Crebillon

[231] Crebillon (Krebillijong), Prosper Jolyot de, geb. 1674 zu Dijon, zeichnete sich im College Mazarin durch Talente und Starrsinn aus, wurde vom Vater enterbt und vertauschte die Laufbahn eines Advokaten mit der eines Trauerspieldichters. Als die Schauspieler sein erstes Stück zurückgewiesen, vermochte nur sein Freund Prieur ihn zum »Idomenée« zu bewegen, welcher 1705 Glück machte. Nun folgte eine Menge von Stücken nach dem Muster Corneilles, die ihm jedoch den Beinamen des »Schrecklichen« und keineswegs mit Unrecht des Schwülstigen zuzogen, weil er das Grausenhafte häufte und nichts weniger als einen guten Styl besaß. Nachdem Eigensinn seine Nahrungssorgen vermehrt und ihn zum Menschenfeinde gemacht, der eine seltene Manie für Katzen und Hunde zur Schau trug, verschaffte ihm die Pompadour 1731 eine Pension, das Amt eines Bibliothekars und 1735 das eines Censor und er lieferte den Catilina, neben »Rhadamiste« sein bestes Stück. Ludwig XV. ließ 1750 die Werke C.s, welche von Franzosen noch heute oft mit denen der Griechen zusammengestellt werden, drucken und zu dessen Besten verkaufen. C. st. 1762, nachdem er trotz eines sehr unregelmäßigen Lebens 88 I. alt geworden und im 81. noch das »Triumvirat« auf die Bühne gebracht hatte u. erhielt ein Denkmal in der Kirche St. Gervais. Beste Gesammtausgabe von Renouard, Paris 1818. – Sein Sohn Claude, gewöhnlich C. der jüngere genannt, wurde 1707 zu Paris geb. u. st. 1777 als Censor daselbst. Er wurde »der Abschaum vom Geiste seines Vaters« genannt und seine meisten satyrischen Romane und sogen. moralischen Erzählungen tragen die Frivolität seiner Zeit in hohem Grade zur Schau, gingen aber gerade deßhalb reißend ab. Als das erträglichste gelten »les égarements du coeur et de lʼesprit«, Paris 1736; die »lettres de Madame la marquise de Pompadour«, London 1772, 3 Bde., ein Roman in Briefen, wurden lange für ächt gehalten. Gesammtausgabe Mastricht 1782, 7 Bde., theilweise übersetzt von Mylius, Berlin 1782–86, 3 Bde.

Quelle:
Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 2, S. 231.
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