Republik aus schließlich aus Gemeinen hervorgingen, traten jetzt auch junge Leute von Bildung auf die Weise in die Armee, daß sie den Kaiser um eine Stelle als Centurio baten und bis zum Stabsoffizier avancierten. Die eine Spezies der Centurionen heißt »ex caliga«, die andere »ex equite Romano«.

Das Offizierkorps ist also nicht mehr so streng in zwei Klassen geschieden, wie früher. Wer als Gemeiner eintrat, konnte bis zum Centurio oder gar bis zum Lager-Präfekten avancieren; wer als Centurio eintrat, bis zum Tribunen; die vornehmsten jungen Männer, namentlich die Senatorensöhne, traten als Tribunen ein und avancierten zu Legaten, die unseren Generalen entsprechen. Jede Legion hat einen Legaten als ständigen Kommandanten, vielleicht schon seit Cäsar (I, 493), und mit der Zeit, vielleicht unter Augustus oder auch erst unter Hadrian, sind auch die Tribunen zu ständigen Kommandanten der Kohorten geworden, was das militärische Prinzip eigentlich schon seit Marius erfordert hätte. Da die Legion aber dauernd sechs Tribunen hatte, während sie zehn Kohorten zählte und Vegez ausdrücklich daß die Kohorten teils von Tribunen, teils von praepositis kommandiert worden seien, so ist anzunehmen, daß auch hier der ständische Gegensatz praktisch überbaut wurde, indem die Stellen von vier Kohorten-Führern avancierten Centurionen vorbehalten[174] waren. Die Praepositi wären also noch eine Zwischenstufe zwischen der Centurionenklasse und den Lager-Präfekten gewesen.79

Die Schicht des Soldatentums, die wir als die Unteroffiziere bezeichnen würden, dazu die Gefreiten, hießen in der kaiserlichen Armee principales. Man wählte die anstelligsten, gebildeteren, tapfersten aus den Gemeinen und ließ sie nach einem genau bestimmten Schema avancieren. Die wichtigsten Chargen sind, wie in der Republik, der signifer, der optio und der tesserarius, die auch den Centurio im Kommando vertreten oder kleinere Abteilungen führen. Aus den principales gehen nicht nur die Centurionen hervor, sondern auch die Verwaltungsbeamten der Armee und die Stäbe der höheren Offiziere und schließlich auch die kaiserlichen Zivilbeamten.80

Den Sold der Legionare, der unter der Republik, außer der Verpflegung (frumentum), die gleich 45 Denaren gerechnet wurde, 75 Denare im Jahre betragen hatte, hatte Cäsar verdoppelt, und Augustus erhöhte ihn gegen Ende seiner Regierung auf das Dreifache, 225 Denare = 195 Mark. Wie reichlich dieser Sold war,[175] kann man daraus entnehmen, daß die Auxiliar-Truppen, die unter ganz denselben Bedingungen lebten, nicht mehr als den dritten Teil davon (75 Denare) erhielten. Die Prätorianer aber, die nicht im Lager, sondern in Rom und einigen anderen Luxusplätzen lebten, erhielten mehr als das Dreifache der Legionare, 750 Denare oder 650 Mark neben der Verpflegung.

Zu dem regelmäßigen Solde kamen die Geschenke beim Thronwechsel oder sonstigen Gelegenheiten und eine Prämie bei der Dienstentlassung, die bei den Legionaren nicht weniger als 3000, bei den Prätorianern 5000 Denare (2600 und 4300 Mark) betrug. An Stelle des baren Geldes wurde auch eine Ackeranweisung gegeben, aber ob ein Mann, der vom 18. bis zum 40. oder 45. Jahr Krieger gewesen ist, noch ein berufsfreudiger Kleinbauer werden kann, mag wohl billig bezweifelt werden. Auch diese Donative aber erhielten nur die Prätorianer und Legionare, nicht die Auxilien.

Domitian erhöhte den Jahressold der Legionare auf 300, Commodus erhöhte ihn auf 375, Septimius Severus auf 500 Denare. Welche Tragweite diese Erhöhungen hatten, ist nicht sicher zu erkennen. Da unter Septimius Severus der Denar nur noch halb so viel Silber hatte, wie unter Augustus, so wäre die gewaltige Erhöhung doch nicht viel mehr als eine scheinbare gewesen; aber es ist wahrscheinlich, daß die Kaufkraft des Geldes gestiegen war, so daß die Real-Löhnung der Soldaten in der Tat eine bedeutende Erhöhung erfahren hat, wie das bei der Abhängigkeit der Kaiser von ihren Soldaten nur natürlich ist.81

Die Centurionen, die unter der Republik nur das Doppelte der Löhnung der Soldaten erhalten hatten, erhielten unter den Kaisern das Fünffache, erhoben sich also noch weit mehr als ehedem aus der Masse.[176]

Wie schon unter der Republik, so wurde auch unter den Kaisern der soldatische Ehrgeiz durch ein ganzes System von äußeren Ehrenzeichen befeuert. Man verlieh Ehrenspieße, Fähnlein, Schilde, Schmuckplatten am Pferdegeschirr wie auch auf der Brust zu tragen, Arm- und Halsringe, Kronen und Kränze.82 Auch ganze Abteilungen wurden in dieser Weise oder durch ehrende Beinamen ausgezeichnet.

Die Legionen und Kohorten haben fest angestellte Ärzte und Lazarette (valetudinaria) mit eigenen Beamten und Krankenwärtern (qui aegris praesto sunt).83

Auch Roßärzte werden erwähnt.

Bei jeder Kohorte waren unter Aufsicht des Fahnenträgers eine Sparkasse und außerdem kleine Versicherungskassen auf Gegenseitigkeit, insbesondere eine Begräbniskasse. Die Soldaten waren gehalten, einen Teil ihres Goldes und namentlich der Donative, in die Sparkasse zu legen, wenigstens bis zu einer gewissen Höhe. Pescennius Niger befahl einmal, daß die Soldaten, wenn sie in den Krieg gingen, überhaupt kein Gold- oder Silbergeld bei sich tragen, sondern es auf der Kasse abgeben sollten, um es nach Schluß des Feldzuges zurückzuempfangen.

Eine besoldete Armee kann nicht ohne eine sehr genaue Listenführung verwaltet werden. In den ägyptischen Papyri sind uns neben so vielen anderen auch einige solche Militärakten erhalten, Blätter aus den Jahren 81-87, auf denen in lateinischer Sprache Abrechnungen für einzelne Soldaten, Kommandos, Urlaub und dergleichen von dem Schreiber einer Centurie äußerst sorgfältig verzeichnet sind.84

Jeden Abend traten am Feldherrnzelte im Lager alle Trompeter und Hornisten zusammen und bliesen, wie wir es frischweg wiedergeben dürfen, den Zapfenstreich. Dann zogen die Nachtwachen auf.85[177]

Die Disziplin blieb von der altrömischen Art und Strenge, und wenn sie einmal erschlaffte, so fanden sich immer bald Feldherren, die sie wieder scharf anzogen. Von Corbulo erzählte Tacitus (Ann. XI, 18), er habe, als er unter dem Kaiser Claudius die zuchtlosen Legionen zur alten Sitte zurückführte, einen Soldaten hinrichten lassen, weil er am Wall arbeitete, ohne, wie vorgeschrieben das Schwert umgehängt zu haben; einen anderen, weil er nur einen Dolch hatte.

Die Centurionen gingen, wie bei uns im 18. Jahrhundert die Offiziere, stets mit ihrem Stock, der Weinrebe, in der Hand einher und gebrauchten sie schonungslos. In der großen Meuterei der Legionen nach dem Tode Augustus' erschlugen die Soldaten neben vielen anderen Offizieren auch einen Centurio, dem sie den Spitznamen »cedo alteram«, »andere her«, gegeben hatten, weil er gewohnt war, wenn er einen Stock auf dem Rücken eines Soldaten zerschlagen, nach einem anderen zu rufen. Wenn in der Armee Friedrichs des Großen das willkürliche Züchtigungsrecht der Vorgesetzten einigermaßen dadurch in Schranken gehalten wurde, daß die Kompagniechefs, aus dem Adel hervorgehend, in einer Art patriarchalischem Verhältnis zu ihrer Mannschaft standen und auch für ihre Pflege und zum Teil den Ersatz verantwortlich waren, so fehlten bei dem römischen Centurio diese Milderungsmomente: er ist nichts als Vorgesetzter, versieht selbst den täglichen Dienstbetrieb und ist nur um so härter, da er selber aus dem Stande der Gemeinen hervorgegangen ist.

Aber nicht bloß durch die Zuchtmittel der Disziplin und den abstrakten militärischen Ehrbegriff wurde das römische Heer und mit ihm der römische Staat zusammengehalten. Die Staatsklugheit dieses Herrenvolkes hatte die Stadt Rom nicht bloß zum politischen, sondern auch zum religiösen Mittelpunkt des Weltreiches gemacht: wohl ließ man den unterworfenen Völkern ihre nationalen Gottheiten und nahm sie ihnen nicht, aber allenthalben neben den einheimischen Göttern erhoben sich die Tempel und Altäre, an denen der dea Roma und zugleich dem numen imperatoris geopfert wurde. Ähnlich, aber doch etwas an ders in den römischen Lagern: für die dea Roma gab es hier keinen Altar; in den Legionen verehrte man die alten kapitolinischen Götter, Jupiter, Juno, Minverva,[178] bei den Auxilien heimische Götter, gleichmäßig aber bei allen Truppen den Genius des Kaisers. Indem die Auxilien ihren ursprünglichen nationalen Charakter allmählich verloren, verschiedenartigen Ersatz in sich aufnahmen und sich romanisierten, nahmen sie auch römische Götter an. Namentlich Mars gewann sehr viele Verehrer, und noch zahlreiche andere Götter oder Personifikationen, Victoria, Fortuna, Honos, Virtus, Pietas, Disziplina, der Genius des Orts, der Genius des Exerzierplatzes, der Genius des Lagers erhielten Altäre.86 Ganz selten, erst im dritten Jahrhundert, finden wir auch einmal einen der Urbs Roma geweihten Altar. Diese Verschiedenheit der bürgerlichen und der militärischen Religion ist der Ausdruck der politischen Stellung der Armee im Staatswesen: sie gehört nicht sowohl dem Staat, wie dem Kaiser, wie ja auch tatsächlich die Armee den Kaiser einsetzt.

