Pappefabrikation

[16] Pappefabrikation. Da an das Aussehen der Pappe (s.d.), mit Ausnahme weniger Sorten, viel geringere Anforderungen gestellt werden als an die meisten Papiere, da ferner die Pappe sehr häufig zur Hebung und Verschönerung des Aeußern mit einem entsprechenden Ueberzug versehen wird, kann dieselbe mit Vorteil aus billigerem Rohmaterial hergestellt werden, z. B. aus wollenen und seidenen Hadern, groben Tauen, Stricken, Säcken, insbesondere aber aus Holz – namentlich Braunholz – und Strohstoff sowie altem Papier und Makulatur.

Die zur Verwendung gebrachten Hadern werden nur oberflächlich sortiert, gewaschen, zerschnitten oder zerhackt und im Halbholländer zerfasert, da eine größere Länge der Fasern für die Fertigkeit der Pappe günstig ist; aus gleichem Grunde werden oft bloß Stampfwerke verwendet. Makulaturpapiere werden zuerst in einem Wolf trocken gereinigt, dann in feststehenden Kochern mit Soda gekocht, um die Druckerschwärze zu verseifen, und dann in einem Waschholländer gespült und mit Chlorkalklösung gebleicht. Da das alte Papier beim Kochen in seine Fasern zerfällt, ist eine weitere Zerfaserung meist zu umgehen. Das zur Pappefabrikation verwendete Stroh wird auf Häckselmaschinen zerkleinert, mit Kalkmilch in beweglichen Kochern unter Zutritt von Dampf gekocht, dann in Kollermühlen gequetscht und schließlich in Holländern zerfasert. Pappe kann nach drei verschiedenen Methoden hergestellt werden. Bei Herstellung der geformten Pappe durch Handarbeit wird das in der Schöpfbütte befindliche Fasermaterial konsistenter genommen, und es erhält daher der mit der Form geschöpfte Bogen eine größere Dicke. Die weitere Verarbeitung ist jener der Papierbogen ähnlich. Ein ähnlicher Vorgang findet auf Langsiebmaschinen statt, wenn man auf das Langsieb die Papiermasse in dickerer Schichte aufstießen läßt. Da sich eine so dicke Faserschichte nur schwer entwässern läßt, wird bei diesen Maschinen häufig noch ein Obersieb verwendet, welches auf die obere Fläche der am Sieb befindlichen Faserschichte aufgepreßt wird. Hierbei erhält man eine sehr unregelmäßig gelagerte Fasermasse und daher nur ordinärste Pappe. Die Herstellung der gegautschten Pappe kann bei der Handarbeit nach zweierlei Methoden zur Ausführung kommen. Der vom Schöpfer geschöpfte gewöhnliche Papierbogen wird auf den Filz gegautscht und auf diesen noch nassen Bogen ein zweiter, dritter u.s.w. frisch geschöpfter Bogen aufgedrückt, bis die entsprechende Dicke der Pappe erreicht ist, worauf die weiteren Arbeiten folgen; oder der erste geschöpfte Bogen wird auf der Form belassen, hierauf mit einer zweiten Form ein zweiter Bogen geschöpft, ebenfalls auf der Form belassen, und auf diesen nun der erste, noch nasse Bogen aufgegautscht, dann ein dritter Bogen geschöpft und auf diesen die zwei schon vereinigten Bogen aufgegautscht. Diese Methode hat den Vorteil, daß der frisch geschöpfte, auf der Form liegen bleibende Bogen sich viel leichter entwässert. – Diese Art der Pappebildung wird auch auf Maschinen nachgeahmt, nur mit dem Unterschiede, daß vorerst nicht Bogen, sondern Papierbahnen