Ein lied auf seiner obgedachten jungfraw Braut Susannen Nuberin namen/ auf die weise der Avignone:

[98] Sol ich denn nu sterben

Ererben/

Vnd in der liebe verderben/

Der puls lässt nach/

Vnd schlägt gemach/

Mein gantzer leib ist matt vnd schwach/

Mein leben

Wird/ eben

Als laub

Vnd staub/

Dem wind' ein raub/

Vnd kömmet noch

Ans todes joch

Das macht die liebe/ dencket doch?

Und wolt' ich mich wehren/

So mehren

Sich meine noth vnd beschweeren

Mein geist verweht/

Mein muth vergeht/

Mein sinnen-vrwerck stille steht/

Mein dencken

Ist kräncken/

Mein hertz

Für schmertz

Sinckt niederwertz/

Mit angst erfüllt/

Mit forcht gestillt/

Das macht ein schönes engelbild.

Solch bild mir im hertzen

Viel schmertzen.

Vnd angst erregt/ ohne schertzen

Wo ich hin geh/

Wo ich hin seh/

Wo ich tieff in gedancken steh/

Da stehet/

Da gehet/

Da strahlt

Gemahlt/

Mein auffenthalt/

Mein hertzengrund/

Mein rosemund/

Mein sonnenglantz so mich verwundt.

Ach dörfft' ich jhr sagen

Vnd klagen/[98]

Was mir gebricht/ ich wils wagen:

Ich bin verwundt

Corallen-mund/

Durch euch/ wer macht mich nun gesund/

Ewr augen

Aussaugen

Mein hertz'

In schmertz'

Als wie der Mertz

Verzeert den schnee

Noch wird mir weh/

Wenn ich euch/ liebstes lieb/ nicht seh.

Nu wird ja gesunden/

Für wunden/

Wo mit sie werden verbunden/

Auch wird für brand

Kräfftig erkant

Die weisse lilge wol benannt/

Nun bin ich/

Besinn' ich

Mich recht

Und schlecht/

Ein schwacher knecht/

Ist denn für mich/

Mein ander Ich/

Kein artzeney/ ich bitte dich.

Noch werd' ich mich eigen

Erfrewen/

Vnd wie der Phoenix vernewen/

Wenn meine gonst/

Vnd hertzen brunst

An euch o schatz nicht ist vmbsonst.

Ewr wesen/

Erlesen/

Ewr gehn/

Ewr stehn/

Ewr schön entsehn/

Ewr höfflichkeit

Vnd freundlichkeit

Bewegen mich zur frölichkeit.

An euch wil mein leben

Nur kleben/

Seint dem ich euch bin ergeben/

Denn in euch hafft

Magneten krafft/

Die stahl vnd eisen an sich rafft/

Die jugend

Die tugend

An euch

So reich/

Dem golde gleich/

Nimmt zu sich hin

Mein hertz' vnd sinn/

Daß ich nicht mehr bin/ wo ich bin.

Quelle:
Deutsche Literatur, Reihe Barock, Erg.-Bd., Leipzig 1939, S. 98-99.
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