Eine theologische Ausgestaltung des Begriffs des Numens oder des Genius des Kaisers, eine Feststellung, wie sich diese Göttlichkeit zu dem Menschen von Fleisch und Blut verhalte, hat nie stattgefunden. Es sind Kaiser gekommen, die die Göttlichkeit für sich selbst, für ihre Person in Anspruch nahmen; die Besseren und Klügeren, Augustus, Tiberius und die Kaiser des zweiten Jahrhunderts, ließen ihre Person zurücktreten, aber neben den geheiligten Feldzeichen, im Kreise der Götter des Fahnenheiligtums, steht auch das Bild des Kaisers; der Kriegsherr genießt Ehren, die der Gottheit zukommen, und die soldatische Religion ist die Ergänzung der soldatischen Disziplin und soldatischen Ehre.87

Das kaiserlich römische Heer, das der damaligen zivilisierten Welt auf Jahrhunderte einen nur selten unterbrochenen Frieden sicherte, war im Verhältnis zu den Aufgeboten, die wir aus der griechischen Geschichte und der römischen Republik kennen, wie auch im Verhältnis zu modernen stehenden Heeren nur sehr klein. Die[179] 25 Legionen des Augustus dürfen wir mit den Hilfstruppen, die ständig, auch im Frieden, in Dienst waren, auf nicht mehr als 225000 Mann anschlagen; das Reich hatte eine Einwohnerzahl von 60 bis 65 Millionen Seelen.88 Das Stärkeverhältnis ist also etwas über 1/3 Prozent, während Rom in den gespanntesten Jahren des zweiten punischen Krieges etwa 71/2 Prozent seiner Seelenzahl in Waffen hatte und in Deutschland und Frankreich bis 1914 erheblich über ein Prozent, auch im Frieden, unter Waffen gehalten werden.

Vermöge ihrer Organisation und Disziplin vermochte, wie die Römer sich selbst mit Stolz sagten,89 jener geringe Bruchteil der wehrfähigen Männer dem Reich den Frieden zu erhalten, während die große Masse den Werken des Gewerbes und der Kultur nachging und nur ihre Steuern zu zahlen brauchte, um aller Kriegsgefahr überhoben zu sein.

Ob die spätere Vermehrung der Zahl der Legionen von 25 auf 33 eine tatsächliche Vergrößerung der Armee, entsprechend der Vermehrung der Bevölkerung, bedeutet, muß dahingestellt bleiben, da bei der steten Ausdehnung des römischen Bürgerrechts auch eine Umwandlung von Auxilien in Legionen stattgefunden haben kann. Domitian soll einmal geplant haben, die Armee zu reduzieren, um zu sparen, mußte aber davon zurücktreten, da er dadurch den Barbaren gegenüber zu schwach geworden wäre.90

Wie sparsam man mit den Truppen umging, erkennt man an einigen Stellen in den Briefen des Plinius an Trajan, wo zwischen dem Statthalter und seinen Beamten und wieder zwischen dem Statthalter und dem Kaiser selbst, sozusagen, um jeden Mann gefeilscht[180] wird und Briefe darüber zwischen Bithynien und Rom hin- und hergehen.

Organisation wie Taktik der Legionen bleibt im wesentlichen die alte. Daß der Bestand der Kohorten etwas verändert und Doppel-Kohorten (milliariae) geschaffen wurden, hatte auf die Taktik keinen Einfluß. Auch die Reformen, die dieser oder jener Kaiser, namentlich Hadrian vornahm, sind bloß reglementarischer Natur, ohne an dem Wesen der Taktik etwas zu verändern.

Einen weiteren Ausbau scheint die, wie wir es nennen dürfen, Feldartillerie erfahren zu haben. Die Katapulten und Ballisten, die ursprünglich nur bei Belagerungen verwandt wurden, waren auch für Gefechte im Felde brauchbar gemacht worden. Es ist möglich, daß Cäsar seinen Legionen schon regelmäßig solche Geschütze zugeteilt hat; in einigen Gefechten werden sie bei ihm wie bei deinen Gegner erwähnt.91 Tacitus berichtet davon in der Schlacht am Angrivarierwall. Nach einer späteren Nachricht92 sollen jeder Legion 55 Karroballisten und zehn Onagri reglementsmäßig beigegeben worden sein. Die erstgenannten Maschinen schossen große Pfeile, wurden von Maultieren gezogen und gebrauchten zu Bedienung 11 Mann; die anderen wurden Ochsen gezogen und schleuderten schwere Steine. Bei Belagerungen hatten diese Instrumente große Bedeutung; in einer Schlacht können sie aber schwerlich eine starke Wirkung gehabt haben, da ihre Geschosse zwar eine große Durchschlagskraft hatten, aber nicht in viel größerer Ferne wirkten als die Handwaffen, man sich ihnen also leicht entzog, indem man entweder zurückwich oder zum Nahkampf vorwärts stürmte.

Über das Exerzieren der Römer haben wir keine speziellen Nachrichten. Wohl aber wird bei den griechischen Taktikern dieser[181] Zeit über die Gliederung und Kommandos so viel gesagt, daß wir uns ein Bild davon machen können, und wir dürfen dies Bild um so mehr getrost auch von den Römern gelten lassen, als es den modernen Formen im höchsten Grade ähnelt, was dahin zu erklären ist, daß es sich hier um so einfache, teils mathematische, teils psychologische Gesetze und Grundsätze handelt, daß sie notwendig in jeder Zeit und bei jedem Volk in der Praxis ähnliche Erscheinungen hervorbringen müssen.

Man teilte die Haufen ein nach Rotten und Gliedern, man ließ sie ausrichten, hatte Vordermann und Hintermann, unterschied Wendungen und Schwenkungen, Kontremarsch, Front und Kehrt. Wir wollen einige Kommandos wörtlich geben:

ἄγε εἰς τὰ ὅπλα! – an die Gewehre!

ὁ σκευοφόρος ἀποχωρείτω τῆς φάλαγγος! – Burschen aus der Linie!

σίγα καὶ πρόσεχε τῷ παραγγελλομένῳ! – Stillgestanden! Achtung!

ἄνω τὰ δόρατα! – Gewehr (Spieß) auf!

κάθες τὰ δόρατα! – fällt das Gewehr (den Spieß)!

ἐπὶ δόρυ κλῖνον! – rechts um! (zum Spieß!)

ἐπ ἀσπίδα κλῖνον! – links um! (zum Schild!)

πρόαγε! – Marsch!

ἐχέτω οὕτως! – Halt!

ζύγει! – richt' euch!


στοίχει! – Vordermann nehmen!

Die Exaktheit alles Exerzierens beruht auf der Zerlegung des Kommandorufs in zwei Teile, das Ankündigungs- (Advertissements-) und das Ausführungs-Kommando. Auch diese Technik haben die Alten bereits gekannt; bei den taktischen Schriftstellern Asklepiodot und Älian finden wir nicht nur die Anweisung, die Befehle müßten kurz und unzweideutig sein, sondern es müsse auch das Besondere dem Allgemeinen voraufgehen: also nicht »um – zum Spieß«, sondern »zum Spieß – um«, sonst würden im Eifer die Einen rechts- und die Anderen linksum machen.

Nach dem Armee-Reglement sollten die römischen Soldaten nicht bloß exerzieren, sondern auch fechten, schießen, turnen, schwimmen und manövrieren; das Manöver heißt decursio und wird erklärt »divisas bifariam duas acies concurrere ad simulacrum pugnae«, entspricht also genau dem, was wir darunter verstehen.[182] Dreimal im Monat soll ein Übungsmarsch (ambulatio) mit feldmarschmäßigem Gepäck gemacht werden, zwei Meilen hin und zwei Meilen zurück.93

Auf dem Exerzieren beruhte, ganz wie in den modernen stehenden Heeren, die Disziplin. Aber die Zahl der neu auszuexerzierenden Rekruten war sehr gering; die große Masse der Legionen bestand ja aus älteren Leuten. In den Heeren des 18. Jahrhunderts, wo ein ähnliches Verhältnis bestand, pflegte man die meisten älteren Leute, mit Ausnahme einer kurzen Exerzierperiode im Jahr, zu beurlauben und den Präsenzstand mit Wachtdienst zu beschäftigen. Dies Beurlaubungssystem war bei den römischen Soldaten, denen der stete Grenzschutz oblag, nicht anzuwenden. Man beschäftigte deshalb die Soldaten, wie das schon in republikanischer Zeit geschehen war, mit Bauten; nicht nur der Limes, seine Türme und Kastelle sind von den Soldaten selbst gebaut und in Stand gehalten worden, sondern auch die großen Straßen in den Grenzprovinzen, wo wir häufig noch heute aus Inschriften ersehen können, welcher Truppenteil sie ausgeführt hat. Für Privatunternehmungen die Soldaten zu verwenden, hat Augustus ausdrücklich verboten; aber für Tempel und andere öffentliche Gebäude sind sie herangezogen worden.

Ein drastisches Beispiel, wie sehr im Grunde die Menschen immer dieselben bleiben und dieselben Institutionen immer wieder dieselben Erscheinungen zeitigen, bietet ein Dokument aus der römischen Heeresgeschichte, das uns das Bild einer Truppen-Inspizierung gibt und das der Zufall erhalten hat.

Als die Franzosen Algier eroberten, entdeckten sie in einer ziemlich wüsten Gegend, Lambäsis, wo lange ein Legionslager gewesen ist, eine große Inschrift, die man als eine Ansprache des Kaisers Hadrian erkannt hat, die dieser an die Truppen gerichtet hat (am 1. Juli 128), nachdem er sie dort inspiziert hatte; der Kommandierende Legat Catullinus hat sie zum ewigen Andenken, wie gut er und seine Legion bei der Kaiser-Parade abgeschnitten, in Stein hauen lassen. Der französische Oberst ehrte das Andenken des uralten Kriegskameraden durch einen Parademarsch, mit dem[183] er sein Regiment an der steinernen Urkunde vorbeidefilieren ließ. In mehrfach erneuten Anläufen hat man seitdem daran gearbeitet, die fehlenden Stücke und Worte aus dem Zusammenhang zu ergänzen, und so einen zwar nicht vollständigen, aber für die Hauptstücke lesbaren Text hergestellt, den ich zusammen mit meinem Schulfreunde Wilhelm Möller nach dem Corpus inscriptionum latinarum im Jahre 1882 unter Zufügung einer Übersetzung, die die Anklänge an das Moderne möglichst zur Anschauung zu bringen sucht, im Militär-Wochenblatt zum Abdruck gebracht habe. Wer mit dem inneren Leben unserer Armee einige Fühlung hat, denke ich, muß etwas in sich erklingen hören, was man den Humor der Weltgeschichte nennen möchte, indem man liest, wie die Mischung von Anerkennung und Kritik, Lob mit Vorbehalt, Autorität und Wohlwollen, das Reglement, die höhere Weisheit des Vorgesetzten und die Belehrung von je zu den Ingredienzien einer Manöver-Kritik gehört haben.


Die Inschrift lautet:94


... et is pro causa ves[tra legatus meus quae excusa[nda vobis aput me fuissent omnia mihi pro vobis ipse di[xit: quod] cohors abest, quod omnibus annis per vices in officium pr[ocon]sulis mittitur, quod ante annum tertium cohortem et qua[ternos] ex centuris in suplementum comparum tertianorum dedistis, quod multae, quod diversae stationes vos distinent, quod nostra memoria bis non tantum mutastis castra sed et nova fecistis: ob haec excusatos vos habe[rem si miles] diu exercitatione cessasset. Sed nihil aut cessav[isse videtur, aut est ulla causa cur ... a vobis excusationem accipiam. omnia strenua fecistis, cum et ...


...vide[antur attendi]sse vobis; primi ordines et centuriones agiles [pro mune]re95 suo fuerunt.


Eq(uites) leg(ionis.)


[Exe]rcitationes militares quodam modo suas leges [ha]bent, quibus si quit adiciatur aut detrahatur, aut minor [exer] citatio fit aut difficilior; quantum autem difficultatis [additur, t]antum gratiae demitur. Vos ex difficilibus difficil[limum fecistis], ut loricatiiaculationem perageretis. ... laud]o, quin immo et animum probo. ...

... [Catullinus, leg(atus) meus, cl(arissimus) v(ir), copiis omni]bus, quibus praeest, parem curam suam exhib[et; ... prae]fectus vester sollicite videtur vobisattendere. Congiarium accipite viatoriam in Commagenerem campos. ...


Eq(uites) coh(ortis VI Commagenorum.


Difficile est, cohortales equites etiam per se placere, difficilius post alaremexercitationem non displicere: alia spatia campi, alius iaculantium numerus, frequens dextrator.96 cantabrius densus, equorum forma, armorum cultus pro stipendi modo. Varum vos fastidium calore vitastis, strenue faciendo quae fieri debebant; addidistis, ut et lapides fundis mitteretis et missilibus confligeretis; saluistis ubique expedite. Catullini leg(ati) mei c(larissimi) v(iri) [insignis cura] apparet, quod tales vos sub ...

... quas] alii [per] plures dies divisis]sent, e]as uno di peregistis; murum lo[ngi] operis et qualis mansuris hibernaculis fieri solet, non [mul]to diutius exstrucxistis, quam caespite exstruitur, qui modulo pari caesus et vehitur facile et tractatur et sine molestia struitur ut mollis et planus pro natura sua vos lapidibus grandibus, gravibus inaequalibus, quos neque vehere neque attollere neque locare quis possit nisi ut inaequalitates inter se compareant; fossam glaria duram scabramque recte percussistis et radendo levem reddistis. Opere probato introgressi castra, raptim et cibum et arma cepistis, equitem emissum secuti magno clamore revertentem per [spatia excepistis ...


fecistis et manibus non languidis id ... non ad signum miseritis97 quod iam hostis ... mittendi saepius et instantius hostis ultra98 ... non audeat castra ... tarde iunxistis ... erumpetis.

... Catullinum leg(atum) meum cl(arissimum) v(irum)] laudo, quod convertuit vos ad hanc exercita[tionem, quae veram di]micationis imaginem accepit, et sie exercet, [ut probare et lau]dare vos possim; Cornelianus prefectus ves[ter officio suo sa]tisfecit. Contrari discursus non placent mihi. Ne temere, Augustus est auctor. e tecto transurrat eques et pe[rsequaturcaute; si non videt] qua vadat aut si voluerit ecum'99 r[etinere nequit, non potest quin sit obnoxius caliculis tectis ... si vultis congredi debetis concurrere ... iam adversus hosti facienda ...


[Die Legion im allgemeinen betreffend.]

Mein Legat hat in seinem Bericht die besondere Lage des Regiments (der Division100) auseinandergesetzt: ein Bataillon fehlt; ein jährlich wechselndes Kommando wird für das Gouvernement gestellt; vor drei Jahren hat ein Bataillon und der vierte Teil der Kompagnien zum Ersatz an[184] das Schwester-101Regiment, die 3ten, abgegeben werden müssen; das Regiment ist auf viele auseinanderliegende Garnisonen verteilt; in der jüngsten Vergangenheit hat es zweimal nicht nur das Standlager gewechselt, sondern auch ein neues anlegen und befestigen müssen: alle diese Gründe würden dem Regiment zur Entschuldigung dienen, wenn lange kein Exerzieren in größerem Verbande stattgefunden hätte. Das Ergebnis der Inspizierung macht diese Entschuldigung überflüssig, und ich kann dem Regiment meine volle Zufriedenheit aussprechen ...

... Die Stabsoffiziere (oder der Legat?) haben sich der Ausbildung der Truppen mit Sorgfalt angenommen. Die Hauptleute, Subaltern- und Unteroffiziere102 haben Diensteifer bewiesen.


Die Kavallerie.


Das militärische Exerzitium ist ein organischer Zusammenhang; fügt man ihm etwas hinzu[185] oder läßt etwas weg, so genügt entweder die Ausbildung nicht oder sie wird zu schwierig; macht man die Schwierigkeit zu groß, so verliert man an der Eleganz der Ausführung. Das Regiment hat sich aber nicht mit dem Schwierigen begnügt, sondern das Allerschwierigste rausgeführt, nämlich Kürassiere als Schützen auftreten lassen [ich will das nicht unbedingt tadeln] den Geist, aus dem es entspringt, sogar loben [indessen ...


[Auxiliar-Truppen.]


S. Exzellenz, Mein General Catullinus, beweist für alle ihm unterstellten Waffen gleiche Fürsorge ... der Oberst hat sich der Ausbildung seiner Truppe mit Sorgfalt angenommen. Ich bewillige derselben für den Rückmarsch nach Commagene einen extraordinären Verpflegungszuschuß. ...

Die Kavallerie des 6. Commagenischen Bataillons.


Es ist an sich schwer, daß die Bataillonskavalerie103 einen guten Eindruck macht, und noch schwerer, daß sie wenn das Exerzieren der Kavallerie-Regimenter voraufgegangen ist, nicht[186] geradezu abfalle: der Raum, die Zahl der Schützen, die kunstvollen Schwenkungen104, die geschlossene Masse, die vortrefflichen Remonten, die entsprechend der höheren Löhnung glänzende Bewaffnung: Alles ist anders. Umso mehr ist es anzuerkennen, daß die Eskadron die Schwierigkeit durch Anstrengung überwunden hat, sich in der Ausführung der vorgeschriebenen Exerzitien tüchtig zeigte, den Kampf mit der Schleuder und dem Wurfgeschoß noch dazu durchführte und im Voltigieren besondere Gewandtheit bewies. Von Seiner Catullinus' Sorgfalt legt es Zeugnis ab, daß er euch. ...

[Das Manöver.]


... Das Regiment hat Dinge, die sonst auf mehrere Tage verteilt werden, an einem Tage fertig gebracht; es hat eine weit ausgedehnte Feldbefestigung, wie sie bei Winterstandlagern gebräuchlich ist, in einer nicht viel längeren Zeit ausgeführt, als[187] man bedarf, wenn man ausgehobene Rasenstücke dazu verwendet, die, ihrer Natur nach gleichmäßig geschnitten, leicht herangeschafft und behandelt werden können, während hier große und schwere Steine und Felstücke angewandt sind, welche man weder transportieren, noch heben, noch aufbauen kann, ohne die Unebenheiten untereinander auszugleichen. Der Graben, welchen das Regiment in einem harten, felsigen Boden anzulegen hatte, wurde richtig eingeschnitten und die Wände durch Behauen abgeglättet. Nach Abnahme dieses Werkes wurde das Lager bezogen, mit Schnelligkeit abgekocht und wieder angetreten. Als dann die voraufgeschickte Kavallerie geworfen zurückkam, wurde sie durch die Intervalle aufgenommen und mit lautem Hurra ... ... der Feind wagt nicht mehr, sich dem Lager zu nähern ... zu langsam ralliiert ... Ausfall.[188]

S. Exzellenz, Mein General Catullius, hatte das Manöver derartig angelegt (General-Idee), daß das Gefechtsbild dem Ernstfalle entsprach; das muß ich loben. Die Ausführung durch die Truppen verdient ebenfalls hohes Lob. Der Oberst Cornelianus hat den Anforderungen seines Postens entsprochen. Seine Schwärmattacken (?) haben nicht meinen Beifall. Das Reglement des Kaisers Augustus schreibt vor, daß die Kavallerie nicht leichtsinnig aus der Deckung vorgehe und vorsichtig verfolge; wenn der Reiter nicht flieht, wo er sich bewegt, oder das Pferd nicht zum Stehen bringen kann, wenn er will, so stürzt er in die Wolfsgruben ... Geschlossen muß angegriffen werden.


Diesem Armeebefehl Hadrians möchte ich nun auch noch die Erzählung Tacitus' von dem großen Soldatenaufstand beim Regierungsantritt des Tiberius (Annalen, Buch I) anschließen.

Man kann das römische Heer in seiner wunderbaren Mischung gemeiner und tüchtiger Eigenschaften nicht lebendiger kennen lernen, als in der Erzählung von dieser inneren Bewegung, die uns von Tacitus' Meisterhand überliefert ist. Das Verhältnis des Soldaten zur Dynastie, des Römers zu den Provinzialen, des römischen Kriegsstaats, der im Imperator sein Haupt hat, zum bürgerlichen römischen Staat, der noch immer im Senat repräsentiert wird, alles[189] wird uns in den Reden, die hier gehalten werden, so lebendig, wie einst das Heer der römischen Republik in der Rede des Centurio Ligustinus, und nicht nur um des römischen Heeres willen wollen wir uns Tacitus' Erzählung in ihrer ganzen Breite wiederholen, sondern weil wir in dem Fortgang des Werkes immer von neuem Gelegenheit haben werden, darauf zu verweisen, wenn ähnliche, ja ganz dieselben Erscheinungen uns bei Heeren anderer Zeiten und Völker entgegentreten werden.

Tacitus erzählt:

So war der Stand der Dinge in Rom, als sich bei den Pannonischen Legionen ein Aufruhr entspann; nicht aus besonderen Ursachen; nur weil der Fürstenwechsel Straflosigkeit des Aufstands und im Bürgerkrieg Aussicht auf Gewinn erblicken ließ. Im Sommerlager waren drei Legionen beisammen, unter des Junius Bläsus Befehl. Auf die Nachricht von Augustus' Ende und Tiberius' Regierungsantritt hatte dieser wegen der Trauer- oder Freudenfeste die gewöhnlichen Kriegsübungen eingestellt. Dies ist die erste Veranlassung, daß der Soldat ausgelassen wurde, einen feindseligen Ton annahm, dem Zureden der Schlechtesten das Ohr lieh, endlich nach Schwelgerei und Müßiggang gelüstete, überdrüssig der Kriegszucht und Arbeit. Im Lager war ein gewisser Percennius, vormals das Haupt der Theaterklaque, hierauf gemeiner Soldat, ein frecher Schwätzer, durch theatralische Gewandtheit im Aufwiegeln geschickt. Dieser hetzte die einfältigen Gemüter, die über das Los der Krieger nach Augustus' Tode besorgt waren, allmählich in nächtlichen Zusammenkünften auf, oder er sammelte, wenn der Tag sich neigte und die Bessergesinnten sich entfernt hatten, die Verdorbensten um sich her. Zuletzt, als auch andere Mithelfer des Aufruhrs bereit waren, hob er, gleichsam als Redner, zu fragen an:

»Warum sie wenigen Centurionen und noch weniger Tribunen nach Sklavenart gehorchten? Wann würden sie Abhilfe fordern dürfen, wenn sie nicht den neuen, noch schwankenden Fürsten mit Bitten oder Waffen angehen wollten? Genug habe man so viele Jahre lang aus Feigheit gesündigt, da sie als Greise, die Meisten von Wunden verstümmelt, dreißig bis vierzig Feldzüge auf sich hätten; auch für die Entlassenen sei der Dienst nicht zu Ende, sondern bei der Fahne zurückbehalten, müssen sie unter anderm[190] Namen dieselben Mühseligkeiten ertragen; und habe einer so viele Drangsale, so schleppe man ihn zudem in entlegene Länder, wo er unter dem Namen von Äckern moorige Sümpfe oder rauhes Bergland erhalte. Der Dienst an sich sei in Wahrheit drückend und armselig; zehn Asse täglich schätze man Leib und Leben; daraus müssen sie Kleidung, Waffen, Gezelt anschaffen, daraus sich von Mißhandlung der Centurionen und von Kriegsarbeiten loskaufen. Allein beim Himmel, Schläge, Wunden, harte Winter, plagvolle Sommer, scheulicher Krieg oder magerer Friede, das daure immer fort. Kein anderes Hilfsmittel sei, als nur unter Bedingungen in den Dienst zu treten; daß jeder einen Denar Sold bekomme; daß mit sechzehn Jahren der Dienst zu Ende sei; daß sie nicht weiter unter der Fahne behalten würden, sondern im Lager selbst die Belohnung bar bezahlt werde. Hätten denn die prätorischen Kohorten, die zwei Denar Sold erhielten und nach sechzehn Dienstjahren ihrer Heimat wiedergegeben würden, mehr Gefahren auszustehen? Er wolle nicht den Wachdienst in der Stadt herabsetzen; allein sie müßten unter wilden Völkern aus ihren Gezelten dem Feind ins Gesicht schauen.«

Der Haufe, mannigfach aufgeregt, lärmte Beifall; die einen zeigten mit Bitterkeit die Striemen der Schläge, andere ihr graues Haar, die meisten ihre abgenützte Kleidung und den entblößten Leib. Zuletzt gerieten sie so in Wut, daß sie damit umgingen, die drei Legionen in eine zu verschmelzen. Hiervon abgebracht durch Eifersucht, weil jeder diese Ehre seiner Legion zugedachte, verfallen sie auf ein anderes und stellen die drei Adler und die Feldzeichen der Kohorten zusammen: zugleich tragen sie Rasen herbei und errichten eine Bühne, damit der Platz mehr in die Augen falle. Während des Treibens kommt Bläsus dazu, schilt sie, hält einzelne ab, laut rufend: »Tauchet lieber in mein Blut Eure Hände: kleinerer Frevel ist's, den Legaten töten, als vom Imperator abfallen. Entweder will ich lebend die Treue der Legionen bewahren oder ermordet ihre Reue beschleunigen.«

Nichtsdestoweniger wurde der Rasen aufgehäuft, und schon war er auf Brusthöhe angestiegen, als sie, endlich durch des Bläsus Festigkeit besiegt, vom Beginnen abstanden. Er stellte ihnen mit viel Rednergewandtheit vor: »Nicht durch Meuterei und Rotten[191] müßten Soldaten ihre Wünsche vor den Herrscher bringen: solche Neuerungen hätten weder ihre Vorgänger von den alten Imperatoren noch sie selbst vom vergötterten Augustus verlangt; sehr zur Unzeit sei's, einem angehenden Herrscher die Sorgen zu erschweren. Wenn sie jedoch im Frieden erringen wollten, was nicht einmal in Bürgerkriegen die Siegerpartei gefordert hätte, warum sie denn wider den gebührlichen Gehorsam, wider das Recht der Kriegszucht Gewalt brauchten? Sie sollten Abgeordnete bestellen und in seiner Gegenwart ihnen Aufträge geben.« Sie riefen: »Bläsus Sohn, der Tribun, solle die Gesandtschaft übernehmen und für die Soldaten den Abschied nach sechzehn Dienstjahren verlangen; das übrige wollten sie auftragen, wenn das erste gelangen sei.« Nach Abreise des jungen Mannes war es ziemlich ruhig; indes prahlten die Krieger, der Sohn des Legaten, als Wortführer der gemeinsamen Sache, beweise sattsam, sie hätten durch Zwang erpreßt, was sie durch Bescheidenheit nicht erlangt hätten.

Man hatte vor Beginn des Aufstandes einige Manipel nach Nauportus zu Straßen- und Brückenbau und anderem Nötigen abgeschickt; sobald diese die Unruhen im Lager vernommen hatten, brachen sie mit den Fahnen auf. Nachdem sie die nächsten Dörfer geplündert, worunter Nauportus selbst, das einer Landstadt glich, verfolgten sie die abwehrenden Centurionen mit Gespötte und Schmähworten, zuletzt mit Schlägen. Vorzüglich haßten sie den Lagerpräfekten Aufidienus Rufus, den sie vom Wagen reißen, mit Gepäck beladen und vor dem Zuge dahertreiben, höhnisch fragend, ob ihm solch schwere Last, solch langer Marsch wohl behage? Rufus nämlich, lange gemeiner Soldat, dann Centurio, hierauf Lagerpräfekt, in Arbeit und Mühsal ergraut, wollte den alten strengen Dienst zurückführen, desto unnachsichtiger, weil er ihn selbst ausgehalten hatte.