hergestellt und diese aufeinander gegautscht werden. Zu diesem Behufe werden nahezu ausschließlich Zylindersiebmaschinen von zweierlei Konstruktion in Anwendung gebracht. Bei einer[16] derselben wird nur ein Siebzylinder verwendet, der daher immer nur eine Faserschichte bildet, welche durch den endlosen Filz vom Zylinder abgegautscht und ununterbrochen einer rotierenden Walze, der sogenannten Formatwalze, zugeführt und auf diese so lange aufgewickelt wird, bis die gewünschte Pappendicke erreicht ist, was durch ein Glockensignal markiert wird, das eine entsprechend Heilbare Signalvorrichtung abgibt. Hierauf wird der so aufgewickelte Papierzylinder parallel zu seiner Achse mittels eines Messers, das in einer Nut der Walze geführt ist, durchschnitten und auf diese Weise ein Pappebogen erhalten, dessen Länge dem Umfange, dessen Breite der Länge der Walze entspricht, deren Dimension daher das Format des Bogens bestimmt. Bei neueren Maschinen wird die auf der Formatwalze sich aufwickelnde Pappe durch Walzen gedichtet; durch Heizen der Walze mit Dampf und Einschließen derselben in einen mit warmer Luft geheitzten Kasten getrocknet. Das Aufschneiden der Pappe wird manchmal durch ein selbsttätig wirkendes Messer, das über die ganze Länge der Formatwalze reicht, bewerkstelligt. – Die zweite Gattung dieser Maschinen verwendet mehrere, manchmal sogar eine verhältnismäßig sehr große Zahl – bis zu zwölf – von Siebzylindern. Auf jedem dieser Zylinder wird eine Faserschicht gebildet, diese durch den endlosen Filz abgegautscht dem nächsten Siebzylinder zugeführt, mit, der hier entstandenen Faserschichte zu einer solchen verbunden, diese beiden dem dritten Zylinder zugeleitet, wo eine dritte Faserschichte aufgenommen wird, u.s.w. In Fig. 1 ist eine solche Maschine schematisch dargestellt. Es sind zwölf Siebzylinder 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 u.s.w., in zwei Gruppen zu je sechs Zylindern geordnet, vorhanden, von welchen jeder in einer eisernen Bütte sich befindet und in die Papiermasse eintaucht. Auf jedem Zylinder wird daher eine Faserschichte gebildet, von welchen sich die von der linksseitigen Gruppe gebildeten mittels des endlosen Filzes a zu einer sechsfachen Schichte vereinigen und nach rechts geführt, die von der rechtsseitigen Gruppe 7–12 hergestellten durch den endlosen Filz b ebenfalls zu einer sechsfachen Schicht vereinigt, nach links geleitet werden. Beide, aus sechs Papierschichten bestehenden Pappebahnen kommen nun in dem Raum zwischen dem Zylinder 6 und 12 zusammen, laufen nun, aufeinander gelegt, mit den beiden Filzen a und b nach rechts weiter, gelangen hier in die Walzenpressen 13–17, wodurch sie zu einer zusammenhängenden Pappebahn verbunden und schließlich ganz rechts abgeliefert und den Trocken Vorrichtungen zugeführt werden. Es müssen selbstverständlich nicht immer alle Siebzylinder arbeiten, es können daher Pappen der verschiedensten Dicke auf dieser Maschine hergestellt werden. Um behufs Aenderung der Pappendicke einzelne Zylinder ausschalten zu können, werden dieselben in neuerer Zeit senkbar gebaut.

