Alcest Durch Unglück mehr als durch Versehn Verlor Alcest im Handel sein Vermögen. Er saß bereits der Schulden wegen. Kein Freund erschien, ihm beizustehn, So viel in London ihrer waren. Sein Sohn allein, noch in des Jünglings Jahren, Wagt's ...
Alcest Alcest, den mancher Kummer drückte, Der, weil er sich nicht zu dem Laster schickte Noch sich vor reichen Toren bückte, Bei Fleiß und Kunst sich elend sah, Stund neulich traurig auf. Freund, geht dir dies nicht nah', Daß viele ...
Amynt Amynt, der sich in großer Not befand Und, wenn er nicht die Hütte meiden wollte, Die hart verpfändet war, zehn Thaler schaffen sollte, Bat einen reichen Mann, in dessen Dienst er stand, Doch dieses Mal sein Herz vor ihm ...
Chloris Aus Eifersucht des Lebens satt, Warf Chloris sich betrübt auf ihre Lagerstatt; Und ihren Buhler recht zu kränken, Der einen Blick nach Sylvien gethan, Rief sie die Venus brünstig an, Ihr einen leichten Tod zu schenken. Vielleicht war dies ...
Damokles Glaubt nicht, daß bei dem größten Glücke Ein Wütrich jemals glücklich ist; Er zittert in dem Augenblicke, Da er der Hoheit Frucht genießt. Bei aller Herrlichkeit stört ihn des Todes Schrecken Und läßt ihn nichts als teures Elend ...
Damon und Theodor Der schwarze Himmel drohte der Welt den fürchterlichsten Beschluß des schönsten Sommertages. Noch ruhten Damon und Theodor unter einer kühlenden Laube; zwei Freunde, die der Welt ein rares Beispiel würden gewesen sein, wenn sie die Welt zum ...
Damötas und Phyllis Damötas war schon lange Zeit Der jungen Phyllis nachgegangen; Noch konnte seine Zärtlichkeit Nicht einen Kuß von ihr erlangen. Er bat, er gab sich alle Müh'; Doch seine Spröde hört' ihn nie. Er sprach: »Zwei Bänder ...
Das Füllen Ein Füllen, das die schwere Bürde Des stolzen Reiters nie gefühlt, Den blanken Zaum für eine Würde Der zugerittnen Pferde hielt; Dies Füllen lief nach allen Pferden, Worauf es einen Mann erblickt, Und wünschte, bald ein Roß zu ...
Das Gespenst Ein Hauswirt, wie man mir erzählt, Ward lange Zeit durch ein Gespenst gequält. Er ließ, des Geists sich zu erwehren, Sich heimlich das Verbannen lehren; Doch kraftlos blieb der Zauberspruch. Der Geist entsetzte sich vor keinen Charakteren Und ...
Das Glück und die Liebe Einst wollten Lieb' und Glück sich sichtbar überführen, Wer stärker sei, des Menschen Herz zu rühren; Und Semnon, wie die Sag' erzählt, Ein Mann, der oft das Glück um seine Gunst gequält, Ein Mann in ...
Das Heupferd, oder der Grashüpfer Ein Wagen Heu, den Veltens Hand Zu hoch gebäumt und schlecht gespannt, Konnt' endlich von den matten Pferden Nicht weiter fortgezogen werden. Des Fuhrmanns Macht- und Sittenspruch, Ein zehnmal wiederholter Fluch, War eben, wie der ...
Das Hospital Elmire war zur Witwe worden Und nahm sich vor, nicht mehr zu frein. Allein sie war noch jung; was macht man ganz allein? Ich dächte doch, sie könnte wieder frein. Der Witwenstand ist ein betrübter Orden! Elmire sah ...
Das junge Mädchen Ein junger Mensch sprach einen wackern Mann Durch einen guten Freund um seine Tochter an. Der Alte, der sein Kind noch nicht versprechen wollte, War dennoch ungemein erfreut Und bat den Freund mit vieler Höflichkeit, Daß er ...
Das Kartenhaus Das Kind greift nach den bunten Karten; Ein Haus zu bauen, fällt ihm ein. Es baut und kann es kaum erwarten, Bis dieses Haus wird fertig sein. Nun steht der Bau. O welche Freude! Doch ach! Ein ungefährer ...
Das Kind mit der Schere »Kind«, hub die Mutter an, »eins mußt du mir versprechen: Die Messer und die Gabeln stechen; Drum rühre keins von beiden an.« – »Allein die Schere, sollt' ich glauben, Die könnten Sie mir wohl erlauben?« »Nichts ...
Das Kutschpferd Ein Kutschpferd sah den Gaul den Pflug im Acker ziehn Und wieherte mit Stolz auf ihn. »Wenn«, sprach es, und fing an, die Schenkel schön zu heben, »Wenn kannst du dir ein solches Ansehn geben? Und wenn bewundert ...
Das Land der Hinkenden Vor Zeiten gab's ein kleines Land, Worin man keinen Menschen fand, Der nicht gestottert, wenn er red'te, Nicht, wenn er ging, gehinket hätte; Denn beides hielt man für galant. Ein Fremder sah den Übelstand ...
Das neue Ehepaar Nach so viel bittern Hindernissen, Nach so viel ängstlicher Gefahr, Als jemals noch ein zärtlich Paar Hat dulden und beweinen müssen, Ließ endlich doch die Zeit mein Paar das Glück genießen, Das, wenn's ein Lohn der ...
Das Pferd und der Esel Ein Pferd, dem Geist und Mut recht aus den Augen sahn, Ging, stolz auf sich und seinen Mann, Und stieß (wie leicht ist nicht ein falscher Schritt gethan!) Vor großem Feuer einmal an. Ein träger ...
Das Pferd und die Bremse Ein Gaul, der Schmuck von weißen Pferden, Von Schenkeln leicht, schön von Gestalt, Und, wie ein Mensch, stolz in Gebärden, Trug seinen Herrn durch einen Wald; als mitten in dem stolzen Gange Ihm eine Brems ...