Durch ihre Ankunft erneuerte sich der Aufstand; herumstreifend verheeren sie die Umgegend. Bläsus befiehlt, einige mit Beute vorzüglich beladene, zum Schrecken der andern, mit Ruten zu peitschen und einzusperren; denn damals noch gehorchten dem Legaten die Centurionen und die besser gesinnen Soldaten. Als man jene ergreift, leisten sie Widerstand, umfassen die Knien der Umstehenden, rufen bald einzelne mit Namen auf, bald die Centurie, wozu jeder[192] gehörte, die Kohorte, die Legion, immer schreiend, ein Gleiches hätten alle zu gewärtigen: zugleich häufen sie Schmähworte auf den Legaten, beschwören Himmel und Götter und tun alles, um Erbitterung, Mitleid, Furcht und Haß zu erregen. Alles läuft nun herbei; sie erbrechen den Kerker, lösen die Fesseln, die Ausreißer und Todesverbrecher nehmen sie unter sich auf.

Hitziger wird nun das Ungestüm, der Aufstand gewinnt neue Anführer. Ein gewisser Vibulenus, gemeiner Soldat, vor des Bläsus Tribunal auf die Schultern der Umstehenden emporgehoben, spricht zu der tobenden, auf seinen Vortrag gespannten Menge: »Ihr habt zwar diesen schuldlosen, bedauernswürdigen Menschen Licht und Atem wiedergeschenkt; aber wer gibt meinem Bruder das Leben, wer mir den Bruder wieder? Ihn, vom Germanischen Heere an Euch gemeinschaftlichen Nutzens wegen abgeschickt, hat er in der letzten Nacht durch seine Gladiatoren erdrosselt, die er zum Verderben der Soldaten hält und waffnet. Antworte, Bläsus, wo Du den Leichnam hingeworfen? Auch der Feind mißgönnt nicht ein Grab; hab' ich erst mit Umarmung und Tränen meinen Schmerz gestillt, dann laß auch mich ermorden; nur mögen, da wir nicht wegen Verbrechen, sondern um des Wohles der Legionen willen getötet worden, diese hier uns begraben!«

Diese Worte steigerte er durch Schluchzen, schlug mit den Händen Brust und Angesicht; dann stieß er die, so ihn auf den Schultern trugen, beiseite, sprang herab, und zu den Füßen einzelner sich werfend, erregte er solche Bestürzung und Unwillen, daß ein der Soldaten die Gladiatoren in Bläsus' Dienste, ein Teil seine übrige Dienerschaft fesselte, noch andere hinliefen, den Leichnam zu suchen; und wäre nicht schnell bekannt geworden, daß kein Leichnam zu finden sei, daß die Sklaven auf der Folter den Mord leugneten und daß jener nie einen Bruder gehabt habe, so waren sie nahe daran, den Legaten zu ermorden. Die Tribunen jedoch und den Lagerpräfekten stießen sie hinaus; das Gepäck der Entflohenen wird geplündert und der Centurio Lucillius umgebracht, welchem sie nach Soldatenwitz den Beinamen Zweite her aufgeheftet hatten, weil er, wenn eine Rebe auf eines Soldaten Rücken zerbrochen war, mit lauter Stimme eine andere und wieder eine forderte. Die Übrigen wußten sich zu verstecken, nur Clemens[193] Julius ward beibehalten, der seines fähigen Kopfes wegen tauglich schien, die Aufträge der Soldaten auszurichten. Ja, die achte und fünfzehnte Legion zogen sogar gegeneinander das Schwert, weil jene einen Centurio namens Sirpicus zum Tode herausforderte, die fünfzehnte ihn schützte, allein die neunte trat mit Bitten und gegen die Hartnäckigen mit Drohungen dazwischen.

Diese Nachricht nötigte den Tiberius, so verschlossen er sonst war und traurige Ereignisse möglichst verheimlichte, seinen Sohn Drusus samt den ersten Staatsmännern und zwei prätorischen Kohorten abzuordnen, doch ohne bestimmte Aufträge; er sollte nach Umständen handeln. Die Kohorten wurden mit auserlesener Mannschaft ungewöhnlich verstärkt. Dazu kommt ein großer Teil der prätorischen Reiterei und der Kern der Germanen, die damals des Interators Leibwache bildeten. Auch wurde der prätorische Präfekt, Älius Sejanus, von großem Ansehen bei Tiberius, seinem Vater Strabo als Amtsgenosse beigesellt, um den jungen Drusus zu leiten, den andern zu zeigen, was sie zu fürchten oder zu hoffen hätten. Wie Drusus sich näherte, zogen die Legionen scheinbar zur Ehrenbezeugung entgegen, nicht freudig, wie gewöhnlich, noch mit schimmerndem Kriegerschmucke, sondern von Schmutz entstellt, mit einem Antlitz, das Traurigkeit andeuten sollte, doch eher Verstocktheit verriet.

Sobald er innerhalb des Walles war, besetzten sie die Tore mit Wachen, an bestimmten Orten des Lagers stellen sie bewaffnete Scharen auf: die übrigen umringen in mächtigem Schwarm das Tribunal. Drusus stand, mit der Hand Stillschweigen gebietend. Jene, so oft sie die Augen auf die Menge richten, erheben sie wilddrohendes Geschrei, wiederum, den Cäsar anblickend, zittern sie; dumpfes Gemurmel, dann gräßliches Gebrüll und plötzliche Stille; in wechselnder Gemütsbewegung zagen oder schrecken sie. Endlich, nach unterbrochenem Tumult, verliest er des Vaters Schreiben, des Inhalts: »Ihm liegen die tapferen Legionen vorzüglich am Herzen, mit denen er so viele Kriege bestanden habe; sobald sein Gemüt von der Trauer sich erholt hätte, werde er ihr Verlangen den Vätern vorbringen: inzwischen habe er seinen Sohn gesandt, daß er unverweilt gestatte, was sogleich könne bewilligt werden: das[194] übrige sei dem Senate vorzubehalten, der von Rechts wegen bei Begnadigung und Bestrafung mitzustimmen habe.«

Die Versammlung antwortete, der Centurio Clemens werde ihr Verlangen vortragen. Dieser begann von dem Abschied nach sechzehn Jahren; von Belohnung nach vollendetem Dienste; sie sollten täglich einen Denar Sold bekommen, die Veteranen nicht mehr bei der Fahne gehalten werden. Als Drusus das Entscheidungsrecht des Senats und seines Vaters vorwandte, unterbrach ihn Geschrei: »Warum er hergekommen wäre, wenn er keine Vollmacht habe, weder den Sold zu erhöhen, noch die Lasten zu erleichtern, noch irgend eine Wohltat zu erweisen? Hingegen zum Schlagen und Töten, beim Himmel, dazu werde jeder bevollmächtigt. Vormals habe Tiberius in Augusts' Namen die Wünsche der Legionen gemeiniglich vereitelt: ebendieselben Kunstgriffe bringe nun Drusus her; ob denn immer nur zu ihnen Fürstensöhne kämen? Das sei etwas ganz Neues, daß der Imperator nur die Vorteile des Kriegsmannes an den Senat weise; man solle ebenfalls den Senat befragen, so oft es um eine Hinrichtung oder um eine Schlacht zu tun sei; ob denn die Belohnung von höheren Vorgesetzten, die Strafen von der Willkür abhingen?«

Endlich verlassen sie das Tribunal; wie einer der prätorischen Soldaten oder der Freunde des Drusus ihnen begegnet, bedrohen sie ihn mit Fäusten, um Fehde und offenen Kampf zu veranlassen; am meisten waren sie gegen Cneus Lentulus erbittert, weil sie glaubten, dieser an Alter und Kriegsruhm hervorragende Mann bestärke den Drusus und verabscheue aufs höchste jene Soldatenfrevel. Nicht lange darauf, als er mit Cäsar weggeht und, um sich vor Gefahr zu schützen, ins Lager zurück will, umringen sie ihn und fragen, wohin er wolle, zum Imperator oder zu den Vätern? um auch dort das Beste der Legionen hintertreiben? Zugleich fallen sie ihn an, werfen Steine: schon von einem Wurfe blutig und des Todes gewiß, wird er durch die herbeieilende Schar im Gefolge des Drusus gerettet.

Die drohende, frevelschwangere Nacht milderte ein Zufall; man sah den Mond plötzlich am heitern Himmel sich verdunkeln. Der Soldat, unkundig der Ursache, nahm es für eine Andeutung der[195] Gegenwart, mit seinen Beschwerden die Verfinsterung des Gestirnes vergleichend; worauf sie losgingen, werde gut ablaufen, wofern die Mondgöttin Glanz und Klarheit wieder gewänne. Sie erheben daher Erzgeklirr, Trompeten- und Hörnergetön: wie jene glänzender oder dunkler wird, entsteht Jubel oder Wehklage, und als ansteigende Wolken sie dem Anblicke verhüllten, als man glaubte, sie sei in Finsternis begraben, jammern sie (wie denn einmal erschrockene Gemüter zum Aberglauben sich hinneigen), ihnen sei ewige Mühsal geweissagt, die Götter verabscheuen ihren Frevel. Diese Stimmung glaubte der Cäsar benutzen und, was der Zufall dargeboten hatte, weislich anwenden zu müssen und schickte Leute in die Gezelte herum. Der Centurio Clemens wird herbeigerufen, und welcher rechtschaffene Mann sonst noch bei der Menge in Gunsten stand; diese mischten sich unter die Nachtwachen, Lagerposten, Türhüter, lassen Hoffnung blicken, spannen die Furcht. »Wie lange wollen wir den Sohn des Imperators belagern? Wann wird die Fehde sich enden? Solle wir einem Percennius und Vibulenus huldigen? Werden Percennius und Vibulenus den Kriegern die Löhnung, den Ausgedienten Äcker zuteilen? Sollen am Ende sie statt eines Tiberius und Drusus die Herrschaft über das römische Volk ergreifen? Laßt uns lieber, wie die letzten im Fehlen, so auch die Ersten in Reue sein! Allgemeine Wünsche finden spät Erhöhung; besondere Gnade ist zu erhalten, sobald man sie verdient.« Als hierdurch die Gemüter erschüttert und unter sich mißtrauisch wurden, trennen sich die jungen Soldaten von den Veteranen, eine Legion von der andern. Da kehrt allmählich der Sinn für Gehorsam zurück; sie räumen die Tore; die Feldzeichen, im Anfange der Meuterei an einen Ort zusammengebracht, tragen sie jedes an seinen Platz.

Bei Tagesanbruche beruft Drusus die Versammlung; obwohl im Reden ungeübt, doch mit angeborener Würde, rügt er das Frühere, lobt das Gegenwärtige: »Er lasse sich«, sprach er, »nicht durch Schrecken und Drohworte beugen; wenn er sie zur Bescheidenheit umkehren sehe, wenn er sie flehen höre, wolle er dem Vater schreiben, daß er ihre Bitten huldreich aufnehme.« Auf ihr Ansuchen wird wiederum derselbe Bläsus nebst Lucius Apronius, römischem Ritter aus der Drusus Kohorte, und Justus Catonius,[196] Obercenturio, an Tiberius abgesandt. Nun waren die Meinungen geteilt, indem die einen rieten, »man solle die Gesandtschaft zurückerwarten und inzwischen das Kriegsvolk besänftigen«; andere, »man müsse stärkere Heilmittel anwenden; keine Mäßigung bei der Menge; sie schrecke, wofern sie nicht zittere; eingeschüchtert werde sie ungestraft verachtet; jetzt, da noch der Aberglaube sie ängstige, müsse der Feldherr die Furcht durch Wegräumung der Unruhestifter verstärken.« Drusus' Sinnesart war mehr zur Härte geneigt; er ließ Vibulenus und Percennius vorrufen und umbringen. Viele melden, sie sein im Feldherrnzelt verscharrt, andere, die Leichname seien außer dem Walle zum Exempel hingeworfen worden.

Darnach wurden die vorzüglichsten Unruhestifter aufgesucht; ein Teil war, außerhalb des Lagers umherschweifend, von den Centurionen oder prätorischen Soldaten erschlagen; einige von ihren Manipeln, zum Zeugnis der Treue, ausgeliefert. Die Besorgnisse der Soldaten mehrte der frühzeitige Winter durch anhaltende und so heftige Regengüsse, daß sie nicht aus den Zelten gehen, nicht sich versammeln, ja kaum die Fahnen schützen konnten, welche Sturm und Welle fortriß. Auch die Furcht vor himmlischem Zorne dauerte fort; »nicht umsonst sei's, daß wider die Frevler Gestirne erbleichten, Stürme losbrächen, kein anderes Linderungsmittel des Unheils, als daß sie das unselige, geschändete Lager verlassen, und, durch Opfer gesühnt, jeder in sein Winterlager zurückkehre.« Erstlich zog die achte, dann die fünfzehnte Legion ab. Die neunte hatte geschrien, man solle auf des Tiberius Antwort harren; hernach durch der andern Abzug verlassen, kam sie freiwillig der drohenden Notwendigkeit zuvor, und Drusus, ohne die Zurückkunft der Gesandtschaft abzuwarten, kehrte, da nunmehr sich alles ziemlich gelegt hatte, nach Rom zurück.

Fast in denselben Tagen, aus denselben Ursachen empörten sich die germanischen Legionen, je zahlreicher, desto heftiger; auch machten sie sich Hoffnung, Germanicus Cäsar, unvermögend die Herrschaft eines andern zu dulden, werde sich den Legionen anvertrauen. Zwei Heere standen am Rheinufer, eines, das obere genannt, unter dem Legaten Cajus Silius, das untere befehligte Aulus Cäcina. Die Leitung des Ganzen besaß Germanicus, dazumal[197] mit Eintreiben der Abgaben in Gallien beschäftigt. Die unter Silius stehenden Krieger erspähten mit unschlüssigem Gemüte den Fortgang fremder Meuterei; das Kriegsvolk des untern Heeres trieb es bis zur Wut; der Anfang geschah bei der einundzwanzigsten und fünften, die erste und zwanzigste wurden mit hingerissen; denn sie weilten in demselben Sommerlager an den Ubiergrenzen in Müßiggang oder leichter Beschäftigung. Auf die Nachricht nun von Augusts' Tode flüsterte der gemeine Haufe, neulich in Rom ausgehoben, der Zügellosigkeit gewohnt, der Arbeit abgeneigt, den rohen Gemütern der übrigen ein: »Die Zeit sei gekommen, wo die Veteranen baldige Entlassung, die Jüngeren erhöhten Sold, alle Erleichterung ihres Elends fordern und die Härte der Centurionen rächen könnten.« So sprach nicht ein einzelner, wie bei den Pannonischen Legionen Percennius, nicht vor den schüchternen Ohren von Soldaten, die stärkere Heere scheuten, sondern vielstimmig erscholl das Aufruhrgeschrei, »in ihrer Hand liege die römische Macht, durch ihre Siege werde das Gemeinwesen gemehrt, nach ihnen erhielten die Imperatoren den Zunamen.«

Der Legat tat keinen Einhalt; daß der Tobenden so viele waren, hatte ihm den Mut genommen. Plötzlich stürzen die Rasenden mit gezückten Schwertern auf die Centurionen los, von Alters her des Soldatenhasses Gegenstand und die ersten Opfer der Wut. Sie mißhandelten die Niedergeworfenen mit Schlägen, sechzig gegen einen, nach der Zahl der Centurionen. Die Zerschlagenen, Zerfleischten, zum Teil Entseelten, werfen sie vor das Lager oder in den Rheinstrom. Septimius, der nach dem Tribunal geflohen, sich zu Cäcinas Füßen geworfen hatte, ward so lange herausverlangt, bis er zum Tod überliefert wurde. Cassius Chärea, der nachher durch Ermordung des Cajus Cäsar sich bei der Nachwelt einen Namen gemacht, damals ein junger Mann und verwegenen Mutes, öffnete sich durch die Widerstehenden und Bewaffneten mit dem Schwerte die Bahn. Kein Tribun, kein Lagerpräfekt durfte fortan befehlen; Nachtwachen, Posten und was sonst der gegenwärtige Dienst erheischte, verteilten sie selbst. Wer den Soldatengeist tiefer durchblickte, fand eine vorzügliche Anzeige großer und nicht zu stillender Gärung darin, daß sie nicht zerstreut, nicht auf Anstiften weniger, sondern insgesamt aufbrausten, insgesamt[198] stillschwiegen, mit solcher Übereinstimmung und Beharrlichkeit, als leite sie ein Oberhaupt.

Inzwischen erhält Germanicus, der in Gallien, wie gesagt, die Abgaben einzog, Nachricht von Augustus' Hintritt. Er hatte dessen Enkelin Agrippina zur Gemahlin und von ihr mehrere Kinder. Er selbst war Sohn des Drusus, Bruder des Tiberius, und Enkel der Augusta, doch ängstigte ihn des Oheims und der Großmutter versteckter Haß, der, ungerecht, nur desto bitterer war; denn Drusus stand in hohem Andenken beim römischen Volke, und man glaubte, wenn er zur Herrschaft gelangt wäre, hätte er die Freiheit hergestellt; daher die Zuneigung für Germanicus und gleiche Hoffnung. Denn der Jüngling hatte bürgerlichen Sinn, ungemeine Leutseligkeit und ganz andere Rede und Miene, als der stolze, verschlagene Tiberius. Dazu kam Weiberfeindschaft, aus stiefmütterlicher Gehässigkeit der Livia gegen Agrippina; auch war Agrippina etwas zu reizbar; doch ihre Sittenreinheit und Liebe zum Gemahl gab dem heftigen Gemüt eine bessere Richtung.

Allein Germanicus bemühte sich, je näher beim Thron, desto eifriger für Tiberius. Die benachbarten Sequaner und die belgischen Ortschaften ließ er diesen huldigen. Darnach, als er den Aufruhr der Legionen vernahm, reiste er eilends ab und traf sie außer dem Lager an, die Augen zur Erde gesenkt, wie aus Reumütigkeit. Als er in den Wall trat, ließen sich verworrene Klagen hören; einige, seine Hand wie zum Kusse ergreifend, steckten seine Finger in den Mund, damit er ihre Zahnlosigkeit fühle, andere wiesen ihm ihre vom Alter gekrümmten Glieder. Der Menge, die in verwirrten Haufen um ihn stand, befiehlt er, sich rottenweise zu zerteilen. Die Antwort war, so könnten sie besser hören; hierauf, man solle die Fahnen vortragen, daß er wenigstens die Kohorten unterscheiden könne. Zaudernd gehorchten sie. Dann mit Verehrung des Augustus beginnend, geht er zu des Tiberius Siegen und Triumphen über, mit besonderer Lobpreisung dessen, was er in Germanien mit jenen Legionen Herrliches verrichtet habe. Darauf erhob er Italiens Eintracht, Galliens Treue; nirgends sei Störung oder Mißhelligkeit.