Die Herstellung der geleimten Pappe wird durch das Aufeinanderkleben einzelner Bogen mittels Handarbeit oder mehrerer Papierbahnen auf Klebemaschinen ausgeführt. Bei der Handarbeit werden die Bogen auf einem Tisch ausgebreitet, mit einer aus einer Mischung von Leim und Stärkekleister bestehenden Klebemasse mittels einer Bürste oder eines Schwammes bestrichen, übereinander gelegt und schließlich gepreßt, um faltenlose Pappetafeln zu erhalten. Auf diese Weise werden die besten und feinsten Kartons für Aquarellmalerei, Zeichenkartons, Spielkartenkartons hergestellt.

Bei der Maschinenarbeit werden Klebemaschinen verschiedener Konstruktion in Verwendung gebracht. Eine derselben ist in Fig. 2 dargestellt und besteht aus der rechtsstehenden Klebe- und links befindlichen Trockenvorrichtung. In der ersteren sind drei Rollenpapierwalzen a b d gelagert, von welchen jedoch nur das Papier der Rolle a und b mit Klebestoff aus dem Klebestoffbehälter B B versehen wird. In letzteren taucht eine Klebestoff walze f f ein, über welche nun die sich von a und b abrollende Papierbahn tangierend hinweggezogen wird. Diese zwei Papierbahnen werden nun durch Führungswalzen einer aus zwei Walzen bestehenden Presse A so zugeführt, daß die Klebeflächen einander zugekehrt sind. Gleichzeitig mit diesen beiden Bahnen tritt die von der Rolle d sich abwickelnde, ohne Klebestoff belassene Papierbahn zwischen die Walzen und wird dadurch eine aus drei Papierbahnen bestehende Pappe erzeugt, die von dem endlosen Tragsitz g der Trockenvorrichtung zugeführt wird, die aus einer Trockentrommel D besteht, an welche man die Pappebahn durch einen endlosen Trockenfilz H andrückt. Die Pappebahn tritt bei der Walze F aus und wird durch den Schaber h ein Aufwickeln auf die Trommel verhindert. Die in Form einer Pappebahn erzeugte Pappe wird stets durch entsprechend konstruierte Schneidmaschinen in Bogen zerschnitten, die dann einem langsam wirkenden Trockenprozeß zugeführt werden. Die Vorrichtungen zur Durchführung dieses Prozesses sind außerordentlich mannigfaltige. Nach einer dieser Methoden[17] werden die Pappebogen mittels entsprechend gestalteter Klammern frei in Trockenräumen aufgehängt, durch welch letztere im Sommer frische, im Winter geheizte Luft gesaugt wird; oder die frei hängenden Bogen werden in vierrädrige Wagen gehängt und diese durch einen geheizten Kanal – daher Kanaltrockner – so hindurchgeschoben, daß an dem einen Ende die trockene Pappe aus-, an dem andern Ende die feuchte Pappe in bestimmten Zeitintervallen eintritt (vgl. a. [3], S. 1380). Solche Kanaltrockner werden neuerer Zeit auch in senkrechter Ausdehnung als Turm- oder Kamintrockner gebaut. An Stelle dieser viel Raum fordernden Einrichtungen werden sogenannte Zylindertrockner in Verwendung gebracht, von welchen der in Fig. 3 dargestellte aus drei geheizten Zylindern A B C besteht. Um die beiden Zylinder A und C läuft ein gemeinschaftlicher Trockenfilz a, um B ein zweiter b, die so angeordnet sind, daß die von dem Tisch 1 in der Richtung des Pfeiles eingelegten Pappebogen durch gleichzeitige Mitwirkung der Schabeisen d d1 d2 zuerst die Trommelt, dann B und schließlich C passieren und auf den Tisch f abgelegt werden. Bei der Herstellung der Pappe als Pappebahn wird des gründlichen und langsamen Trocknens wegen eine größere Anzahl von kleineren Trockentrommeln mit endlosem Filz verwendet; so sind am Ende der besprochenen, aus zwölf Siebzylindern bestehenden Maschine (vgl. Fig. 1) 50 Trockenzylinder in zwei übereinander liegenden Reihen, also so angeordnet, daß beide Seiten der Pappebahn mit den Zylindern in Berührung treten. Die so getrocknete Pappebahn wird sodann durch eine Kreisschere nach Bedarf in zwei oder mehrere Längsstreifen und diese wieder durch eine Querschneidmaschine in einzelne Bogen geteilt.

Zum Glätten der Pappen verwendet man einfache, aber sehr stark gebaute Glättmaschinen, die aus zwei übereinander liegenden sehr glatten Walzen bestehen. Das Glätten wird auch mittels Steinglättmaschinen durchgeführt. – Um Pappebogen an den Außenflächen mit einem das Aussehen hebenden Ueberzug von ungefärbtem oder farbigem Papier oder Gewebe zu überziehen, kann die schon erwähnte Klebemaschine (Fig. 2) in Verwendung kommen, indem zwischen die beiden mit Klebemittel versehenen Papierbahnen Pappebogen in unmittelbarer Aufeinanderfolge eingeschoben werden.


Literatur: [1] Hoyer, Die Fabrikation des Papiers, Braunschweig 1887. – [2] Dropisch, B., Handbuch der gesamten Papierfabrikation, 1881. – [3] Hofmann, C., Praktisches Handbuch der Papierfabrikation, 2. Aufl., Berlin 1891/97; Müller-Haußner, Die Herstellung und Prüfung des Papiers, Berlin 1905.

Kraft.

Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 2.
Fig. 3.
Fig. 3.
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 7 Stuttgart, Leipzig 1909., S. 16-18.
Lizenz:
Faksimiles:
16 | 17 | 18
Kategorien:

Buchempfehlung

Schnitzler, Arthur

Reigen

Reigen

Die 1897 entstandene Komödie ließ Arthur Schnitzler 1900 in einer auf 200 Exemplare begrenzten Privatauflage drucken, das öffentliche Erscheinen hielt er für vorläufig ausgeschlossen. Und in der Tat verursachte die Uraufführung, die 1920 auf Drängen von Max Reinhardt im Berliner Kleinen Schauspielhaus stattfand, den größten Theaterskandal des 20. Jahrhunderts. Es kam zu öffentlichen Krawallen und zum Prozess gegen die Schauspieler. Schnitzler untersagte weitere Aufführungen und erst nach dem Tode seines Sohnes und Erben Heinrich kam das Stück 1982 wieder auf die Bühne. Der Reigen besteht aus zehn aneinander gereihten Dialogen zwischen einer Frau und einem Mann, die jeweils mit ihrer sexuellen Vereinigung schließen. Für den nächsten Dialog wird ein Partner ausgetauscht indem die verbleibende Figur der neuen die Hand reicht. So entsteht ein Reigen durch die gesamte Gesellschaft, der sich schließt als die letzte Figur mit der ersten in Kontakt tritt.

62 Seiten, 3.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Frühromantik

Große Erzählungen der Frühromantik

1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.

396 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon