Lied/ Von dem Monat Hornung/ oder Februario

[13] Nach der Stimme: An Wasserflüssen Babylon/ etc.


1

Es muß nunmehr der Sonnen Strahl

sich zu den Fischen neigen;

so daß der Stunden Schatten-Mahl

pflegt höher anzusteigen.

Es schmöget sich der weiche Schnee/

und wird nun schiffbar Strom und See;

der Bächlein Silberbrücken

zerschmeltzen/ und der rauhe Lufft

enthält der Erd vereinten Tufft/

mit Schaur uns zu berücken.


2

Gleichwie der Fisch in heller Flut

gantz frey im Wasser streichet/

so schweben wir in Gottes Hut/

die niemals von uns weichet:

üm/ über/ unter unsrem Pfad

erscheinet Gottes Wunder-Gnad/

daß wir gesichert wallen.

Deß Höchsten grosse Mildigkeit

erhält die Seinen allezeit/

daß sie nicht sündlich fallen.[14]


3

Hinweg mit aller Fatzennacht/

mit Spielen/ Fressen/ Saufen;

weg mit der Larven falschen Pracht/

damit die Thoren lauffen/

und mit der Mummer Freuden-Schein

sich stürtzen in die Höllen-Pein.

Weh solcher Frevler Lachen!

die wißlich Gottes Ebenbild/

dem Lügen-Geiste gleich verhüllt/

sich selbst verwerfflich machen.


4

Lasst uns gedencken dieser Zeit/

daß wir sind Staub und Aschen;

daß unsrer Sünden Hertzenleid

uns mach in Threnen waschen/

so wahre Reu und Busse bringt/

und uns zu manchem Seufftzer zwingt/

die Christi Tod und Schmertzen

bey dieser Fastenzeit erweckt/

dardurch die Weltfreud wird ersteckt

in Gott-ergebnen Hertzen.


5

O milder Gott! gib deine Gnad:

daß wir uns wohl bereiten/

zu preisen deine Liebesthat

zu diesen Marter-Zeiten.[16]

Der Tod steht auch für unsrer Thür/

wer mit dir leidet/ herrscht mit dir.

Die Trübsal kan behagen.

Dein Reich ist nicht von dieser Welt:

und wer sich gleich demselben stellt/

wird alls gedultig tragen.


6

Es stehet bey uns unser Gott/

wann sich die Unglück' häuffen:

daß uns die Ströme/ Noht und Tod/

auf einmal nicht ersäuffen.

Er reisst uns aus der Flut heraus/

und bringet uns getrost nach Haus:

wann wir ihm nur vertrauen/

und warten gläubig auf die Zeit/

so Gott zur Rettung hat bereit:

Wir werden Hülffe schauen.

Quelle:
Georg Philipp Harsdörffer: Christliche Welt- und Zeitbetrachtungen. München 1962, S. 13-17.
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