Mit Stillschweigen oder mäßigen Gemurmel hörten sie dieses an. Als er aber den Aufruhr berührte, fragend, »wo die kriegerische[199] Ordnung sei? wo der alten Manneszucht Ruhm? wo sie die Tribunen, wo die Centurionen hingetrieben hätten«, da entblößten alle den Leib, warfen ihm ihre Wundmale vor und die Striemen der Schläge; dann klagten sie mit verworrenen Stimmen über die Kosten des Urlaubs, die Kargheit des Soldes, die Härte der Arbeiten, namentlich anführend das Schanzen und Graben, das Herbeischleppen von Futter, Baustoff, Holz und was sonst aus Bedürfnis oder zur Beschäftigung der Soldaten gefordert wird. Das wildeste Geschrei erhoben die Veteranen, welche dreißig oder mehr Dienstjahre zählten, flehten, er möchte den Geplagten helfen, nicht sie im Elend sterben lassen, sondern ein Ende des so mühseligen Dienstes und Ruhe ohne Mangel schenken. Einige forderten auch das von Augustus vermachte Geld unter günstigen Andeutungen für Germanicus; wenn er die Herrschaft wolle, dürfe er auf ihre Bereitwilligkeit zählen. Auf dieses Wort sprang er, als ob ihr Verrat ihn befleckte, rasch von dem Tribunal herunter. Sie hielten dem Forteilenden die Waffen entgegen und drohten, wenn er nicht umkehre. »Lieber sterben als die Treue verletzen«, schrie er, riß das Schwert von der Seite, um es in seine Brust zu senken, allein die Nächsten, die Hand ihm ergreifend, hielten ihn mit Gewalt zurück. Der hinterste, dicht zusammengedrängte Teil der Versammlung und, fast unglaublich, einzelne Nähertretende riefen aus: »Stoß zu«; und ein Soldat, namens Calusidius, bot ihm das entblößte Schwert dar, sprechend, dieses sei schärfer. Selbst die Empörer fanden dies abscheulich und ruchlos; es trat eine Pause ein, wo der Cäsar von den Freunden in sein Zelt weggebracht wurde.

Hier beratschlagte man nun über die Gegenmittel: denn es wurde berichtet, jene gingen damit um, durch Gesandte das Obergermanische Heer in ihren Handel zu ziehen; die Stadt der Ubier (Köln) sei der Zerstörung geweiht; dann würden die raubbefleckten Hände plündernd über Gallien herfallen. Die Furcht vermehrte der Feind, welcher, des Aufstandes der Römer kundig, einbrechen würde, sobald das Rheinufer verlassen werde; wolle man die Hilfstruppen und Bundesgenossen wider die abziehenden Legionen bewaffnen, so sei Bürgerkrieg zu besorgen; Strenge sei gefahrvoll, Nachgeben schimpflich; ob man nichts oder alles dem Soldaten bewillige, so schwebe das Gemeinwesen in Gefahr. Nachdem man[200] die Gründe gegeneinander abgewogen, ward beschlossen, im Namen des Oberhaupts ein Schreiben aufzusetzen: »Entlassung werde gestattet nach zwanzig Dienstjahren; verabschiedet werde, wer sechzehn Jahre gedient habe, doch unter der Fahne behalten, frei von aller Arbeit, außer dem Kampfe gegen den Feind; das begehrte Vermächtnis werde ausbezahlt und verdoppelt.«

Der Soldat merkte, dies sei für den Augenblick ersonnen und drang auf Vollstreckung. Die Entlassung wird durch die Tribunen beschleunigt, die Geldausteilung für alle auf das Winterlager verschoben. Die fünfte und einundzwanzigste Legion zogen nicht ab, bis sogleich noch im Sommerlager das Geld bezahlt wurde, das Germanicus und seine Freunde aus ihrem Reisebedarf zusammenlegten. Die erste und zwanzigste Legion führte der Legat Cäcina in die Stadt der Ubier zurück, ein schändlicher Zug, da sie die dem Imperator abgezwungenen Gelder zwischen den Feldzeichen und Adlern daherführten. Germanicus reiste zum oberen Heer ab, wo die zweite, dreizehnte und sechzehnte Legion ohne Verzug den Eid leisteten. Die vierzehnte zauderte eine Weile; es wurde ihr ein Geldgeschenk und Entlassung unaufgefordert angeboten.

Bei den Chauken begannen die in Besatzung liegenden Vexillaren der unruhigen Legionen eine Empörung, die indessen durch augenblickliche Hinrichtung zweier Soldaten einigermaßen gedämpft wurde. Der Lagerpräfekt Menius hatte dieselbe befohlen, mehr zum abschreckenden Beispiel, als nach Zuständigkeit. Nachher bei anschwellendem Sturme flüchtig und aufgefunden, als Verborgenheit ihn nicht sichert, sucht er von Verwegenheit Schutz: »Nicht am Präfekten, sondern am Feldherrn Germanicus, am Imperator Tiberius vergreift Ihr Euch.« Zugleich schreckt er die Widerstrebenden zurück, ergreift die Fahne, und gegen den Fluß sich wendend, ruft er: »Wer aus der Reihe tritt, wird als Ausreißer angesehen.« So führte er die stürmische und doch nichts wagende Schar ins Winterlager zurück.

Inzwischen treffen die Abgeordneten des Senats den schon zurückgekehrten Germanicus beim Altar der Ubier. Daselbst überwinterten zwei Legionen, die erste und zwanzigste, nebst den neulich entlassenen, noch unter der Fahne stehenden Veteranen. Zaghaft und von Schuldbewußtsein verwirrt, fürchten sie, jene seien auf der[201] Väter Befehle gekommen, um zu vereiteln, was durch Aufruhr erzwungen worden. Und wie des gemeinen Mannes Art ist, auch bei falschen Angaben einen Schuldigen unterzuschieben, klagen sie den Munatius Plancus, gewesenen Konsul und Haupt der Gesandtschaft, als Urheber des Senatsbeschlusses an. Um Mitternacht beginnen sie damit, die in Germanicus' Wohnung aufbewahrte Fahne herauszufordern, sie stürmen den Eingang, sprengen die Türen, reißen den Cäsar aus dem Schlafgemacht und zwingen ihn, unter Androhung des Todes, die Fahne auszuliefern; hierauf durch die Straßen rennend, stießen sie auf die Gesandten, die von dem Lärm benachrichtigt, zu Germanicus eilten; sie überhäuften diese mit Schmähworten, im Begriff, sie zu morden, vor allem den Plancus, dem seine Würde die Flucht verwehrt hatte. Dem Gefährdeten blieb keine andere Zuflucht, als das Lager der ersten Legion. Daselbst umfaßte er die Feldzeichen und den Adler, um durch Religion sich zu schirmen; und hätte nicht der Adlerträger Calpurnius die äußerste Gewalt abgetrieben, so hätte, was auch unter Feinden selten ist, ein Gesandter des römischen Volkes, im römischen Lager, mit eigenem Blute die Götteraltäre bespritzt. Erst bei Tagesanbruch, als der Feldherr, der Soldat und der Vorfall kenntlich wurden, tritt Germanicus in das Lager, heißt den Plancus herbeiführen und nimmt ihn auf die Bühne. Die Raserei beklagend als eine verhängnisvolle, nicht durch der Soldaten, sondern der Götter Grimm wieder auflebende, eröffnete er, warum die Gesandten hergekommen; mit beredter Klage sprach er vom Gesandtschaftsrecht, des Plancus schwerem und unverdientem Geschick und welche Schmach die Legion auf sich geladen. Indes die Versammlung mehr betroffen als beruhigt war, entfernt er die Gesandten unter Bedeckung von Reitern aus den Hilfstruppen.

Bei diesem Schreckensauftritt tadelte jedermann den Germanicus, »daß er sich nicht zum Obergermanischen Heere begeben habe, wo er Gehorsam und wider die Aufrührer Beistand gefunden hätte. Genug und übergenug habe man sich durch Entlassung und Geldspende und durch gelinde Maßregeln vergeben; oder wenn er sein eigenes Leben gering achte, warum lasse er seinen kleinen Sohn, warum seine schwangere Gemahlin unter Wüterichen, unter Schändern aller menschlichen Rechte? Diese wenigstens sollte er dem[202] Großvater und dem Gemeinwesen zurückgeben.« Nach langem Zögern, und während die Gemahlin sich weigerte, bezeugend, »sie, von Augustus entsprossen, sei nicht zu entartet, um Gefahr zu bestehen,« umfaßt er zuletzt ihren Leib und den gemeinschaftlichen Sohn unter vielen Tränen und bewegt sie zur Abreise. Kläglich wandelte der weibliche Zug einher, des Feldherrn flüchtige Gattin das Söhnlein an der Brust tragend; rings umher der Freunde wehklagende Frauen, die zugleich fort mußten; nicht weniger traurig die Zurückbleibenden.

