Kaliber

[284] Kaliber. 1. Bezeichnung für Meßwerkzeuge (s.d.): a) Schublehre, b) Lehrbolzen; s.a. bei Meßwerkzeuge: Kaliberring, -maß, -stab. 2. Bezeichnung[284] für die Lichtweite von Röhren (Rohrkaliber); bei Geschützen und Gewehren für die Seelenweite (Laufweite); im übertragenen Sinne überhaupt das Maß und die Beschaffenheit einer Sache (schweres, leichtes, gleiches u.s.w. Kaliber). 3. Bezeichnung für das bei profilierten Walzen (s.d.) von zusammengehörigen Profilteilen gebildete Gesamtprofit, das den Querschnitt des gewalzten Blocks, Stabs u.s.w. benimmt.

Fig. 1 Stellt einen Ausschnitt aus einem Walzenpaar (Ober- und Unterwalze) für Doppel-T-Eisen dar. Das Kaliber K (Furche, Furchung, Spur) wird durch den Profitteil o der Oberwalze OW und u der Unterwalze UW gebildet. In den Walzenzeichnungen werden nicht die ganzen Walzen, sondern nur die Kaliber mit den zugehörigen Rändern und Vertiefungen sowie dem Spielraum (Spiel) s (Fig. 1) zwischen den Walzen dargestellt (Fig. 2), s. Kalibrieren. Man unterscheidet: a) Nach der Art der Verteilung eines Kalibers auf Ober- und Unterwalze: offene Kaliber (Fig. 3) und geschlossene Kaliber (Fig. 1, 2, 4). Bei den offenen Kalibern ist der obere Profitteil vom unteren durch den Spielraum (in der Regel 2–5 mm) unterbrochen; bei den geschlossenen Kalibern greift die eine Walze mit einer Erhöhung in die andre ein. Bei den offenen Kalibern wird das Material leicht in den Spielraum zwischen Ober- und Unterwalze hineingepreßt und es entsteht ein Saum (Grat, Bart, Naht) auf dem Walzgut. Soll dies vermieden werden, so wählt man geschlossene Kaliber, deren Anwendung indessen nicht immer möglich ist; bei Schienen z.B. ist es nur am Fuß bei a (Fig. 5) möglich, das Kaliber geschlossen anzuordnen, während am Kopf bei b das Kaliber als offenes ausgebildet werden muß. Auch bei geschlossenen Kalibern wird zuweilen, wenn die Kanten am Schluß a (Fig. 5) abgenutzt sind, Material herausgepreßt; man kann häufig bei Walzstäben den dadurch hervorgerufenen Grat bemerken, b) Nach der Form des Kalibers: Rechteck-(Flach-)kaliber (Fig. 3 und 4), Quadratkaliber (Fig. 6), Rhombenkaliber (Fig. 7), Spitzbogenkaliber (Fig. 8), Rund-(Kreis-)kaliber (Fig. 9), Ovalkaliber (Fig. 10), Fasson- oder Formkaliber (Fig. 1, 5). c) Nach dem besonderen Zweck: Streckkaliber, die zum möglichst raschen Strecken des Walzguts dienen; Stauchkaliber, in denen stark gebreitete Stäbe nach Drehen um 90° in der Breite (Höhe) zusammengedrückt (gestaucht) werden (Fig. 11; die ausgezogenen Linien geben das Stauchkaliber, die gestrichelten den aus dem vorhergehenden Kaliber hervorgegangenen um 90° verdreht gewalzten Blockquerschnitt an), d) Nach der Reihenfolge der Kaliber: Fertigkaliber, das letzte Kaliber, das der Walzstab passiert, ehe er die Walzen verläßt; Vorkaliber (Uebergangskaliber) sind die dem Fertigkaliber vorhergehenden. Die Bezeichnung der Kaliber erfolgt in der Regel nach Nummern, wobei das Fertigkaliber als Nr. 1 bezeichnet wird.[285] e) Besondere Bezeichnungen: Uebereinanderliegende Kaliber (oberes, unteres Kaliber) bei Triowalzwerken (s. Walzen), der Profitteil der Mittelwalze gehört gleichzeitig beiden übereinanderliegenden Kalibern an; blinde Kaliber heißen bei Triowalzwerken die Aussparungen in der Ober- bezw. Unterwalze, in welchen die einen Teil des Kalibers bildenden Erhöhungen der Mittelwalzen Platz finden und in denen ein Walzen nicht stattfindet (Fig. 12); periodische Kaliber sind am Walzenumfang mit Vertiefungen oder Erhöhungen versehen, so daß die Walzstäbe dementsprechend Erhöhungen oder Vertiefungen besitzen, die sich periodisch wiederholen (Fig. 13); unterbrochene Kaliber, bei denen nur ein Teil des Walzenumfangs zum Walzen benutzt wird, während auf dem übrigbleibenden das Walzstück rasch wieder zurückgezogen wird (Fig. 14). Bisweilen wird das Kaliber nicht durch zwei Walzen allein gebildet, so z.B. bei den Universalwalzwerken, bei denen vier oder mehr horizontale und vertikale Walzen den Querschnitt des Stabes ausbilden (s. Walzen). Literatur s. bei Kalibrieren.

A. Widmaier.

Fig. 1., Fig. 2., Fig. 3., Fig. 4., Fig. 5., Fig. 6., Fig. 7., Fig. 8., Fig. 9., Fig. 10., Fig. 11., Fig. 12., Fig. 13., Fig. 14.
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Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 5 Stuttgart, Leipzig 1907., S. 284-286.
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