Der Anblick Cäsars, der nicht im Glänze der Macht, nicht als im eigenen Lager, vielmehr wie in einer besiegten Stadt erschien, das Seufzen und Händeringen zog auch der Soldaten Ohr und Auge herbei. Sie treten aus den Zelten: »Welch' ein klägliches Getön? Was ist so Trauriges geschehen? Erlauchte Frauen, kein Centurio, kein Soldat zu ihrer Bedeckung, nichts, was der Gattin eines Imperators ziemt, nichts von gebräuchlichem Gefolge! Sie ziehen ins Trevererland unter fremden Schutz.« Da regte sich Scham und Mitleid, Andenken an den Vater Agrippa, den Großvater Augustus, den Schwiegervater Drusus: sie selbst sei eine kinderreiche Mutter und äußerst sittsame Frau. Auch des Knaben, im Lager geboren, unter den Augen der Legionen aufgewachsen, gedachten sie, den sie nach Soldatenausdruck Stiefelchen (Caligula) nannten, weil man ihm gemeiniglich, um die Zuneigung der Menge zu gewinnen, diese Fußbekleidung anzog. Doch nichts wirkte so sehr auf sie, als der Neid gegen die Treverer; entgegentretend, bitten sie, daß sie umkehre, bleibe; ein Teil läuft der Agrippina entgegen, die meisten kehren zu Germanicus zurück. Er, in der Frische des Schmerzes und Zornes, hub zu der herandrängenden Menge also an:

»Nicht teurer sind mir Gattin und Sohn, als mein Vater und das Vaterland; allein jenen wird seine Hoheit, das Römische Reich werden die übrigen Heere schirmen. Meine Gattin und Kinder, die ich willig für Euren Ruhm dem Tode weihen würde, schaffe ich nun weit von Euch Rasenden fort, damit, welcher Frevel hier noch bevorstehe, er durch mein Blut allein gesühnt werde; daß der gemordete Urenkel des Augustus, nicht die hingeopferte Schwiegertochter des Tiberius Euch noch strafbarer mache. Was habt Ihr[203] nicht dieser Tage hindurch Freches und Schändliches ausgeübt? Welchen Namen soll ich diesem Volkshaufen geben? Soldaten soll ich Euch nennen? die Ihr den Sohn Eures Imperators mit Wall und Waffen umschlossen habt. Oder Bürger? die Ihr des Senates Würde so wegwerfet! Was selbst beim Feinde geachtet wird, die Heiligkeit der Gesandtschaft, das Völkerrecht, habt Ihr gebrochen. Der vergötterte Julius hat mit einem Worte das empörte Heer bezähmt, als er jene Quiriten (Bürger) nannte, die den Eid ihm verweigerten. Der vergötterte Augustus hat mit Miene und Blick die Legionen bei Actium in Schrecken gesetzt. Zwar, ich bin noch nicht ihr Ebenbild, doch ihr Sprößling; allein, wenn Hispaniens oder Syriens Krieger mich geringschätzig behandelten, so wäre es schon auffallend und unwürdig. Und nun, Du erste, Du zwanzigste Legion! jene von Tiberius mit Feldzeichen beschenkt, du, so vieler Kämpfe Gefährtin, mit so vielen Wohltaten überhäuft, trefflichen Dank verweist Ihr Eurem Heerführer! Diesen Bericht also soll ich dem Vater bringen, der sonst aus allen Provinzen nur Erfreuliches hört? Seine jungen Krieger, seine Veteranen seien nicht mit Entlassung, nicht mit Geld ersättiget: hier würden Centurionen getötet, Tribunen verjagt, Gesandte eingesperrt: mit Blute befleckt seien die Lager, die Flüsse; und ich schleppe ein unsicheres Leben unter Ergrimmten hin.«

»Warum denn habt Ihr am ersten Versammlungstage jenes Eisen, das ich in meine Brust zu bohren bereit war, mir entwunden, o unbedachtsame Freunde! Besser und liebreicher tat jener, der sein Schwert anbot: wenigstens wär' ich noch nicht als Mitwisser so vieler Freveltaten meines Heeres gefallen. Ihr hättet einen Führer gewählt, der meinen Tod zwar ungestraft gelassen, aber den des Varus und der drei Legionen gerächt hätte. Denn das mögen doch die Götter nicht zulassen, daß die sich anbietenden Belgier diesen Ruhm und Preis davontragen, sie hätten dem römischen Namen aufgeholfen, sie Germaniens Völker bezwungen! Dein in den Himmel aufgenommener Geist, göttlicher Augustus, dein Bild, Vater Drusus, dein Andenken helfe eben diesen Kriegern, welche Scham und Ruhmbegierde ergreift, jenen Schandfleck auslöschen und den Bürgerhaß zum Verderben der Feinde wenden. Auch Ihr, deren Antlitz, deren Herzen ich umgewandelt sehe, wenn[204] Ihr die Gesandten dem Senat, den Gehorsam dem Feldherrn, mir Gattin und Sohn wieder schenken wollt, so fliehet die Ansteckung, trennt die Meuterer, dies wird die Bürgschaft Eures Reumuts, dies das Band Eurer Treue sein.«

Mit demütigem Bekenntnis, die Vorwürfe seien gerecht, flehten sie, er möchte die Schuldigen strafen, den Verirrten verzeihen und sie gegen den Feind führen: die Gemahlin möchte er zurückberufen, den Zögling der Legionen kommen lassen, nicht sie den Galliern als Geißel ausliefern. Agrippinas Rückkehr lehnte er ab wegen bevorstehender Entbindung und der Winterzeit; der Sohn werde kommen; das Übrige sollten sie selbst vollziehen. Veränderten Sinnes laufen sie umher und schleppen die schlimmsten Meuterer gebunden vor den Legaten der ersten Legion, Cajus Petronius, der über jeden besonders Urteil und Strafe auf folgende Art verhängte: Die Legionen standen wie in Versammlung mit gezückten Schwertern da, der Beklagte ward auf der Bühne durch den Tribun vorgezeigt; riefen sie schuldig, so ward der hinuntergeworfen und niedergemacht; freudig schlachtete der Soldat, als ob er sich selbst damit löste, und der Cäsar wehrte nicht, zumal weil er nichts gebot, da das Grausame und Gehässige der Tat auf jene fiel. Dem Beispiel folgten die Veteranen und wurden bald darauf nach Rätien geschickt, unter dem Vorwande, die Provinz gegen die drohenden Sueven zu verteidigen; in der Tat, um sie aus einem Lager wegzuschaffen, das nicht minder durch die Härte des Heilmittels, als durch das Andenken des Frevels Grausen erweckte. Dann hielt er Centurionenmusterung. Vom Imperator vorgerufen, gab jeder Namen, Rang, Vaterland, Zahl der Dienstjahre an, auch, was er in Schlachten Treffliches geleistet und welche Kriegsgeschenke er erhalten hätte. Wenn die Tribunen, die Legion Diensteifer und Wohlverhalten anerkannten, behielt er seinen Rang; wem sie Habsucht oder Grausamkeit einstimmig vorwarfen, der ward des Dienstes entlassen.

Als hier der Aufstand beigelegt war, blieb nicht geringere Arbeit übrig wegen des Trotzes der fünften und neunundzwanzigsten Legion, die sechzig Meilen von da (der Ort heißt Vetera) überwinterten: denn sie hatten zuerst den Aufruhr erregt; die scheußlichsten Gewalttaten waren von ihren Händen verübt; weder durch Bestrafung ihrer Kameraden geschreckt, noch zur Ruhe gewandt,[205] verharrten sie im Grimme. Deshalb rüstet sich der Cäsar, Waffen, Flotte, Bundesgenossen den Rhein hinabzusenden, entschlossen zum Kampfe, wenn sie den Gehorsam verweigerten.

Germanicus aber, obwohl er ein Heer zusammengezogen hatte, bereit zur Rache wider die Empörer, glaubte noch Frist gestatten zu müssen, ob sie etwa selbst, nach dem neulichen Vorfall, ihr Bestes bedächten, und sandte ein Schreiben an Cäcina voraus, »er komme mit starker Heeresmacht und, wenn sie nicht zuvor an den Bösen Strafe ausübten, werde er ohne Unterschied niederhauen lassen.« Dieses las Cäcina den Alder- und Fahnenträgern, sowie den Treugesinnten im Lager heimlich vor, ermahnend, sie sollten das Ganze der Schande, sich selbst dem Tod entziehen; denn im Frieden sähe man auf die Sache und das Verdienst; bräche der Krieg los, so fielen Unschuldige mit den Schuldigen. Jene forschen die für zuverlässig Erachteten aus, und als sie den größeren Teil der Legionen pflichttreu finden, bestimmen sie im Einverständnis mit dem Legaten die Zeit, um die Bösewichter und Aufruhrstifter alle mit dem Schwerte zu überfallen. Dann, auf ein gegenseitiges Zeichen in die Zelte stürzend, erschlagen sie die Nichtsahnenden: Niemand außer den Einverstandenen wußte, wo das Morden begonnen, wo es enden werde.

Von allen Bürgerkriegen, die je gewesen, bot noch keiner ein solches Schauspiel dar; nicht in Schlachtreihen, nicht aus entgegenstehenden Lagern, sondern aus denselben Zelten, wo der Tag sie beim Speisen, die Nacht im Schlafe sie vereint hatte, trennen sie sich in Parteien und werfen das Geschoß: Geschrei, Wunden, Blut sind offenbar, die Ursache verborgen; das übrige lenkt der Zufall. Auch einige Wohlgesinnte kamen um, da die Empörer in Erfahrung gebracht, wem die Metzelei gelte, und gleichfalls die Waffen ergriffen hatten. Kein Legat oder Tribun führte den Befehl, dem Volkshaufen war die Rache freigegeben bis zur Sättigung. Bald trat Germanicus ins Lager, mit vielen Tränen ausrufend, das sei nicht ein Heilmittel, sondern ein Blutbad, und befahl, die Leichname zu verbrennen. Die noch tobenden Gemüter ergreift die Lust, wider den Feind zu gehen, zur Sühnung der Raserei: anders könnten sie nicht die Geister der Kameraden beruhigen, als wenn ihre sündige Brust ehrenvolle Wunden empfinge. Germanicus, dem Feuer der[206] Soldaten folgend, läßt eine Brücke schlagen und zwölftausend Legionäre, sechsundzwanzig verbündete Kohorten und acht Reitergeschwader hinübersetzen, deren Wohlverhalten bei diesem Aufstand unbefleckt geblieben war.«

So weit Tacitus. Die letzten Worte leiten über zu dem großen Germanenkriege, der hier unmittelbar anschließt und von uns in den voraufgehenden Kapiteln untersucht und dargestellt worden ist.


Quelle:
Hans Delbrück: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte. Berlin 1921, Teil 2, S. 167-207.
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